Stumme Zeugen von C.J. Box Volltreffer Februar 2008

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Blue Heaven, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Idaho, 1990 - 2009.

  • New York: St. Martin´s Minotaur, 2008 unter dem Titel Blue Heaven. 456 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Bernhard Liesen. ISBN: 978-3-453-43280-2. 456 Seiten.

'Stumme Zeugen' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

»Wäre die zwölfjährige Annie Taylor an diesem regnerischen Aprilnachmittag nicht auf die Idee gekommen, mit ihrem kleinen Bruder William angeln zu gehen, wäre es ihr erspart geblieben, die Exekution zu sehen und den Mördern in die Augen blicken zu müssen. Aber sie war nun einmal wütend auf ihre Mutter gewesen.« So beginnt eine gnadenlose Hetzjagd, denn die Kinder sind fortan auf der Flucht vor den skrupellosen Mördern, während die Mutter voller Verzweiflung nach ihnen sucht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Dunkle Machenschaften unter dem blauen Himmel Nord-Idahos« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Willkommen in Nord-Idaho, im »Blue Heaven«, dem »blauen Himmel«. Das ist nicht nur der Originaltitel von Stumme Zeugen, sondern auch der Beiname dieses sehr naturbelassenen Landstriches im Nordwesten der USA, angrenzend an Kanada. Wer bei »Blue Heaven« an langgestreckte Wälder, klare Flüsse und Seen und versprengte Dörfer denkt, liegt sicherlich nicht ganz falsch. Doch der Norden Idahos trägt nicht deswegen diesen Namen. Vielmehr ist er zu einem Zufluchtsort kalifornischer Cops geworden, die wohl der Sonne als auch dem wahrscheinlich nicht unstressigen Großstadtleben überdrüssig geworden sind. Nord-Idaho: Himmel für die Blau-Uniformierten. 

Dieser »Blue Heaven« ist der Handlungsort des ersten Stand-Alones von C.J. Box, der in den Staaten vor allem durch seine Joe-Pickett-Reihe, Krimis über einen Wildhüter, durchaus bekannt geworden ist. In Deutschland ist mit Keine Schonzeit nur der erste Teil davon und dazu noch weitgehendst unbeachtet erschienen. Angesichts der Qualität von Stumme Zeugen dürfen die hiesigen Leser hoffen, auch in den Genuss der Folge-Bände zu kommen – den Box´ Thriller ist ein überraschend komplex-intelligent geplottetes Buch, was absolut nicht im Widerspruch zum wirklichen Thrill stehen muss. Davon hat Box einigen auf Lager.

Es ist Freitag, halb fünf nachmittags. Nach der Schule machen sich die zwölfjährige Annie und ihr kleiner Bruder William zum nahegelegenen Fluß im Wald auf. Angeln wollen sie gehen, endlich das tun, was Tom, der neue Geliebte ihrer Mutter, ihnen schon so lange versprochen und nie gehalten hat. Doch zum Angeln sollen sie nicht kommen. Annie und William werden Zeugen einer kaltblütigen Hinrichtung und noch bevor sie das grauenhafte Schauspiel verarbeiten können, werden die beiden Kinder von den Mördern entdeckt. In Panik irren die beiden Kinder durchs Unterholz, bis sie endlich im Wagen von Mr. Swann, einem älteren Bewohner des Nestes Kootenai Bay, Unterschlupf finden. Was weder der gute Mr. Swann noch Annie und William anfangs ahnen: Sie haben es mit Profis zu tun, eben besagten Cops, die in Idaho ihre neue Heimat gefunden haben und die dort bislang herrschende strikt reglementierte, ländliche Weltordnung aus den Angeln heben. Und es ist gar nicht so einfach zu durchschauen, wem die Kinder Vertrauen dürfen und wer vielleicht doch etwas ganz anders im Schilde führt, als er vorgibt …

Der Plot von Stumme Zeugen klingt so betrachtet nach einer actionreichen Verfolgungsjagd, die Box vermeintlich stringent erzählt. Doch dem ist nicht so. Der Autor macht recht schnell weitere Handlungsstränge auf, führt unter anderem den alten Rancher Rawlins ein, der kurz vor dem Zwangsverkauf seines Guts steht oder den Ex-Cop Eduardo Villatoro, ein Latino, den es nach dreißig Jahren Bullen-Daseins ebenfalls von Kalifornien in den Norden gezogen hat – aus welchen Motiven allerdings, lässt Box im Unklaren.

