... wurde sie zuletzt gesehen von Colin Dexter

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1976 unter dem Titel Last seen wearing, deutsche Ausgabe erstmals 1985 bei Rowohlt.
Folge 2 der Inspektor-Morse-Serie.

  • London: Macmillan, 1976 unter dem Titel Last seen wearing. 288 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1985. Übersetzt von Marie S. Hammer. ISBN: 3-499-42726-5. 252 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1994. Übersetzt von Marie S. Hammer. ISBN: 3-499-43156-4. 252 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Marie S. Hammer. ISBN: 3-499-22821-1. 348 Seiten.

'... wurde sie zuletzt gesehen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Vor mehr als zwei Jahren ist Valerie Taylor, damals noch ein Schulmädchen, von zu Hause weggelaufen. Chief Inspector Ainley war allen Spuren nachgegangen – ohne Erfolg. Plötzlich macht er eine Entdeckung und stirbt kurz darauf bei einem Verkehrsunfall. Inspector Morse glaubt nicht an einen Zufall …

Ihre Meinung zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen«

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tassieteufel zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen« 21.05.2012
Valerie Taylor, eine Schülerin, verschwand vor mehr als zwei Jahren, ein Fall der nie geklärt werden konnte. Inspector Ainley, der damals mit den Ermittlungen befasst war, hatte den Fall jedoch nie wirklich aus den Augen verloren und schien nun neue Erkenntnisse gewonnen zu haben, doch bevor er mit seinem Vorgesetzten darüber sprechen konnte, kam er bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Purer Zufall oder hängt das mit dem Fall zusammen?
Auf Wunsch seines Vorgesetzten soll nun Inspektor Morse den Fall übernehmen, doch der ist zunächst wenig begeistert.

Ganz so gelungen wie den ersten Teil der Reihe fand ich diesen 2. Inspektor Morse Krimi nicht! Dabei ist der Plot gut ausgetüftelt, sämtliche Personen die in Morses Visier geraten haben irgend etwas zu verbergen und ihre Beziehungen untereinander sind mehr als verworren. Wie Morse und sein Adlatus Sergeant Lewis das nach und nach aufdecken ist schon sehr interessant und in gewissem Maße auch spannend. Dabei arbeitet Morse höcht unkonventionell, er stellt alle möglichen Therorien auf, in die er die Fakten irgendwie hineinpresst. Das dabei recht wilde Konstellationen heraus kommen, ist am Anfang auch noch ganz unterhaltsam, aber im Lauf des Buches wird es zunehmend verwirrend, weil man als Leser bald nicht mehr weiß, welcher Verdächtige nun wirklich Dreck am Stecken hat, bzw. das getan hat, was ihm von Morse gerade unterstellt wird, von daher muß man hier genau aufpassen, das man nicht den Überblick verliert. Als Morse dann endlich den Fall aufklärt, bleiben für den Leser, der bis hier hin einiges Durchhaltevermögen bewiesen hat, leider doch ettliche gravierende Fragen offen, so das sich zumindest in meinem Fall leichte Enttäuschung breit gemacht hat, weil das Ende einfach unbefriedigend war.
Wer auf atemlose Spannung steht, der wird hier mit Sicherheit kaum seine Freude haben. Wer aber detailreich geschilderte vielschichtige Charktere mag und auf knifflige Rätselkrimis steht, der wird hier sicher einiges Lesevergnügen finden.
Der brummige, leicht verschrobene Morse und der eher nüchterne Sergeant Lewis geben aber ein sehr gutes Team ab, bei dem es Spaß macht, mitzuermitteln und ich bin auf jeden Fall gespannt auf weitere Fälle für die so ungleichen Ermittler.

