Abgrund von Colin Forbes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Precipice, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Heyne.
Folge 13 der Tweed-Serie.

  • London: Macmillan, 1996 unter dem Titel Precipice. ISBN: 0333647092. 477 Seiten.
  • München: Heyne, 2000. Übersetzt von Bernhard Liesen. ISBN: 3-453-17185-3. 479 Seiten.
  • München: Pavillon, 2005. Übersetzt von Bernhard Liesen. ISBN: 3-453-77099-4. 479 Seiten.

'Abgrund' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Colin Forbes’ Meisterstück! Tweed, Paula Grey und Bob Newman haben es mit einem Gegner zu tun, der alle bisherigen in den Schatten stellt: Leopold Brazil, Mastermind des Bösen, hat einen Geheimplan, der das Kräfteverhältnis auf dem Planeten Erde ein für alle Mal verändern wird.

Das meint Krimi-Couch.de: »Forbes am Abgrund?«

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Das Titelbild wirkt auf den ersten Blick wie ein modernes Gemälde aus Blau- und Schwarztönen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass man senkrecht eine Felswand hinabblickt und unten die Gischt des Meeres um ein paar herausragende Felsen erkennt.

Die Geschichte beginnt im englischen Dorset hoch oben an genau so einer Steilküste. Dorthin nämlich hat Tweed seinen Agenten Philip Cardon geschickt. Tweed heißt übrigens einfach nur Tweed oder Mr. Tweed, einen Vornamen scheint er wohl nicht zu besitzen. Tweed ist Deputy Director des SIS, also eben dieses Geheimdienstes, dem auch James Bond angehört. Aber ich schweife ab. Carson erhielt von Tweed den Befehl, Urlaub in Dorset zu machen (so einen Befehl würde ich auch gerne mal bekommen) und ganz nebenbei sollte er doch ein paar Nachforschungen über General Sterndale, den Inhaber einer Privatbank, anstellen.

Nachdem er diesen kurz kennengelernt hat, versucht er ihn gemeinsam mit seiner Urlaubsbekanntschaft Eve Warner in seinem Haus hoch oben über den Klippen aufzusuchen. Doch alles, was die beiden finden, ist ein brennendes Haus, in dem der General zusammen mit seinem Sohn den Tod fand. Grund genug für Tweed, auch seinen Agenten Bob Newman hinterher zu schicken.

Dieser Bob ist genauso ein farbloser Charakter wie Philip. Überhaupt bleiben alle vorkommenden Personen sehr blass und ich habe sehr lange gebraucht, bis ich mir überhaupt ein Bild über die vesrchiedenen Figuren machen und sie unterscheiden konnte. Außer Newman tauchen nämlich nach und nach auch noch die Agenten Marler, Nield und Butler sowie die Agentin Paula Grey in Dorset auf. Denn der eigentliche Feind heiß Leopold Brazil, ein mächtiger Broker, der mit den höchsten Politikern verkehrt. Auch er besitzt eine Behausung hoch oben über den Klippen. Worum es eigentlich geht, ist dabei wohl keinem so recht klar. Irgend ein Informant hat mitgeteilt, dass »irgend etwas Großes bevorstehe« und dabei den Namen Brazil erwähnt. Selbstverständlich ist dieser Informant gleich anschließend ermordet worden von einem dieser Motorradfahrer in schwarzer Lederkleidung, die während der ganzen Handlung ständig überall auftauchen und Leute töten oder es versuchen.

Und nun bietet das Buch sehr viel unfreiwillige Komik. Die Agenten fahren von Ort zu Ort. Meist liegt einer auf dem Rücksitz, so daß man ihn nicht sehen kann. Oder einer wird im Kofferraum versteckt. Warum das so ist, ist mir leider nicht klar geworden. Auch wird sehr genau beschrieben, wer in welchem Hotel residiert und unter welchem Namen, manches sehr geheim, anderes wieder nicht. Obwohl der Roman 1996 erschien, existieren in dem Buch keine Mobiltelefone. Die Kommunikation gestaltet sich oft recht schwierig. Es müssen meist erst abhörsichere Telefone gesucht werden, um sich mit der Zentrale in Verbindung zu setzen. Demgegenüber grenzt es schon an Schwachsinn, dass später ausgerechnet der Verräter das Telefon auf seinem eigenen Schreibtisch nutzt und dadurch erwischt wird.

Was natürlich bei einem solchen Roman auch nicht fehlen darf, ist das altbekannte Klischee, dass der große Oberboss des Protagonisten Tweed ein Volltrottel ist, dem Tweed immer sagen muß, wo’s lang geht.

Doch zurück zum Geschehen: Es passieren in Dorset noch zwei weitere Morde. Den Opfern wurde das Genick gebrochen. Eine Spezialität des Motormanns. Jetzt verlagert sich das Geschehen in die Schweiz. Von Genf gehts nach Zürich, nach Bern und nach Sion ins Wallis. Dort, wo auch der mysteriöse Marchat lebt, der verschwundene Diener von General Stendale, der die Lösung des Rätsels bringen soll. Irgendwie muß man ja versuchen, Spannung in das Buch zu bringen. Aber vergesst es: Marchat hat irgendwie überhaupt keine Funktion in diesem Roman. Nun ist man als Leser viele Seiten lang damit beschäftigt, den einzelnen Agenten durch die Schweiz hin und her zu folgen.

Ach so, ja: worum geht denn nun eigentlich? Einige berühmte Wissenschaftler sind verschwunden. Vermutlich arbeiten diese für Brazil. Doch warum? Was hat er vor? Einer der Wissenschaftler hat als Spezialgebiet die Sabotage von Kommunikationseinrichtungen. Doch was bezweckt Brazil damit?

