Die dritte Stimme von Cilla und Rolf Börjlind

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel Den tredje rösten, deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 2010 - heute.
Folge 2 der Olivia-Rönning-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2013 unter dem Titel Den tredje rösten. 544 Seiten.
  • München: btb, 2014. Übersetzt von Christel Hildebrandt. ISBN: 978-3-442-75394-9. 544 Seiten.

'Die dritte Stimme' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Marseille: In einem Naherholungsgebiet wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie wurde brutal ermordet. Man weiß nicht viel über sie – nur dass sie in einem Zirkus ganz in der Nähe gearbeitet hat. Zur selben Zeit in Stockholm: In seinem Haus in Rotebro erhängt sich der Zollbeamte Bengt Sahlmann. Schnell findet die Polizei heraus, dass es sich nicht um einen Selbstmord gehandelt hat – obwohl alles darauf hindeutete.

Zwei Fälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Zwei Morde, an deren Aufklärung Polizeianwärterin Olivia Rönning und der ehemalige Kriminalkommissar Tom Stilton ein jeweils ganz privates Interesse haben …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Hauch Tarantino« 82°

Krimi-Rezension von Michael Hoch

Ein Zollbeamter und eine Zirkusartistin? Das wird keine leichte Aufgabe. Im Laptop des Zollbeamten Bengt Sahlmann. finden die beiden Ermittler Überweisungen an einen Zahlungsdienstleister für bestellte sexuelle Dienste im Ausland für so genannte BDSM-Sessions. Kommt man so den beiden Morden näher auf die Schliche oder ist doch alles nur Zufall?

Die Börjlinds verstehen ihr Fach. Und ihr verklag tut ein Übriges dazu. Mitunter kann ein schlechtes Cover schon die erste Kaufentscheidung beeinflussen und auch der Klappentext ist dabei nicht unwesentlich ebenso wie das Coverfoto und die Gestaltung. Das markante, etwas grausige Frontfoto kommt aus dem Haus Shutterstock des Fotografen Maksim Shmeljov, der sonst überwiegend im Bereich Mode und Lifestyle unterwegs ist. Dennoch war es die richtige Entscheidung, ihn auch für die Börjlind-Reihe einzuspannen. Die erste Geschichte spinnt sich schon beim Betrachten des Fotos zusammen und passt zum Inhalt des Hardcovertitels.

Schon die Springflut, das Erstlingswerk zum Ermittlerteam Olivia Rönning und Tom Stilton wurde hochgelobt. Mit Spannung wurde nun der zweite Teile erwartet.

Er steht seinem Vorgänger in nichts nach. In klarer Sprache ohne überflüssigen Firlefanz fesseln Cilla & Rolf Börjlind ihre Leser von der ersten Seite.
Sie spielen mit den Perspektiven. Schon das erste Kapitel reißt einen direkt hinein in die Welt. Sie steht für sich und könnte beinahe als eigenen Kurzgeschichte durchgehen. Die Börjlinds spielen mit ihren Lesern ohne zu verprellen.

Ihre Bücher sind wie aus einem Guss, das erste wie das zweite ohne sich zu wiederholen. Wer im Netz stöbert, wird sogar eine Art Filmtrailer zum Buch Die Springflut finden, der wirklich keine weitere Aufgabe hat, als crossmedial Appetit zu machen. Und wenn man weiß, dass man auf das große Finale bis zum Schluss warten muss, verkürzt dies die Lesezeit enorm. Man bleibt gefesselt dran, liest im besten Falle in einem Tag durch, um zu erfahren, dass man über 500 Seiten durchhalten muss.

Bei den Börjlinds kommt vieles zusammen wie ausgedehnte Dialoge oder einen sehr bildhafte Sprache. Und ein bisschen Underground lässt es hier und ab wie einen Tarantinofilm wirken.

Michael Hoch, Mai 2015

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walli007 zu »Cilla und Rolf Börjlind: Die dritte Stimme« 29.05.2016
Rivera

Olivia Rönning will ihren Namen in Rivera - den Namen ihrer leiblichen Mutter, die aus Mexico stammte - ändern. Sie hat erfahren, dass sie adoptiert wurde und dass ihre leiblichen Eltern tot sind. Das ändert alles in ihrem Leben. Obwohl sie die Polizeiausbildung erfolgreich beendet hat, will sie die Entscheidung, bei der Polizei zu arbeiten, noch einmal überdenken. Am Abend ihrer Heimkehr nach Schweden findet die Nachbarstochter ihren Vater erhängt im Wohnzimmer. Es sieht so aus als habe er sich selbst getötet. Das junge Mädchen bittet Olivia, ihren Computer aus dem Nachbarhaus zu holen. Auf ihrer Suche nach dem Gerät stößt Olivia auf einige Ungereimtheiten, die sie an der Selbstmordtheorie zweifeln lassen.

