Mit Blindheit geschlagen von Christian v. Ditfurth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 2 der Josef-Maria-Stachelmann-Serie.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2004. ISBN: 3-462-03416-2. 420 Seiten.
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006. 411 Seiten.

'Mit Blindheit geschlagen' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Stachelmann ist zurück – und in größter Gefahr: Er wird als Mörder verdächtigt. Josef Maria Stachelmann ist verzweifelt. Der Dozent für Geschichte an der Universität Hamburg kommt nicht weiter mit seiner Habilitationsschrift, deren Rohmanuskript er seit Monaten überarbeiten will. Und nun hat sein Chef, Professor Bohming, sich auch noch einen neuen Favoriten ausgesucht als Nachfolger auf dem Lehrstuhl: Wolf Griesbach, den es von der Freien Universität in Berlin nach Hamburg zieht. Er genießt Ansehen in der Fachwelt, sieht blendend aus und hat eine atemberaubende Frau, Ines. Nach dem Willkommensempfang für Griesbach geht Stachelmann in eine Kneipe, um sich zu betrinken. Da erscheint Ines. Sie reden und trinken miteinander, schließlich landen sie in Ines’ Bett. Griesbach ist noch einmal nach Berlin gereist. Als er nicht wieder auftaucht und sich auch nicht meldet, bittet Ines Stachelmann, ihren Mann zu suchen. Stachelmann lässt sich überreden, fährt nach Berlin und gerät in einen Mordfall, in dem es nur einen Verdächtigen gibt: Josef Maria Stachelmann. Alle Beweise sprechen gegen ihn, das Motiv ist offenkundig. Nur Anne glaubt ihm, obwohl er sie bitter enttäuscht hat damals, als sie gemeinsam den Fall Holler in Hamburg lösten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Erweitert ungemein unterhaltsam den geschichtlichen Horizont« 80°

Krimi-Rezension von Thomas Harbach

Der gelernte Lektor Christian von Ditfurth hat in den neunziger Jahre mit einer Reihe von populärwissenschaftlichen Texten sich kritisch mit der politischen Geschichte der beiden deutschen Staaten und der wiedervereinigten Bundesrepublik auseinandergesetzt. Inzwischen ist er mit fünf Veröffentlichungen ein bekannter und vielseitiger Romanautor geworden, dessen erste Arbeit Die Mauer steht am Rhein noch Züge des Forschers und des aufkommenden Autors vereinigte.

Wie schon in seinen historischen Alternativweltromanen steht auch im zweiten Stachelmannkrimi für den Historiker von Ditfurth nicht in erster Linie die Frage nach dem Täter sondern die Suche des Motivs im Vordergrund.

Dabei ist der an Rheuma erkrankte, von Frauen – insbesondere seiner Kollegin Anne- enttäuschte und mit seinem Leben als Junggeselle nicht zufriedene Stachelmann nicht der Prototyp eines Ermittlers, sondern wie vom Autor beabsichtigt eine liebenswerte schrullige Parodie eines Historikers und verzweifelnden Universitätslehrer. In Mit Blindheit geschlagen ist Stachelmann dieses Mal Ermittler in eigener Sache, denn er gilt als Tatverdächtiger, als ein neuer Kollege ermordet wird. An dessen erstem Tag landet Stachelmann mit seiner attraktiver Frau Ines im Bett. Als sie ihn zwei Tagespäter bittet, nach ihrem plötzlich verschwundenen Mann in Berlin zu suchen, beschleicht ihn ein ungutes Gefühl. Als der Historiker nach seiner Rückkehr auch noch dessen Leiche in seinem Auto findet, droht seine geordnete Welt zusammenzubrechen …

Der Roman lebt von der Figur Stachelmanns. Mit einem Auge für Details entwickelt von Ditfurth den Charakter aus dem ersten Roman weiter. Einzelne Züge erkennt der aufmerksame Leser wieder, andere ergänzen das Bild. Dabei erdrückt allerdings die Figur fast alle anderen handelnden Personen und insbesondere seine eigentliche Liebe Anne wird auf eine Stichwort gebende, aber hilfsbereite Mutter mit anstrengendem Säugling reduziert.

Stachelmanns Heimat Lübeck ist passend und kenntnisreich in Szene gesetzt, doch einige Bemerkungen – wie Neustadt ohne den Hinweis auf die Phychatrische Klinik – sind für Außenstehende erklärungsbedürftig, ansonsten gehen sie in den immer gut lesbaren und natürlichen Dialogen unter.

