Brandmal von Craig Russell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Eternal, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Ehrenwirth.
Ort & Zeit der Handlung: Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 3 der Jan-Fabel-Serie.

  • London: Hutchinson, 2007 unter dem Titel Eternal. 400 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Ehrenwirth, 2008. Übersetzt von Bernd Rullkötter. ISBN: 978-3-431-03727-2. 400 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2009. Übersetzt von Bernd Rullkötter. ISBN: 978-3-404-16302-1. 412 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008. Gesprochen von David Nathan. ISBN: 978-3-7857-3439-1. 6 CDs.

'Brandmal' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Bevor der Mann aus dem Moor erneut das Tageslicht erblickte, würden mehr als sechzehnhundert Jahre vergehen, und das Gold seiner Haare würde sich ein in brennendes Rot verwandeln. Ein Bahnhof in Deutschland, irgendwann in den Siebzigerjahren. Ein Paar wartet auf den Zug. Der Mann, auffallend durch seine pechschwarzen Haare und sein blasses Gesicht, ist nervös. Dann macht einer eine falsche Bewegung. In dem Feuergefecht sterben zwei Menschen, und ein kleiner Junge sieht dabei zu. Hamburg, Gegenwart. In der Stadt geht ein Serienkiller um. Seine Signatur besteht darin, dass er seinen Opfern die Haare rot färbt. Kommissar Jan Fabel wird auf den Fall angesetzt. Bald kommt ihm der Verdacht, dass die Morde etwas mit der RAF-Szene von früher zu tun haben müssen. Damals gab es einen Terroristen, den man den Roten Franz nannte und der unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Wer war der Junge, der damals überlebt hat, und was ist aus ihm geworden? Ist da jemand auf einem Rachefeldzug – und gegen wen? Oder liegen die Gründe, wie der Mörder den Kommissar glauben machen will, weit tiefer, in der dunkelsten Vergangenheit. Und wird die Gewalt niemals enden? 

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Dunstkreis der RAF« 35°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Wenn ein Schotte, Jahrgang 1956, verliebt in die deutsche Sprache, deutsche Kultur und speziell die Stadt Hamburg ist, kreiert er flugs einen jungen Kommissar mit dem klingenden Namen Jan Fabel und lässt ihn in seiner Lieblingsstadt Serienmörder jagen. Und selbiger Schotte hat nach seiner Vergangenheit im Polizeidienst und als Marketingstratege durch die sachkundige Beschreibung der Ermittlungstätigkeit vom Hamburger Polizeipräsidenten und dem Hamburger Innensenat einen Polizeistern verliehen bekommen. Offenbar haben den betreffenden Herren die Romane Blutadler und Wolfsfährte so gut gefallen. Aber wird auch Craig Russells neuer Thriller Brandmal, erschienen bei Ehrenwirt in der Verlagsgruppe Lübbe den Vorschusslorbeeren gerecht?

Obwohl der Autor der deutschen Sprache durchaus mächtig ist, hat er seinen über 400 Seiten langen Roman in Englisch verfasst und Eternal wurde von Bernd Rullköter übersetzt.

Gleich zu Beginn hüpft der Autor ordentlich in der Zeitrechnung herum. Der Leser steigt in den Kriminalfall einen Tag vor der endgültigen Aufklärung ein, um schon nach drei Seiten 1681 Jahre zurück in die Geschichte geschleudert zu werden, wo ein Ritualmord an einem rothaarigen Mann passiert, der 1985 als »Der Rote Franz« westlich von Hamburg nach einer offensichtlichen Reinkarnation wieder in Erscheinung tritt. Und das nach nur weiteren drei Seiten.

Zu diesem Zeitpunkt ereignet sich am Bahnhof Nordenham eine Schießerei zwischen Polizei und Terroristen, bei der der Rote Franz auf Grund eines Verrates ums Leben kommt. Auch seine Begleiterin segnet das Zeitliche, nur ein kleiner Junge überlebt …

Die eigentliche Handlung beginnt im August 2005. Kommissar Jan Fabel, ein Frühvierziger, ist mit seiner Freundin Susanne auf Sylt. Die beiden haben ein Problem, denn eigentlich möchte Susanne einen Ring am Finger und eine gemeinsame Wohnung, aber der Ermittler ist sich noch immer nicht sicher, ob er seine kleine Wohnung und seine Selbständigkeit aufgeben soll. Der ansonsten recht smarte Polizist hat auf Grund seiner Lebensumstände praktisch während des gesamten Romanverlaufs Zeit, Für und Wider einer Beziehung abzuwägen. Leider tut er dies auch zur Genüge, aber die Zeichnung der privaten Probleme ist nicht die große Stärke des Autors. So bleibt Jan Fabel reichlich farblos und wird nicht zum Sympathieträger des Lesers, auch wenn er sich bei der Klärung des Falles ordentlich ins Zeug legt.

