Todfracht von Derek Meister

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Lübeck, 700 - 1500 (Mittelalter).

  • München: Blanvalet, 2009. ISBN: 978-3-442-36894-5. 397 Seiten.

'Todfracht' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Lübeck, 1393: Eine Dirne wird tot in einer Sickergrube entdeckt. Ihre Arme und Beine sind gefesselt, alles sieht danach aus, als sei sie verhört worden. Und dies ist nicht der einzige Mord. Der bärbeißige Patrizier Rungholt ermittelt – und stößt auf einen Engländer, der in Lübeck durch eine Seeblockade gestrandet ist und kostbare Fracht mit sich führt: Ein geheimnisvolles Holzkästchen aus einem sagenhaften Land. Die fragile Fracht ist ein Vermögen wert – und stößt Rungholt immer tiefer in einen mörderischen Händlerkrieg, aus dem ihn nur sein Schwiegersohn Daniel retten kann, der in England die Hintermänner der Morde und den Adressaten der Todfracht stellen muss.

Das meint Krimi-Couch.de: »Rungholt ist zurück in Lübeck: Jähzornig wie immer« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Lübeck 1393

Rungholt unternimmt einmal mehr den Versuch mit Hilfe seines Kapitäns Marek seine Wasserangst abzulegen, als beide einen Schrei von einem in der Nähe befindlichen Schiff vernehmen. Dort angekommen finden Sie einen toten Mann und dessen verängstigte junge Frau vor, die sich versteckt hält. Die Mörder können Rungholt und Marek gerade noch entkommen. Das Ehepaar war auf der Reise nach Englang und auf der Flucht vor der Familie der Frau, die ihre Liebesheirat nie verwunden hat, war sie doch einem anderen Mann bereits versprochen. Doch nach und nach ahnt Rungholt, dass ihm die hübsche Frau, die er kurzerhand zu ihrem Schutz bei sich zuhause unterbringt, nicht die ganze Wahrheit sagt.

Rungholt hat einmal mehr Blut geleckt und will den Mörder finden, als ihm sein alter Widersacher Hermann Kerkring in die Quere kommt. Dieser ist seit einem Jahr nicht mehr Richteherr, sondern nur noch Stadtschreiber und will unbedingt in sein altes Amt zurück. Da kommt ihm ein Mord an einer Hübschlerin sehr entgegen, denn mit Hilfe von zwei Ganoven gelingt es ihm, den neuen Richteherr Plönnies mit dem Tod der Dirne in Verbindung zu bringen. So bittet er schließlich Rungholt für ihn den Mordfall zu untersuchen, damit anschließend er, Kerkring, gegenüber dem Stadtrat die Unschuld Plönnies beweisen kann. Dieser wäre ihm dann einen Gefallen schuldig und müsste ihn in sein altes Amt als Richteherr wieder aufnehmen.

Rungholt denkt natürlich nicht daran Kerkring bei seinem perfiden Spiel zu helfen, doch er hat keine Wahl, denn Kerkring befindet sich im Besitz von Rungholts Sündenbuch. Würde in der Stadt bekannt, dass Rungholt einst zum Mörder wurde, müsste er wohl die Stadt sofort verlassen. So ermittelt er auf altbekannte Manier und entdeckt bald, dass es mehr als zwei Morde gab und diese alle miteinander zusammen hängen. Ohne es zu ahnen, bringt er durch seine Ermittlungen seinen Schwiegersohn Daniel im fernen England in Gefahr…

Erneut wird die Serie kongenial fortgesetzt

Der bärbeißige Kaufmann Rungholt ist nach seinem Ausflug nach München (Knochenwald) wieder zurück in Lübeck und wird dort mit seinem schlimmsten Albtraum konfrontiert, dem Tod seiner großen Liebe Irena. Ausgerechnet Kerkring, Rungholts Erzfeind, ist in den Besitz seines »Sündenbuchs« gekommen und weis daher, was vor vielen Jahren im fernen Novgorod passierte (Rungholts Sünde). Rungholts Geschichte, angefangen bei der Groten Mandränke anno 1362, jener Sturmflut bei der die Insel Rungholt und mit ihr Rungholts ganze Familie im Meer versank, bis hin zu den Ereignissen in Novgorod, wo er zum Ligawyj, zum Bluthund wurde, zieht sich durch den gesamten Roman.

