In Gottes Namen von David Ellis

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Eye of the Beholder, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Heyne.

  • New York: Putnam, 2007 unter dem Titel The Eye of the Beholder. 544 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Alexander Wagner. ISBN: 978-3-453-40555-4. 544 Seiten.

'In Gottes Namen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

»Ich bin nicht der Einzige.« Dieser Satz ist der letzte, den Paul Burgos von sich gibt, danach wird er hingerichtet. Überführt wurde er des Mordes an sechs jungen Frauen, die man grausam zugerichtet in einer Schulaula fand. Man nannte es das Mansbury-Massaker. Für den jungen Anwalt Paul Riley bedeutete der Fall den großen Durchbruch. Doch acht Jahre nach den Vorkommnissen wird die Polizei mit einer neuen Mordserie konfrontiert, und Riley muss erkennen, dass die beiden Fälle miteinander verknüpft sind. Das Morden beginnt von Neuem.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hochglanz: professionell, kurzweilig – doch ohne Kunstfertigkeit« 73°

Krimi-Rezension von Jochen König

1989 werden auf dem Gelände des Mansbury College sechs grausam zugerichtete Frauenleichen gefunden. Zwei Studentinnen und vier Prostituierte liegen aufgebahrt im Keller des Auditoriums. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden: der Hausmeister Terry Burgos, ein Stalker, gegen den die erste der getöteten Studentinnen, zuvor eine Unterlassungsklage erwirkt hatte. Sämtliche Spuren und Indizien weisen auf ihn, und er versucht auch gar nicht, seine Taten zu leugnen. Scheinbar ein klarer Fall für den stellvertretenden Bezirkstaatsanwalt Paul Riley, der die Todesstrafe fordert, die nach mehreren Verhandlungen, in denen es um Burgos Zurechnungsfähigkeit geht, 1997 vollstreckt wird. Kurz vor der Hinrichtung flüstert Burgos Paul Riley zu: »Ich bin nicht der Einzige.«

2005. Zwei Menschen werden grausam ermordet. Ein Sicherheitsbeamter, der in den damaligen Fall verwickelt war und eine junge Reporterin, die die Geschehnisse von '89 noch einmal unter die Lupe nehmen möchte. Paul Riley hat die Seiten gewechselt und steht als gut betuchter Rechtsanwalt in Diensten des reichen Vaters eines der Opfer von damals. Doch wie sollte es anders sein, fast zwangsläufig wird der von Zweifeln geplagte Anwalt zum wiederholten Mal in eine brutale Mordserie hineingezogen. Sollte es tatsächlich neben Burgos einen zweiten, noch viel gewiefteren Mörder geben?

Eine Frage, die der Roman sehr früh beantwortet. Natürlich existiert ein weiterer Killer, der bestrebt ist, die Hintergründe der sechzehn Jahre zurückliegenden Mordserie zu vertuschen. Dabei versucht er sehr bewusst, Paul Riley auf seine Seite zu ziehen. Nicht nur seines schlechten Gewissens wegen setzt er alles daran, die vergangenen und gegenwärtigen Ereignisse zu entschlüsseln. Letzten Endes werden Riley und die polizeilichen Ermittler, die an den Fällen arbeiten, Zeugen einer familiären Tragödie.

David Ellis hat Großes vor, verbindet er doch in seinem 540 Seiten dicken Werk mehrere handlungstragende Elemente, die jedes für sich einen eigenen Roman füllen könnten. Da ist zum einen die Geschichte zweier Serienkiller und eines Songtextes, der augenscheinlich die mörderische Methodik vorgibt, die spannend, aber nicht wirklich zwingend und originell erzählt wird; zum anderen lässt Ellis seine Protagonisten durch ein geradezu klassisches Tableau des Hardboiled-Romans stolpern: die reiche, moralische zumindest ambivalente Familie, die ihre eigenen Gesetze und Regeln aufstellt und letztlich in einem Sumpf aus Betrug, Niedertracht, Lügen und verzweifelten Versuchen dieser verrotteten Welt zu entkommen, gefangen ist. Nicht zuletzt ist In Gottes Namen ein Anwaltsroman, der einem typischen Vertreter seiner Zunft einen Reifungsprozess zugesteht, der tatsächlich mit einem erwachten Gewissen und Einsichten ins eigene Handeln und einer Revidierung seiner Einstellung zur Todesstrafe einhergeht.

