Und vergib uns unsere Schuld von Claus Cornelius Fischer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Ehrenwirth.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande / Amsterdam, 1990 - 2009.
Folge 1 der Commissaris-Bruno-van-Leeuwen-Serie.

  • Bergisch Gladbach: Ehrenwirth, 2007. ISBN: 978-3-431-03702-9. 352 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2009. ISBN: 978-3-404-92315-1. 352 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe, 2007. Gesprochen von Stephan Benson. ISBN: 978-3-7857-3301-1. 6 CDs.

'Und vergib uns unsere Schuld' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Am Abend des in Holland wie ein Volksfest gefeierten Königinnentages wird in Amsterdam ein zwölfjähriger Junge Opfer eines unheimlichen Mordes. Commissaris Bruno von Leuwen, ohnehin belastet durch den Verfall seiner an einer schweren Krankheit leidenden Frau, nimmt die aussichtslos scheinenden Ermittlungen auf. Doch die Suche nach dem Täter konfrontiert den eigenwilligen Beamten mehr und mehr auch mit einem dunklen Geheimnis seiner eigenen Ehe. Erst als ein zweiter Mord geschieht, führen ihn Spuren zu dem besessenen Anthropologen Josef Pieters, der sein Leben der Erforschung eines aussterbenden Kannibalenstammes in Papua-Neuguinea gewidmet hat. Doch während der Commissaris die Schlinge um den für den Nobelpreis nominierten Wissenschaftler immer enger zusammenzieht, kommen ihm plötzlich Zweifel an den eigenen Beweisen ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Was Sie schon immer über Alzheimer, CJD und ein Ureinwohnervolk Neuguineas wissen wollten« 55°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Es ist Königinnentag in Holland. Der Geburtstag der Königin lockt zehntausende Menschen in den Amsterdamer Vondelpark, so auch den 14-jährigen Kevin van Leer, der mit seinen Freunden Tic, Robbie und Deniz feiern wollte. Am nächsten Tag wird jedoch seine Leiche gefunden beziehungsweise dass, was der Mörder von dem toten Jungen zurück gelassen hat. Die Ermittler um Comissaris Bruno van Leeuwen sind schockiert und nehmen sofort die Ermittlungen auf. Dabei hat van Leeuwen eigentlich auch privat mehr als genug Probleme, denn seine Frau Simone leidet unter Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium. Doch eine Heimunterbringung bringt der Commissaris noch nicht übers Herz.

Einig Tage später stocken die Nachforschungen der Polizei. Deniz kann lediglich berichten, dass Kevin Angst vor einem »Doktor« hatte. Da bekommen die Ermittler von einer Jugendlichen einen Tipp. Sie hat angeblich den Täter im Vondelpark gesehen und führt van Leeuwen und sein Team in einen Club, wo der Täter kurze Zeit später tatsächlich auftaucht. Der Zugriff scheitert und van Leeuwen wird von seinem Chef vor die Wahl gestellt, sich entweder um seine Frau oder seine Arbeit zu kümmern. Er entscheidet sich für Simone und wird suspendiert.

Als er von dem Pathologen dessen Verdacht erfährt, dass es sich möglicherweise um einen Ritualmord handeln könnte, wird van Leeuwens Interesse erneut geweckt. Bei privaten Recherchen zu dem Hintergrund der Krankheit seiner Frau stößt er zudem auf Prof. Pieters, der dank einer revolutionären Entdeckung kurz vor der Verleihung des Nobelpreises steht. Sollten die uralten Riten eines Eingeborenenvolkes in Neuguinea mit dem Tod des kleinen Kevin etwas zu tun haben?