Wie ein sicherer Hafen kommt einem das ferne Schweden vor. Allerdings ist man wohl auch dort vor Verbrechen oder persönlichen Tragödien nicht hundertprozentig sicher. Ein schweres Schicksal trifft die junge Sandra, die beim Tsunami bereits ihre Mutter verlor und die nun auch noch um ihren Vater trauern muss. Kann es da ein Trost sein, wenn er sich nicht selbst umgebracht hat. Olivia Rivera möchte dem Mädchen helfen und sie beginnt aus eigenem Antrieb, die Sache zu ergründen. Natürlich nimmt sie auch Kontakt mit ihrer ehemaligen Mentorin und Chefin Mette auf, die mit Olivias Entscheidung alles andere als einverstanden ist. Auch der ehemalige Polizist Tom Stilton, der sich nach einer ganz schlechten Phase wieder gefangen hat, beginnt mit Nachforschungen. Doch zunächst reist er mit einem Freund nach Frankreich, um diesem bei der Suche nach einem Mörder zu helfen.

Ein spannender Kriminalroman, der möglicherweise etwas polarisieren könnte. Manche Leser werden sicher in die Handlung sinken und atemlos wieder auftauchen, wenn der Täter entlarvt ist. Andere wieder haben vielleicht gerade mit dem Eintauchen Schwierigkeiten. Die handelnden Personen bleiben auf Distanz, trotz aller Spannung und der interessanten und perfiden Story, könnte manchmal die Lust fehlen, weiterzulesen. Man mag sich fragen wieso, man findet vielleicht keine richtige Antwort, nur ein Gefühl des „Meins ist das nicht“.
Margot zu »Cilla und Rolf Börjlind: Die dritte Stimme« 07.05.2016
Ohne Frage, das Buch ist sehr spannend aber genau wie im vorherigen Buch " Die Springflut" wird es durch die vielen "Zufälle" teilweise unglaubwürdig. Da machen es sich die Autoren doch etwas zu einfach. Auch die Protagonistin Olivia reagiert mit ihren häufigen Alleingängen wie ein pubertärer Teenager und nervt teilweise sehr? Das Buch ist nicht gerade eine schriftstellerische Glanzleistung aber eine unterhaltsame Urlaubslektüre.
c-bird zu »Cilla und Rolf Börjlind: Die dritte Stimme« 25.05.2015
Ein Highlight aus Schweden

Marseille. Eine junge Frau wird ermordet, zerstückelt und die Einzelteile vergraben. Wenige Zeit später hängt der schwedische Zollbeamte Bengt Sahlmann in seiner Wohnung in Rotrebro an einem Seil von der Zimmerdecke. Selbstmord? Oder doch Mord? Denn schnell finden sich einige Ungereimtheiten, die Zweifel an einem Selbstmord aufkommen lassen. Zwei gänzlich verschiedene Fälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Der erste Fall beschäftigt insbesondere Abbas, den smarten Croupier, während im zweiten Fall Olivia ein besonderes Interesse hat. Dass beide Fälle miteinander verwoben sind, kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen…
Das Buch ist bereits der zweite Fall für Olivia Rönning und Tom Stilton. „Die dritte Stimme“ knüpft an die Geschehnisse aus der großartigen „Springflut“ an. Um die Handlung verfolgen zu können, ist es nicht unbedingt notwendig den Vorgängerband gelesen zu haben. Allerdings geht aber eine Menge Lesespaß verloren, wenn man die Bücher in umgekehrter Reihenfolge liest, da „Die dritte Stimme“ viel über die „Springflut“ preisgibt.
Es ist ein Wiedersehen mit Olivia, Tom, Abass und der Kriminalkommissarin Mette. Die vier sind außergewöhnliche Charaktere, die sich aber untereinander sehr gut ergänzen. Olivia ist unerschrocken und wählt oftmals eigenwillige Wege, um ihr Ziel zu erreichen. Abbas hat ein ganz besonderes Interesse an der Aufklärung des Todes der Frau, die zerstückelt wurde. Tom hingegen verfolgt seine eigenen Ziele. Er hat noch immer eine Rechnung mit dem Kommissar Rune Forss offen, der ihn damals aus dem Polizeidienst drängte. Mette hingegen hat einen Infarkt und ihr Mann Marten wünscht sich nichts mehr, als dass Mette mal einen Gang runterschaltet. Jeder der vier ist eine Hilfe für den anderen und nur durch das Zusammenspiel der verschiedenen Figuren kommt Stück für Stück die Wahrheit ans Licht.
Wie schon der Vorgänger zeichnet sich auch dieser Krimi durch einen hohen Spannungsfaktor aus. Ein absolut fesselnder Schreibstil und die temporeiche Erzählweise lassen einen das Buch kaum aus der Hand legen. Wechselnde Erzählperspektiven, Wendungen und falsche Schlüsse bieten alles was den Thrillerliebhaber begeistern kann.
Diese Reihe um das Duo Olivia Rönning und den ehemaligen Kommissar Tom Stilton ist eine der besten Neuerscheinungen aus Schweden. Ich kann den dritten Band kaum erwarten. Unbedingt lesen!!
subechto zu »Cilla und Rolf Börjlind: Die dritte Stimme« 10.01.2015
Wie ein Vogel im Wind

