Innere Sicherheit von Christa Bernuth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Piper.

  • München; Zürich: Piper, 2006. ISBN: 978-3-492-04737-1. 412 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2007. ISBN: 978-3-492-24981-2. 412 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2009. ISBN: 978-3-492-26337-5. 412 Seiten.

'Innere Sicherheit' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

So etwas passiert. Leute ertrinken und werden angeschwemmt. Aber nicht jetzt, nicht im November, dachte Martin Beck. Die Ostseeluft war kalt und schwer von Feuchtigkeit, und seine Intuition sagte ihm, daß etwas nicht stimmte mit dieser Toten. War es wirklich versuchte Republikflucht, wie seine Vorgesetzten ihm nahelegten? Dann wurde die Kugel in Hanna Schöns Hinterkopf gefunden: ein Westkaliber. Und Martin Beck begriff augenblicklich, daß sein Fall damit eine neue Dimension gewonnen hatte.Es sind die frühen Achtziger, ein scheinbar alltäglicher Mordfall an der Ostseeküste der DDR und ein linientreuer Polizist, der nachdenklich wird: Wer war Hanna Schön wirklich? Ist sie aus dem Westen übergelaufen? Und warum mußte sie sterben?

Das meint Krimi-Couch.de: »Flucht aus der totalen Überwachung« 72°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Christa Bernuth ist mit »Innere Sicherheit« in eine klaffende Lücke vorgestoßen, die bislang durch deutsche Kriminalliteratur viel zu selten aufgearbeitet worden ist. »Innere Sicherheit« spielt in den 1980er Jahren, zu einer Zeit, in der in Ost und West wohl noch niemand an die nahende Vereinigung von DDR und BRD erwarten konnte. Und er spielt ausschließlich in der ehemaligen DDR, obwohl auch dieser Roman eine beide deutschen Staaten umfassende Thematik beschreibt. Dabei schildert Christa Bernuth die Besonderheiten und Tücken, die ein auf Überwachung ausgelegtes Staatssystem mit sich bringt.

Martin Beck heißt Bernuths Hauptfigur. Eine zufällige Namensgleichheit mit dem großartigen schwedischen Kommissar, der der Protagonist in den zehn Romanen des Autorenduos Sjöwall / Wahlöö war? Seisdrum, hier ist Martin Beck kein exponierter und erfahrener Leiter einer Mordkommission, sondern arbeitet als ABV (Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei) auf der Ostseeinsel Rügen. Als an seine Küste die Leiche einer Frau geschwemmt wird, wundert sich der junge Beamte zunächst über die Umstände ihres Todes, bald aber auch über die Tatsache, dass ihm der Fall von hoher Stelle entzogen wird. Hanna Schön war eine allseits beliebte Köchin, regimetreu und unauffällig. Durch eine Indiskretion erfährt Beck, dass sie erschossen wurde, jedoch durch keine Waffe des Grenzschutzes oder der Volkspolizei. Wer war die Frau, deren Tod so viele Rätsel aufwirft? Die Wahrheit liegt auf der anderen Seite der innerdeutschen Grenze.

Gegen das System

Der Autorin gelingt es gut, die besonderen Gefahren des Überwachungsstaates zu präsentieren. Auf der einen Seite bedient sich Beck selber den VP-Helfern, die der Volkspolizei offen Auskünfte über ihre Mitbürger geben. Auf der anderen Seite jedoch fürchtet er die Repressionen, die dieses System für ihn selbst birgt. Seine Mutter hat sich in den Westen abgesetzt, weswegen seine viel versprechende Karriere auf ein Abstellgleis geraten ist. Als er die Wahrheit über Hanna Schön herausfindet, gerät der Rest seines Glaubens an das System aus den Fugen. Beck, der die Arme der Behörden kennt, kann selbst nur mit viel Mühe den vielen Augen des Staates entkommen und sein Vorsprung schmilzt, je länger er seine Dienstanweisungen nicht befolgt. Bedrückend, wie der Besuch beim älteren Bruder und das Abendessen mit dessen Freunden in gegenseitigem Misstrauen beginnt. Wer ist Freund, wer ist Feind? Diese ständig lauernde Angst vor der freien Meinungsäußerung ist in Bernuths Roman sehr gut heraus gearbeitet.

