Stimmen von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1994
unter dem Titel Voci,
deutsche Ausgabe erstmals 1995
bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Rom, 1990 - 2009.
- Mailand: Rizzoli, 1994 unter dem Titel Voci. 275 Seiten.
-
München; Zürich: Piper, 1995.
Übersetzt von Eva-Maria Wagner & Viktoria von Schirach.
ISBN:
3-492-03810-7. 406 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 1997.
Übersetzt von Eva-Maria Wagner & Viktoria von Schirach.
ISBN:
3-492-22462-8. 406 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 1998.
Übersetzt von Eva-Maria Wagner & Viktoria von Schirach.
ISBN:
3-492-22675-2. 406 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 2003.
Übersetzt von Eva-Maria Wagner & Viktoria von Schirach.
ISBN:
3-492-24050-X. 406 Seiten.
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In Kürze:
Die Rundfunkjournalistin Michela Canova ist fassungslos, ihre junge Nachbarin Angela Bari wurde mit zwanzig Messerstichen ermordet. Warum nur? Die Frage läßt Michela nicht mehr los. Sie beginnt, mit ihrem Tonbandgerät die Stimmen derer zu »sammeln«, die der Toten nahestanden: die schizophrene Schwester, die resignierte Mutter, der attraktive, aber undurchsichtige Geliebte, die Prostituierte, die angibt, Angela wäre dem gleichen Gewerbe nachgegangen. Und sie sucht Kontakt zu der ermittelnden Kommissarin. Schließlich offenbart sich Michela das furchtbare Geheimnis, das die beiden Bari-Schwestern miteinander teilten.
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Roman mit höherem literarischen Anspruch«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss überspringen
Alle sammeln etwas. Dacia Marainis Heldin hat allerdings ungewöhnliche Sammelobjekte: Sie sammelt Stimmen, die sie mit ihrem Recorder aufzeichnet.
Als Michela Canova von einem Seminar nach Rom zurückkehrt, erfährt sie, dass ihre Nachbarin Angela Bari in ihrer Wohnung direkt nebenan mit mehreren Messerstichen getötet wurde. Michela ist fassungslos, nicht weil sie Angela so gut gekannt hätte, sondern gerade weil sie keinen Kontakt hatten, obwohl sie schon ein halbes Jahr den Flur teilten. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie ihrer Nachbarin nicht offener begegnet ist.
Kurz darauf erhält sie vom Direktor des privaten Rundfunksenders, bei dem sie als Journalistin angestellt ist, den Auftrag, für eine vierzigteilige Sendereihe über Verbrechen an Frauen – vor allem unaufgeklärte – zu recherchieren. Die Tote in ihrer unmittelbaren Nähe scheint ihr ein guter Aufhänger zu sein und außerdem geht ihr dieses Verbrechen eh nicht aus dem Sinn.
Was ist nun die Wahrheit?
Michela nimmt Kontakt zu Menschen aus Angelas Umgebung auf. Was für ein Mensch war sie? Laut ihrer Schwester Ludovica hatte sie eine Abtreibung, litt danach unter Depressionen und wurde in einer psychiatrischen Klink mit Elektroschocks behandelt. Es meldet sich Sabrina, eine Prostituierte, bei ihr und erzählt, dass Angela ebenfalls ihren Körper verkaufte. Ihre Mutter zeichnete wiederum ein ganz anderes Bild. Ihre Tochter hätte Prostitution nicht nötig gehabt, da sie ihr jeden Monat einen Scheck über 5 Mio. Lire ausgestellt habe. Ludovica hätte die Abtreibung und den Klinikaufenthalt hinter sich, nicht Angela. Jeder präsentiert eine andere Wahrheit, nämlich das, was er gesehen hat oder sehen wollte.
Die Botschaft ist eindeutig: Es gibt keine Wahrheit über einen Menschen, sondern er präsentiert sich jedem Gegenüber auf eine andere Art und Weise. Anders ist es allerdings bei der Tätersuche, die nun einmal in den meisten Fällen einen Krimi ausmacht, da gibt es eine Wahrheit. Ein Täter wird im vorliegenden Roman gesucht, aber doch würde ich persönlich dieses Buch nicht als waschechten Krimi bezeichnen. Die aufgezeichneten Stimmen stehen im Vordergrund, aber man wird von der Autorin mit ihnen allein gelassen, da man die Nuancen und die zugehörige Gestik nicht kennt. »Wenn man jemandem zuhört, den man vor sich hat, ist man abgelenkt durch die Züge des Gesichts, durch die Kleidung, die Farbe der Augen.«, meint Dacia Maraini. Allerdings kann man dann auch eher die Lüge von der Wahrheit unterscheiden, meine ich. Was Michela heraushört, kann man als Leser schwer nachvollziehen. Auch die Obsession bezüglich des Sammelns von Stimmen kann man nicht so recht begreifen.
Ein Roman mit höherem literarischen Anspruch
»Ich bin allein mit meinem Kassettenrecorder und vielen Stimmen, die mir zusetzen, mich bedrängen. Ein Riesenspektakel veranstalten sie, diese ermordeten Frauen, und ich weiß nicht, bei wem ich anfangen soll. Was liegt in der Weichheit eines weiblichen Körpers, das die Hand eines Mannes zur Raserei bringt?«
Spannung will nicht wirklich aufkommen. Dacia Maraini ist es scheinbar wichtiger, dem Leser ihr Anliegen zu vermitteln. So ist nicht nur Angela Bari ein Beispiel für Gewalt gegen Frauen, sondern auch viele andere Verbrechen dieser Art werden erwähnt und auch eine Statistik. Dieses Anliegen in Ehren, aber es reicht nicht aus, um den Leser richtig zu packen. »Ein Psychothriller«, schreibt der Klappentext. Ein Roman mit höherem literarischen Anspruch, meine ich. Und der Spiegel urteilt: »Dieser Roman ist ein Musterbeispiel sensibler Suche in den Abgründen verletzter Seelen.« Ein Urteil, das für mich ebenso schwer nachzuvollziehen ist wie die Stimmen.
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| Sophies_Welt zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 14.03.2010 |
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| Manuela zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 21.02.2006 |
| Ashanti zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 15.11.2005 |
| Alessandra zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 29.01.2005 |
| Anna zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 08.12.2004 |
| Fizzi zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 08.12.2004 |
| Julia zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 13.10.2004 |
| Anja S. zu »Dacia Maraini: Stimmen« | 23.07.2004 |



