Totentanz für Dr. Siri von Colin Cotterill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Disco for the Departed, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Laos, 1990 - 2009.
Folge 3 der Dr.-Siri-Paiboun-Serie.

  • London: Quercus, 2008 unter dem Titel Disco for the Departed. 260 Seiten.
  • München: Manhattan, 2010. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN: 978-3-442-54665-7. 318 Seiten.
  • München: Goldmann, 2011. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN: 978-3-442-46692-4. 320 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2010. Gesprochen von Jan Josef Liefers. gekürzt. ISBN: 3837104486. 4 CDs.

'Totentanz für Dr. Siri' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Dr. Siri, der so dickköpfige wie brillante Leichenbeschauer von Laos, muss in die Provinz: Ein bizarrer Fund sorgt für Unruhe in Houaphan, einer abgelegenen Bergregion. Nach einem Erdrutsch ragt ein mumifizierter Arm aus einem frisch verlegten Betonpfad. Da der fragliche Weg zum neuen Domizil des Präsidenten führt, ist er geradezu ein Nationaldenkmal. Folglich soll Siri schnell und diskret herausfinden, warum hier offenbar ein Mann lebendig begraben wurde. Zusammen mit seiner Assistentin Dtui kommt er einer Geschichte von Liebe, Magie und Rache auf die Spur. Allerdings ist es nicht dieser Mordfall, der Siri um den Schlaf bringt. Es ist die infernalisch laute Diskomusik, die jede Nacht an sein Ohr dringt. Woher kommt sie? Und warum scheint sie außer ihm niemand zu hören? Auch dieses Rätsel wird er schließlich lösen – und sogar selbst ein mitternächtliches Tänzchen wagen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Nicht gelungene Mischung aus den alten Zutaten« 38°

Krimi-Rezension von Georg Patzer

Ein Erdrutsch in Houaphan, ein frisch verlegter Betonpfad zum neuen Haus der Präsidenten von Laos, ein mumifizierter Arm: ein neuer Fall für den laotischen Pathologen Dr. Siri Paiboun, dem einzigen Pathologen des seit kurzem kommunistischen Landes. Kein schöner Tod übrigens:

»Letztlich«, sagte Siri, »deutet alles darauf hin, dass der gute Mann erst angeschossen und dann, noch lebend, in den nassen Zement getaucht wurde, bis er darin buchstäblich ertrank. Was ihn das Leben gekostet hat, war ohne Zweifel der Zement, auch wenn ihn die Schusswunde erheblich geschwächt haben dürfte. (…) Wie es scheint, bestand der letzte Atemzug unseres Freundes aus flüssigem Zement. Als der erstarrte und der Leichnam zu schrumpfen anfing, wurden ihm die Zähne buchstäblich aus dem Mund gerissen. Es würde mich nicht wundern, wenn sich in der Lunge noch mehr Zement befände.«

Und kein schöner Fall: Schnell und diskret soll er ihn aufklären, denn der Präsident will in den nächsten Tagen sein neues Haus einweihen, mit hochrangigen Gästen und Delegierten aus Vietnam und Laos und den »sozialistischen Bruderländern«. Zusammen mit Schwester Dtui wird Siri in einem etwas seltsamen Gästehaus einquartiert. Und natürlich pflegt er, schließlich ist er der Held einer Reihe von inzwischen drei Krimis (der vierte erscheint dieses Jahr auf Deutsch), auch wieder Umgang mit den Geistern, die seinen Körper zeitweise als Hülle benutzen.

Bald erfährt Dr. Siri, dass in den Höhlen oberhalb der Präsidentenvilla sich während des Vietnamkriegs Anhänger der kommunistischen Partei versteckten und einer Art Höhlenstadt bildeten, aus der heraus sie den Widerstand organisierten. Schnell auch wird der eigentlich völlig unmusikalische Siri vom Geist eines sehr musikalischen Kubaners ergriffen, fängt an, mit den Fingern zu schnippen und mitternachts zu geisterhafter Diskomusik zu tanzen. Man kennt das aus den beiden Vorgängerromanen, in denen sich Schamanismus, Kriminalaufklärung und Sozialkritik (vor allem an der Bürokratie und Bestechlichkeit der Kommunisten) auf eine ganz neue Art mischen.