Um es gleich vorwegzunehmen, „Die Springflut“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen. Somit stand „Die dritte Stimme“ schon lange auf meiner Wunschliste. Das Buch startet gruselig: Eine blinde Frau wird grausam ermordet. Sie sieht von oben auf sich herab und kann auf einmal fliegen wie ein Vogel…
Anschließend begegnen wir der Polizeianwärterin Olivia Rönning. „Die dritte Stimme“ beginnt genau dort, wo „Die Springflut“ aufgehört hatte: Olivia reist nach Mexiko, ins Heimatland ihrer ermordeten Mutter. Danach geht es nach Costa Rica, wo ihr biologischer Vater ein Haus hatte. Sie will ihren Nachnamen ändern, in Rivera, den Mädchennamen ihrer Mutter.
In Stockholm lernen wir Sandra Sahlmann kennen. Ihr Vater hat sich in seinem Haus scheinbar selbst erhängt. Kaum zu glauben, wollte er Sandra doch ihr Lieblingsessen kochen und etwas mit ihr feiern. Auch fehlt Sandras Laptop, den sie sich mit ihrem Vater geteilt hat. Und dann bekommt ein Mann einen mysteriösen Anruf: Bengt Sahlmann hätte sich erhängt. Kann Olivia, die früher bei Sandra Baby gesittet hat, und die sich gut in deren Schicksal hineinversetzen kann, weil es ihrem sehr ähnlich ist, den Fall aufklären?
Danach wird Abbas el Fassis vorgestellt. Er hat früher in Marseille gelebt und beim Zirkus gearbeitet. Auch Tom Stilton ist wieder mit dabei. Er war mal Polizist, hat dann lange auf der Straße gelebt und wohnt nun auf einem Hausboot. Wie sich herausstellt, kannte Abbas die Tote vom Anfang…
Mehrere Erzählstränge, teilweise als Rückblick in die Vergangenheit, gilt es zu verfolgen. Zwei Tote, zwei Schauplätze, Marseille und Stockholm. Wo ist die Verbindung? Eine große Liebe, verschwundene Drogen, Livestream-Pornografie und eine aus dem Ruder gelaufene BDSM-Session, zwei Männer auf einem Rachefeldzug, aber auch Freundschaft, Trauer, Wut und Schuldgefühle sowie eine große Portion Gesellschaftskritik, das sind die Zutaten für Cilla und Rolf Börjlinds neuen Kriminalroman.
Die Autoren haben erneut eine sehr komplexe und wirklich spannende Geschichte über die dunkle, abgründige Seite der Menschen geschrieben. Starke Charaktere, wie Mette Olsäter vom Landeskriminalamt, treiben das Geschehen voran. Sukzessive laufen alle Handlungsstränge zusammen. Doch erst ganz zum Schluss wird das Geheimnis um die titelgebende dritte Stimme gelüftet.