»Der unfertige Junge...«

Dies sind die ersten drei Worte des Romans »Und vergib uns unsere Schuld« von Claus Cornelius Fischer und manch’ Leser wird womöglich schon an dieser Stelle vorzeitig abbrechen. Auch in der Folgezeit macht es der Autor seinen Lesern nicht gerade leicht. Die Ermittlungen laufen gerade an, da driftet die Story auch schon – in bester skandinavischer Krimitradition – in das Privatleben des Protagonisten ab. Seitenlang werden die Auswirkungen der Alzheimerkrankheit auf das Alltagsleben von Simone geschildert. Rückblicke in die Vergangenheit des Paares folgen ebenso wie anschließend umfangreiche Abhandlungen über die Ursachen der Krankheit. Es folgt ein ebenfalls nicht kurzer Exkurs zu der artverwandten Creutzfeld-Jakob-Krankheit (kurz CJD) und endet bei der Urwaldexpedition von Prof. Pieters zu einem Eingeborenenstamm in Neuguinea, bei dem er eine der CJD ähnliche Krankheit ausfindig machen konnte.

Wäre man bösartig könnte man dem Autor unterstellen, er hätte hier nach entsprechender »Recherche« ordentlich »Fachwissen kopiert«. Dabei muss allerdings erwähnt werden, dass die vorgenannten Themen keineswegs unspannend erzählt werden. Gut lesbar und interessant ist das alles schon, nur nimmt der Umfang für einen Krimi entschieden zu viel Platz ein, auch wenn das ganze Spektrum natürlich mit der Lösung des Falles zusammen hängt. Eine Information, die wir übrigens bereits vor dem Beginn der eigentlichen Lektüre dank des Buchrückens erhalten.

Ermittlungen finden zwischendurch auch statt

Wie sieht es denn nun aber mit dem eigentlichen Krimiplot aus? So detailliert wie die oben angesprochenen Themen wiedergegeben werden, so dürftig ist leider der restliche Plot. Zufällig trifft van Leeuwen ein junges Mädchen an einem Bahnhof, das zu später Stunde auf »Kundschaft« wartet. Wenig später ist es (natürlich!) genau dieses Mädchen, das den vermeintlichen Täter im Vondelpark gesehen hat und die Polizisten zu dem Club führt. Immer wieder gerne gesehen sind natürlich mehrere tatverdächtige Personen, damit es etwas spannender bleibt. Doch Fehlanzeige und selbst das »Finale« kommt einem sattsam bekannt vor.

Eine Frage des Geschmacks

Natürlich ist jeder Krimi mehr oder weniger Geschmacksache, was im vorliegenden Fall eine recht doppeldeutige Feststellung ist, denn das angesprochene Ureinwohnervolk in Neuguinea hat einen ausgeprägten Hang zum Kannibalismus. Dies hat einige derbe Szenen zur Folge und führt abschließend zu der Frage, ob einem die Auflösung bzw. der Plot insgesamt nicht doch ein klein wenig übertrieben erscheint.