Was durch diese Vielzahl von Charakteren unter der Oberfläche des Thrillers spürbar wird, ist ein US-interner Clash der Kulturen – gerade im Jahr der Präsidentschaftswahlen ein überaus beleuchtendes Thema. Hier die Großstädter, die frei nach dem Motto »been there, did that, done it« – Menschen, die also eigentlich alles erlebt haben – auf die leicht naiv wirkende, aber fest an ihren Werten festhaltende Landbevölkerung trifft. Wie schief dies gehen, macht Box anschaulich an vielen Einzelschicksalen fest – Rancher Rawlins ist nur einer dieser bemitleidenswerten Figuren.

Und Box punktet – angesichts des Erzähltempos leicht zu übersehen – mit einem weiteren Punkt, der Stumme Zeugen zu einem Erlebnis macht: Es mag an seinem Job in der Tourismus-Branche der Rockies liegen, eventuell auch an seiner indianischer Herkunft – jedenfalls hat C.J. Box ein absolutes Händchen dafür, die mächtige Natur Nord-Idahos in prägnante, bildhafte Sätze zu verpacken, die den Leser tatsächlich mit auf eine Reise in den Nordwesten der USA nehmen. Allein das ist große Klasse.

Unterschwellige Gesellschaftskritik hin, einleuchtende Charakterzeichnungen her – dies sind nur die I-Tüpfelchen, die aus einem guten Thriller einen sehr guten machen. Wer einen Thriller in die Hand nehmt, möchte selbstverständlich in erster Linie den Nervenkitzel spüren. Und den gibt es en masse. Stumme Zeugen packt von der ersten Seite, lässt bis zum Ende der viertägigen Hetze auf Annie und Williams nicht los und berührt auch in vielen Situationen emotional. Dass Tess Gerritsen Stumme Zeugen als einen »der besten Thriller des Jahres« auf dem Cover anpreist, kann stutzig machen – dass dies Harlan Coben genau so sieht, gibt diesem Attribut schon weitaus mehr Gewicht. Und beide haben sie recht – dieser Thriller ist tatsächlich einer der besten, die seit langem über den großen Teich zu uns hinübergeschwappt sind. Und von C.J. Box möchten wir alsbald mehr lesen.

Lars Schafft, Februar 2008

Ihre Meinung zu »C.J. Box: Stumme Zeugen«

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Ronald Heinrich zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 16.03.2012
Ich habe das Buch während eines Urlaubs innerhalb von 3 Tagen komplett gelesen.

Stumme Zeugen ist an sich nicht schlecht, irgendwie bleibt mir der Handlungsverlauf zu sehr an der Oberfläche. Ich fühlte mich nicht sehr gefesselt, geschweige denn in den Verlauf der Geschichte eingestiegen zu sein.

Ich werde mit Sicherheit C. J. Box nochmal die Gelegenheit mit einem seiner anderen Büchern geben.
Frank zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 16.12.2011
"Stumme Zeugen" ist nichts für Serienmörderfans. Er bedient auch die "bludürstige" Front nicht.
Aber er liefert eine gut durchdachte, spannend erzählte Geschichte.
"Box" versteht es seine Charaktere (insbesondere "Jess") fein zu zeichnen, er baut die Spannung kontinuierlich auf...um dann die Fäden zusammenzufügen.