Fazit: Der zweite Band einer Serie um die angehende Polizistin Olivia Rönning-Rivera. Cilla und Rolf Börjlind erzählen die hochkomplexe Geschichte in perfektem Tempo und mit stetig steigender Spannung bis zum überraschenden Ende. Unbedingt lesen!
Adrian zu »Cilla und Rolf Börjlind: Die dritte Stimme« 09.01.2015
Im Kriminalroman "Die dritte Stimme" von Rolf Börjlind und Colla Börjlind kommt die Spannung definitiv nicht zu kurz!
In diesem Roman wird der Fokus nicht nur auf die reine Kriminalgeschichte gesetzt. Auch findet die persönliche Lebensgeschichte Einzug in die Erzählung. Auch wenn dies für einen relativ großen (Lese-)Umfang sorgt, so erhöht es die Nachvollziehbarkeit der gesamten Geschichte ungemein. Dadurch dass verschiedene Lebensgeschichten in dem Roman aufeinandertreffen, die allesamt sehr ausführlich beschrieben werden, geschieht es jedoch leicht, den Überblick zu verlieren. Da gibt es etwa den ermordeten Kriminalbeamten Sahlmann, dessen Geschichte allen Anschein nach zu Beginn völlig unabhängig von den Rachegelüsten von Abbas und seinem Freund Tom Stilton verläuft. Erst allmählich fügt sich dies alles zu einem Gesamtbild - inmitten der Geschichte verliert man ab und an den roten Faden.
Auch die Fülle an Protagonisten und handelnden Personen gibt dem Überblick-finden keinen Vorschub. Manchmal fällt es schwer, anhand des Namens auf den jeweiligen Charakter zu schließen. Hier fällt jedoch definitiv positiv auf, dass die Autoren dies offenbar gemerkt haben, und in Nebensätzen immer wieder auf die Rolle des genannten Charakters eingehen.
Die Fülle an Schauplätzen sorgt jedoch für eine große Abwechslung und Spannung. Langeweile kann beim Lesen von "Die dritte Stimme" definitiv nicht aufkommen. Das wird auch dadurch erhöht, da bis zum Ende immer wieder Fragen offen bleiben. Auch der gesamte Roman endet mit einer großen Frage.

Allem in allem hat mir "Die dritte Stimme" sehr gut gefallen .Trotzdem ist es ein sehr anspruchsvoller Roman. Die Fülle an Informationen und Protagonisten, der hohe Erzählumfang und die wechselnden Perspektiven machen das Verständnis an der ein oder anderen Stelle kompliziert. Entlohnt wird man dadurch mit einem rundum spannenden Roman, der an Spannung definitiv nicht zu kurz kommt.
Nuigurumi zu »Cilla und Rolf Börjlind: Die dritte Stimme« 27.12.2014
"Die Springflut" war letztes Jahr der beste Krimi, den ich gelesen habe, mich hatte schon lange kein Buch mehr so gefesselt. Am Ende wurden auch schon die Weichen für die Fortsetzung gestellt, die mit "Die dritte Stimme" jetzt erschienen ist.

Es beginnt wie im ersten Band mit einem ungewöhnlichen, schockierenden Mord, dessen Bilder den Leser nicht so schnell loslassen und der sofort eine besondere Leseatmosphäre schafft.

Völlig von diesem Mord losgelöst geht es dann weiter. Olivia Rönning will nach den schockierenden Erkenntnissen über ihre Herkunft ihr Leben verändern. Sie reist nach Südamerika, dem Land ihrer leiblichen Mutter, die sie nie kennengelernt hat, und sucht nach ihrer Identität. Zurück in Schweden erhängt sich ein Nachbar in seinem Haus. Obwohl einer von Olivias Entschlüssen während ihrer Reise war, den Polizistenberuf vorerst an den Nagel zu hängen, merkt sie sofort, dass etwas nicht stimmt: der gemeinsame Laptop des Vaters und der Tochter ist nicht mehr auffindbar und warum hat der Vater extra noch für ein besonderes Abendessen eingekauft und sich dann umgebracht?

Gleichzeitig erfährt der in Stockholm lebende Marokkaner Abbas, dass seine ehemalige Geliebte in Marseille ermordet wurde und fährt nach Frankreich, um herauszufinden, was geschehen ist. Nach und nach wird klar, dass die beiden Fälle zusammenhängen und Olivia und Abbas sind wieder einmal mittendrin…

Wenn Drehbuchautoren Bücher schreiben, ist das nicht immer eine Garantie für Qualität und mit Autorenduos habe ich auch oft so meine Probleme, aber hier stimmt für mich wieder alles so wie im ersten Band. Spannung von der ersten Seite, tolle Atmosphäre und alles ist so beschrieben, dass ich es mir ohne Mühe vorstellen kann und die Bilder auch lange in meinem Kopf bleiben. Wie im Film bleibt zwar alles etwas oberflächlich, aber bei dem tollen Kopfkino, das dieses Buch produziert, stört mich das nicht.

