Der Kreis der Toten von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2002
unter dem Titel The Dead sit around in a Ring,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Droemer Knaur.
Folge 1 der Stella-Mooney-Serie.
- London: Michael Joseph, 2002 unter dem Titel The Dead sit around in a Ring. 344 Seiten.
-
München: Droemer Knaur, 2005.
Übersetzt von Sigrid Langhaeuser.
ISBN:
3-426-62617-9. 540 Seiten.
'Der Kreis der Toten' ist erschienen als
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In Kürze:
Als Detective Stella Mooney den Tatort ihres neuen Falles erreicht, bietet sich ihr ein erschreckendes Bild: Vier Menschen sitzen im Kreis, zwei Frauen und zwei Männer, alle vier sind tot. Drei der Toten, so wird sich später herausstellen, starben durch eigene Hand, der vierte jedoch wurde ermordet. Es handelt sich um Jimmy Stone, der seinen Lebensunterhalt auf denkbar makabre Weise verdiente: Er verkaufte Erinnerungsstücke an besonders blutige Verbrechen ? kein angenehmer Zeitgenosse, doch wer hatte Grund, ihn zu ermorden?
Das meint Krimi-Couch.de: »Schnörkelloser, düsterer Noir-Thriller aus der Londoner Unterwelt«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider überspringen
»Der Kreis der Toten« ist David Lawrence’ erster Kriminalroman, er ist in Deutschland allerdings später erschienen, als der chronologisch nachfolgende Thriller Der Geruch des Todes. David Lawrence stellt hier die zielstrebige und eigenwillige Ermittlerin Detective Sergeant Stella Mooney vor. Neben der Polizeiarbeit, stellt ihr privates Schicksal einen wichtigen Bestandteil dieser Serie dar. Daher kann der Leser ihre Entwicklung wahrscheinlich besser nachvollziehen, wenn die richtige chronologische Reihenfolge eingehalten wird.
Der Name David Lawrence ist das Pseudonym eines bekannten britischen Drehbuchautors, was sich in seinen Romanen durch einen sehr plastischen, direkten Stil bemerkbar macht. Welches Ausmaß an brutalen Bildern voller Gewalt und Kaltblütigkeit erwartet den Leser in David Lawrence’ Serienauftakt?
Gruppensuizid religiöser Fanatiker?
In der Wohnung eines Geschwisterpaares werden vier Leichen gefunden, die kreisförmig mit dem Blick zur Mitte angeordnet sind. Zahlreiche sakrale Accessoires und Gegenstände erwecken den Eindruck, dass ein religiös motivierter Selbstmord vorliegt. Es wird sich herausstellen, dass drei der älteren Menschen tatsächlich den Freitod aufgrund schwerer Leiden und gefürchteter Einsamkeit gewählt haben, dem vierten Toten wurde eine Droge verabreicht und danach ein schmaler scharfer Gegenstand in das Herz gestoßen. Der Ermordete hieß Jimmy Stone, ein Gelegenheitsgauner aus der Nachbarwohnung, der einem absonderlichen Broterwerb nachging, er verkaufte Souvenirs aus Mordfällen über das Internet.
Offensichtlich war ein Profikiller am Werk, doch ein Motiv kann zunächst nicht ermittelt werden. Haben Jimmy Stone seine makaberen Geschäfte oder die gelegentlichen kriminellen Handlangerdienste das Leben gekostet?
Die Gesellschaftsstruktur der Unterwelt
Das Ermittlerteam AMIP (Area Major Investigation Pool) mit DS Stella Mooney untersucht den bizarren Fall. Eine Spur führt zu der in der Londoner Unterwelt einflussreichen Familie Tanner. Sie kontrolliert ein umfangreiches Areal krimineller Aktivitäten, vom Drogen- und Menschenhandel bis zum Auftragsmord, ohne das die Polizei etwas dagegen unternehmen kann. Hier scheint sich nun die Gelegenheit zu bieten, einen erfolgreichen Schlag gegen den Straßenkrieg und das organisierte Verbrechen auszuführen. Doch das Gangstermilieu verfügt über eigene Schutzmaßnahmen und Vergeltungsmechanismen. Wem ist der kleine Ganove Jimmy Stone in die Quere gekommen?
