Oktoberfest von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010
bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / München, 1990 - 2009.
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München: Droemer Knaur, 2010.
ISBN:
978-3-426-19888-9. 603 Seiten.
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In Kürze:
Der zweite Wiesn-Sonntag. Weiß-blau erstreckt sich der Himmel über München, zu Tausenden pilgern die Leute auf das größte Volksfest der Welt. Das Bier fließt in Strömen, Partystimmung, so weit das Auge reicht. Ausgelassen tanzen die Menschen in den riesigen Zelten zu den angesagten Hits. Niemand ahnt, dass dieser Nachmittag um exakt vier Minuten vor sechs in einem Höllenszenario enden wird. Denn genau zu diesem Zeitpunkt gibt Oleg Blochin, der skrupellose Kommandeur einer russischen Elite-Soldateska, seinen Männern den Befehl, das Betäubungsgas im ersten Bierzelt freizusetzen. Und das ist erst der Anfang: Schlag auf Schlag geht es weiter, 70.000 Menschen werden zu Geiseln in einem hochriskanten Spiel auf Leben und Tod.
Das meint Krimi-Couch.de: »Ausgefeilter Plot – spannungsarm erzählt«
Krimi-Rezension von Jürgen Priester überspringen
Fast alles richtig gemacht hat Autor Christoph Scholder in seinem Debütroman Oktoberfest. In einem Interview an anderer Stelle erzählt er, dass er insgesamt 4 Jahre für die Fertigstellung des Romans gebraucht hat. Seine detaillierten Beschreibungen von Waffen- und Fernmeldetechnik, von Befehlsketten und Kommandostrukturen setzen eine umfangreiche Recherche voraus, was den Roman sehr authentisch macht. Vom Erzählerischen her gibt es auch nichts zu meckern. Der Droemer-Verlag hat für ein ansprechendes Cover gesorgt – Schattenrisse von einem Rieserad und einer Achterbahn auf rotem Grund, leicht erhaben der Titel Oktoberfest, wobei das K und das R sich nach links öffnen, was den Eindruck erweckt, es handele sich um ein kyrillisches Wort. Ein rundum gelungenes Werk, wäre da nicht Scholders Spannungsvermeidungsstrategie. Es passiert sehr selten, dass ein Autor so konsequent jedwede Spannung meidet. Es gibt kaum Überraschungsmomente, keine Cliffhanger, was bei wechselnden Schauplätzen doch nur natürlich wäre; heikle Situationen werden meist sofort entschärft, indem deren Ausgang vorweggenommen wird. Ein dicker Lapsus verrät sogar einen wichtigen Teil des Endes der Geschichte. Schon komisch, da gab es mehr als 20 Probeleser, da gab es ein sachkundiges Lektorat und keinem scheint dieser grobe Schnitzer aufgefallen zu sein
Dabei birgt die Plotidee jede Menge Spannungspotential: 70.000 Menschen in der Gewalt skrupelloser Geiselgangster.
.»A Riesn Krisn auf d´Wiesn« oder »Russen-Terror im Festzelt« könnte Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung titeln, deren Lokalreporterin Amelie Karmann eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Geiseldrama spielen wird.
Eine 90 Mann starke Truppe von ehemaligen Speznas-Soldaten unter der Führung von Oleg Blochin, eines Generalmajors der russischen Arme, hat sich auf dem Oktoberfest in München in einem der Bierzelte festgesetzt und die anderen Zelte präpariert. Sie stellen der Bundesregierung ein Ultimatum, alle Besucher zu vergasen, wenn nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Rohdiamanten im Werte von 2 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Eine prekäre Situation für eine Regierung, da sie auf der einen Seite nicht erpressbar sein darf oder wenigstens nicht diesen Anschein geben darf, dagegen steht auf der anderen Seite das Wohl der gefangenen Menschen. Krisenstäbe werden eingerichtet in München und Berlin. Erste Sondierungen beweisen, dass die Terroristen mehr als gut aufgestellt sind. Um dem entgegen zu wirken, werden Spezialkräfte wie KSK und GSG 9 eingesetzt. Der Bundestag beschließt sogar den »Spannungsfall« und die Bundeswehr kann aktiviert werden. Als Koordinator der gesamten Abwehraktion wird Kapitän zur See Wolfgang Härter ernannt, der Chef der geheimen Abwehrtruppe Alpha & Omega ist, deren Existenz nur dem Verteidigungsminister bekannt ist. Zwischen Härter und seinem russischen Kontrahenten Blochin entspinnt sich ein verbissenes Fernduell. Aber so weit sind wir noch nicht.