Der Fall selbst ist eine typische Serienmördergeschichte. Ein Unbekannter aus dem Dunstkreis der Roten Armee Fraktion killt reihenweise seine damaligen Terroristen-Kumpane, die heute allesamt mehr oder weniger ehrbaren Berufen nachgehen. Politiker, Historiker, Physiker und andere werden brutal geschlachtet und mit einem Hinweis für Kommissar Jan Faber versehen, denn der Killer weiß, wie die Tatortspezialisten arbeiten und gibt sich offensichtlich Mühe, mit der Polizei zu spielen und immer einen Schritt voraus zu sein.

Da auch Fabels Kolleginnen und Kollegen auf Grund früherer Vorkommnisse zumindest psychisch deutlich angeschlagen sind, plätschert Brandmal reichlich lau zwischen Therapeuten und Komplexen dahin. Die ständigen Zeitsprünge tun ihr Übriges, um den Lesefluss permanent zu unterbrechen und die Geschichte notgedrungen kompliziert zu machen. Wobei die Lösung im Endeffekt so an den Haaren herbei gezogen ist, dass man nur wegen der brauchbar beschriebenen Actionsequenzen überhaupt noch zu Ende liest.

Und es verwundert überhaupt nicht, dass ein ausländischer Autor auch ein wenig erhobenen Zeigefinger präsentieren muss, denn immerhin ist Deutschland der Erfinder von Holocaust und Terrorismus. Da muss doch auch ein wenig Salz in die wunde deutsche Seele gestreut werden, was sich Mr. Russell hätte sparen können, denn es ist offensichtlich nur ein Marketinggag von vielen. Nicht zwangsläufig ergeben von Psychosen gebeutelte Ermittler und historische Anzüglichkeiten, garniert mit brutalen Bluttaten im Stundentakt, auch einen Qualitätsthriller. Das Brandmal brennt jedenfalls nicht kräftig genug, es schwelt nur müde vor sich hin. Auch wenn der Autor bzw. sein Übersetzer sprachlich sehr ordentlich gearbeitet haben, bleibt letztendlich nur schwache Gebrauchsliteratur für den Leser übrig.

Wolfgang Weninger, April 2008

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Oli zu »Craig Russell: Brandmal« 30.06.2016
Also - ich finde grad den Einstieg nicht.Man wird mitten in eine Geschichte geworfen und fegt dann im Zickzack durch die Zeit.28 Tage nach dem ersten Mord - ???
Dann "3 Tage vor dem 1. Mord"
Was soll das denn?
Warum kann man nicht gleich mit dem ersten Mord anfangen?
Ein kniender Mann. Kryptische Andeutungen.
Fabel tat der Kopf weh - coool - welch eine Orientierungshilfe. Irgendein "Roter Franz" - den man eigentlich schon kennen sollte, wollte man verstehen, was hier vorgeht - ein Schuss - ein Schrei ... Blut (was auch sonst?)
Irgendjemant hat die Zeitmaschine falsch programmiert.
Ich will aber keinen SciFi hören!
Ich denke nicht, dass ich mich da noch lange mit quälen werde.
Diese Wundertüten-Fliegenfänger-Ätschichweißmehralsdu-Taktik ödet mich ziemlich an!
Dieter Deginus zu »Craig Russell: Brandmal« 09.12.2013
Ich war begeisterter Leser der Lenox Serie und war deshalb neugierig auf mein erstes Fabel Buch. Diese Begeisterung ist jedoch schnell verflogen. Spannung kam für mich nie auf. Es war eher ein guter Roman, oder bestenfalls ein Roman mit kriminellen Inhalt. Dann 400 Seiten für diese Story war viel zu viel für mich. 300 hätten genügt. Nur wegen der super spannenden Lenox Serie habe ich es unterlassen nach 80 bis 100 Seiten das Buch zur Seite zu legen, wenn es mir zu langweilig erscheint.
Der Rattenkönig zu »Craig Russell: Brandmal« 18.10.2013
Am Anfang hatte Brandmal einen kleinen Touch von Mysterie. Im Laufe des Buchs entwickelt sich die Story zu einem recht spannendem Krimi. Russells Schreibstil ist gut und die Charakteren wurden recht originell gezeichnet. Man sollte allerdings gegen Ende nicht den großen Plot erwarten.

