Schneeweißchen und Rosentot von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2006
unter dem Titel A Field of Darkness,
deutsche Ausgabe erstmals 2008
bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Syracuse, 1970 - 1989.
Folge 1 der Madeline-Dare-Serie.
- New York: Mysterious Press, 2006 unter dem Titel A Field of Darkness. 432 Seiten.
-
München: dtv, 2008.
Übersetzt von Sophie Zeitz.
ISBN:
978-3423246682. 432 Seiten.
'Schneeweißchen und Rosentot' ist erschienen als
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In Kürze:
Madeline Dare stammt aus einer alteingesessenen New Yorker Familie, lebt aber zu ihrem Leidwesen mit ihrem Mann in der ländlichen und recht langweiligen Kleinstadt Syracuse, wo sie bei der Lokalzeitung arbeitet. Eher zufällig erfährt sie von einem 20 Jahre zurückliegenden Mord an zwei jungen Mädchen, der nie aufgeklärt wurde. Sie wittert eine Möglichkeit, sich als Journalistin zu profilieren – aus dieser Geschichte lässt sich doch sicher etwas machen? Als sie herausfindet, dass einige Indizien ausgerechnet auf ihren Lieblingscousin hindeuten, lässt ihr das keine Ruhe. Sie beginnt intensive Nachforschungen anzustellen und benimmt sich dabei alles andere als unauffällig. Hat sie schlafende Hunde geweckt? Denn es wird ein weiterer Mord begangen, und jetzt zeichnet sich ein unheimliches Muster ab: Der Mörder inszeniert seine Opfer wie Illustrationen zu Märchen und Mythen …
Das meint Krimi-Couch.de: »Abseits vom konventionellen Strickmuster«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss
Cornelia Reads Krimi Schneeweißchen und Rosentot spielt nicht in der Gegenwart, also zum Lesezeitpunkt, sondern im Jahre 1988. Madeline Dare lebt mit ihrem Ehemann Dean in Syracuse, einem kleinen Provinznest, aus dem sie lieber heute als morgen verschwinden würde. Ihr Job als unterbezahlte, sogenannte Journalistin beim unbedeutenden Lokalblatt hält sie ebenso wenig dort wie die Stadt selbst. Dean ist der Grund, warum die beiden noch nicht weggezogen sind. Er ist zwar sehr häufig unterwegs, aber gerade deshalb beruhigt es ihn, dass seine Eltern in Madelines Nähe sind. Bei einem trauten Familienessen präsentiert Deans Vater dann ein kleines Geheimnis. Vor 19 Jahren geschah in der Gegend ein Mord an zwei jungen Frauen, der bis heute nicht aufgeklärt wurde. Die beiden wurden mit aufgeschnittenen Kehlen auf einem Feld drapiert, die Haare mit weißen und roten Rosen geschmückt.
Schwiegerpapa übergibt Madeline eine in der Nähe des Tatortes gefundene Erkennungsmarke, auf der der Name »Lapthorne« eingraviert ist. Madeline ist zwar ansonsten in der Redaktion nur für Cocktailrezepte und ähnliches zuständig, könnte aber doch ihr Image durch eine Reportage über den unaufgeklärten Doppelmord aufpolieren. Beim Anblick des Namens Lapthorne wird ihr heiß und kalt, denn so heißt ihr Lieblingscousin, für den sie früher schwer geschwärmt hat. Laut ihrer Meinung der einzige vernünftige in der ganzen Bagage von versnobten reichen Langweilern, die sich nur auf ihrem geerbten Geld ausruhen. Madeline selbst gehört leider nur verarmten Teil der Sippe, ihr Vater hatte seine Familie schon früh verlassen.
Erfrischend anders
Nun gilt es, den Namen ihres Cousins reinzuwaschen und sie stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Diese ergeben alsbald, dass Lapthorne zum Zeitpunkt der Tat zwar in der Nähe war, jedoch wegen Trunkenheit am Steuer in der Ausnüchterungszelle saß. Sie atmet auf, ist aber nun schon so weit in die Geschichte verwickelt, dass sie nicht mehr aufhören kann. Der damals ermittelnde Beamte Jack Schneider hat sich schon weit vor dem Rentenalter zur Ruhe gesetzt – und lebt auf verdammt großem Fuß. Hat sich jemand sein Schweigen erkauft? Als es einen weiteren Mord gibt, wird klar: Madeline ist auf einer heißen Spur …
Cornelia Reads Debütroman ist erfrischend. Nicht dass sich schon genügend Hobby-Detektivinnen und selbsternannte Mini-Miss-Marples auf dem Krimimarkt tummeln würden, doch die Autorin ergreift die Chance, anders an eine solche Ausgangssituation heranzugehen. Madelines Motivation, hier selbst ein wenig nachzuforschen, ist absolut verständlich.
Die Story verspricht einiges und kann dies sogar bis zu einem gewissen Punkt halten. Im Mittelteil wird der Erzählstrang zwar ein bisschen in die Länge gezogen – der Leser liegt quasi zu lange in Lauerstellung – doch am Ende dreht die Autorin tatsächlich noch mal voll auf. Obwohl sich gar nicht so viele Verdächtige am Tatort tummeln, legt sie gekonnt einige falsche Fährten aus. Konnte man es also nicht erkennen oder wollte man es beim Lesen nicht erkennen? Das Ende ist auf jeden Fall schlüssig – und wenigstens teilweise überraschend.
Dandy Dünkel lässt grüßen
Was Schneeweißchen und Rosentot jedoch auszeichnet, ist der hintergründige Humor, der sich weit entfernt vom 08/15-Niveau bewegt. Die lebendige Erzählweise und die sprachlich ausgefeilten und intelligenten Kommentare machen einfach nur Spaß. Schnoddrig (im Sinne von frech) macht sich Madeline insbesondere über die eigene Sippe lustig, nicht ohne sich über ihre eigene Misere zu beklagen, aber auch ohne Neid. Dabei bilden ihre eigene Lebenssituation sowie die Familie ihres Mannes als bodenständige Farmer den Gegenpol zum reichen, versnobten Clan mütterlicherseits. Die Figuren sind dabei zum Teil realistisch charakterisiert, auf der anderen Seite (insbesondere in Madelines Verwandtschaft) skurril und sogar überzeichnet.
Cornelia Reads Debütroman wurde zurecht für einige Preise nominiert. Für einen Volltreffer fehlen zwar ein paar Quäntchen, aber wenn sie ihren scharfen Blick, mit dem sie den Finger in die Wunde kleinerer oder größerer Unzulänglichkeiten legt, auch in ihrem nächsten Buch einsetzt, kann man gespannt auf die Fortsetzung sein, die in den USA bereits erschienen ist.
Sabine Reiss, Juni 2008
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| vargas zu »Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot« | 06.06.2008 |

