Straße ohne Wiederkehr von David Goodis

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1954 unter dem Titel Street of no return, deutsche Ausgabe erstmals 1989 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1950 - 1969.

  • New York: Fawcett Publications, 1954 unter dem Titel Street of no return. 175 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1989. Übersetzt von Thomas Schichtel. ISBN: 3-404-13245-9. 220 Seiten.

'Straße ohne Wiederkehr' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eigentlich sollte es für Whitey, den Mann mit den schlohweißen Haaren, eine Nacht werden wie jede andere: Er würde in der Gosse liegen und so lange trinken, bis der Schlaf ihn umfinge. Durch einen Zufall aber stösst er auf die Spur jener Frau, deretwegen er alles verlor. Seine Liebe zu Celia, der Frau eines Gangsters, hatte ihn, den einst gefeierten Sänger, seelisch und körperlich ruiniert. Und doch will er sie noch jetzt, als ausgestossener Clochard, wiedersehen. Wie ein Gespenst zieht Whitey durch eine Nacht voller Alpträume. Er kommt unter Mordverdacht, gerät in eine trostlose Welt von Hass und Korruption, doch seine wahnsinnige Liebe treibt ihn weiter.

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Cthulhu zu »David Goodis: Straße ohne Wiederkehr« 02.07.2011
Es waren drei, die da auf der Strasse sassen, an die Wand der billigen Absteige gelehnt.
„Wir brauchen etwas zu trinken“, sagte einer, „wir brauchen etwas zu trinken, und mehr dazu ist nichts zu sagen“.
„Na ja, wir kriegen aber nichts zu trinken, wenn wir nur hier herumsitzen.“
„Aber auch nicht, wenn wir aufstehen“, sagte der erste wieder.
„Ich wünsche, wir hätten noch eine Flasche.“
„Wir müssen unbedingt an etwas zu trinken kommen“, beharrte Bones. „Wir müsse unbedingt eine Möglichkeit finden, wie wir an etwas zu trinken kommen.“
„Ich versuche eine Möglichkeit zu finden, wie ich dich zum Schweigen bringe“, sagte Philips. „Vielleicht wärst du endlich ruhig, wenn ich dir eine auf den Kopf geben würde!“
„Das ist keine schlechte Idee“, antwortete Bones ernsthaft. „Wenn du mich KO schlägst, geht es mir viel besser. Dann weiss ich gar nicht mehr, wie sehr ich etwas zu trinken brauche.“
„Wir müssen eine Möglichkeit finden, uns etwas zu trinken zu besorgen“, sagte Bones. „Darauf läuft alles hinaus“. (gekürzt)

Diese trostlos düstere Eröffnung hätte Samuel Beckett nicht besser schreiben können. Drei Clochards sitzen in der Gosse und ihre Daseinsängste haben sich auf eine einzige Existenzfrage reduziert. Wo bekommen sie die nächste Flasche Schnaps her.

Einer der drei, Whitey, ehemals ein Sänger mit grosser Karriere vor sich, landet in der Gosse wegen einer exzessiven Liebe zu einer Frau eines kleinen Gangsterbosses, und wurde deswegen bestraft. Er wurde zusammengeschlagen, sein Kehlkopf wurde zertrümmert und konnte darauf nur noch flüsternd sprechen. Im sogenannten „Höllenloch“ brechen Rassenunruhen zwischen Puertoricanern und Amerikanern aus. Whitey folgt darauf einem Typen, den er als den Mann seiner grossen Liebe identifiziert und hofft, noch einmal einen Blick auf seine Geliebte werfen zu können. Unterwegs versucht er, einem sterbenden Polizisten zu helfen, wird entdeckt und des Mordes angeklagt. In den Wirren im korrupten Polizeirevier, wo sich eine Menge randalierender Puertoricaner und Amerikaner aufhalten, gelingt ihm die Flucht. Er gerät in das Hauptquartier der Südamerikaner, sollte ermordet werden und ihm gelingt es, sich in atemberaubenden Szenen zu fliehen. Darauf schleicht er sich in das Haus des Gangsters ein und wurde Zeuge eines Gesprächs, dass die Unruhen künstlich erzeugt werden sollten, um dem Gangster die Macht über das sogenannte „Höllenloch“ zu ermöglichen.
Er geht darauf zur Polizei, die seinen Erkenntnissen nachgehen und die ganze Sache auffliegen lassen. Whitney wurde vom Mord freigesprochen, erhielt eine Belobigung und eine halbe Flasche Whisky. So ist es nur konsequent, dass Whitney am Ende in die Gosse zurückkehrt. Hier gehört er hin, hier nur kann er der Welt, die seine Liebe verhindert, entfliehen. Seine Saufbrüder, die sich die ganze Zeit, die sie auf Whitey warteten, nicht vom Fleck gerührt haben, empfangen ihn in ihrer statischen Welt mit offenen Armen, denn Whitey bringt ihnen etwas, dass auch für ihn selbst zum einzig bedeutsamen Relikt dieser langen Nacht wird: eine halbvolle Flasche Whisky.

Der Roman ist düster, hoffnungslos, genial geschrieben, noirer als noir und wird einer von denen sein, an den ich mich noch in hundert Jahren erinnern werde. Couchler/innen gehet hin und entdeckt diesen grossartigen Schriftsteller.
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