Eine Messe für all die Toten von Colin Dexter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1979 unter dem Titel Service of all the dead, deutsche Ausgabe erstmals 1986 bei Rowohlt.
Folge 4 der Inspektor-Morse-Serie.

  • London: Macmillan, 1979 unter dem Titel Service of all the dead. 256 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1986. Übersetzt von Ute Tanner. ISBN: 3-499-42764-8. 219 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1995. Übersetzt von Ute Tanner. ISBN: 3-499-43173-4. 219 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2001. Übersetzt von Ute Tanner. ISBN: 3-499-22845-9. 252 Seiten.

'Eine Messe für all die Toten' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Chief Inspector Morse hat Urlaub. Wie langweilig! Zum Glück wird gerade da der Kirchenälteste der kleinen Gemeinde St. Frideswide´s umgebracht. Während des Gottesdienstes …

Das meint Krimi-Couch.de: »Krimispannung für Kopf und Bauch« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Der Pfarrer vermisst Geld aus dem Klingelbeutel und verdächtigt den Küster oder den Organisten. Der Küster findet heraus, dass ihn seine Frau, die Lehrerin, mit dem Organisten betrügt. Die Lehrerin spioniert ihrem Mann, dem Organisten, hinterher und erwischt ihn mit der Kirchen-Putzfrau. Der Pfarrer hat einen kriminellen Bruder, der den Organisten erpresst. Die Putzfrau bekommt davon Wind. Der Organist erfährt von den Gelddiebstählen und verdächtigt den Pfarrer oder den Küster. Der Pfarrer stellt dem Sohn des Organisten nach. Der Organist betrügt seine Geliebte mit einer minderjährigen Schülerin. Dann liegt plötzlich der Küster erstochen in der Kirche, und der Pfarrer springt vom Turm – oder etwa nicht?

Auftritt Chef-Inspektor Morse von der Mordkommission der Thames Valley Police im kleinstädtischen Kidlington nahe der ehrwürdigen Universitätsstadt Oxford. Eigentlich wollte er ja in den Urlaub fahren, doch einem kriminalistischem Rätsel konnte er noch nie widerstehen. Als dann der Hauptverdächtige vom Kirchturm in den Tod stürzt, lässt Morse jede Zurückhaltung fahren. Begleitet vom geduldigen, ob seines eigenwilligen Vorgesetzten Kummer gewöhnten Sergeanten Lewis setzt sich Morse auf die Spur des wahren Täters.

1975 löste er seinen ersten Fall, der bärbeissige, unkonventionelle und höchst erfolgreiche Inspektor Morse, dessen Vornamen Autor Colin Dexter fast zwei Jahrzehnte sorgfältig geheim hielt. Erst in seinem zwölften Fall erfuhren seine Leser (und der viel geprüfte Sergeant Bell), dass seine Eltern Morse »Endeavour«, d. h. »Entdecker« oder »Suchender« getauft haben. Ein Suchender ist er tatsächlich, dieser Endeavour Morse, der so gar nichts von einem »typischen« Polizisten an sich hat. Er stammt aus kleinbürgerlichem Haus, konnte aber studieren und hat auf der Universität eine umfangreiche humanistische Bildung erworben, mit der er nicht hinter dem Berg hält – besonders, wenn man ihn langweilt oder reizt. Beides geht rasch, denn Morse ist ungeduldig bis überheblich, kann Dummheit nicht ausstehen und lässt seinen oft schwer nachzuvollziehenden Gedankengängen mit erstaunlichen Ergebnissen freien Lauf. (»Aber da bekamen seine Gedanken schon wieder Flügel und erhoben sich mühelos wie eine Möwe, die über den Klippen schwebt«; S. 46.) Widerspenstigen Verdächtigen und blasierten Vorgesetzten begegnet er gleichmassen mit sorgfältig gewählten Unverschämtheiten.