Es wird oft Bezug auf den ersten Band genommen, aber man muss ihn nicht unbedingt gelesen haben, um sich zurechtzufinden. Alle wichtigen Zusammenhänge werden erklärt.

Allerdings fand ich den ersten Band inhaltlich etwas besser. War die Handlung dort noch spannend und schlüssig, fand ich sie im zweiten Band doch etwas plump. Im ersten Band haben Olivia und Abbas sich durch einen Fall, in den sie beide irgendwie verwickelt waren, kennengelernt, und jetzt sind plötzlich zwei Fälle miteinander verbunden, von denen einer Olivias Nachbarn in Schweden betrifft und einer Abbas' Vergangenheit in Marseille?! Das ist mir ein bisschen zu konstruiert.

Ich gehöre normalerweise nicht zu den Lesern, die sofort wissen, wer der Mörder ist, aber in dem Augenblick, als "die dritte Stimme" auftauchte, war mir sofort klar, wer das ist und dass das der Mörder ist, daher war mir auch das zu einfach gestrickt.

Trotzdem ist "Die dritte Stimme" spannende und gut gemachte Unterhaltung vor allem für Leute, die gerne Krimis im Fernsehen sehen und dieses Gefühl auch einmal bei Lesen erleben möchten. Und wie im ersten Band wird auch hier auf den letzten Seiten schon das nächste Geheimnis, das es zu lösen gilt, angekündigt…
Amica65 zu »Cilla und Rolf Börjlind: Die dritte Stimme« 12.12.2014
Eine getötete blinde Frau berichtet als Engel auf einem Hausdach stehend über Ihre brutale Ermordung und Zerstückelung.
Mit diesem schockierendem sowie ungewöhnlichem Prolog beginnt der 2. Band des schwedischen Autoren-Ehepaares Björlind und bei dem entstehenden Kopfkino wundert es nicht, dass hier zwei in Schweden bekannte Drehbuchautoren am Werk waren.


Die junge Polizeianwärterin Olivia Rivera hadert nach einer Auszeit in Mexiko mit ihrem Schicksal, als in ihrer Nachbarschaft der Zollbeamte Bengt Sahlmann von seiner Tochter erhängt aufgefunden wird. Obwohl Olivia nicht mehr in den Polizeidienst zurückkehren will, kümmert sie sich um den völlig verstörten Teenager und stellt eigene Recherchen an.
Der in Schweden lebende Marokkaner Abbas el Fassis, ein ehemaliger Messerwerfer, bittet seinen Freund Tom Stilton, einen Ex-Kriminalkommissar um Hilfe, als er nach Marseille reist, um den grausamen Mord an einer früheren Geliebten aufzuklären.

Diese zwei unterschiedlichen Handlungsstränge werden geschickt zusammengeführt. Dabei lernen wir die Konflikte der einzelnen Protagonisten sehr genau kennen, die alle von ihrer Vergangenheit geprägt sind. Jeder verfolgt seinen eigenen Racheplan!
Zum spannenden Schluss, wenn alle Fäden zu einem überraschendes Ergebnis zusammenlaufen, zeigt sich mal wieder die dunkle, abgründige Seite der Menschen. Hierbei schmälert es das Lesevergnügen kaum, dass das ein bisschen konstruiert wirkt. Obwohl das Schriftsteller-Ehepaar das Genre nicht neu erfindet, punkten sie in dieser spannenden und flüssig geschriebenen Story neben ausführlichen Milieubeschreibungen besonders mit ihren eigenwilligen, ausgeprägten Charakteren, die einem schnell ans Herz wachsen. Den Vorgängerband ‚Die Springflut' habe ich leider noch nicht gelesen, das ist auch nicht unbedingt nötig, da es sich hierbei um eine in sich abgeschlossene Geschichte handelt. Allerdings wird auf diesen ersten Teil sehr oft hingewiesen, und um die Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren besser und schneller zu verstehen, würde ich zukünftigen Lesern den 1. Teil anraten.
Auch das Cover ist ähnlich dem ersten Band in grünen Farben gestaltet, man sieht eine junge Frau auf einem Holzrad gefesselt, was zur Geschichte passt und als verbindendes Element zum 1. Band das Wasser.

Den Reiz dieses routiniert erzählten Krimis sehe ich vor allen Dingen in dem unkonventionellem Team und den einzelnen starken Charakteren. Nicht das klassische Ermittler-Duo, sondern gleich 4 originelle Hauptpersonen, geben dieser neuen Krimi-Reihe Format.

Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen.
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