Wie sich das gehört, beginnt die Geschichte mit einem Prolog, der sich später als bloße Effekthascherei entlarven wird, da er für den Verlauf der Geschichte nur marginale Bedeutung hat.
Eine Geiselnahme von 70.000 Menschen an einem so exponierten Ort könnte man als logistische Meisterleistung bezeichnen, deshalb ist es richtig, die beteiligten Personen vorzustellen und die Entwicklungsphase der Operation darzustellen. Das macht Christoph Scholder in aller Ausführlichkeit, indem er in Zeit und Raum hin- und herspringt. Afghanistan 1984 zeigt einige der heutigen Geiselnehmer bei ihrem brutalen Vorgehen gegen afghanische Widerstandskämpfer. In Grosny, Tschetschenien 1994 erleben wir die Truppe im Kampfeinsatz. Im Kosovo 2003 wird aus einem KFOR-Hauptquartier das Material für den Oktoberfest-Einsatz gestohlen. In Deutschland derweil wird der Werdegang eines gewissen Karl Rombach vom einfachen Automechaniker zum erfolgreichen Transportunternehmer akribisch skizziert, obwohl der Mann für das eigentliche Geiseldrama nur eine untergeordnete Rolle spielt, außer dass die Täter seine LKW benutzen. Als Leser fängt man langsam an, mit den Hufen zu scharren, dass es bald mal losgeht.
Das tut es dann endlich. Am zweiten Wiesn-Sonntag kapern die Terroristen das Zelt der Benediktiner-Brauerei, indem sie Betäubungsgas einsetzen. Die ersten Gegenmaßnahmen der bayrischen Landesregierung enden in einem Fiasko. Oleg Blochin und sein Adjutant Iljuschin haben alles im Griff, aber der Abwehrexperte Wolfgang Härter ist härter.
Christoph Scholder ist einer von den Spätberufenen, die neben ihrer normalen beruflichen Tätigkeit den Drang verspüren sich populär-schriftstellerisch zu artikulieren. Ihnen kommt entgegen, dass zur Zeit auch die Bereitschaft der deutschen Verlage, einem Neuling eine Chance zu geben, besonders groß zu sein scheint. So gibt es viele Newcomer, die ein Plätzchen im Kreise der Arrivierten anstreben. Ein guter Plot und eine gefällige Schreibe machen erst mal nur eine interessante Geschichte. Interessant ist aber auch ein Sachbuch! Wenn’s ein Thriller werden soll, sollte man sich auch der Kniffe und Techniken der Spannungsliteratur bedienen. Und eben hier liegt Scholders großes Manko. Zu wenig Spannung auf den 600 Seiten. Es ist gute Unterhaltung, nur keine spannende.
Jürgen Priester, September 2010
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| Undine Heber zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 12.04.2012 |
|---|---|
| Jutta Cappallo zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 21.02.2012 |
| FranzzzO zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 20.02.2012 |
| Dr.Watson zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 11.02.2012 |
| Stefan Becker zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 18.11.2011 |
| Bert zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 03.11.2011 |
| Aveleen Avide zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 28.10.2011 |
| koepper zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 02.10.2011 |
| wellington zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 24.09.2011 |
| JAM zu »Christoph Scholder: Oktoberfest« | 30.08.2011 |
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