Die Geschichte an sich wurde bereits zuvor treffend geschildert - bleibt nur der Tipp sich C.J. Box nicht entgehen zu lassen.
Seine Leserschaft hat er sich verdient.
Chrisu zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 06.12.2010
Annie ist mit dem neuen Freund ihrer Mutter überhaupt nicht einverstanden und streitet sich heftig mit ihr. Nach Schulende geht sie mit ihrem Bruder William zum Angeln, da Tom ja versprochen hat mit William zu gehen, aber dann nicht erschienen ist. Nur dieser Plan geht voll schief. Sie und ihr Bruder werden Zeugen, als ein Mann erschossen wurde und dann wurden sie beide gejagt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und sie wissen beide, wenn sie gefunden werden, wird man auch sie erschießen. Eine Suche nach den verschwunden Kindern wird eröffnet, aber auch die Mörder sind mit dabei und verfolgen aber ganz andere Ziele. Man wird richtig in das Geschehen hineingezogen, zittert mit den Kindern mit, damit sie nicht entdeckt werden.
C.J.Box schreibt wirklich sehr mitreissend und die Charaktere der einzelnen Personen sind sehr gut darstellen.
Es ist mein erstes Buch von Box, aber sicher nicht mein Letzes.
Marv zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 25.10.2010
C.J. Box Roman ‚Stumme Zeugen‘ hat nur bedingt etwas mit dem Klappentext der Taschenbuchausgabe zu tun, und das ist gut so. Statt einem reisserischen Thriller „..So beginnt eine gnadenlose Hetzjagd...“ hält man einen durchaus spannenden Roman in den Händen, der sich jedoch die Zeit nimmt, Personen Leben einzuhauchen und Landschaften lebendig werden zu lassen. Es werden mehrere Handlungsstränge aufgebaut, die sich im Laufe des Romans miteinander verbinden und geschickt zum Abschluss gebracht werden. Box hat einen stilistisch angenehmen und flüssig lesenden Schreibstil, der zusammen mit der gut erzählten Geschichte ein kurzweiliges Lesevergnügen schafft. In Summe ein solider, gut geschriebener ‚Thriller‘.
realsatiriker zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 24.09.2010
Es tut gut, mal wieder etwas zu lesen, was von der Handlung, dem Schauplatz und den Charakteren wohltuend vom "mainstream" abweicht.

Dies ist C.J. Box mit "Stumme Zeugen" gelungen, denn es geht nicht um einen einen oder mehrere Morde oder gar einen Serienkiller, es spielt nicht in einer der Metropolen dieser Welt, sondern in der Einöde Idahos und handelt von vielen Menschen, denen Ehrlichkeit, Heimatverbundenheit und Menschlichkeit noch etwas bedeuten. Dabei leidet die Spannung aber keineswegs, dafür sorgen ja schließlich die beiden Kinder Annie und William, welche auf der Flucht vor ihren Verfolgern, das ein oder andere Abenteuer zu bestehen haben.

