Die ohne Sünde sind von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004 bei Grafit.
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Dortmund: Grafit, 2004.
ISBN:
3-89425-292-8. 214 Seiten.
'Die ohne Sünde sind' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein Toter auf einem Autobahnparkplatz gibt Rätsel auf, nicht mal sein Name kann festgestellt werden. Hat die »Johannistische Gemeinde Deutschlands« etwas mit der Leiche zu tun? Und hat der Politiker Lukatsch Recht, der schon lange vor den Johannisten warnt? Die Kripobeamten Bukowski und Jungbluth haben verschiedene Theorien, aber keiner durchschaut die Lage wirklich: Bald sind Prozesse in Gang gekommen, die niemand mehr aufhalten kann, und was vermeintlich harmlos beginnt, endet mit einem großen Knall …
Ein alter Bauernhof weit vor den Toren der Stadt. Das Gut umgeben von einem teilweise Stacheldrahtgekrönten Maschendrahtzaun. Hier schottet sich eine christliche Glaubensgemeinschaft von der Außenwelt ab. Die Johannisten sind eine Gruppe von rund 70 Heilsuchenden, die in den Worten ihrer Evangelistin Renata die frohe Botschaft sehen. Ist es die frohe Botschaft? Denn dahinter steckt nicht viel mehr als das ewig wiederholte »Die Welt ist schlecht, aber wir sind alle gut und rein von Sünden.«
Auf einem Autobahnrastplatz findet die Kripo Mönchengladbach eine Männerleiche, die lange Zeit nicht identifiziert werden kann. Erschlagen mit einem Stein. Ein Politiker, der eine anstehende Wahl gewinnen muss, um seine Parteikarriere voran zu treiben, bringt die Fahnder Bukowski und Jungbluth auf die Fährte der Johannistengemeinde. Denn wer ohne Sünde ist, …Da zunächst keine anderen Spuren vorliegen, muss diesem vagen Hinweis nachgegangen werden. Und somit lassen sich die Ermittler ungewollt vor den politischen Karren spannen.
Meinungsmanipulation auf Kosten von Minderheiten
Was Autor Christoph Güsken hier vorlegt, kann nicht gerade als »große Kriminalliteratur« bezeichnet werden. Mangels personeller Alternativen kann man nach etwa einem Fünftel des Romans die Konstellationen und Zusammenhänge im Fall des toten Mannes erraten. Dennoch ist der Roman »Die ohne Sünde sind« eine durchaus lesenswerte Lektüre, hält sie doch dem Leser vor, wie er durch Vorurteile, Unkenntnis und Misstrauen geblendet einem Feindbild folgt, das ihm wohl kalkuliert durch Medien und Manipulation suggeriert wird.
Dem Roman stehen zwei Zitate voran. Zum einen der »Judaskuss« aus dem Markusevangelium. Zum anderen die Aussage von US-Präsident Bush: »Ob der Irak wirklich Massenvernichtungswaffen besitzt, wissen wir nicht. Und gerade das ist das Problem.« Hier wird deutlich, in welche Richtung die Intention des Autors geht: eine Anklage gegen populistische und Meinungsmanipulierende Politik, die in der breiten Masse die Angst vor Minderheiten schürt und so die Menschen hinter sich zu versammeln sucht. Und die Frage, wer denn hier nun eigentlich der Judas ist, ist es Wert, dass man sie sich nach der Lektüre des Romans einmal stellt.
Sinnbild für den Konflikt am Persischen Golf
Und so werden viele Bilder, derer sich der Autor bedient, plötzlich klar. Die naiv und unmündig gezeichnete Religionsgemeinschaft und ihre (Ver-) Führerin. Ihr Militär- (bzw. Terror-) arm. Folter, Einschüchterung, Zwangsarbeit und Unrechtsprozesse – Anzeichen einer Schreckensdiktatur. Auf der anderen Seite Spitzel, ein Geheimdienst, die Instrumentalisierung von Medien. Die geschickte Arbeit mit Gerüchten, falschen Verdächtigungen und verdeckten Aktionen. Und schließlich ein Lokalpolitiker, der durch seine verklärende Agitation und seine religiöse Heuchelei die Züge des Präsidenten einer Weltmacht erhält, wobei jedoch ganz egoistische Ziele und nicht Wohl und Sicherheit des Volkes sein eigentliches Ziel sind.
Seine Kernaussage bringt Güsken gut und anschaulich rüber. Schade, dass seine Kriminalkommissare Bukowski und Jungbluth dabei relativ blass bleiben und wünschenswerten Tiefgang in weiten Passagen vermissen lassen. In ihren Ermittlungen lässt er sie auch nicht gerade herausragendes Geschick unter Beweis stellen. Jewissen Archwohn weckt et bei mich auch imma, wenn plötzlisch Randpersone amfange, Dialekt zu schpresche. Das muss doch nun wirklich nicht sein. Auch der immer wieder eingestreute Erzählperspektivwechsel zu einer Ich-Erzählerin, die in der Sekte lebt, kann erst ganz am Ende überzeugen. Ein bisschen mehr Krimi hätte dem Roman sicherlich gut getan, ein bisschen mehr aus der Gedankenwelt der Kommissare hätte den Charakteren mehr Ecken und Kanten gegeben. Vielleicht wäre dadurch aber die Botschaft aufgeweicht worden. So hat Güsken einen Roman geschrieben, der sich aufgrund seiner Intention durchaus auch als Schullektüre für die Mittelstufe eignet.
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| K.-G.Beck-Ewe zu »Christoph Güsken: Die ohne Sünde sind« | 10.11.2004 |
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