Der fröhliche Frauenhasser von Colin Cotterill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel The merry misogynist, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Laos, 2010 - heute.
Folge 6 der Dr.-Siri-Paiboun-Serie.

  • New York: Soho, 2009 unter dem Titel The merry misogynist. 274 Seiten.
  • München: Manhattan, 2013. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN: 978-3-442-54682-4. 304 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2013. Gesprochen von Jan Josef Liefers. ISBN: 386717993X. 6 CDs.

'Der fröhliche Frauenhasser' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Paiboun, einziger Leichenbeschauer in Laos und ebenso exzentrisch wie genial, steckt in der Klemme: Dass er die Wohnung seiner Angetrauten, Madame Daeng, der ihm von der Regierung zugewiesenen Bleibe vorzieht, ruft die laotische Bürokratie auf den Plan − und mit der ist nicht zu spaßen. Doch Siri hat keine Zeit, sich mit halsstarrigen Beamten herum zuschlagen: Die Arbeit ruft! Als auf seinem Seziertisch die Leiche einer jungen Frau landet, schlittert er prompt in seinen nächsten Kriminalfall. Denn das Mädchen wurde brutal ermordet. Der Killer hatte es an einen Baum gefesselt, gefoltert und schließlich erwürgt. Als Dr. Siri der Sache nachgeht, muss er feststellen, dass er es mit einer ganzen Serie von Frauenmorden zu tun hat. Und dass der Killer auch vor in Ehren ergrauten Pathologen nicht haltmacht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bo ben nyang!« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Laos einziger Leichenbeschauer hat gleich auf zwei Ebenen zu kämpfen, denn Dr. Siri wohnt nicht in der ihm vom Staat zugewiesenen Wohnung, sondern bei Madame Daeng, seiner Ehefrau. Die Schwierigkeiten mit den Bürokraten beunruhigen ihn wenig, denn ein weitaus größeres Problem macht Siri zu schaffen. Auf seinem Seziertisch landet die ebenso schöne wie misshandelte Leiche einer jungen Frau. Da die Mahosot-Klinik über kein eigenes Labor verfügt, wendet sich Siri an die befreundete Lehrerin Oum, um deren Chemiesaal zu nutzen. Als er Oum die traurigen Details des Mordfalles erzählt, kommt dieser der Fall äußerst bekannt vor. Sie hat die gleiche Geschichte schon einmal gehört und so muss Siri zu seinem Entsetzen feststellen, dass offenbar ein Serientäter durch das Land zieht, um junge Frauen zu ermorden. Gemeinsam mit Inspektor Phosy macht sich Siri auf die Spurensuche, doch zuvor gilt es noch, den seit einigen Tagen verschwundenen Obdachlosen, den alle nur den verrückten Rajid nennen, zu finden…

Der einzige Binnenstaat in Südostasien bildet die Kulisse der Dr.-Siri-Paiboun-Reihe, die inzwischen neun Romane umfasst. Der sechste Teil, Der fröhliche Frauenhasser, ist soeben erschienen und setzt die preisgekrönte Serie hervorragend fort. Dies liegt naturgemäß in erster Linie an Autor Colin Cotterill, der selbst mehrere Jahre in Laos gelebt hat. Das seit 1975 als Einparteienstaat geführte Land ist für Ausländer nur schwer passierbar. In der vorliegenden Geschichte kommt erschwerend hinzu, dass 1978 – in diesem Jahr spielt der Roman – neben Lebensmittelengpässen auch die Infrastruktur weit zu wünschen übrig lässt. Ob sich hieran bis heute irgendetwas geändert hat, sei mal dahingestellt. Jedenfalls ist die Stimmungslage der desolaten Versorgungslage angepasst, nur wenige Menschen und Institutionen verfügen über ein funktionstüchtiges Telefon, eine Zusammenarbeit der Polizei über deren jeweilige Bezirksgrenzen hinaus ist kaum möglich. Für Reisen aus der Hauptstadt Vientiane benötigt man einen Passierschein, den nur wenige Menschen erhalten, doch über genau so ein Papier, genauer gesagt sogar mehrere, muss der Mörder verfügen, denn seine Mordtaten führen ihn in unterschiedliche Gegenden.

»Da es in Pakxe nicht allzu viele Fremde gibt, die nicht dem Militär angehören, brauchten die Kollegen von der örtlichen Polizei nur noch eins und eins zusammenzuzählen.«
»Genial«, meinte Siri. »Und was haben sie unternommen?«
»Nichts«, gestand Phosy. Er verrührte den Kaffee mit der Kondensmilch in seinem Glas. Das Ergebnis ließ sich schwerlich als Flüssigkeit bezeichnen. »Sie vermuteten eine schnöde Liebesgeschichte hinter der ganzen Sache und nahmen an, dass der Bursche die Reiseerlaubnis nur gefälscht hatte, damit er seine Verlobte heiraten konnte. Sie maßen dem keine große Bedeutung bei.«
»Das klingt schon eher nach der Polizei, die wir kennen und lieben«, befand Siri.

Der Plot gliedert sich in vier Erzählstränge, die nahtlos ineinander greifen. Da ist zunächst Siris Privatleben, welches geprägt ist von Schwierigkeiten mit dem renitenten Wohnungsbeamten Koomki sowie seiner Liebe zu Madame Daeng. Dann die beiden Ermittlungen in den Fällen des vermissten Rajid sowie des Serienmörders und als vierter Strang gibt es Einblicke in das Leben und die Vorgehensweise eben jenes Serientäters Phan, dessen Name auf Seite 22 erstmals genannt wird. Nicht, dass Sie dem Rezensenten einen Spoiler vorwerfen.