Genauso hektisch wie Tweeds Agenten agieren, wirkt der Aufbau des Buches. Die Szenen wechseln schnell. Da die Szenen sowohl aus Sicht der Agenten wie auch aus der Sicht der Gegenspieler geschildert werden, ist der Leser Tweeds Mannschaft immer voraus, auch wenn er nicht alles weiß.

Die Handlung ist absolut unrealistisch und nicht mal schlüssig aufgebaut. Wenn der Autor mal wieder nicht weiter wusste, taucht eben wieder ein Informant auf, der wieder mal etwas rausgefunden hat, was aber auch andere schon aufgrund irgendwelcher Eingebungen längst wussten.

Über die technischen Hintergründe der aufgebauten Maschinerie, mit der Brazil seinen Anschlag geplant hat, wird absolut nichts erwähnt. Ist auch wahrscheinlich besser so, denn das Ganze ist absoluter Quatsch. Dafür erfahren wir aber wichtige Einzelheiten über die Garderobe der Darsteller und in welchen Geschäften in der Schweiz diese für welche Summen erstanden wurden. Und auch auf den immensen Alkoholkonsum einzelner Personen wird immer wieder ausgiebig hingewiesen. Tweed schließlich ist der große Boss, auf den alle hören. Auch den obersten Politikern gibt er seine Anweisungen, ohne ihnen nähere Einzelheiten zu erklären und diese tun natürlich das, was Tweed sagt.

Gerne würde ich ja auch etwas Positives zu dem Roman schreiben, doch aus den Fingern saugen kann ich mir leider nichts. Man kann nicht mal sagen, dass er einigermaßen spannend wäre. Die Schreibweise ist zwar recht einfach, doch leider nicht so fesselnd, dass man das Buch einfach so runterlesen könnte.

Ich weiß, man sagt nicht vorher, wie das Buch ausgeht, doch hierbei kann sich das doch wohl jeder selber ausmalen. Nun, die Guten vernichten schließlich das Hauptquartier der Bösen und können dabei gerade noch knapp entkommen. Zwar wird dabei ein kompletter Berg zerstört und eine Riesen-Katastrophe angerichtet, aber man geht sofort zur Tagesordnung über. Doch natürlich ist der Oberböse nicht mit drauf gegangen, sondern konnte fliehen. Und natürlich kann man ihm nichts beweisen.

Und der Motormann ist selbstverständlich einer von denen, die man schon kennt. Und wer es ist, das ist nicht mal eine besondere Überraschung.

Zitieren möchte ich aber noch einen Absatz, den Tweed auf einer der letzten Seiten sagt, weil ich ihm so vorbehaltlos zustimmen kann:

»Die Menschen sitzen vor ihrem Fernseher und glauben, dass sie die Nachrichten sehen. Statt dessen zeigt man ihnen nur sensationelle, entsetzliche Bilder, die häufig von Ereignissen stammen, die keinerlei Auswirkungen auf den Lauf der Welt haben. Wichtige Ereignisse werden ignoriert, wenn sie keine grausamen Bilder liefern. Die so genannten Nachrichten im Fernsehen sind Entertainment – wenn das das richtige Wort für die entsetzlichen Ereignisse ist, die man uns so gerne zeigt.«

Und irgendwann hat man dann schließlich die insgesamt 480 Seiten hinter sich und fragt sich dann: Steht Forbes mit »Abgrund« also schon am Abgrund?

Nein, er steht nicht »am« Abgrund, sondern ist zumindest mit einem Bein schon darüber hinaus. Dennoch von mir eine Leseempfehlung. Nicht für das Machwerk »Abgrund«, sondern für Forbes ältere Werke wie »Lawinenexpress«.

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Hamlet zu »Colin Forbes: Abgrund« 16.02.2007
Hallo,
ich habe das Buch noch nicht einmal zu einem Drittel durch und fragte mich:
Was würde wohl Ian Flemming dazu sagen?

Schon nach den ersten Dutzend Seiten des Romanes (Der Gegner Brazil wird eingeführt) erinnert mich dieser "unantastbare" Schurke an Hugo Drax aus dem guten, alten Moonraker des James Bond-Erfinders Flemming.
Und auch die Agenten des Tweed agieren, als haben sie alle Romane von Flemming gelesen. Sie sind aber überzogener, als Bond es je war. Selbst Roger Moore war realistischer. Und so ein Wusel, wie in dem Roman in Dorset vorherrscht (Buchanan mit dem Yard, Tweed mit fast dem kompletten SIS, dutzenden Motorrad-Rüpeln und Killern), lässt schon vermuten, dass Dorset zum Zeitpunkt der Handlung völlig übervölkert sein musste.
Ich kann der K-C Kritik schon nach wenigen Seiten ausnahmslos zustimmen.
Gut, dass ich das Buch ausgeliehen habe. Über einen Kauf hätte ich mich geärgert.
Anja S. zu »Colin Forbes: Abgrund« 29.12.2004
Ich muss mich leider der Rezension von Herrn Kuemmel vollends anschliessen: dieses Buch ist grottenschlecht!!! Klischeehaft, langweilig, vorhersagbar!!!
Meistens fahren die verschiedenen Agenten von Ort zu Ort, um immer mal wieder neue Informanten zu treffen und abhoersichere Telephone zu suchen, damit ca. 400 Seiten gefuellt werden, obwohl sich die Story auf 40 Seiten haette zusammenfassen haette lassen koennen.
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