Hanoi Hospital von David Frogier de Ponlevoy

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Conbook.

  • Meerbusch: Conbook, 2015. ISBN: 978-3943176919. 352 Seiten.

'Hanoi Hospital' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Inmitten des Lärms der pulsierenden Hauptstadt Vietnams erschüttert plötzlich eine Reihe unerwarteter wie mysteriöser Todesfälle die Krankenhäuser in Hanoi. Auf den ersten Blick haben die Opfer wenig gemeinsam, doch nach und nach verstricken sich durch sie die unterschiedlichsten Schicksale. Die junge Journalistin Linh, Wirtschaftsstudentin Anne und Gelegenheitsarbeiter Tuan finden sich plötzlich in einem Geflecht aus Lügen und Ungereimtheiten wieder, vor dem die Medien die Augen verschließen und das auch vor Staatsinstanzen nicht Halt macht. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Todesfällen? Und was passiert hinter den stummen Wänden und fleckigen Vorhängen des Hanoi Hospitals? Ein packender Krimi, in dem Welten aufeinanderprallen: Die Idylle vietnamesischer Reisfelder mit der Fortschrittlichkeit lärmender Metropolen. Die Identitätszweifel einer Deutsch-Vietnamesin mit dem Patriotismus der konservativen vietnamesischen Großfamilie. Hanoi Hospital taucht tief ein in das hektische Großstadtreiben Hanois und die Abgründe medizinischer Korruption durch die Kollision von arm und reich.

Das meint Krimi-Couch.de: »Krimi mit viel Lokalkolorit« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Eigentlich wollte Anne in ihrem Geburtsland Vietnam ein Praktikum machen und ihre Großmutter besuchen, doch diese stirbt im Krankenhaus vor ihren Augen. Ihre Cousine Linh arbeitet für die Auslandsredaktion eines Radiosenders, wo sie bei Kollegen zufällig ein Videoclip eines sterbenden Jungen sieht. Als sich Anne und Linh später treffen ergibt ihr Gespräch, dass sowohl die Großmutter wie der Junge vor ihrem Tod die gleichen, ungewöhnlichen Symptome aufzeigten. Ein Zufall?

Das große Vorbild von Vietnam. Onkel Ho hatte das Land in die Unabhängigkeit und auf den rechten Pfad des Sozialismus geführt. Und auf alle Geldscheine war ein Abbild von ihm gedruckt. »Folge Onkel Ho« meinte also nichts anderes als »Folge dem Geld.«

Als wenig später eine Onlineredaktion über zwölf weitere ähnliche Todesfälle berichtet und die offizielle Version eine Lebensmittelallergie unterstellt, beginnen sich Anne und Linh mehr für das Thema zu interessieren und stoßen dabei immer wieder auf eine Arznei namens Vitazam, die eigentlich ein völlig harmloses Vitamin-C-Produkt ist. Während die staatlichen Instanzen das Problem bagatellisieren, finden die beiden Freundinnen immer brisantere Details heraus. Die Spuren führen zu skrupellosen Ärzten, die das große Geld machen wollen und vor allem wissen, wie man Menschen verschwinden lassen kann …

»Glauben Sie, die Amerikaner würden eine junge Viet kieu schicken? Das ist doch viel zu subtil. Auf so etwas kommt die CIA gar nicht. Die Amerikaner schicken Bomber, U-Boote und Atomraketen. Unterhalb des Versuchs, den anderen in die Steinzeit zu bomben, machen sie es doch nicht. Die Amerikaner interessieren sich nicht für uns. Auch nicht für Sie, obwohl Sie den amerikanischen Traum leben: Geld, Geld, Geld...«