In einer handlungstechnisch geschickten Parallelmontage laufen die Ereignisse um diesen Ermittler wider Willen und das Schicksal einer Gruppe von ehemaligen DDR-Fluchthelfern bis zur unvermeidlichen direkten Konfrontation zusammen. Ohne den Leser mit trockenem historischem Stoff zu langweilen befasst sich der Autor – wie z.B. auch in seinem Roman Der Consul – mit einem wenig erforschten Teil neuerer deutscher Geschichte.

Dabei schildert von Ditfurth mit brutaler Offenheit die verschiedenen Methoden der Stasi-Organe. Das zermürbende und ständige Eindringen in Stachelmanns Privatsphäre sei hier stellvertretend für eine Reihe von lesenswerten Szenen herausgestellt.

Im Gegensatz zu einigen Krimiautoren, die ältere Hobbydetektive in den Mittelpunkt stellen, verzichtet der Autor nicht auf Gewalt. Sie ist ein Teil der Gesellschaft, dringt unmittelbar und unvorsehbar ein und hinterlässt deutliche Spuren.

Neben den für einen Krimi notwendigen Spannungselementen und einem lebendig beschriebenen durch und durch natürlichen Protagonisten erweitert der Autor ungemein unterhaltsam den geschichtlichen Horizont seiner Leser.

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Füchsle zu »Christian v. Ditfurth: Mit Blindheit geschlagen« 06.08.2009
Stachelmann! Eine interessante Figur.Wer ein paar Schritte - ich las bisher zweieinhalb Bücher der Stachelmannreihe - bekommt mit Sicherheit Knochenschmerzen. So viel Rheuma muss auch den Gesündesten infizieren. Und dann noch etwas, ich würde Stachelmann gern mal lachen hören. Ich hörte ihn weinen, ikch höre ihn seufzen und stöhnen. Ich erlebe, wie er mit sich selber nie ins Reine kommt. Irgendwann einmal, sehr geehrter Herr Ditfurth, möchte ich ihn laut(!) lachen hören. Zurzeit lese ich die Brigittegeschichte, wenn Stachelmann mit den Studenten spricht kommt er mir vor wie ein Kindergärtner. Trotzdem, tolle Bücher mit Stil und Intelligenz verfasst, bitte weiter.
Burkhart v. Wedel zu »Christian v. Ditfurth: Mit Blindheit geschlagen« 04.02.2008
Stachelmann, dieser Protagonist ist unglaublich vielschichtig, nervt mich als Leser manchmal mit seinen Selbstzweifeln, und dennoch kann ich nicht aufhören, immer weiter zu lesen. Dafür ist der Roman viel zu spannend, vielleicht gerade weil Stachelmann so ist, wie er ist. Außerdem ermöglicht der Stil des Autors zumindest mir, alles was er schreibt sehr plastisch als Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Die im Roman thematisierte zeitgeschichtliche Komponente finde ich sowieso sehr spannend, da gibt es bisher gerade aus wissenschaftlicher Perspektive viel zu wenig Ergebnisse. Insgesamt ist es jedenfalls ein super Krimi, der hoffentlich viele LeserInnen findet. Die Stachelmann-Krimis sind im übrigen alle absolut lesenswert.
Anja S. zu »Christian v. Ditfurth: Mit Blindheit geschlagen« 16.09.2007
Dieser zweite Krimi um den Historiker Stachelmann ist auch spannend und gut geschrieben, jedoch hat mir der Vorgaengerkrimi doch noch besser gefallen.
Hans-Dieter Lorenz zu »Christian v. Ditfurth: Mit Blindheit geschlagen« 21.01.2005
Ein Krimi, der nach dem ersten noch
flüssiger geschrieben und noch span-
nender ist. Vor allem die Realität zur
Gegenwart der noch immer existierendenden Stasi-Seilschaften
ist beklemmend, auch die Ohnmacht
unseres Staates gegen diese sich im
Grauschleier unseres Rechtsstaates
bewegenden und zum Teil mit
großem Einfluß versehenen Polit-
kriminellen ist beängstigend und er-
nüchternd.
Auf jeden Fall lesenswert, ein großer
Krimiautor!
RolfWamers zu »Christian v. Ditfurth: Mit Blindheit geschlagen« 29.11.2004
Der zweite Stachelmann-Roman ist noch besser als der erste.Während heute die Bedrohung durch die alten Hitler-Fans schon aus biologischen Gründen nicht mehr ganz glaubhaft ist, existieren die Stasi-Seilschaften nach wie vor. Unbelehrbare Kriminelle- nichts anderes sind sie.
Ein Krimi auf hohem inhaltlichem und sprachlichem Niveau.Ich halte Christian v. Ditfurth für einen der besten deutschen Autoren.
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