Ein Bier geht immer

Nun muss man gewiss nicht die drei bisherigen Rungholt-Romane gelesen haben, um Todfracht verstehen zu können, doch mehr Spaß macht es natürlich schon, wenn man die ganze Geschichte kennt. Diese wird hier einmal mehr kongenial weitergeführt, wobei gerade das Wiedersehen mit Rungholts Erzfeind Kerkring für eine besonders pikante Note sorgt. Rungholt wäre nicht er selbst, würde er dem intriganten Ratsherrn, den er noch zwei Romane zuvor höchstpersönlich aus dem Amt jagte, nicht an den Kragen gehen. Dies dann in der Praxis zu erleben, ist eine der typischen Szenen, die die Rungholt-Reihe so lesenswert und seinen Protagonisten so unnachahmlich macht. Man spürt förmlich wie selbst kleinste Anlässe die Wallung des übergewichtigen Koloss derart dramatisch steigern, dass dieser aus dem Nichts heraus explodiert. Man fühlt mit Rungholt, denn wer kennt nicht die Situation, in der man seinem Gegenüber spontan am liebsten eine reinhauen würde. Der Unterschied ist, dass die Romanfigur mit der Gnippe (Klappmesser) schnell zur Hand ist und trotz körperlicher Hemmnisse selbst einem reinen Faustkampf nur selten aus dem Weg geht. So kennen und lieben wir ihn. Jähzornig, fluchend, saufend und immer die Gerechtigkeit im Sinn, selbst wenn er dabei über Leichen gehen muss.

Schade an Todfracht ist, dass einige Erzählstränge nicht gänzlich zu Ende geführt werden. So erfährt man beispielsweise kaum etwas über die Motive des Mörders und Daniels Erlebnisse in England enden ebenfalls ein wenig abrupt. Vielleicht ist Letzteres sogar beabsichtigt, denn Autor Derek Meister wünscht sich in seinem Nachwort einmal mehr, dass die Leser/innen Rungholt bei dessen nächstem Abenteuer erneut zur Seite stehen. Dann dürfte es auch mit Kerkring ein weiteres Duell geben. Herrliche Aussichten!

Jörg Kijanski, Januar 2011

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anath zu »Derek Meister: Todfracht« 25.01.2011
Ein wenig zwiespältig. Einerseits erscheint das Buch sehr dicht, andererseits gab es Passagen, die meiner Meinung nach unnötig auf Abwege führten.
Die gesamte Handlung in Lübeck ist stimmig, spannend und sehr fesselnd. Oberekel Kerkring feiert fröhliche Urständ und Rungholt ist grantig (wenn auch leicht seelisch angesäuselt) wie immer. Man kann alte Bekannte begrüßen und lernt ein paar neue kennen, eine Leiche jagt die nächste, so muß das sein beim vierten Teil einer Krimireihe.
Schwierig fand ich den Abstecher nach England. Zwar gab es auch hier einen alten Bekannten, aber das Ganze wirkte irgendwie unausgegoren. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber mir fehlte einfach , daß der Kreis sich schließt. Der Anstoß für das Abenteuer in England geht von Rungholt in Lübeck aus. Es werden sogar wichtige Erkenntnisse gewonnen, aber sie versanden dann, gelangen nicht nach Lübeck zurück um dort den Ermittlungen frischen Wind zu bringen. Insofern in meinen Augen eine zwar nicht uninteressante , aber leider keine sinnvolle Einlage.
Was den Kriminalfall angeht, so macht Derek Meister es wie immer spannend. Man kann zwar erahnen, daß da nicht alles so stimmig ist, wie es nach außen hin scheint, aber es ist weder für den Leser noch für Rungholt wirklich greifbar. Und so ist der show down am Ende zwar nicht ganz überraschend, hat aber doch noch einiges an Potential zu bieten. Durchaus also spannend bis zur vorletzten Seite.
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