David Frogier de Ponlevoy lebte von 2006 bis 2014 in Vietnam und hat bereits zwei Bücher über das Land geschrieben. Ähnlich beginnt er in seinem ersten Roman Hanoi Hospital, in dem er zunächst seine beiden Hauptfiguren vorstellt und dabei – nicht zu knapp – umfangreich in die kulturellen Unterschiede zwischen Vietnam und Deutschland schildert. Anne hat eine deutsche Mutter, einen vietnamesischen Vater und heißt eigentlich Van Anh Nguyen, wuchs jedoch in Deutschland auf und gab sich daher einen neuen Namen. Tatsächlich ist sie eine Getriebene, die sich zwischen den unterschiedlichen Welten nicht zu entscheiden vermag. In Deutschland wird sie von früh an als »Asiatin« gesehen, in Vietnam ist es umgekehrt. Wo liegt ihre Heimat? Und was ist Heimat überhaupt? Ein spannendes und derzeit wieder höchst aktuelles Thema über das der Autor mit hohem Feingefühl erzählt. Darüber hinaus lässt sich de Ponlevoy umfangreich über Vietnam aus. Ein faszinierendes Land mit scharfen Kontrasten zwischen Land- und Stadtleben, zwischen Reisfeldern und ohrenbetäubenden Motorroller- und Automassen in der sechs Millionen Einwohner zählenden Stadt Hanoi.

»Die Stadt verdirbt den Menschen.«
»Die Menschen verderben die Menschen.«
»Mag sein, aber in der Stadt leben nun einmal besonders viele von ihnen.«

Der Krimiplot ist derweil nicht weniger ansprechend .Die korrupten Machenschaften in Vietnams Krankenhäusern, die illegalen Testversuche an Menschen, um ein neues Medikament auf dem Markt zu entwickeln, sind nur zwei der Bereiche, die hier näher beleuchtet werden. Überhaupt ist Korruption ein durchgängiges Problem, denn wer auf den überfüllten Fluren eines Krankenhauses auf einen Arzttermin hofft, der muss der Schwester schon ein bisschen Geld zustecken, um voran zu kommen. Hilft nur leider nicht, da alle anderen Patienten genau so vorgehen.

»...mein Bekannter ist beim Dezernat für Korruption. Die haben nicht viel zu tun.«
»Ich dachte, die hätten hier besonders viel zu tun.«
»Nein. Die können ja nicht einfach rumgehen und selbst Fälle aufdecken. Die müssen warten, bis von oben die Order kommt, da oder dort aktiv zu werden. Also sitzen sie die meiste Zeit herum. Und da sie weniger arbeiten, verdienen sie auch weniger Geld.«
»Wieso denn das? Polizisten werden doch hier nicht nach Stunden bezahlt, oder?«
»Nein, aber je mehr Arbeit du hast, desto mehr Schmiergelder kannst du einstreichen.«

Die Geschichte besteht aus vier Erzählsträngen, die sich an den wichtigsten Figuren orientieren. Neben Anne und Linh sind dies Tuan, dessen Freundin gesundheitliche Probleme hat und auf der Suche nach der rettenden Medizin ist, sowie »der Doktor«. Nicht weiter überraschend werden die Erzählstränge gegen Ende des Romans zusammengeführt. Die finale Auflösung ist leider ebenfalls nicht allzu überraschend, sondern eher vorhersehbar, da zu wenige Figuren mitspielen. Dennoch, der Mix aus Spannung, Kultur und »Reiseroman« (was keineswegs abwertend gemeint ist), gibt neben einem unterhaltsamen Krimiplot interessante Einblicke in das sozialistische Land und dessen unzählige Garküchen. Eine gute Ergänzung zu den Vietnam-Krimis von Nora Luttmer.

Jörg Kijanski, Februar 2016

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Susanne zu »David Frogier de Ponlevoy: Hanoi Hospital« 16.01.2016
Mit dem Prolog des Buches „Hanoi Hospital“ von David Frogier de Ponlevoy, in dem eine Leiche im Reisfeld entsorgt wird, ist man mittendrin im Vietnam-Krimi.
Das Buch handelt von einer deutsch-vietnamesischen Studentin, die gemeinsam mit ihrer Cousine Linh unerklärliche Todesfälle in Zusammenhang mit einem Medikament vermutet.
Die Recherchen der beiden jungen Frauen führen durch verschiedene Arztpraxen, Krankenhäuser und ein Luxushotel.
Beim Lesen des Buches weiss man kaum, was einen mehr fesselt: Die Story an sich oder aber der Einblick in dieses Land & in die Stadt und Kultur von Hanoi - der Stadt, die „an normalen Tagen wie ein Videofilm im Zeitraffer, wie ein Theaterstück auf Speed“ (Hanoi Hospital, S. 331) wirkt.
Der Leser dieses Krimis erfährt viele Gepflogenheiten der vietnamesischen Kultur. Diese interessanten Schilderungen lassen eine ambivalente Beziehung (einerseits die Liebe zu Vietnam andererseits die Kritik an dem sozialistischen Land ) des Autors zu seiner ehemaligen Heimat vermuten.
Das Buch liest sich sehr flüssig. In den einzelnen Kapitel wird aus der Sicht der verschiedenen Personen berichtet.
Am Ende des Buches gibt es einen Glossar, der die Protagonisten des Romans aufzählt, die Aussprache der Namen beschreibt und Hintergrundinformationen zu einzelnen im Roman vorkommenden Begriffen erläutert.
Das Buch ist sehr empfehlenswert. Wer einen Krimi der anderen Art sucht, liegt mit diesem Buch genau richtig.
Corsicana zu »David Frogier de Ponlevoy: Hanoi Hospital« 30.12.2015
Hanoi Hospital ist ein Krimi, der in Vietnam spielt und neben einer spannend erzählten Krimihandlung viele Einblicke in das Leben vor Ort in Vietnam bietet.

