Der Kuss der Rache von David Lindsey

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Animosity, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Texas, 1990 - 2009.

  • New York: Warner, 2001 unter dem Titel Animosity. 339 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Jutta-Maria Piechulek. ISBN: 3-442-45121-3. 319 Seiten.

'Der Kuss der Rache' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der arrivierte Bildhauer Ross Marteau kehrt nach mehreren Jahren in Paris schliesslich in seine texanische Heimat zurück, um über eine unglückliche Liebe hinwegzukommen. In dem ehemaligen Missionsstädtchen San Rafeael, nun Anlaufpunkt für Künstler und Intellektuelle, will er sich mit Auftragsarbeit ablenken und in ein geregeltes Leben zurückfinden. Dort begegnet Ross der höchst attraktiven Céleste, und obwohl Céleste verheiratet ist, beginnen die beiden eine stürmische Affäre Als Céleste Ross darum bittet, eine Skulptur ihrer Schwester Leda anzufertigen, ist er zunächst begeistert: Leda erscheint auf Photos als ausnehmende Schönheit, doch eine kranke Hüfte und ein Buckel haben sie von Kindesbeinen an zur Aussenseiterin gemacht. Leda wird zur grössten Herausforderung des Künstlers – bis sein Leben über Nacht aus den Fugen gerät: Es stellt sich heraus, dass Leda und Céleste noch eine dritte Schwester namens Sylvie haben – jene Sylvie, die Ross´ grosse Jugendliebe war, und die er nie vergessen konnte. Dies scheinen einige Zufälle zuviel, und Freunde warnen den Künstler. Aber als die beiden Schwestern ihn um Hilfe bitten, ist er zur Stelle, und wird dadurch Komplize in einem Mordfall: Célestes Ehemann Michel liegt blutüberströmt am Boden. Man beschliesst, den Leichnam verschwinden zu lassen, und Ross verbrennt ihn in seinem Ton-Brennofen. Dann erfährt Ross auch noch, dass Céleste und Leda keine Schwestern sein können, und ihn erreicht die Nachricht vom angeblichen Selbstmord Célestes. Doch in ihrem Grab liegt niemand anderer als Leda …Ross muss erkennen, dass er in ein Gespinst aus Lügen und Intrigen verwickelt ist, in dessen Zentrum seine grosse Liebe Sylvie steht.

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Nadir36 zu »David Lindsey: Der Kuss der Rache« 21.11.2010
Mit Whodunnits hat sich David L. Lindsey (Warum unterschlägt die Krimi-Couch eigentlich das auf jedem Umschlag stehende L?) noch nie abgegeben, sondern seine Leser ausgiebig an den bluttrünstigsten und oft schwer nachvollziehbaren Morden teilnehmen lassen. Das gilt sogar für sein bestes Buch „Dunkles Leuchten“.
In diesem Künstleroman mit obligatorischem Mord spielt er zur Abwechslung mal in der Highsmith-Liga, sprich ein eigentlich Unbeteiligter lässt sich in die Abwicklung eines Verbrechens herein ziehen und stellt sich erst ziemlich spät die Frage nach dem Warum.
Und ehe der erfolgreiche Aktbildhauer Ross Marteau sein Scherflein zu einem Mord beisteuert, hält Lindsey die Leser mit erotisch aufgeladenen Szenen im Atelier des Meisters bei Laune. Und den Launen des mysteriösen Modells Leda, die vordergründig unter einer seltsamen Mischung von Narzismus, Selbsthass und Exhibitionismus leidet und damit ein faszinierendes Studienobjekt für Ross Marteau ist, der die längste Zeit gar nicht mitbekommt, wer da wen studiert.
Sobald Ross bei der Bewältigung des Verbrechens auf sich alleine gestellt ist, verliert das Buch etwas an Schwung, dafür bieten die letzten 25 Seiten ein mörderisches Finale furioso.
Ohne die Schwächeperiode hätte ich es zu seinem besten Buch erklärt, aber auch die frühen Passagen zwischen Ross und seinem Freund Amado wirken ziemlich gestelzt, von daher sind 79 Grad wohl angemessen.
Schade, dass er nicht einen gelungeneren zweiten Anlauf im Highsmith-Territory unternommen hat, ich würde dafür sämtlich fünf Stuart Haydons opfern oder wenigstens die ersten vier, als Gesamtwerk ist sein Ausflug ins Le Carré-Reservat namens Teuflisch das rundere Buch.
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