Identität von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Await Your Reply, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Rowohlt.
- New York: Ballantine Books, 2009 unter dem Titel Await Your Reply. 324 Seiten.
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Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010.
Übersetzt von Giovanni & Ditte Bandini.
ISBN:
978-3862520039. 395 Seiten. -
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2012.
Übersetzt von Giovanni & Ditte Bandini.
ISBN:
978-3-499-25428-4. 400 Seiten.
'Identität' ist erschienen als
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In Kürze:
Drei Aussteiger, die sich auf den abgründigsten Trip ihres Lebens begeben: Ryan gerät in die Fänge eines Mannes, der als hochkrimineller Identitätsräuber sein Geld verdient. Es ist sein eigener Vater. Miles ist auf der Suche nach seinem Zwillingsbruder. Der leidet an Schizophrenie und ist seit zehn Jahren verschwunden. Lucy verliebt sich in ihren charismatischen Geschichtslehrer. Gemeinsam steigt sie mit ihm aus, nach Nebraska, ins Niemandsland. Aber ist der Mann an ihrer Seite wirklich der, für den sie ihn gehalten hat? Eine atemberaubende Story, deren Einzelteile sich zu einem dramatischen Ganzen zusammenfügen. Und die unweigerlich auf ein ziemlich perfides Ende zuläuft.
Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Orgie von Langeweile«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Für seine Kurzgeschichten hat der Autor Dan Chaon aus Cleveland, Ohio, schon jede Menge Awards eingeheimst. Await your Reply, erschienen bei Ballantine Books, stand im Vorjahr auf den Top-Ten-Listen in Amerika und das war wohl für den Rowohlt Polaris Verlag Empfehlung genug, um in der Übersetzung von Giovanni und Ditte Bandini den Thriller als Identität auf den deutschsprachigen Buchmarkt zu werfen.
Und wenn ich die Lorbeeren aus der Überseepresse, wie »Elegante Prosa, mitreißender Plot und literarische Klasse« (Publishers Weekly) lese, dann hatte ich das Gefühl im falschen Buch gelandet zu sein.
Denn was spannend beginnt, als Vater Jay und Sohn Ryan auf dem Weg ins Krankenhaus sind, weil kriminelle Rivalen dem kriminellen Sprössling eines noch kriminelleren Vaters mit Hilfe einer Behelfsgarotte die Hand amputierten, endet bereits eine Seite später in einer Orgie von Langeweile, die sich über weitere 300 Seiten streckt und den Leser darüber im Unklaren lässt, was hier eigentlich geschieht. Wenn sich dann langsam die einzelnen Geschichten ineinander verweben, könnte der Plot ein wenig Spannung einfahren, wird aber durch die radikalen Orts- und Zeitsprünge gezielt zunichte gemacht.
Dabei lassen vor allem die diversen Verlierer-Charaktere genügend Raum für ihre kriminelle Entwicklung und hier kann der Autor auch sprachlich punkten, wenngleich er es verabsäumt, Handlung ins Spiel zu bringen. Lediglich zu beschreiben, warum etwas Ryan zum Identitätsräuber mutiert oder sich die hoffnungsfrohe Lucy von ihrem Geschichtsprofessor dazu missbrauchen lässt, seinen Spuren zu folgen, kann wohl platter nicht auf Papier inszeniert werden. Dass amerikanische Verhältnisse es vielleicht leichter machen, sich der Identität eines Verstorbenen zu bedienen und dessen Sozialversicherungsnummer, Kreditkarten und sonstige Papiere zu verwenden, um ein Millionenvermögen zu ergaunern, hätte trotzdem zu einem spannenden Thriller verarbeitet werden können, ist aber im Endeffekt nur ein müder Versuch, sich einem neuen Verbrechensbild literarisch zu stellen.
Generell erkennt man erst in der Mitte des fast 400 Seiten dicken Schmökers die eigentlichen Handlungsstränge, auf der einen Seite mit Vater Jay und Sohn Ray, und auf der anderen Seite mit George Olsen, oder wie immer er heißen mag, und seiner Flamme Lucy. Und dann sind da noch Miles und sein geisteskranker Zwillingsbruder, der sich irgendwo im Norden des Landes verkrochen haben soll und den Miles nun verzweifelt sucht. Wie die drei Handlungsstränge schlussendlich verwoben werden, ist an den Haaren herbeigezogen und leider auch bar jedes Spannungsbogens.
Identität bleibt eine Aneinanderreihung von Personenbeschreibungen in fader Drittklassigkeit und hat in dieser Form in Top-Ten-Listen nichts zu suchen. Jede halb erfundene Hintergrundstory aus der Yellow Press bietet mehr Aktion und Ideenreichtum als diese müde Geschichte und es verwundert zum wiederholten Male, woher die triumphalen Kommentare stammen, die diesem angeblichen Thriller den Weg zum Kunden ebnen sollen. Aber nur weil ein Totenkopf am Cover ist, wird hoffentlich niemand zugreifen …
Wolfgang Weninger, Dezember 2010
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