Die Weisheit des Todes von Christopher Hyde

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

. ISBN-10: 3-453-43101-4, ISBN-13: 978-3-453-43101-0.
Ort & Zeit der Handlung: USA, Dallas, 1950 - 1969.

'Die Weisheit des Todes' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Dallas, Texas, im November 1963. Fünf Tage, in denen ein Serienkiller gesucht wird, der kleine farbige Mädchen tötet. Plötzlich kommt die gesamte Polizeiarbeit zum Erliegen – Präsident Kennedy wird ermordet. Nur ein Polizist, Ray Duval, verfolgt stur seinen Serienmörder und versucht sich von der allgemeinen Hektik nicht anstecken zu lassen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Horatio – Euer armer Diener, stets!« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Der amerikanische Präsident Kennedy war im Jahr 1963 auf Wahlkampftour für eine zweite Amtszeit. da es Gerüchte über mögliche Attentate im Vorfeld gegeben hatte, wurde sein Auftritt in Chicago aufgrund von Sicherheitsmängeln abgesagt. Nächster Stopp: Dallas, Texas, nicht gerade bekannt für Friedfertigkeit und Toleranz. Um die Sicherheit des Präsidenten zu gewährleisten, hat die Stadt alle lokalen Polizeikräfte, angefangen von Ressortchefs der Kriminalabteilungen bis hin zu allen verfügbaren Streifenpolizisten mobilisiert. Eine Stadt im Ausnahmezustand.

Die Entdeckung einer männlichen Leiche auf einer der örtlichen Müllkippen findet nur wenig Beachtung. Einzig Detective Sergeant Horatio »Ray« Duval von der Mordkommission hat die Zeit, sich um den Fall zu kümmern, weil er praktisch schon ausgemustert ist. Duval lebt seit einem halben Jahr mit der Diagnose einer kongestiven Herzerkrankung, einem Leiden, das zur damaligen Zeit nicht therapierbar war und immer tödlich endete. Da für Duval demnächst ein Gesundheitscheck ansteht, weiß er, dass dies sein letzter Fall sein wird, deshalb will er ihn mit allen Mitteln aufklären, um sich einen würdigen Abgang zu verschaffen,

Zunächst scheint alles auf eine Beziehungstat hinzudeuten. Das Opfer war als Antiquitätenhändler und Antiquar in allerlei windige Geschäfte verwickelt und seine Homosexualität, die damals noch unter Strafe stand, konnte er nur im Verborgenen ausleben. So stehen Geschäftspartner und ehemalige Liebhaber ganz zu oberst auf Duvals Verdächtigenliste. Doch der Zustand der Leiche lässt sich auch als sorgfältig inszenierten Ritualmord deuten – die post mortem abgetrennten Körperteile sind mit Draht zu einer Art Gliederpuppe wieder zusammengefügt und dann in einen Kühlschrank gezwängt. Auf einer Familienfeier anlässlich des 75sten Geburtstages seines Vaters bekommt Ray Duval den Hinweis, dass es vor 25 Jahren im nahegelegenen Nord-Texas identische Fälle gegeben hat. Opfer waren damals aber 10- 12 jährige Mädchen, vornehmlich schwarzer Hautfarbe. Ray gräbt diese »cold cases« wieder aus, weil er mittlerweile überzeugt ist, es mit einem Serienmörder zu tun zu haben. Sein Verdacht erhärtet sich, als kurze Zeit später in Dallas die verstümmelte Leiche einer 12-jährigen Schwarzen entdeckt wird.

Wir Leser wissen nun mehr als der Ermittler, ist uns doch der psychopathische Mörder schon im Prolog vorgestellt worden. Ein Monster in Menschengestalt, das mit einer dicken Erektion vor seinen Trophäen herumtänzelt. Ein weiterer tumber, bluttriefender Serienmörder-Thriller stand zu befürchten, doch …

...Gott sei Dank setzt Autor Christopher Hyde andere Schwerpunkte. Vor der oben beschriebenen historischen Kulisse erzählt er die Lebensgeschichte eines Mannes, der in zwei Kriegen dem Tod in die Augen geblickt hat, der jetzt angesichts seines gewissen, baldigen Todes nicht resigniert, sondern die Kraft entwickelt, seinen Mitmenschen zur Seite zu stehen, das Schicksal der schwarzen Mädchen aufzuklären, um die sich nie ein Weißer ernsthaft gekümmert hat. Er tut das mit einer guten Portion schwarzen Humors und einer Unnachgiebigkeit seinen desinteressierten Vorgesetzten gegenüber, hat er doch nichts mehr zu verlieren. Mit dieser Einstellung kann er nur gewinnen, die Anerkennung seiner Kollegen, die Zuneigung der überlebenden Opfer, die Liebe einer Frau.

Die Weisheit des Todes ist eine positive Überraschung. »Als würde Caleb Carr auf Frederick Forsythe treffen« bezeugt Lee Child anerkennende Referenz. Obwohl jeder weiß, dass solchen Aussagen nicht unbedingt zu trauen ist, ist in diesem Fall eine Verwandtschaft durchaus erkennbar. Nichtsdestotrotz verlockt der Prolog eher zum aufgeben als zum weiterlesen des Romans. Doch ist der Auftakt überwunden,  entwickelt sich eine spannende, vielschichtige Story mit glaubwürdigen Charakteren, in der die politische Dimension stets zweitrangig bleibt und Serienmörderthema nicht überstrapaziert wird. Dadurch bleibt viel Raum, den Hydes Held Ray Duval gut zu füllen weiß. Ganz in Hardboiled-Tradition beschreitet er den Weg des »einsamen Wolfes«, mit seinem Leben und seinem Tod im Reinen. Dazu passt die zeitliche Rückversetzung in die 60er Jahre. Hier ist der Cop noch als Handwerker gefordert – kein forensischer Schnickschnack, keine Computer, keine fiependen Handys, keine dummschwätzenden Profiler – das kann ganz schön erfrischend sein, wenn’s denn gut gemacht ist.

Bleibt zu hoffen, dass sich im reichen Fundus der bisher noch nicht übersetzten Romane von Christopher Hyde weitere Perlen dieser Art finden lassen.

Jürgen Priester, Juli 2010

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Frank zu »Christopher Hyde: Die Weisheit des Todes« 11.07.2010
Klasse.
Ein sterbenskranker Polizist sucht nach einem Serienmörder der seit Jahrzehnten (vorwiegend) kleine farbige Mädchen umbringt + nun wohl wieder eines in seiner Gewalt hat.
Die Handlung spielt sich im Jahr 1963 ab - dem Jahr in dem JFK erschossen wurde. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt in dem Ray Duval - der erwähnte Polizist- seinen Wettlauf gegen die Zeit bzw seinen nahenden Tod beginnt und sich auf die Suche nach dem Täter macht.
Nebenbei lernt er dabei die Liebe kennen, lernt anderen zu verzeihen und "meistert" dann die Aufgabe seines Lebens.
Und dies wird dem Leser/der Leserin unsentimental und jederzeit hochspannend dargeboten.
Eines der Highlights des Jahres.
95%.
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