Der dritte Band der Reihe allerdings enttäuscht. Nicht nur nimmt der Geisterglaube derart überhand, dass man schon mal den Überblick verlieren kann, Siris Visionen, Gesichte und Träume sind um einiges wirrer und zusammenhangloser als in den anderen, etwas stringenteren Bänden. Verwirrender ist aber die Nebenhandlung um Siris Assistenten, den an einem leichten Down-Syndrom leidenden Herrn Geung. Eigentlich soll er auf die Leichenhalle aufpassen, aber dann wird er entführt und von Soldaten verschleppt. Er kann entkommen und läuft zu Fuß quer durchs Land, um zu seinem Arbeitsplatz zurückzukehren. Auch er hat Visionen, auch er begegnet der Vergangenheit. Aber was dieser Teil des Buches mit dem Kriminalfall zu tun hat, wird nicht ganz klar. Und als eigenständiges Buch ist es einfach zu wirr.

Es scheint, als habe sich Cotterill selbst zu sehr in die Geisterwelt begeben und findet nicht mehr heraus. Hoffen wir, dass er im nächsten Band wieder etwas realistischer wird, und auch seine Geister wieder mehr mit unserer Welt zu tun haben. Erst dann nämlich sind Cotterills Bücher, die stets (auch in diesem Band) mit verschrobener Skurrilität (wie die seltsamen Heiratsanträge) und witzigen, ironischen Dialogen punkten können, auch wirklich ein rundes Lesevergnügen.

Georg Patzer, Januar 2011

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kritikaster zu »Colin Cotterill: Totentanz für Dr. Siri« 14.06.2016
wenn man an geister und schamanen glaubt oder gerne ein schönes märchen hört, ist man hier bestens bedient.
irgendwie ist dem guten cotteril sein schamanismus ein bisschen aus dem ruder gelaufen. vermutlich glaubt er selber an diesen blödsinn, denn er bringt es fertig, dass auch ein hartgesottener angarnichtsglauber plötzlich das gefühl hat, der stuss könnte wahr sein.
eine beachtliche erzählerische leistung und jj liefers ist ein fantastischer vorleser!
dass man so ganz nebenbei in die geschichte von laos, thailand und vietnam eintaucht, ist auch kein schaden. alles in allem: 90 punkte
manni zu »Colin Cotterill: Totentanz für Dr. Siri« 08.02.2012
Herzerfrischend ! Auch der dritte Band vermittelt Asien pur,. Ich habe den Totentanz während einer langen Asientour gelesen und mich köstlich amüsiert. Ein Krimi ist das ja nicht, eine spannende Geschichte allemal, aber eben mit viel Lokalkolorit. Bin ich froh diesen Autor vor Jahren entdeckt zu haben. 80 Punkte!
tedesca zu »Colin Cotterill: Totentanz für Dr. Siri« 26.07.2011
Dr. Siri und Schwester Dtui lösen einmal mehr eine scheinbar unlösbares Rätsel, doch diesmal nehmen die Geister eine der Hauptrollen ein. Immer mehr verlässt sich der alte Leichenbeschauer auf die Hinweise, die er aus dem Reich der Toten erhält. Wenn einen das nicht stört, kann man sich dabei auch noch köstlich amüsieren. Parallel zur spannenden Ermittlung im Jungel wird die rührende Geschichte von Mr. Geung, dem Gehilfen Dr. Siris, erzählt, der am Down-Syndrom leidet und seinen Vorgesetzten schon lange ein Dorn im Auge ist.
Immer tiefer taucht man auch in die politische Geschichte von Laos ein und erlebt den raschen gesellschaftlichen Verfall nach nur knapp zwei Jahren kommunistischen Regimes. Cotterill beleuchtet sämtliche Aspekte mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, zieht jedoch weder Menschen noch Land jemals ins Lächerliche, und gerade das macht diese Serie zu etwas ganz Besonderem. Hoffen wir, dass dieser dritte Teil bald ins Deutsche übersetzt wird!
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