Nicht alle Elemente des Buches sind gleich gelungen, Ellis neigt dazu – obwohl er, den dramatischen Effekt betonend, zu schreiben versteht – sich zu verzetteln. So hinterlässt der Einsatz der verschiedenen Erzählperspektiven, einen ziemlich willkürlichen Eindruck, außerdem verliert er recht wichtige Nebenfiguren im Lauf der Handlung komplett aus den Augen.

Am Fatalsten ist aber, dass er der Familiengeschichte und seinem Protagonisten Paul Riley nicht zutraut, die Handlung zu tragen. So bekommt der populistische Psychopath mit Hang zum Mehrfachmord, seinen eher aus der Not geborenen Einsatz. Was den Eindruck erweckt, in den USA wohnt an jeder Straßenecke ein verkappter Serienkiller. Da kann man natürlich ausgiebig drüber diskutieren, aber für die Darstellung einer durch Geld und Macht geprägten Gemeinschaft, die sich auf einem Fundament niederer Instinkte bewegt, und so Verbrechen provoziert, wäre ein solches Schielen nach prominenten Vorbilder nicht nötig gewesen.

Doch bleibt In Gottes Namen eines dieser typischen amerikanischen Hochglanzprodukte, die professionell, wenn auch ohne große Kunstfertigkeit geschrieben, 542 Seiten zu einem kurzweiligen, in den entsprechenden Momenten nachdenklichen und düsteren Vergnügen machen. In einem Punkt unterscheidet sich Ellis Werk nämlich positiv von ähnlichen Genrevertretern: Er gesteht seinem Protagonisten eine Entwicklung zu; eine Einsicht ins eigene Verhalten und das Wesen seiner Umwelt, die ein Umdenken erforderlich macht. Von Anfang an kein glanzvoller Held, sondern eher ein Zauderer, dem der Erfolg fast zufällig die Hand reicht, hat Riley die Chance eine profilierte Figur zu werden. Vor allem wenn David Ellis die Selbstbeschränkung finden würde, auf inhaltliche und formale Mätzchen zu verzichten. Nötig hat er’s nicht.

Ein Unding ist mal wieder die deutsche Bearbeitung. So wird aus Eye Of The Beholder ein In Gottes Namen, ein Titel, der rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Denn verantwortlich für sämtliche Untaten in Ellis Buch sind Menschen allein. Menschen, die keine Grenzen kennen, bzw. deren mentale Grenzen auf die eine oder andere Art zerbrochen sind.

Jochen König, Juni 2008

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Säs zu »David Ellis: In Gottes Namen« 26.07.2010
Generell ein gelungenes Buch. Anfangs ist man nicht Riley, die Person. Später wird in der Ich-Form geschrieben und sieht die Dinge aus der Sicht des Anwalts.

Zu Beginn wird man mit vielen Namen überhäuft, aber sobald man sich reingelesen hat, kennt man sich aber aus.

Auch muss ich sagen, dass mir das Buch ziemlich unter die Haut ging. Noch nie habe ich bei einem Buch ein komisches Gefühl gehabt, während ich es las. Grausame Morde, was alles ziemlich genau beschrieben wird. Kann einem schon mal schlecht werden ;)

Das Ende fand ich ein bisschen komisch. Wie konnte sich Cassandra bitte als Gwendolyn ausgeben am Flughafen... Also auch wenn sie sich ähnlich sahen, denke ich schon, dass das auffallen würde..