Erzählt wird das Geschehen aus drei verschiedenen Perspektiven, dies erhöht die Spannung und gibt Gelegenheit, Vietnam aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.

Da ist zum einen Anne, eine Deutsch-Vietnamesin, aufgewachsen in Deutschland, Vater aus Vietnam. Sie hießt eigentlich Van Anh, aber dies wurde in Deutschland zu Anne. In Deutschland wird sie oft als exotische Ausländerin betrachtet, in Vietnam als Viet Kieu, als Auslands-Vietnamesin. Gerade dieser Aspekt des zwischen-zwei- Kulturen-Lebens wird im Buch sehr gut dargestellt, ohne falsche Betroffenheit zu vermitteln.
Anne studiert in Deutschland Wirtschaftswissenschaften und kommt für ein Praktikum nach Hanoi. Sie wohnt bei einer ihrer Tanten und wird sofort wieder von der vietnamesischen Großfamilie vereinnahmt.

Linh ist eine Cousine von Anne und hat in Vietnam Deutsch studiert, jetzt hat sie eine Stelle im deutschsprachigen Programm des vietnamesischen Radiosenders und versucht sich zur richtigen Journalistin zu entwickeln. Linh ist ein Beispiel für die junge Generation der Vietnamesen, die sich zwischen den Traditionen der Großfamilie und den Anforderungen des modernen Lebens arrangieren müssen.

Tuan ist ein junger Mann vom Land, der in die Großstadt Hanoi gezogen ist, um dort Geld und Glück zu finden. Doch das Geld lässt auf sich warten, bisher häuft er eher Schulden an. Und sein Glück mit der schönen Yen wird bedroht, als Yen erkrankt und eine Odysee durch das vietnamesische Gesundheitswesen beginnt. Tuan steht als Beispiel für viele Menschen, die aus einer ärmlichen bäuerlichen Existenz auf dem Land in die Großstadt ziehen in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Als Annes vietnamesische Großmutter vor ihren Augen nach heftigem Nasenbluten stirbt und auch Linh bei Recherchen in einem Krankenhaus einen gleichartigen Todesfall erlebt, beginnen die beiden mit Nachforschungen, die sie auf viele falsche Fährten aber auch unbemerkt in große Gefahr bringen.
Und zwischendurch wirkt Yen, die Freundin von Tuan, immer schwächer - wird auch sie ein Opfer werden?

Dies wird alles sehr spannend erzählt, mit viel Hintergrundwissen und vielen kleinen Geschichten und Anekdoten, die das Buch bebildern und ein lebendiges Bild vom Alltagsleben in Vietnam bieten. Da gibt es die Süßigkeiten-Verkäuferin, eine ehemalige Soldatin als Bettlerin, traditionelle Apotheken und überfüllte Kliniken, moderne Cafes und traditionelle Garküchen, die Gemeinde der Deutschen Expats in Hanoi und die Verwandten, die Anne und Linh dauernd fragen, wann sie denn nun endlich heiraten...
All dies ergibt ein buntes Kaleidoskop und es lässt sich wunderbar lesen. Und durch den Kriminalfall ist zusätzlich spannend.

Für mich war es ein wahres Lesevergnügen und ich hätte immer weiter lesen können. Aber natürlich muss der Fall auch gelöst werden und irgendwann war das Buch zu Ende. Leider.

