Spur der Wölfe / Mystic River von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Mystic River, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Ullstein.
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New York: Morrow, 2001 unter dem Titel Mystic River.
ISBN:
0688163165. 401 Seiten.
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München: Ullstein, 2002 Spur der Wölfe.
Übersetzt von Andrea Fischer.
ISBN:
3-550-08362-9. 509 Seiten. -
München: Ullstein, 2003 Mystic River.
Übersetzt von Andrea Fischer.
ISBN:
3-548-25796-8. 509 Seiten. -
Berlin: Ullstein, 2004 Mystic River.
Übersetzt von Andrea Fischer.
ISBN:
3-548-26143-4. 509 Seiten.
'Spur der Wölfe / Mystic River' ist erschienen als
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In Kürze:
Katie Marcus ist die Lieblingstochter ihres Vaters Jimmy: 19 Jahre jung, selbstbewusst und intelligent und mit einem strahlenden Lächeln gesegnet. Für Jimmy, den Exganoven und früheren Bandenchef, ist Katie der sichtbare Lohn seines neuen, ehrlichen Lebens als Inhaber eines kleinen Kiosks. Zusammen mit Sean Devine und Dave Boyle, seinen besten Freunden seit frühesten Kindertagen, wuchs Jimmy in den »flats«, einem ziemlich harten Viertel Bostons auf. Ihre Freundschaft und ihre Kindheit endeten jedoch an dem gleichen Tag, an dem Dave von zwei Fremden ins Auto gezerrt und Tage später völlig verstört aufgefunden wurde. Zwar wurde nie darüber geredet, was mit Dave geschah, und auch er selbst sprach nie davon, doch nach dem traumatischen Ereignis trennten sich die Wege der drei Freunde. Als Katie Marcus 25 Jahre später auf brutale Weise ermordet wird und Sean Devine die Leitung der Ermittlungen übernimmt, wird die gemeinsame Vergangenheit wieder lebendig und längst vergessene Ereignisse lassen Jimmys Suche nach Vergeltung zur Tragödie werden.
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein klasse Krimi, ein großes Drama«
Krimi-Rezension von Michael Matzer überspringen
Als Kinder waren sie Freunde – bis einer von ihnen von Unbekannten entführt wurde. Als er zurückkehrte, war er verändert. Nun, ein Vierteljahrhundert später, sind alle drei in einen schrecklichen Mordfall verwickelt: Nun erweist sich, wie sie zu Männern geworden sind, welche Werte sie haben – und ob einer von ihnen sterben wird.
Die Geschichte entwickelt sich zielgerichtet wie ein abgeschossener Pfeil, mit unerbittlicher Konsequenz bis zu ihrem logischen Ende.
Im Mittelpunkt stehen drei Jungen, doch der Ort, wo sie aufwachsen, ist die vierte Hauptfigur. Dieser Ort ist die Grenzlinie zwischen dem Bostoner Arbeiter- und Proletenviertel »The Flats«, das direkt an einem Kanal, dem Penitentiary Channel, liegt, und dem Viertel der »besseren Leute«, The Point, liegt. Die Grenzlinie wird von der Buckingham Avenue bezeichnet, kurz Bucky genannt. Diese Örtlichkeiten werden mit höchster Detailgenauigkeit gezeichnet; sie spielen eine wichtige Rolle, auf welcher Seite jemand steht.
Jimmy Marcus und Dave Boyle stammen aus The Flats, doch Sean Devines Elternhaus steht im Point – er soll später das College besuchen. Doch ihre Väter sind Freunde und Kollegen in der Schokoladenfabrik, und so kommt es, dass die ungleichen Kinder zusammen spielen und etwas unternehmen. Jimmy Marcus hat ein tollkühnes Naturell, ist ein notorischer Lügner und Dieb. Dave Boyle ist ein blasser Junge, eine Waise, der bei seiner verbitterten Mutter unter ihrer Fuchtel leben muss. Er ist stets froh, wenn er sich an Sean und Jimmy dranhängen kann, und Jimmy duldet ihn gewissermaßen.
Es ist 1975, als etwas Entscheidendes passiert, das alle drei verändern wird. Sie spielen gerade mitten auf der Straße, als sich ein Auto nähert, aus dem ein Mann steigt, der wie ein Polizist auftritt. Er will sie alle drei mit auf die Wache nehmen, doch Kimmy und Sean weigern sich. Nur Dave steigt tränenüberströmt in den Wagen und verschwindet. Es ist kein Polizeiauto, und der Polizist und sein Fahrer keine Bullen. Dave redet nie darüber, was sie mit ihm gemacht haben, als er vier Tage später seinen Peinigern entkommen kann und wieder in seine Nachbarschaft zurückkehrt. Von nun an ist er wie gebrandmarkt.
Im Jahr 2000 wird die blutüberströmte Leiche von Jimmy Marcus´ 19-jähriger Tochter Katie mit eingeschlagenem Schädel und durchschossener Schulter im Park gefunden. Sie wurde nicht vergewaltigt, lediglich ihr Auto weist Gewalteinwirkung auf. Jimmy Marcus, inzwischen Ladenbesitzer in The Flats, ist wenig später kurz vor dem Ausrasten, durchbricht sämtliche Polizeiabsperrungen und identifiziert sein Ein und Alles: Ihr Körper ist bereits schwarzviolett angelaufen.