Doch genau in der Figur des Martin Beck liegt der größte Kritikpunkt an diesem Roman. Ein Rätsel, woraus dieser Mann seine Motivation schöpft. Als einer der wenigen Seeleute der DDR sah er entfernte Länder. Kuba, Vietnam. Seinen Augen blieben die Entbehrungen seines Landes nicht verborgen, Geschenke, die von den kommunistischen Bruderstaaten verschmäht wurden. Hier bereits stellte er das System in Frage. Aus der Marine auszutreten, um dann an der Berliner Mauer Dienst an der Waffe zu leisten, erscheint dem Leser schon nicht nachvollziehbar. Warum er auch hier traumatische Ereignisse verdrängt und fortan Karriere bei der Volkspolizei machen will, wirkt unlogisch. Und warum ist der Tod einer Köchin plötzlich so interessant für ihn, dass er dann auf einmal gegen das System ermittelt?

Drohkulisse

Ausgerechnet zwei zusammengeknüllte Briefe, die die Beamten des Ministeriums für Staatssicherheit bei ihrer Hausdurchsuchung bei Hanna Schön »übersehen« haben, führen Beck auf eine heiße Spur. Auch dies kann nicht gerade überzeugen. Doch sobald er erst einmal den Weg zur Schlüsselperson gefunden hat und sich damit gegen das System gewendet hat, gewinnt der Roman ungemein an Dramatik.

Der Roman profitiert von dieser gründlich recherchierten Drohkulisse. Hier ist Bernuth stark, hier kann sie den Leser in ihren Bann ziehen. Auch der Hintergrund, den sie für diesen deutsch-deutschen Krimi gewählt hat, ist brisant und für Verschwörungstheorien geeignet. Jedoch wagt die Autorin hinsichtlich ihres Protagonisten und des Falles einen Drahtseilakt, der nur schwer zu bewältigen ist – und den sie letztlich in ein aufregendes Finale führt.

Thomas Kürten, Februar 2008

Ihre Meinung zu »Christa Bernuth: Innere Sicherheit«

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SW zu »Christa Bernuth: Innere Sicherheit« 03.09.2011
Hi

brilliant-exzellenter Roman und keineswegs "langweilig" als dichte Beschreibung der "inneren Sicherheit" in der DDR mittels ihrer Organe.

Hi

brilliant-exzellenter Roman und keineswegs "langweilig" als dichte Beschreibung der "inneren Sicherheit" in der DDR mittels ihrer Organe.

Hi

brilliant-exzellenter Roman und keineswegs "langweilig" als dichte Beschreibung der "inneren Sicherheit" in der DDR mittels ihrer Organe.

Hi

brilliant-exzellenter Roman und keineswegs "langweilig" als dichte Beschreibung der "inneren Sicherheit" in der DDR mittels ihrer Organe.