Ein gelungener Krimi mit dichter Atmosphäre, der sich bei mir eine gute 85° verdient hat.
Katja zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 12.01.2010
Zufällig sah ich einer Buchladen dieses Buch. Angespornt durch die vielen Lobhudeleien auf dem Cover und Coverinnenseite nahm ich es mit.Die Story an sich ist zwar so nicht neu,aber trotzdem hat C.J. Box es geschafft, von mir eine Auszeichnung zu bekommen: Es gibt wohl nicht viele Autoren,die aus solcher schmalen Handlung solch einen knapp 500 Seiten Story schreiben können.Und genau da beginnt auch mein Eindruck von diesem Buch:Die ersten 20 Seiten lesen sich gut,die Kinder sehen das Verbrechen, laufen weg und verstecken sich im Wald. Dann beginnt der Autor mit den sinnvollen Wechseln zwischen den 3 Storyfäden. dadurch ist sehr schnell aber auch klar, wer die "Übeltäter" sind. Das wäre an sich kein Problem,wenn dann die Spannung andererseits aufgebaut wäre.Die dann kommenden 200 Seiten waren für mich mega langweilig, mehrere male wollte ich das Buch in den Winterschnee schmeißen, aber irgendwie blieb die Hoffnung,die Spannung möge noch kommen. Pustekuchen!In der 2. Hälfte wurde es dann zwar spannungsmäßig besser, und man wusste,wie der "große Wild-West-Showdown" aussehen würde, die einzige Überraschung, die C.J. Box dann parat hatte, war, wer den Showdown nicht überleben würde, und selbst das war abzusehen.Mein Fazit: Die Sprache von C.J. Box hat mich nicht beeindruckt,es wirkt abgehackt und lieblos zusammen gefrickelt,die Dialoge konnten nicht überzeugen. Die Charaktere der Personen sind zwar teils aus dem Leben gegriffen(tratschsüchtige Postfrau, Mutter mit anrüchiger Vergangenheit usw. ),andererseits aber auch überzogen(Ex-Cop,der privat ermittelt; Hotelangestellte, die Firmeninternes stolz ausplaudert, Ex-Cops,die privat die der Polizei helfen usw , Postfrau,die das Postgeheimnis verletzt; Ex-Cops,die "böses Blut haben" usw.) Selbst der Showdown konnte nichts mehr bieten, selbst dort gepflegte Langeweile.Alles in allem fand ich dieses Buch nicht überzeugend und bin,froh,es hinter mir zu haben.Zusammenfassend kann ich nur sagen:Unter den Blinden ist der Einäugige der König!Schade!
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Dani P. zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 01.11.2009
Ich habe dieses Buch schon vor einiger Zeit gelesen und fand es wirklich richtig spannend und gut geschrieben.
Mir wurde es von meiner Lieblingsbuchhandlung empfohlen und ich war ganz begeistert, hatte das Buch innerhalb von 2 Tagen durch!
Ich kann es ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen! Die Kritik von ThrillerFreund kann ich nicht ganz nachzuvollziehen - hätte gern mal eine Tip von ihm - der perfekte Krimi!
Seppl zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 04.10.2009
Eine toll ausgedachte Handlung, äußerst gut geschrieben.
Das Buch ist kurzweilig und flüssig zu lesen, insgesamt sehr empfehlenswert.
Bin Pendler und habe etwa 3/4 des Buches im Zug gelesen. Zum Schluß fand ich es so spannend, dass ich es am Wochenende zu Hause fertig gelesen habe.
90°
Hoffentlich gibt es eine Verfilmung des Buches.
ThrillerFreund zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 08.01.2009
"Stumme Zeugen" von CJ Box geht von einer guten Idee aus. Kinder werden Zeugen eines Mordes. Danach machen die Mörder Jagd auf die Kinder. Das hätte spannend sein können. Leider finde ich werden die Kinder viel zu erwachsen dargestellt. Sie handeln nicht wie Kinder in ihrem Alter. Das macht die Geschichte auf Dauer unglaubwürdig. Außerdem spielen die Kinder im Verlauf der Geschichte nur noch eine Nebenrolle. Viel öfter ist man dabei, wenn die Mörder die Jagd auf die Kinder machen. Auch das macht die Geschichte nicht spannender. Schade!
Stefan83 zu »C.J. Box: Stumme Zeugen« 16.12.2008
"Stumme Zeugen" dürfte in Deutschland schon eigentlich als Debüt gelten, so wenig wurde im Jahr 2003 von "Keine Schonzeit", dem bei Blanvalet erschienenen ersten Band der Reihe um den idealistischen Wildhüter Joe Pickett, Notiz genommen. Fünf Jahre später wagt nun der Heyne-Verlag zum zweiten Mal den Schritt auf den deutschen Büchermarkt und man kann nur hoffen, dass viele Leser nun die Gelegenheit beim Schopf gepackt und zugegriffen haben. Erneut hebt sich Box erfrischend vom blutigen Einheitsbrei der derzeitigen Ami-Thriller ab und legt einen Plot vor, der durch einen stetig ansteigenden Spannungsbogen besticht.