Jörg Kijanski, Juli 2007

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trafik zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 30.03.2016
Es war mein erstes Buch von Claus Cornelius Fischer.
Für mich war es nur mittelmässig.
Es hatte zuviele Leerläufe. Genau beschreiben ist ja gut, das war aber Zuviel dem gutem.
Die Beschreibungen waren zu statisch. Auch die Handlung hat mich nicht vom Sessel gehaut.
Vielleicht wird der nächste besser.
rolandreis zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 01.12.2014
Dies ist der erste Fall aus der Bruno van Leuwen Reihe von Claus Cornelius Fischer. Leider muss ich sagen für mich auch gleich der letzte. Bruno van Leeuwen ist wieder einer dieser todtraurigen und schicksalsgebeutelten Kommissare, die mir eher wegen der ständigen Depri-Stimmung auf die Nerven fallen. Der Autor schaffte es daher nie mich zu fesseln und ich quälte mich mehr durch die Seiten. Lediglich am Ende kam dann etwas Spannung auf, die man dann als Leser dankbar annahm
RiaKlug zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 29.03.2013
Fischer arbeitet sich in diesem Roman an mehreren Geschichten ab. Da ist zunächst der Kriminalfall, ein ungewöhnlicher Mord, der ca. ein Drittel der 350 Seiten beansprucht. Mindestens die Hälfte des Buchs handelt von Van Leeuwens Ehe, die durch die Alzheimer-Erkrankung seiner Frau nahezu vorüber ist. Das liest sich bedrückend, geht nahe, denn Fischer ist ein Meister der Atmosphäre.
Die restlichen Prozente werden benötigt, um Alzheimer und verwandte Krankheiten, sowie deren Ursachen zu erläutern. Wenn man so etwas mag, ist das schon in Ordnung, aber ein spannender Krimi ist das nicht. Weder gibt es viele spannende Momente, noch muss die LeserIn länge rätseln, die Lösung naht frühzeitig und wird durch Zufälle und Intuition befördert. Etwas Exotik ist beigemischt, der übliche ignorante Polizeichef tritt auch auf, wie überhaupt die Typen der Ermittlungsgruppe Abziehbilder sind, wie man sie aus Fernsehkrimis kennt.
Sehr störend fand ich die Unmassen von den Formulierungen 'fing an zu ...' und 'hörte auf zu ...', die den Lesefluss streckenweise in eine Holperstrecke verwandeln.
Immerhin sind die Hauptfiguren gut ausgearbeitet, wirken plastisch und glaubhaft.
Zwei Dinge möchte ich noch erwähnen: Im Klappentext heißt es: '... die sogar der Polizei das Blut in den Adern gefrieren lassen.' , und 'Bruno van Leeuwen ... nimmt in der von sommerlicher Hitze beherrschten Grachtenstadt die Ermittlungen auf.'
Das Erste ist ein übles Versatzstück, bei dem es mich schüttelt, das Zweite ist Quatsch, weil der Koninginnedag der 30. 4. ist und auch später der Sommer keine Rolle spielt.
Die andere Sache, die mir unangenehm aufstieß, war die Schilderung einer Zusammenkunft von schwarzen Jugendlichen im von Migranten frequentierten Hochhausghetto Bijlmermeer. Dort heißt es, die Jugendlichen würden mit Bongos 'Klänge ihrer Heimat' trommeln.
So geht Ausgrenzung, elegant nebenbei. Ich unterstelle dem Autor nicht, dass er dies bewusst macht, aber gedankenlos. Niemand kann wissen, was diese Jugendlichen als ihre Heimat betrachten und es ist nicht als ein Gedanke des Commissaris beschrieben.
Unerheblich sind kleinere Fehler, wie die Schreibung 'Ijsselmeer' statt richtig 'IJsselmeer' und dass der Commissaris sich mit seinen Untergeben siezt. Das ist ist Deutschland schon unüblich, in Holland erst recht.
Alles in Allem: Man muss schwerblütige Schilderungen statt flotter Handlung mögen, dann kann man auch mit diesem Buch Spaß haben.
drs Egbert van Katwijk zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 07.07.2011
Gut geschrieben, aber der Stoff geht CCF weit ueber den Kopf. Die Topographie von Amsterdam stimmt meistens, aber unser Verfasser hat keine Ahnung von Suntilitaeten wie siezen/duzen in den NL, wo ein Kommissar wohnt, wie ein 14-jaehriger redet und denkt, NL Rechtschreibung (IJsselmeer zB!), Anredeformen in den NL, wo man Van, wo man van schreibt, ob das IJsselmeer salz oder suess ist... usw usw. Deutlich dass CCF besse ueber DE schreiben kann, oder sonst wenigstens 20 Jahre in Amsterdam wohnt.
Egbert van Katwijk (NL)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
theili-muc zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 03.12.2010
Nicht nur der erste sondern auch mein erster Fall rund um Kommissar van Leuwen. Toll geschrieben, spannend, mit guter Handlung. Da kommt keine Langeweile auf und das Unterbrechen wird einem richtig schwer gemacht. Kurzum: Hat mir sehr gut gefallen und ich freue mich auf weiteres von Claus Cornelius Fischer (liegt bereits bereit).
lotterliesel zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 24.11.2010
Am Anfang steht ein recht grausiger Mord, danach geht es etwas langatmig los. Ich kam im ersten Drittel des Buches nicht recht voran, der Beginn der Ermittlungen , vieles vom Leben des leitenden Inspektors Van Leeuwen schien mir zu ausführlich. Der einzige Grund zum Weiterlesen zu diesem Zeitpunkt war die fesselnde Beschreibung der Krankheit von Simone, Van Leeuwens Ehefrau. Der Drahtseilakt zwischen seinen Ermittlungen und dem Zusammenleben mit einer Frau, deren Krankheit sie ins Vergessen sinken lässt, half mir bis zum Zeitpunkt an dem die Geschichte unaufhörlich spannender wird, zumal das Geschehen in eine andere Zivilisation führt, die für uns schwer oder garnicht zu begreifen ist.
Superspannend, brutal , aber auch herzzerreissend traurig - eine gelungene Mischung, die so ganz anders war, als daß, was ich bisher gelesen habe.
Stef23 zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 28.10.2010
Ich fand das Buch super!
Endlich mal ein Krimi mit etwas Anspruch und die ethisch-moralische Fragestellung, die der Plot aufwirft ist sehr anspruchsvoll.
Der Commissaris Bruno von Leuwen ist ein sehr vielschichtiger Charakter, der im ersten Buch einer vermeintlichen Romanreihe natürlich erst einmal mit gewissem Raum vorgestellt werden muss und darf. Dementsprechend sollte man "und vergib uns unsere schuld" auch als Auftaktroman lesen und man darf sich sicherlich auf weitere Mordfälle in oder rund um Amsterdam freuen.
happypets zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 13.01.2010
Also ich habe diese Buch als Hörbuch "gelesen" und bin total begeistert. Stephan Benson liest es sehr flüssig und durch die sorgsame Kürzung entstehen auch keine Längen. Sicher Alzheimer kommt auch hier nicht zu kurz, macht den Krimi aber nicht uninteresanter. Es ist kein Thriller sonder eher ein stiller athmosphärischer Milieu-Krimi. Somit kann ich Freunden Amsterdams und Hollands zumindest das Hörbuch unbedingt empfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Vince-Garron zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 05.04.2009
Der Roman fing wirklich Klasse an war gleich eine gute Spannung drin.Aber dann
hat sich der Autor leider ein wenig von Thema Krimi entfernt.Und das Thema Alzheimer nahm in den Roman immer mehr Seiten in anspruch und die Mordfälle kamen immer mehr in den Hintergrund!Ich fand der Autor hat sich da mit den Thema Alzheimer verranndt!
Den als der Autor am Ende des Romans wieder auf das Thema Krimi und die Aufklärung der Morde zu schreiben kam war es wirklich wieder gut zu lesen.
Aveda zu »Claus Cornelius Fischer: Und vergib uns unsere Schuld« 16.10.2008
Das Buch habe ich ganz gerne gelesen,
aber eher, wegen der schönen Landschafts- und Stimmungsbilder, nicht, weil es ein spannender Krimi ist.
Dafür ist der Täter viel zu früh erkennbar.