Hi

brilliant-exzellenter Roman und keineswegs "langweilig" als dichte Beschreibung der "inneren Sicherheit" in der DDR mittels ihrer Organe.
Buchmaus zu »Christa Bernuth: Innere Sicherheit« 02.02.2011
Ich war gespannt auf den Roman ( Kriminalroman ist glaube nicht die richtige Bezeichnung ), war aber dann trotz guter Kapitel enttäuscht.
Schreibweise teilweise zu kompliziert ;Handlungen nicht immer nachvollziehbar;
Schluß ???
Manches auch nicht gut rechergiert ( in der DDR gab es z.B. keine Dosenravioli )
Insgesamt ein Versuch das sogenannte Sicherheitssystem der DDR zu beleuchten.
christa munzlinger zu »Christa Bernuth: Innere Sicherheit« 08.08.2010
wie gut, dass wir so unterschiedlich sind, dies trifft auch auf die unterschiedlichen wahrnehmungen zu. mir hat dieser roman sehr gut gefallen und ich konnte es kaum aus der hand legen, so spannend fand ich (ehemalige west-berlinerin) diese geschichte. iich finde, sie trägt zum besseren verständnis der deutsch/deutschen vergangenheit und des
heutigen zusammenlebens bei. Fazit: LESENSWERT!
tina zu »Christa Bernuth: Innere Sicherheit« 08.03.2010
leider ist es das erste buch, welches ich nach 200 seiten aufgegeben habe...ich hab wirklich versucht ein wenig spannung für mich aus dem buch zu ziehen. aber da war nixhts zu machen. ich fand es einfach nur langweilig und vorallem teilweise super langatmig. wie gesagt, ich habs nicht zu ende gelesen. vielleicht wirds ja noch toll nach seite 200.. aber um das rauszufinden ist mir meine zeit zu schade.. ich persönlich, kanns leider gar nicht empfehlen. SORRY !!!
Hans-Uwe Worliczka zu »Christa Bernuth: Innere Sicherheit« 03.12.2008
Nachem ich das erste Viertel meines Lebens in einem "sozialistischen Bruderstaat" der DDR (CSSR) verbracht hatte, konnte ich die gut geschilderte Atmosphäre des DDR-Alltags gut nachvollziehen. Leider wird die Autorin teilweise schon bei der Biografie des ABV Beck und ganz besonders zum dramatischen Ende mehr als unglaubwürdig. Die geschilderten Umständen sind derart unrealistisch, daß man diesen Teil ins Reich der Fabeln verweisen müßte.
Schließlich basieren auch die Legenden über die letzten Morde der RAF, als seien diese auf ein geheimnisvolles Zusammenwirken von StaSi und BND zurückzuführen, lediglich auf dem Umstand, daß die Täter, die sich stets als RAF zur Tat bekannt hatten, namentlich bislang nicht ermittelt werden konnten. Gleiches trifft aber auch auf die meisten Mitglieder der Revolutionären Zellen (RZ) zu, deren Taten deswegen auch nicht derart verklärt werden.
Schade, denn an Fabulierfähigkeit und Spannungserzeugung mangelt es der Autorin nicht!
DrWatson zu »Christa Bernuth: Innere Sicherheit« 14.02.2008
Als gelernter DDR-Bürger habe ich diesen Roman mit großer Spannung gelesen. Es erging mir ein wenig wie dem Rezensenten: ich konnte die Motivation des Martin Beck nicht immer nachvollziehen, schließlich hatte er den Lebenslauf eines angepaßten oder gar überzeugten DDR-Bürgers, nicht jeder konnte zur See fahren, wurde zum Grenzdienst oder gar zur Polizei gelassen (ich wäre als Kind und Jugendlicher gern Kriminalist geworden, aber mit meiner Westverwandschaft mußte ich mir das schnell ausreden lassen...
Die Handlung ist spannend, gut und zunächst verworren sind die Fäden gesponnen, durch die sich Beck kämpfen muß. Gelungen auch das Bild der anderen DDR, wo in kleinen Nischen Menschen für sich und Andere versucht haben, ihre Würde zu bewahren.
Ein gutes und wichtiges Buch für alle, die einen Blick in die späte DDR werfen möchten und vielleicht ein klein wenig den Alltag und die alltägliche Überwachung verstehen möchten.
Übrigends: es gibt eine spannende Parallele zu diesem Buch: der DDR-Autor Wolfgang Schreyer, der den vermutlich ersten Kriminalroman der DDR in den 50er Jahren veröffentlichte und seitdem mit spannenden Politthrillern einen breiten Leserkreis im Osten hatte, veröffentlichte ab 1988 eine Trilogie um den Rostocker Polizisten Wendt, der sich auch von einem überzeugten Sozialisten zum kritischen Oppositionellen wandelt. Im 2. Teil, "Nebel" wird das sehr gut verdeutlicht. Wen das Schicksal des Martin Beck interessiert, hat hier die Möglichkeit, diese Beweggründe besser und von einem Insider beschrieben zu bekommen. Unbedingt lesen!!!
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