Sean Devine leitet die Ermittlungen in diesem Mordfall, muss aber bei jedem Fehler seine Suspendierung befürchten. Man hat ihn auf dem Kieker. Schon bald findet er heraus, dass Katie, ein ausnehmend hübsches Mädchen, am Abend vor ihrem Tod mit zwei Freundinnen eine wilde Zechtour durchs Viertel unternommen hatte. Sie wollte nämlich am nächsten Morgen nicht zurück in Papis Laden zur Arbeit, sondern mit ihrem Freund nach Las Vegas durchbrennen, um zu heiraten.
Dieser Freund, Brendan Harris, erweist sich als unschuldig, das heißt, er hat ein Alibi. Und sein Bruder Ron ist von Geburt an stumm. Doch auch Jimmy Marcus stellt Ermittlungen an, und seine hammerharten Schwäger von der Seite seiner Gattin unterstützen ihn nach Kräften. Es gibt nämlich zweierlei Arten von Justiz in The Flats: die lokale und die offizielle der Bullen.
Wenige Tage später trifft er Dave Boyles Gattin Celeste. Sie erzählt ihm, wie Dave am Morgen nach Katies Verschwinden in ihre Wohnung gekommen sei, blutüberströmt und mit einer verletzten Hand. Ein schwerer Verdacht fällt auf Dave – Celeste muss verrückt gewesen sein, als sie ihn belastete. Oder von Jimmys männlichem Charme betört, wie er gerne denkt.
Jimmy war einst ein schwerer Junge gewesen, ein Einbrecher, Dieb und wahrscheinlich sogar ein Mörder (er tötete Brendan Harris´ Vater). Er leitete eine Bande und saß mehrere Jahre ab. Nun leitet er immer noch insgeheim eine Bande, scheint aber eine reine Weste zu haben. Bis er Informationen erhält, die Dave weiter belasten. Doch ist Dave wirklich schuldig? Wer ist Dave wirklich, der schizophrene Dave, der zurückgezogene Dave, der so gern dem Alkohol zuspricht, um – was? – zu vergessen?
Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit, wer zuerst die Wahrheit herausfindet und Justiz an Dave Boyle übt, sei sie nun gerecht oder nicht: Jimmy Marcus oder Sean Devine.
Es ist ein geradezu ein klassisches Drama, das der Autor in seinem Roman sich entfalten lässt. Alte Feindschaften zwischen Ex-Freunden und Ressentiments zwischen unterschiedlichen Klassen brechen auf. Althergebrachte Auffassungen über die Ausübung von Gerechtigkeit prallen aufeinander: The Flats gegen The Point, mit der Buckingham Avenue als Demarkationslinie.
Diese soziale Geographie, die mit so vielen Werten einhergeht, ist wie gesagt äußerst genau und einfühlsam geschildert. Die Figuren scheinen daher manchmal nicht aus eigenem Antrieb zu agieren, als hätten sie keinen freien Willen, sondern als würden der griechische Chor mitsamt Götterriege auftreten, um sie zu ihren jeweiligen verhängnisvollen Taten zu treiben. Das gilt ganz bestimmt für Dave Boyle und Jimmy Marcus. Dave trifft sogar das Fatum, die Schicksalsgöttin persönlich – natürlich in seinen schizophrenen Alpträumen – und sie scheint es nicht gut mit ihm zu meinen.
Die Bedeutung des Mileus stellt allerdings auch ein gewisses Problem dar: Denn welcher Leser kann schon Sympathie oder gar Bewunderung für einen »Helden« empfinden, der von den beschriebenen Mächten angetrieben wird, aber kaum eigenen Willen besitzt, der ihn aus der Masse heraushebt? Daher ist es die wichtigste Aufgabe des Autors, die spezifische Psychologie seiner Hauptfiguren herauszuarbeiten, ihre unverwechselbaren Erfahrungen zu schildern (etwa Jimmys finstere Vergangenheit) und sie so als Herren ihres Schicksals darzustellen. Das gelingt ihm hervorragend. Erst daraus kann der Höhepunkt des Dramas tragische Größe erreichen. Erst dann kann der Wettlauf mit der Zeit eine spannende Rolle spielen, denn dann ist die Welt kein Uhrwerk.
Ich habe das Buch im Original in wenigen Tagen gelesen. Die handlung schreitet rasch voran, und eine wichtige Enthüllung folgt der nächsten. Wer hat die arme Katie so bestialisch zugerichtet – war es ein Psychopath, ein Betrunkener oder war es Mutwillen und Willkür?
»Spur der Wölfe«, so hat die amerikanische kritik erkannt, ist Dennis Lehanes Annäherung an die Great American Novel à la Philip Roth oder John Updike; allerdings wird hier eine ganz andere Art von Bürgern untersucht – keine Mittelständler aus Suburbia, sondern Arbeiterklassenangehörige, die eine verschworene Gemeinschaft bilden.
Zuweilen erinnern bestimmte Auseinandersetzungen, aber auch die exakte Milieustudie an das Sachbuch »Die Gangs von New York« von Herbert Asbury, das von Martin Scorsese verfilmt wurde (und das möglicherweise im Januar in unsere Kinos kommt). Auf jeden Fall ist es ein besonderer Thriller mit bemerkenswerten Hauptfiguren – ich kann mich noch Wochen nach der Lektüre an Jimmy Marcus erinnern: an seine Trauer, seine Wut und seinen Rachedurst.
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| mabu zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 01.02.2011 |
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| Bibliophagos zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 24.08.2009 |
| Frank zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 05.08.2009 |
| Sonny zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 10.06.2008 |
| sue82 zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 07.06.2008 |
| fatima zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 10.07.2007 |
| axelp zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 21.12.2006 |
| Erik Tittel zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 07.04.2006 |
| Conny zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 12.08.2004 |
| remo zu »Dennis Lehane: Spur der Wölfe / Mystic River« | 07.07.2004 |
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