Was braucht es eigentlich, um aus einem guten Cop einen bösen Cop zu machen? Diese oder eine ähnliche Frage könnte sich der Autor wohl gestellt haben, als er sich daran machte, das Grundgerüst für seinen ersten Thriller außerhalb der in den USA so erfolgreichen Reihe zu Papier zu bringen.

Sand Creek im Norden Idahos ist augenscheinlich ein grünes, ruhiges Paradies. Nahe der Grenze zu Kanada gelegen, ist es nicht nur beliebtes Touristenziel, sondern mittlerweile auch bevorzugter Wohnort vieler Ex-Cops aus dem nicht allzu entfernten L.A.. Von den Einwohnern des beschaulichen Städtchens eher geduldet als geschätzt, halten sich die meisten Polizisten vom sozialen Leben fern. Viele von ihnen weil sie die Einsamkeit schätzen, ein paar wenige, weil sie sehr persönliche Gründe haben nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen.

Das Geschwisterpaar Annie und William hat das Pech an letztere Kategorie zu geraten, als sie während eines Angelausflugs unfreiwillig Zeuge einer Exekution werden und dabei den Mördern ins Angesicht blicken müssen. Die Mörder, drei Polizisten im Ruhestand, lassen von nun an nichts unversucht, die Augenzeugen zum Schweigen zu bringen. Als der überforderte Sheriff nach 24 Stunden eine groß angelegte Suche nach den Kindern startet, bieten sie sich als freiwillige Helfer an und lenken die Aktionen in ihrem eigenen Interesse. Nur Eduardo Villatoro, ein Ex-Cop aus Arkadia, der der Spur des einzigen ungelösten Falls in seiner Karriere in den Norden Idahos gefolgt ist, und der alte Rancher Jess Rawlins, stehen den Kindern zur Seite. Während die Mörder tatkräftig die Ermittlungen untergraben, verwandelt sich das auch "Blue Heaven" genannte Nest in einen Schmelztiegel der Gewalt.

Wieder einmal versteht es Box ausgezeichnet mit Schreibstil und solide ausgearbeitetem Plot den Leser schon nach wenigen Seiten für sich zu gewinnen. "Stumme Zeugen" liest sich flüssig, wie aus einem Guss, und überzeugt insbesondere mit seiner gelungenen Figurenzeichnung. Derart hassenswerte Bösewichte und penetrante Nervensägen sind mir auf dem Papier schon lange nicht mehr begegnet und bringen hier die Schärfe in eine Suppe, die in erster Linie durch ihre Mischung überzeugt. Box ist nie langatmig, nie zäh.

Während bildreiche Naturbeschreibungen in vielen anderen Romanen das Tempo rausnehmen, sind sie hier vielmehr der Schlüssel zum Plot, der mit einem Finale aufwartet, dass im Vergleich zum ruhigen Beginn blutig und dramatisch gerät. Bis hierhin hat man auf gut 480 Seiten mit den Beteiligten erwartungsvoll mitgefiebert, so aussichtslos scheint oft die Lage der verzweifelten Gejagten bei der Schläue und Tücke der Jäger. Und gottseidank. Box verschont uns mit einem typisch amerikanischen Ende, wenngleich auch er ein wenig Pathos nicht völlig aus dem Spiel lassen kann.

Insgesamt ist "Stumme Zeugen" ein guter, fesselnder Thriller aus dem wilden Norden der USA, der einige Parallelen zum Film "Cop Land" aufweist, eine eigene Verfilmung durchaus aber auch verdient hätte. Auf weitere Veröffentlichungen, insbesondere aus der Pickett-Reihe, darf gespannt gewartet werden.
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