FaziT: kam für mich nicht ganz an den ersten Teil heran, dafür blieb am Ende einfach zu viel offen und bei den Unmengen von wilden Thesen die der gute Morse aufstellt, verliert man dann doch ein wenig den Überblick und weiß am Ende nicht mehr so genau, wer denn nun eigentlich was gemacht hat.
RolfW zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen« 22.10.2010
Machen wir uns nichts vor: Morse ist ein Stinkstiefel, der seinen persönlichen Frust hemmungslos an seinen Untergebenen auslässt, während er bei Gleich- oder Höhergestellten buckelt. Also etwa so wie die meisten von uns, wären wir in seiner Position. Und er ist genial. The Great Detective, der direkte Nachfahre Sherlock Holmes`.Ein kluger Kritiker hat einmal geschrieben, die Freunde klassischer Rätselkrimis würden gar nicht mal so sehr auf die Lösung schielen als vielmehr die immer neuen Haken und Überraschungen der Ermittlung bewundern. Diese Methode hat Dexter pefektioniert. Während in den ersten beiden Bänden der Serie die Lösung etwas angeklatscht wirkt, ist sie später ein logisches Ergebnis des -richtig zusammen gesetzten- Puzzles.Solche Geschichten, wenn man sie denn mag, machen süchtig.Und dass es in höchsten Professorenkreisen außerhalb des akademischen Elfenbeinturms zugeht wie bei Hempels unterm Sofa - das freut Otto Normalleser natürlich ganz besonders.
Stefan83 zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen« 16.10.2010
Nachdem mich bereits der erste Band aus der Reihe um Inspector Morse und Sergeant Lewis von der Thames Valley Police gut unterhalten hatte, war für mich eine Rückkehr ins beschauliche Oxford schon fast so etwas wie ein Muss. Allerdings gestaltete diese sich insofern schwierig, da die Morse-Titel nicht nur seit längerer Zeit vergriffen, sondern auch nur noch zu teilweise horrenden Preisen erhältlich sind. Letztendlich hat es mit dem Kauf von „... wurde sie zuletzt gesehen“ dann allerdings doch noch einigermaßen günstig geklappt und einer gemütlichen Krimi-Lektüre stand nichts mehr im Wege. Natürlich nicht ohne vorher darüber zu fluchen, dass man einen derart wichtigen Schriftsteller im Bereich der Spannungsliteratur von Seiten der Verlage immer noch so schmählich ignoriert. Aber die Leser kriegen, was die Leser wollen. Und das muss in den letzten Jahren ja zunehmend blutiger und inhaltlich „übersichtlicher“ sein. Colin Dexters zweiter Roman würde wohl heute die meisten Krimifreunde nicht mehr hinter dem Ofen hervor locken, was in diesem Fall sogar verständlich ist, hat doch „... wurde sie zuletzt gesehen“ seit seinem Erscheinen im Jahr 1976 etwas Staub angesetzt.

Und Staub liegt auch auf dem neuesten Fall, mit dem Inspector Morse von seinem Vorgesetzten beauftragt wird. Vor mehr als zwei Jahren ist Valerie Taylor, zum damaligen Zeitpunkt eine siebzehnjährige Schülerin, aus einem Vorort in der Nähe von Oxford verschwunden und seitdem nie wieder aufgetaucht. Chief Inspector Ainley, einer der besten Mitarbeiter der Thames Valley Police, hatte sich nun nach der Lektüre eines Artikels über verschwundene Jugendliche in der „Sunday Times“ nochmal die Unterlagen des als abgeschlossen betrachteten Falles vorgenommen und war dabei auf gewisse Ungereimtheiten gestoßen, welche ihn dazu bewogen hatten, weitere Nachforschungen in dieser Sache anzustellen. Seine Spur führte ihn dabei nach London. Bevor er jedoch die neuen Erkenntnisse mit jemanden teilen konnte, verunglückte er auf der Rückfahrt tödlich. Morse soll jetzt da weitermachen, wo Ainley aufgehört hat. Ein Auftrag, von dem der eigenwillige Inspector alles andere als begeistert ist, da er die Verschwundene insgeheim bereits für tot hält. Umso überraschter ist er, als ihm ein Brief von Valerie gezeigt wird, den sie erst vor kurzem an seine Eltern geschrieben hat.

Morse ist jedoch weiterhin von seiner Theorie des toten Mädchens überzeugt und versucht die Indizien auch in diese Richtung zu deuten, während gleichzeitig sein Kollege Sergeant Lewis glaubt, dass Valerie noch unter den Lebenden weilt und dementsprechend in London ermitteln will. Gemeinsam schnüffeln sie der schon sehr kalten Fährte nach, wobei sie auf ihrem Weg zum Ziel ein ums andere Mal eine Theorie verwerfen müssen …

Soviel sei gesagt: Sherlock Holmes hätte bei der Lektüre dieses Buches wohl seine Bruyère-Pfeife über dem Knie zerbrochen, widerspricht doch Morses Arbeitsweise so überhaupt nicht der des deduktiv denkenden Meisterdetektivs. Ganz im Gegenteil: Der Oxforder Inspector knobelt im Verlaufe des Falls eine mögliche Lösung nach der anderen aus, wobei er sich stets von seiner Intuition leiten und Beweise grundsätzlich völlig außer acht lässt. Das führt dazu, dass Morse und Lewis bei ihren Ermittlungen gleich desöfteren in einer Sackgasse landen. Und mit ihnen letztendlich dann auch der besonders im letzten Drittel arg in seiner Geduld strapazierte Leser. Doch fangen wir vorne an:

„... wurde sie zuletzt gesehen“ bietet all die Ingredienzien, welche man bereits von den anderen großen britischen Kriminalromanschreibern wie Reginald Hill, Ian Rankin und John Harvey kennt. Ein gut ausgeklügelter, intelligent durchdachter Plot, der, ähnlich einer Baumkrone, sich immer wieder verästelt und falsche Fährten für Leser und Protagonisten gleichermaßen auslegt. Interessanterweise wird hier jedoch zu Beginn kein Mörder gesucht, sondern in erster Linie die Frage behandelt, ob es überhaupt einen Mord und somit ein Verbrechen gegeben hat. Der Kreis der Verdächtigen ist schon fast whodunit-typisch sehr klein gehalten, besticht dafür aber durch eine intensive Skizzierung der Figuren, welche allesamt bis zum Schluss recht undurchschaubar bleiben. Ob Direktor Donald Phillipson oder die Eltern der verschwundenen Valerie. Jeder scheint so seine Leichen im Keller zu haben, was es dem Miträtselnden fast unmöglich macht, einen einzelnen Hauptverdächtigen zu selektieren. Dexter gelingt es hervorragend, uns Einblick in die Seele der Charaktere zu geben, ohne dabei zu viel zu offenbaren. Das macht das Buch besonders gegen Anfang, wo die Geheimnisse der Lehrer auf der Gesamtschule von Valerie sowie das seltsame Verhalten der Eltern thematisiert werden, äußerst spannend und lässt den Leser schnell Zugang zu der Geschichte finden.

Wie bereits oben angedeutet, verliert sich diese Spannung dann aber im weiteren Verlauf, was daran liegt, dass stets neu auftauchende Erkenntnisse nur wenige Seiten später widerlegt werden und den Fall wieder in einem völlig neuen Licht präsentieren. Eine grundsätzlich gute Idee, welche mir Dexter hier aber zu weit getrieben hat, da so einiges an Glaubwürdigkeit verloren geht. Was den Aufbau angeht, fühlte ich mich dabei ein wenig an Anthony Berkeleys „Der Fall mit den Pralinen“ erinnert, welches ebenfalls stets andere Lösungen präsentierte, um sich aus den Fehlern der einzelnen Gedankenansätze dann eine komplett andere Erklärung zu basteln. In gewissem Sinne spiegelt sich in dieser Erzählweise Morses Vorliebe für Kreuzworträtsel wieder. Auf gut Glück werden da Indizien zusammengefügt, welche schließlich als Ganzes leider keinerlei Sinn mehr ergeben. Am Ende ist man als Leser (sofern man nicht fleißig mit Bleistift und Papier mitdokumentiert hat) gänzlich verwirrt und hat arge Schwierigkeiten und auch wenig Muße, die verschiedenen Stränge aufzudröseln bzw. nachzuvollziehen.

Was die Figuren betrifft: Hier sieht man deutlich den Einfluss, welchen Dexter auf das Genre ausgeübt hat. Morse ist in vielen seiner Eigenheiten in gewissem Sinne der Prototyp des heutigen englischen Roman-Inspectors. Ein sehr eigenwilliger, sturer Kauz, der seine eigenen Wege geht und die Zusammenarbeit mit anderen eher als hinderlich empfindet. Dennoch passt dann der nüchterne und trotzdem sehr produktive Sergeant Lewis perfekt an seine Seite. Ein interessantes Team, das gegenüber dem Erstlingswerk „Der letzte Bus nach Woodstock“ aber für weniger Lacher sorgt.

Insgesamt ist „... wurde sie zuletzt gesehen“ ein zwar wenig spannendes, aber intellektuell äußerst anregendes Rätselraten, das ruhig erzählt für verregnete Herbsttage bestens geeignet ist und trotz einiger Holperer und Schwächen durchaus Appetit auf mehr aus der Morse-Reihe macht. Eine Empfehlung für alle Freunde englischer Kriminalliteratur, die auch ohne blutüberströmte Leichen Freude an einem Buch finden können.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mylo zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen« 10.08.2008
Wahrlich ein wahres Lesevergnügen, Morse und Lewis, ein super Gespann.
Kurzweilig fesselnd , Spannung Humor und geistreich, immer wieder gut.
Dexter sagt von sich, dieser 2. Roman sei sein bester aus der Morse-Reihe.
Nun ich finde in spitze und ob er der beste ist werde ich sehen, hab erst drei gelesen, habe aber die Sammlung komplett, will sie nun chronologisch lesen.
Für den gibt es 90 Punkte von mir.
Schade, dass die Reihe nicht mehr verlegt wird.
evachen89 zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen« 02.04.2006
ich habe diesen roman von colin dexter zwar schon um juli vergangenen jahres gelesen, aber durch die tolle und mitreissende geschichte ist mir jedes detail noch im bewusstsein *g*... ein spitzenroman! er hat mich gefesselt wie noch wenige bücher!

lg
william zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen« 15.07.2004
Mein erster Dexter, werde aber noch mehr davon lesen. Teile im wesentlichen "noks" Meinung, wenn auch am Schluss die, voreiligen ?, Gedanken von Morse mir etwas zu konstruiert erscheinen.
nok zu »Colin Dexter: ... wurde sie zuletzt gesehen« 20.11.2003
Ein großartiges Lesevergnügen. Wunderbar, wie dem Leser immer wieder plausible Lösungen des Falls geliefert werden, die sich dann wieder als falsch herausstellen!
Ihr Kommentar zu ... wurde sie zuletzt gesehen

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