Die Prostitution ist ein wichtiger Geschäftszweig des Tannerschen Familienunternehmens. Mädchen aus Bürgerkriegsregionen, werden mit Versprechen auf ein besseres Leben geködert und illegal nach England geschleust. Durch Demütigung und Gewalt gefügig gemacht, fertigen sie unter den Augen ihrer Bewacher die Freier im 15 Minutentakt ab. Eine von ihnen ist die Bosnierin Zuhra Hadžic, die miterleben musste, wie ihre Familie von einem Söldner brutal gefoltert und ermordet wurde. Die Tanners kauften Zuhra Hadžic von serbischen Menschenhändlern und beauftragten Jimmy Stone zeitweise mit der Überwachung ihrer Tätigkeit auf dem Straßenstrich. Der Journalist Delaney recherchiert ihre Geschichte für einen Artikel. Stella Mooney versucht über Delaney zu der jungen Frau Kontakt aufzunehmen, der Reporter erhofft als Gegenleistung von der Polizei, einen legalen Status für Zuhra.. Die Bosnierin scheint zunächst wenig kooperationsbereit, denn sie hat vor der Polizei genauso viel Angst, wie vor ihren Zuhältern. Bis sie zufällig in einem Café das Gesicht des Kriegsverbrechers zu erkennen glaubt, der ihre Familie abgeschlachtet und ihr ein Leben in moderner Sklaverei beschert hat.
Eine Ermittlerin mit Ecken und Kanten
Stella Mooneys Privatleben gleicht einer Talfahrt in den Abgrund. Sie wird von traumatischen Albträumen geplagt, trinkt regelmäßig und gefährdet die langjährige Beziehung zu ihrem Freund George. Sie verschweigt ihm sowohl ihre Besuche bei einer Psychotherapeutin, als auch heimliche Treffen mit dem Journalisten Delaney, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt.
Der Leser begleitet einerseits die taffe und entschlossene Polizistin Stella Mooney, die alles Nötige unternimmt, um Jimmy Stones Mörder zu finden. Sie nutzt geschickt ihre Milieukenntnis über die Struktur der Sozialbausiedlung, aus der sie selbst stammt. Sie lässt sich mit zwielichtigen Spitzeln ein, um an Informationen zu gelangen und deckt kompromisslos Korruption unter den eigenen Kollegen auf. Andererseits erlebt der Leser auch die labile und schwache Seite der privaten Stella, die ihr Leben und ihre Gefühle nicht immer im Griff hat. Stella Mooney wird sehr differenziert und glaubwürdig charakterisiert. Nur manchmal erscheint ihr exzentrischer Lebenswandel überzogen dargestellt.
Eine ebenso gelungene und eindrucksvolle Charakterisierung ist dem Autor bei den weiblichen Nebendarstellern gelungen, Stellas Kollegen, sowie der Journalist Delaney bleiben dagegen etwas farblos, was allerdings dramaturgisch zu erklären ist, da etwas Geheimnisvolles zu ihren Rollen in der Handlung gehört.
Ein eiskalter Noir-Thriller
David Lawrence ist mit »Der Kreis der Toten« ein über weite Strecken überzeugender, eiskalter Noir-Thriller gelungen, der emotionslos eine Geschichte über die Abgründe in der kriminellen Gesellschaft erzählt. Der Stil des Drehbuchautors ist betont plakativ, er erzählt in schonungslosen Bildern mit plötzlichen Szenenwechseln, die den Leser oft unvorbereitet erschüttern.
Die Natur des Verbrechens wird genauso nüchtern beschrieben, wie der Ablauf der polizeilichen Ermittlungen. Es gelingt dem Autor die treffsichere und bis zuletzt logische Kreation einer Geschichte über Menschenhandel und Kriegsverbrechen. Etwas zu ausschweifend wird teilweise das Privatleben der Ermittlerin geschildert. Ihre Gefühle und Ängste werden wortreich dargestellt, ohne dass sich eine Entwicklung abzeichnet, ihre emotionalen und unüberlegten Reaktionen wirken manchmal wie ein stereotypes Frauenklischee.
Der Spannungsbogen wird raffiniert bis zum Ende aufrecht erhalten, obwohl der Leser Stück für Stück die Hintergründe der Verbrechen erfährt und schließlich weiß, worauf es am Ende hinaus läuft.
»Der Kreis der Toten« ist ein Krimi, auf den die vom Verlag gewählte Klassifizierung »Psychothriller« nicht zutrifft, denn dem Autor geht es nicht darum, möglichst abartige Verbrechen und gestörte Killer zu präsentieren. David Lawrence’ Thriller beschreibt hart und direkt die düstere Welt des Verbrechens.
Leider wird der Lesegenuss dieses Buches durch eine oft holprige Übersetzung und ein fehlerhaftes Lektorat erheblich geschmälert. Leser, die die englische Sprache beherrschen, sollten erwägen, die Originalausgabe »The Dead sit round in a Ring« zu kaufen.
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