»Das weibliche Gehirn besteht aus zwei Hälften. Eine für die Liebe. Eine für den Hass. Bisweilen ergänzen sie sich trefflich.«

Wie bei Serien üblich begegnen einem bereits vertraute Figuren. Siris bester Freund Civilai, sein Gehilfe Dr. Jeung und seine Assistentin Dtui, die übrigens ein Kind von Inspektor Phosy erwartet, sind wie gewohnt an seiner Seite. Doch keine Frage, der unerreichte Star der Serie ist Siri, inzwischen 73 Jahre alt und der einzige Leichenbeschauer seines Landes. Eigentlich wollte er mit Madame Daeng seinen Ruhestand genießen, da jedoch aufgrund des politischen Umsturzes im Jahr 1975 viele Ärzte das Land verließen, wurde er zwangsverpflichtet. Mit viel Sarkasmus und schwarzem Humor trotzt Siri den Widrigkeiten der kommunistischen Bürokratie und löst gelegentlich für seinen Freund Phosy Kriminalfälle. Sehr viel Wortwitz bietet eine kurzweilige Unterhaltung und die Beschreibung zahlreicher Orte und Sehenswürdigkeiten sorgen für Authentizität, ohne dass man dabei das Gefühl bekommt, einen Reiseführer zu lesen.

»Bo ben nyang« ist übrigens eine laotische Redensart, die zahlreiche Bedeutungen hat, beispielsweise könnte man sie übersetzen mit »Nicht der Rede wert.« Mit diesem Fazit würde man dem vorliegenden Roman allerdings grobes Unrecht antun. Da passt schon eher die landestypische Begrüßung: »Wohlsein!«

Jörg Kijanski, August 2013

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kritikaster zu »Colin Cotterill: Der fröhliche Frauenhasser« 31.05.2016
bin noch nicht fertig mit diesem hörbuch, aber total begeistert. der mann kann wirklich schreiben!
anfangs dachte ich, ich wäre wieder in so einem neumodischen anspruchsloseleserverwirrkrimi gelandet, immer neue figuren, immer neue nebenhandlungen, immer neue baustellen, bis man den faden verloren hat, nele neuhaus ist da eine meisterin drin.
aber weit gefehlt. hier stimmt alles. figuren, background, handlung, logik.
und das faszinierendste daran ist, dass diese buch - im jahre 2009 geschrieben - in den siebzigern des vergangenen jahrhunderts spielend, ganz und gar ohne smartphones, überwachungskameras, google-recherchen und andern technischen schnickschnack auskommt und trotzdem unglaublich spannend ist.
macht lust auf mehr von diesem autor. macht auch lust, mehr über das land laos zu erfahren.
liefers ist darüber hinaus einfach ein genialer vorleser. ich glaube, beim selberlesen hätte ich vielleicht das handtuch geworfen.
das wäre sehr schade gewesen.
erstaunlich, dass hier erst zwei kritiken von lesern stehen.
Gospelsinger zu »Colin Cotterill: Der fröhliche Frauenhasser« 14.05.2016
1978 in Laos. Einmal mehr muss der 73 -jährige Dr. Siri sich mit der Bürokratie abärgern. Er hat das Wohnungsamt auf dem Hals, weil er die Nächte viel lieber bei seiner frisch angetrauten Ehefrau verbringt, als in dem Haus, das ihm von der Regierung zugewiesen wurde. Denn in diesem Haus geht es nicht gerade ruhig zu, hat er doch eine ganze Reihe von gescheiterten Existenzen dort aufgenommen.
Damit nicht genug. Als die Leiche eines brutal ermordeten jungen Mädchens auf seinem Seziertisch landet, wird Dr. Siri klar, dass in Laos ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Natürlich setzt er alles daran, den Mörder dingfest zu machen, auch wenn er sich damit mal wieder selbst in Gefahr bringt.
Nebenbei sorgt er sich noch um einen Obdachlosen, der ungeahnte Fähigkeiten hat.
Dr. Siri ist ein ungewöhnlicher Charakter, der mit der Geisterwelt in Verbindung steht und von einem 1000jährigen Schamanen besessen ist. Mutig, rüstig, großzügig und mit scharfem Blick auf die herrschenden Zustände gefällt er mir besonders wegen seiner Warmherzigkeit und wegen seines Scharfsinns, aber auch wegen seines Humors. Seine satirischen Beobachtungen des kommunistischen Alltags sind einfach herrlich.
Auch die anderen Charaktere im Buch sind etwas Besonderes und alle ziemlich schräg, dabei aber liebenswert.
Daneben erfährt man noch Interessantes über das Land, zum Beispiel, warum die Häuser keine Keller haben. Kurz, bei diesem Krimi stimmt die Mischung aus einer spannenden Story, interessanten Charakteren und einem ungewöhnlichen Setting. Ich freue mich schon auf die nächsten Bände dieser Reihe.
Jule zu »Colin Cotterill: Der fröhliche Frauenhasser« 13.09.2013
Ein herrliches Romen, gefällt mir sogar besser als die beiden Vorgänger und natürlich muss man auch mal die geniale Übersetzung loben. Das Wort Arbeitssimulation hat es mir angetan. Habe mir das Hö buch eigentlich nur gekauft um zu erfahren, ob Dtui einen Jungen oder ein Mädchen bekommt, habe aber schon mehrfach laut schallend gelacht. Da ich die Hörbücher (Idealbesetzung JJL) immer im Auto höre, kommen meine Staugenossen auch in den Genuss der herrlichen Geschichten.
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