Naja im Allgemeinen trotzdem sehr spannend, klein wenig Psycho, aber langweilig ist mir nie geworden.

Könnte man durchaus verfilmen.
Nicole Klingsporn zu »David Ellis: In Gottes Namen« 19.05.2010
Schon der Anfang lies mir schauer über den Rücken laufen, es ist sehr spannend und mitreißend!Ich träumte sogar davon!
Dennoch fand ich es auch sehr schwer zu lesen da immer ein Wechsel der Blickwinkel stattgefunden hat!
Immer dann wenns grad spannend wurde!
Auch interessierte mich die Geschichte hinter dem Krimi, über John Wayne Gacy.
Dagegen war Terry Burgos ja nix.Was er getan hat überschreitet alles was ich bis jetzt gehört oder gelesen habe!
Das solche Menschen existiert haben und auch noch existieren macht einem Angst!

Dennoch war es ein aufregendes Buch!
Ich lese es sicher noch mehrmals!
Kom_Ombo zu »David Ellis: In Gottes Namen« 29.04.2010
Mich störte an diesem Buch gewaltig, dass ständig aus verschiedenen Blickwinkeln gesprochen wurde. Ich hatte zwischendrin damit Schwierigkeiten und fand das Buch dadurch sehr schwer zu lesen.

Mir ist es auch noch nie passiert, dass ich zwischenzeitlich den Hauptprotagonisten dieses Buches nicht leiden konnte. Ich fand den Mann einfach nur ätzend ... was sich dann nach und nach aber wieder gelegt hat.

So wirklich übrzeugt hat mich das Buch jedenfalls nicht, zumal sich der Schluss wie Kaugummi gezogen hat, auch wenn dieser überraschend war.

Ich tue mir wieder einmal schwer mit der Benotung und werde dem Buch gut gemeinte 76° geben.
Sni2610 zu »David Ellis: In Gottes Namen« 23.03.2010
Ein Buch dass einen an sich fesselt. So wars jedenfalls bei mir. Es hat mir sehr gut gefallen. Spannende Geschichte und auch toll erzählt. Der Schluss gefiehl mir am meisten. Insgesamt stieg die Spannung von Anfang an bis zum Schluss. Je mehr man lass desto mehr wurde man reingesogen. Einfach Spitze!!!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mase zu »David Ellis: In Gottes Namen« 11.02.2010
1989 werden mehrere ermordete weibliche Leichen gefunden. Alle nebeneinander aufgereiht, jede auf eine andere Art gefoltert und getötet. Der Mörder wird noch am selben Tag gefunden und bald zum Tode verurteilt. Er verteidigt sich nicht, denn er hat scheinbar eine Mission erfüllt. Er tötete die Teenager nach dem Text eines Rocksongs. Eines der toten Mädchen ist die Tochter des Milliardärs Bentley, dessen Verbindungen bis in die höchsten Kreise reichen. Er bittet den damaligen aufstrebenden Staatsanwalt Riley darum, den Tod seiner Tochter nicht näher zu verfolgen, denn die anderen Morde würden für eine Verurteilung genügen.

Heute ist Riley der oberste Anwalt von Bentleys Wirtschaftsimperium, als eine neue Mordserie beginnt – nach dem gleichen Muster wie damals.

Ein kleiner Unterschied zu der grossen Flut an Serienkillerromanen kann man hier feststellen. Der Protagonist ist, wie der Autor selbst, Anwalt. Das gibt der Story einen veränderten Ausgangspunkt, da keine staatliche Gruppe im Vordergrund steht und darum gibt es hier die übliche polizeiliche Ermittlungsmühle in geringen Dosen zu lesen. Auf der einen Seite hat mir das gefallen, denn das Profiling kennen wir schon zu genüge, aber auf der anderen Seite ist das schon ein nötiger Bestandteil eines Thrillers dieses Genres. Ellis verzichtet aber auch darauf, einen Anwaltsthriller zu schreiben und das gibt „In Gottes Namen“ einen kleinen Hauch Eigenständigkeit.