Seinen Respekt kann man nicht erzwingen, sondern muss ihn sich verdienen, wie es Sergeant Lewis gelungen ist, der ihm im Laufe der Jahre zu einem echten und wohl einzigen Freund geworden ist (auch wenn beide dies lange selbst nicht zu bemerken scheinen). Zur Polizei ist Morse gekommen, weil ihn die Lösung eines realen, möglichst verwickelten Kriminalfalls seit jeher mehr reizte als eine Karriere als Wissenschaftler oder Universitäts-Dozent. Er stochert gern im Privatleben anderer Menschen; dies vielleicht auch deshalb, weil es ihm schwer fällt, persönliche Kontakte zu knüpfen. Morse ist Junggeselle, nicht ganz so freiwillig, wie er gern behauptet, und muss sich oft seiner Einsamkeit stellen.

»Eine Messe für all die Toten« ist das vierte Morse-Abenteuer. Dexter entwirft ein höchst kompliziertes Geflecht persönlicher Beziehungen und Verwirrungen, legt falsche Spuren und präsentiert immer neue Verdächtige. Bis zum Schluss bleiben der wahre Täter und sein Motiv im Dunkeln, wie es sich für einen gelungenen englischen Krimi der etwas altmodischen Art gehört. Mindestens ebenso vergnüglich ist es jedoch, Morse bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Mit trockenem britischen Humor begleitet Dexter seinen Helden, dem er so manche bissige Bemerkung in den Mund legt, bei der Mörderjagd. Doch trotz der beinahe übertrieben verrätselten Handlung und der leicht verschrobenen Charaktere gelingen Dexter auch sehr realistische Beschreibungen, in denen er deutlich werden lässt, wie die Banalitäten des Alltags leben sich plötzlich zu einer Tragödie aufschaukeln können.

Fazit: ein rundum gelungenes Lesevergnügen.

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Anna zu »Colin Dexter: Eine Messe für all die Toten« 10.09.2013
Langfädig, vom Motiv her unwahrscheinlich und gegen Schluss fast unerträglich langweilig. Stilistisch altbacken: seitenlanger Monolog über einigen Bierhumpen? Da hört doch keiner mehr zu, ausser der brave Lewis?
Ich lese mich durch die Colin Dexter Texte durch, weil ich die TV-Serie liebe. Sorry to say: die ist viel besser als das Script.
mylo zu »Colin Dexter: Eine Messe für all die Toten« 27.08.2008
Also wieder mal ein Hochgenuss und 100 % iger Dexter. Morse kann es sogar im Urlaub nicht lassen, und man wird wahrlich wieder von Lösungen überrollt. Wenn man glaubt, ja so war es, der Fall ist gelöst, stellt Morse es zur Verblüffung des Lesers und von Lewis das ganze wieder in Frage und präsentiert eine neue Variante. Das ganze noch mit Humor und der liebevoll skurrilen Art des Chef-Inspektor Morse. Super Schreibstil : ... sah man die Hypotenuse der zurückgeschlagenen Bettdecke...

Super 90 Punkte.
Luzie zu »Colin Dexter: Eine Messe für all die Toten« 18.06.2006
Dieser Roman ist einer der Besten, wenn nicht sogar der Beste, die ich bis jetzt gelesen habe. Dexters Humor ist erstklassig. Ungefähr jede Minute huscht dem Leser ein Lächeln über die Lippen. Unbedingt lesen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kristin zu »Colin Dexter: Eine Messe für all die Toten« 08.04.2006
Der erste Colin Dexter-Roman, den ich gelesen habe. Ein wirklich sehr guter Krimi, der mit sehr viel Humor ausgestattet ist. Ein kleiner Minuspunkt bleibt leider doch: da sich der Autor in sehr wüste Verstrickungen stürzt und der geneigte Leser garantiert (sehr) verwirrt sein wird, scheint die Lösung nicht ganz so gelungen. Einzig aus dem Grund bleibt man am Ende etwas enttäuscht zurück. Empfehlenswert.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Andreas zu »Colin Dexter: Eine Messe für all die Toten« 03.09.2003
Brillianter Roman - mit Wendungen, die verblüffen.
6 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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