Ich frage mich auch, warum das Alzheimer Thema so detailliert abgehandelt werden muß. Mit der Romanhandlung hat es kaum zu tun und nur weil es aktuell ist, hätte es nicht soviel Raum einnehmen müssen.
Ja, die Themen sind gut ineinander verwoben, aber nur weil Fischer so gut schreiben kann, nicht, weil sie irgendwie zusammen passten oder zusammengehörten.
Der Kommissar hätte auch mit einer gesunden Frau an seiner Seite den Fall aufgeklärt.

Ich finde die Figur, die hinter dem ferngesteuerten 'Wilden' steht etwas lebensfremd. Ein alleinstehender, hochprämierter Medizin-Forscher hat kaum Zeit für intensive Forschung und gleichzeitig für private Kinderheime und die Betreuung von Adoptivkindern aus
dem Urwald.
Ein bißchen viel Effekthascherei ist drin, die Angst des Kommissars an dunklen Tatorten, die sich immer mal wieder als unbegründet erweist,
die etwas eigenartige Verfolgungsjagd durch das düstere Amsterdam. Vieles scheint zunächst düster dramatisch, wiederholt sich nur zu oft. Irgendwann verliert aber in der Wiederholung seinen Reiz.
Bereut habe ich die Lektüre nicht,
aber wer einen spannenden Krimi sucht, sollte sich eín anderes Buch vornehmen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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