Nach flottem Beginn flacht die Story ab und plätschert vor sich hin und als ich schon über das nächste Buch nachgedacht habe, werden dann doch noch brisante Neuigkeiten aus der Vergangenheit ermittelt, die dem Plot nicht nur sehr gut getan haben, sondern auch noch wirklich klasse ausgedacht sind.

Genervt hat mich, dass Ellis seine Leserschaft für vergesslich und schwer von Begriff hält, denn immer wieder wird, z.B. im Zusammenhang mit einem Namen nochmals die nötige Legende dazu geliefert, oder ein Sachverhalt wird zum x-ten Mal erklärt.

Ellis hat sich einen sehr guten Plot ausgedacht und die Auflösung hat mir auch sehr gut gefallen, aber die Charaktere haben zu wenig Tiefgang und der Mittelteil plätschert vor sich hin, aber ansonsten lässt sich „In Gottes Namen“ sehr gut weglesen. Besser Durchschnitt im Serienmörder-Allerlei.
HelgaR zu »David Ellis: In Gottes Namen« 24.08.2009
Es ist zwar keine besonders ausgefallene Story, aber sie lässt sich sehr flüssig lesen. Staatsanwalt Paul Riley ist sehr sympathisch und auch der Mörder hat immer wieder einiges zu sagen. Es wird abwechselnd von den Mordfällen 1989 und 2005 erzählt. Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen, besonders der Schluss, wo alles aufgeklärt wird und auch noch einige Überraschungen zu Tage kommen.
Blackhair zu »David Ellis: In Gottes Namen« 14.06.2009
Eigentlich ein sehr unterhaltsames Buch, dass durch ein schlechtes Ende und teilweise überschaubare Twists ein bisschen abgeschwächt wird. Paul Riley, der Protagonist, hat mir gut gefallen, allerdings hatten alle anderen Charakter wenig Farbe, weder die Feinde noch die Freunde.
Trotzdem ein meiner Meinung nach lesenswertes Buch, deren Charaktere etwas in der Handlung untergehen.
Sonny zu »David Ellis: In Gottes Namen« 02.12.2008
Prinzipiell ist mit Jochens Satz „Hochglanz: professionell, kurzweilig – doch ohne Kunstfertigkeit“ schon alles gesagt.Das Buch lässt sich dank häufiger Szenenwechsel und vielen Dialogen zügig weg lesen.Zumindest zwei seiner Protagonisten gibt Ellis viel Zeit zum Entwickeln, alle Anderen bleiben eher blass.Die Story wäre mit 100 Seiten weniger sicherlich spannender gewesen. Häufige Wiederholungen, mehr Wendungen als unbedingt nötig und ein relativ unspektakuläres Ende.Unterm Strich ein Buch, dass mich gut unterhalten hat, mir aber nicht länger im Gedächtnis bleiben wird.
Lieselheimer zu »David Ellis: In Gottes Namen« 21.10.2008
Selten ein so schlechtes und flaches Buch gelesen :-(. Langweilig ohne Ende, durchschaubar auf der einen, nicht nachvollziehbar auf der anderen Seite. Irgendwann hab ich nur noch quer gelesen, ob nicht noch eine spanndende Wendung kommt ...War leider nix.

Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass da noch was Besseres folgen könnte.

Die Idee ist gut - aber leider wurde diese irgendwie ab dem 2. Drittel platt.
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sonnschein zu »David Ellis: In Gottes Namen« 25.07.2008
Gut aufgebauter und bis zum Schluß nicht durchschaubarer Thriller.
Sehr gelungen fand ich die ständigen wechselnden Blickwinkel, die die Handlung (für mich) erst so richtig spannend machten.
Fazit von mir: Empfehlenswert, gute Unterhaltung! 80°
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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