Und nun möchte ich ganz ganz dringend nach Vietnam reisen.
PMelittaM zu »David Frogier de Ponlevoy: Hanoi Hospital« 27.12.2015
Die Deutsch-Vietnamesin Anne reist wegen eines Praktikums nach Vietnam, nicht ohne auch ihre Verwandten dort zu besuchen. Als sie miterleben muss, wie ihre Großmutter im Krankenhaus stirbt und erfährt, dass es weitere Todesfälle mit ähnlichen Symptomen gibt, macht sie sich mit der Journalistin Linh daran, Klarheit über die Hintergründe zu erhalten.

Ein Kriminalroman der mit „Die Leiche ...“ anfängt, hat direkt meine Aufmerksamkeit, so auch hier, zumal der Autor einen direkt ins Geschehen wirft und von Anfang an spekulieren lässt. Nicht nur der Start in den Roman ist gelungen, er hat mir rundum gut gefallen. Das Setting sprach mich schon im Vorfeld an, einen Kriminalroman aus Vietnam hatte ich noch nicht gelesen, der Autor kennt das Land zudem sehr gut, ich freute mich auf einen spannende Geschichte, die mir zusätzlich Land und Leute nahebringt – und auch das ist dem Autor sehr gut gelungen.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, neben Anne, die sich sowohl in Deutschland als auch in Vietnam fremd fühlt, und Linh, die in Hanoi aufgewachsen ist, lernt man Tuan kennen, der vom Land in die Stadt kam, um sein Glück zu finden und dessen Freundin Yen schwer erkrankt. Eine weitere Perspektive kommt später dazu, über die ich jedoch an dieser Stelle nichts sagen möchte, um nichts vorwegzunehmen. Auch Vietnam selbst kommt gut zum Tragen, wir lernen es von allen möglichen Seiten kennen, sowohl aus Sicht der Einheimischen als auch der Ausländer, erhalten sowohl städtische als auch ländliche Einsichten und auch Geschichte, Sprache und Kultur werden angesprochen. Ich fühlte mich schnell mittendrin in Vietnam.

Die Charaktere sind gut gelungen und wirken authentisch, ihre Handlungen und Emotionen sind nachvollziehbar dargestellt. Mir hat gefallen, dass durch sie verschiedene Bevölkerungsgruppen in den Mittelpunkt gestellt werden. Der Autor erzählt sehr anschaulich, das Kopfkino springt direkt an. Es gibt einige Szenen, die mich emotional berühren, bei anderen sollte man das sehr nützliche, umfangreiche Glossar im Anhang, zu Rate ziehen, auch, um sie richtig einordnen zu können. Neben dem Glossar finde ich auch die Anmerkungen des Autors sehr interessant, das Personenregister hätte ich nicht unbedingt benötigt, wer aber Probleme mit den vielen fremd klingenden Namen hat, wird bestimmt dankbar dafür sein.

Auch den Fall finde ich gelungen, man kann gut miträtseln, er ist ausreichend spannend, bietet Möglichkeiten mit zu zittern, und die Auflösung ist logisch konstruiert und hat mir gut gefallen. Besonders mochte ich, dass der Autor die Geschichte ausklingen lässt, wir erfahren noch, wie es mit den Charakteren weitergeht.

Der Roman hat mich sehr gut unterhalten, ich habe Einiges über Vietnam erfahren und einen interessanten Kriminalroman lesen können, den ich nur ungern wieder aus der Hand gelegt habe. Ich hoffe sehr, dass David Frogier de Ponlevoy weitere (Kriminal)Romane schreiben wird, ich würde sie sehr gerne lesen. Diesen hier empfehle ich gerne weiter, vor allem jenen, die gerne Kriminalromane lesen, die in „fremden“ Ländern spielen, aber auch allen, die gute Krimis mögen.
louella2209 zu »David Frogier de Ponlevoy: Hanoi Hospital« 19.12.2015
Inhalt:


In verschiedenen Krankenhäuser in Hanoi häufen sich unerklärbare Vorfälle. Patienten verschwinden und sind wie vom Erdboden verschluckt. Mehrere Todesfälle mit ähnlichen Symptomen geben Rätsel auf. Der Staat und die Medien verschließen vor den besorgniserregenden Umständen die Augen. Die Öffentlichkeit wird mit fadenscheinigen Erklärungen beruhigt.
Linh, Mitarbeiterin eines lokalen Radiosenders, wird während einer Recherche, zufällig Zeugin eines solchen Todesfalls. Als dann auch noch ihre eigene Großmutter mit den gleichen Symptonen stirbt, ist Linh`s journalistischer Spürsinn geweckt. Sie ist sich sicher das da etwas faul an der Sache ist.
Gemeinsam mit ihrer Kusine Anne, eine Deutsche mit vietnamesischer Abstammung, die gerade ein Praktikum in Hanoi absolviert um ihre zweite Heimat besser kennenzulernen, versucht Linh hinter die Ursache der mysteriösen Vorgänge zu kommen.
Zur gleichen Zeit begeben sich Tuan und seine Freundin Yen in die Hände eines Arztes des Hanoi Hospitals. Yen ist schwer erkrankt und bisher konnte ihr keine Therapie helfen.
Anne, Linh und Tuan sind bald in einem Strudel aus Korruption, Erpressung und Vertuschung gefangen. Wird es ihnen noch rechtzeitig gelingen die Drahtzieher zu stoppen?
Charaktere:

Die Charaktere sind allesamt mit viel Liebe zum Detail gezeichnet. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit mit hohem Wiedererkennungswert.
Positiv hervorzuheben ist auch, das jede Figur sich während der Handlung weiterentwickelt
Anne ist eine zielstrebige und kluge junge Frau, die versucht in Hanoi Fuß zu fassen und sich mit ihrer Abstammung auseinanderzusetzen. Sie kämpft mit Identitätsproblemen und fühlt sich in beiden Ländern als Fremde. Der Autor hat ihre Gefühle sehr einfühlsam und greifbar rübergebracht. Man merkt wie sie mit der Zeit schrittweise zu mehr Stärke gelangt.
Linh ist liebenswert und zurückhaltend. Sie verfügt über einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Linh hadert zwar mit ihren journalistischen Fähigkeiten, aber gerade ihre Eigenschaft, alles zu hinterfragen, ist ihr von großem Nutzen bei ihren Recherchen. Anfangs ist sie noch sehr zögerlich, aber zum Ende hin schöpft sie immer mehr aus ihrem Potenzial und macht eine erstaunliche Wandlung durch.
Tuan ist der vielseitigste Charakter und es ist schwer hinter seine Fassade zu blicken. Er ist sehr menschlich, großzügig und emotional, aber gerade diese Eigenschaften werden ihm später noch zum Verhängnis.
Meine Meinung:

Der Autor hat hier ein hervorragendes Debüt abgeliefert. Die Story ist spannend und raffiniert gestrickt. Die Handlungsstränge, die im ersten Moment, nichts miteinander zu tun haben, werden zum Schluß zu einem großen Ganzen zusammengeführt, logisch und ohne offene Fragen.
Die Schauplätze wechseln zwischen lärmender Metropole, ländliche Idylle und atemberaubende Kulisse. Ich war von dem Land Vietnam so fasziniert das ich die Orte selbst im Internet recherchiert habe und sie sich genauso dargestellt haben, wie vom Autor beschrieben. Man bekommt einen glaubwürdigen Einblick in die Mentalität des Landes. Kein Wunder, schließlich hat der Autor dort gelebt und die einzelnen Schauplätze selbst besucht.
Sehr beeindruckend fand ich auch die kleinen Anekdoten am Rande und die Dialoge, die sehr viel Lebensgefühl einzelner Schicksale, aufgezeigt haben. Für mich eines der Stärken des Romans.

Hilfreich ist auch das Glossar am Ende des Buches. Wer anfangs Schwierigkeiten hat, die einzelnen vietnamesischen Namen auseinanderzuhalten, kann diese hier nachschlagen.
Vietnamesische Ausdrücke, die der Autor verwendet, werden dort auch übersetzt und erklärt.

Es lohnt sich auch ein Blick auf das Verlagsprogramm bei Conbook unter www.conbook-verlag.de oder www.laenderkrimis.de.
Wer bei dem Roman auf den Geschmack ist, findet hier weitere Krimis und Thriller aus verschiedenen Ländern und Kulturen.

5 Sterne für dieses tolle Debüt und eine glasklare Leseempfehlung von mir.
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