Cool das endlich einmal RAF-Typen skalpiert werden.
7/10
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Thunder zu »Craig Russell: Brandmal« 07.07.2011
Kurz: Ich war begeistert. Viel Geschichte, viele interessante Fakte, genug eigene Geschichte drumrumgesponnen und alles spannend verpackt. Ein runherum geglückter Roman. Kann hier die Crimicouch Bewertung gar nicht verstehen. Klar ist Fabel etwas "einseitig", aber er ist eben kein wahnsinnig tiefgründiger Typ. Ich finde Susanne viel nerviger - ihre psychologischen Fähigkeiten scheinen - wie bei allen Psychologen - im eigenen Freundeskreis nicht zu funktionieren ;)

Trotz allem eine schöne Geschichte, tolle Ideen und spannend zu lesen. Hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt - ganz im Gegenteil zu "Karneval". Dieses Buch steht Blutadler und Wolfsfährte in nichts nach.
Peter Bigalke zu »Craig Russell: Brandmal« 26.12.2010
Ich habe Brandmal in der Kiste für Ausschussware im Supermarkt gekauft. Der erste Fehler fällt sofort auf, wenn auf der Rückseite von einem vor 100.000 Jahren gestorbenen Mann fabuliert wird und dann im Buch das ganze auf knapp über 1000 Jahre reduziert wird. So interessant die Thematik des Buches auch sein mag, das englische Original empfiehlt sich mehr Das ist der Leser bzw. die Leserin vor Unsauberkeiten bei der Übersetzung sicher. Die gibt es im deutschen Text mehr als genug. Schade. Ob Craig Russel mit der Vermengung verschiedener Handlungsstränge glücklich beraten war, soll jeder selber beurteilen. Für knapp 400 Seiten Lesestoff ist das ganze zu viel.
Was bleibt als Fazit Der Autor bekommt von mir noch eine Chance. Aber da ich vorsichtig bin, habe ich das nächste Buch bei Amazon für 0,97 Ct gekauft.
Alexander zu »Craig Russell: Brandmal« 29.09.2010
Hier kann ich den Krimicouchrezensenten ebenfalls nicht verstehen. Wieso hat er das Buch so schlecht bewertet? Ich fand es jedenfalls ziemlich gut. Das Thema war interessant und überzeugend gestaltet und auch die Nebenhandlung um einen Toten aus dem zweiten Weltkrieg war gut und fügte sich dann auch gut in das eigentliche Thema des Romans ein. Positiv fand ich auch, wie ein Handlungsstrang aus dem ersten Band wieder aufgenommen wurde. Dieser macht dann auch gleichzeitig neugierig auf den vierten Jan Fabel- Thriller. Gestört haben mich nur die gelegentlichen Schusselfehler. Ob die auf das Konto des Autors oder des Übersetzers oder der Lektorin gehen, vermag ich nicht zu beurteilen. Meine Wertung für das Buch: 80 Grad
M.Reinsch zu »Craig Russell: Brandmal« 08.06.2010
Dies ist für mich Russels schwächster Roman!
Nicht nur das extra ein Zeuge des Täters, der auch noch zu dumm ist eine Aussage bei der Polizei zu machen, als weiteres Opfer aufgetischt werden muß - nein auch die "billig" gelegte falsche Fährte die den Leser zum Täter führen soll ist sehr geschludert.
Auch wenn seine ersten beiden Romane von manch Kritiker als überladen gebrandmarkt wurden, die haben mir wesendlich besser gefallen!
Der "Rote Faden" um die Hauptprotagonisten ist auch wieder nur am Rande weitergeführt - mir fehlt die Tiefe der Charaktere, die in den ersten Romanen so wunderbar angelegt war.
Kurzum: man kann Ihn lesen, aber eine echte Bereicherung meiner Bibliothek ist er leider nicht!
kallesued zu »Craig Russell: Brandmal« 08.11.2009
Für mich war "Brandmal" der beste der drei Jan Fabel -Reihen. Es ist nicht unbedingt notwendig die ersten beiden Bücher zu lesen, aber hilfreich. Der Autor verweist des öfteren auf die ersten beiden Fälle und man versteht eher die Charaktere und wie es in ihrem "inneren" aussieht.
Die Erzählweise des Autors gefällt mir einfach. Wie er in die Vergangenheit geht und z.B. über die Hamburger Bombennacht und die RAF schreibt finde ich unheimlich interessant und spannend erzählt.

Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen, was schon sehr erstaunlich ist, da ich sonst mindestens eine Woche für ein vergleichbares dickes Buch brauche.
Vielleicht war das auch der Grund, daß ich schon früh den richtigen Verdacht hatte. Ihn aber ein paar Seiten später wieder verwarf. Um so überraschter, aber auch Stolz war ich, als er es dann doch war.
Das Thema Reinkarnation fand ich auch sehr interessant, obwohl ein schwieriges Thema, hat es der Autor doch gut beschrieben und ich mußte nicht den Kopf schütteln, wie so oft wenn ich darüber in der Zeitung lese.


Für mich eines der besten Bücher, daß ich in der letzten Zeit gelesen habe.
Anja zu »Craig Russell: Brandmal« 13.09.2009
Dieser Krimi war, wie die ersten beiden, sehr spannend und kurzweilig zu lesen. Ich lese ausschließlich Krimis und wenn ich ein Buch nicht mehr zur Seite legen kann, dann würde ich es als sehr gut bezeichnen. Durch die detaillierte Beschreibung der Personen wie auch der Schauplätze hatte ich das Gefühl alles vor Augen zu haben. Ich hatte auch keine Probleme mit den Zeitsprüngen. Herr Weninger sieht das alles etwas anders, aber deswegen würde ich den Krimi trotzdem als sehr gut bezeichnen. Da meine VorschreiberInnen den Inhalt schon ausführlcih beschrieben haben sehe ich keine Notwendigkeit dieses nochmal zu tun. Ich kann diesen Krimi, wie auch seine Vorgänger, wärmstens empfehlen und sehe darin auch keinen Angriff auf die deutsche Gesellschaft.
Kerstin Haase zu »Craig Russell: Brandmal« 27.07.2009
Kaum aus dem Urlaub zurückgekehrt erwartet Hauptkommissar Fabel ein grauenhafter Mordschauplatz. Die Besonderheit - das Opfer wurde skalpiert, sein Skalp rot eingefärbt und deutlich zur Schau gestellt. Was will der Mörder damit ausdrücken? Schon sehr bald folgt ein weiteres Opfer und die Lösung der Frage könnte in der gemeinsamen politischen Vergangenheit liegen.

Mit dem 3. Teil der Jan Fabel-Reihe gelingt dem Autor meiner Meinung nach ein schlüssiger Thriller, der das Niveau der Vorgänger halten kann. Neueinsteiger sollten keine Probleme haben, auch wenn Fälle bzw. Figuren aus dem ersten Band der Reihe („Blutadler“) angerissen werden. Dennoch ist es natürlich schöner, der Entwicklung der bereits eingeführten Charaktere von Fabel selbst und seines Teams folgen zu können.

Man merkt Craig Russell wieder einmal seine Liebe zur Stadt Hamburg an, allerdings werden wohl nur Einheimische die ausführlichen örtlichen Beschreibungen richtig würdigen können. Der Autor wirft Fragen über Reinkarnation auf, die den einzelnen Leser doch nachdenklich machen könnten. Ich persönlich fand den politischen Bezug zur RAF und anderen Terror-Gruppen sehr interessant, ebenso wie das Zwischenspiel mit einem Mumienfund aus dem 2. Weltkrieg, obwohl der ansonsten nichts mit dem Buch zu tun hatte.

Da einige Abschnitte aus der Sicht des Täters geschrieben sind, ist man näher am Geschehen dran und versteht seine Motivation, während die Polizei noch lange im Dunkeln tappt. Dennoch versteht es der Autor die Spannung bis zu einem doch überraschenden Ende zu halten und sogar kontinuierlich zu steigern.

Noch lose Fäden aus Teil 1 schreien nach einer Fortsetzung und da es bereits einen weiteren Fabel-Roman gibt, welcher in Köln spielt, ist wohl davon auszugehen, dass Jan Fabel seinen Plan, den Job zu kündigen, doch nicht ausgeführt hat.

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