Frei von Schuld von Chris Tvedt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Rimelig tvil, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Bergen, 1990 - 2009.
Folge 1 der Mikael-Brenne-Serie.

  • Oslo: Damm, 2005 unter dem Titel Rimelig tvil. 335 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2009. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-426-50006-4. 456 Seiten.

'Frei von Schuld' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Was muss passieren, damit ein Strafverteidiger seine ethischen Prinzipien über Bord wirft und sich in einer Welt wiederfindet, deren Spielregeln nicht im norwegischen Gesetz verankert sind? Diese Frage stellt sich der Anwalt Mikael Brenne aus Bergen leider viel zu spät. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits so in die lukrativen Machenschaften seines ausländischen Mandanten verstrickt, dass die ein oder andere Gesetzesübertretung für ihn lebensnotwendig geworden ist. Als Brenne einen Gehilfen seines Klienten im Affekt erschlägt, scheint sich die Schlinge um seinen Hals gefährlich zuzuziehen . …

Das meint Krimi-Couch.de: »Fernab der festgefahrenen Krimi-Schienen« 81°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Der Knaur-Verlag erweitert das große Spektrum der skandinavischen Krimiriege um einen neuen Namen: der Norweger Chris Tvedt konnte in seiner Heimat bereits drei Romane der Reihe um den Anwalt Mikael Brenne veröffentlichen. Der erste davon liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor. Der Klappentext bleibt sehr unverbindlich, so dass eine gewisse Spannung bereits vorab gegeben ist.

Der Ich-Erzähler Mikael Brenne ist ein mittelmäßig erfolgreicher Anwalt in der norwegischen Hafenstadt Bergen. Er führt eine kleine Kanzlei, einzige Mitarbeiterin ist seine überaus kompetente Sekretärin Kari. Einbruch, Diebstahl, Drogenvergehen – das sind die Fälle, mit denen er sich rumplagen muss, denn die medienwirksamen Prozesse angeln sich die großen Kanzleien. Brenne muss zusehen, dass er immer so über die Runden kommt.

Da kommt das lukrative Angebot von Slavo Mihailovic gerade recht. Der Geschäftsmann stellt ihm bei der Gründung und Übernahme verschiedener Firmen jede Menge Arbeit in Aussicht. Wie der Serbe gerade auf ihn gekommen ist, das kann sich Brenne auch nicht erklären. Doch Slavo und sein Partner Mike sind Brenne nicht ganz unbekannt. Man redet in der Stadt über die beiden Serben, die ganz groß im Drogengeschäft stecken sollen. Ganz wohl ist Brenne also nicht, als er Slavos Angebot annimmt, doch ablehnen kann er aufgrund seiner finanziellen Situation nicht.

Brenne ist vorsichtig und achtet streng darauf, dass alle seine Tätigkeiten legal bleiben. Doch ihm bleibt nicht verborgen, wie brutal die beiden Serben Geschäftspartner behandeln, mit denen sie nicht zufrieden sind. Als Brenne Mikes Freundin in einem Fall von Drogenhandel verteidigen muß und ein Unschuldiger umgebracht wird, woran Brenne nicht ganz unbeteiligt ist, wird ihm endgültig klar, in welche Abhängigkeit er sich begeben hat.

Im zweiten Teil ein klassischer Justiz-Thriller

Mikael Brenne ist ein Protagonist, der dem Leser nicht gerade sympathisch ist. Er will zwar nichts anderes als sein tägliches Brot verdienen, doch hat er keine allzu großen Gewissensbisse, auch mal einen Unschuldigen mit rein zu ziehen. Außerdem trinkt er gerne mal einen über den Durst. Sein Liebesleben ist auch nicht gerade unkompliziert. So ist seine Freundin Mette nur dann wichtig für ihn, wenn er gerade mal Zeit hat. Den Reizen der attraktiven Eva, die er verteidigen soll, kann er nicht widerstehen und so kommt es regelmäßig zum Sex im Gefängnis während ihrer Besprechungen. Und bei all seinen Problemen merkt Brenne nicht, dass seine Sekretärin Kari in ihn verliebt ist.

Chris Tvedt legt kein allzu großes Tempo vor, doch die Handlung schreitet stetig voran, ohne ins Stocken zu kommen. Mit viel Geschick beschreibt er, wie subtil Menschen unter Druck gesetzt werden und so in eine Abhängigkeit geraten, die sie nie erwartet oder gar geplant hatten.

Im zweiten Teil wird der Roman zu einem fast klassischen Justiz-Thriller mit dem ewigen Kampf Staatsanwalt gegen Verteidiger, der mit überraschenden Wendungen zunehmend Spannung entwickelt.

»Frei von Schuld« ist ein gut gemachter Krimi abseits der festgefahrenen Krimi-Schienen mit einem ungewöhnlichen Protagonisten, der in diesem Roman eine weitreichende Entwicklung durchmacht. Weniger gut finde ich es, dass Chris Tvedt aus Mikael Brenne eine Serienfigur gemacht hat, ist der Anwalt doch geradezu eine klassische Figur für einen Stand-Alone-Krimi.

Peter Kümmel, Mai 2009

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Johanna zu »Chris Tvedt: Frei von Schuld« 14.09.2011
Ich muss hier wirklich widersprechen: Ich finde die Brenne Krimis große Klasse! Vor allem "Niedertracht", den ich als erstes gelesen habe, kann ich sehr empfehlen.
Und "Frei von Schuld" ist ein spannender Roman über Manipulation - etwas, was Brenne als Anwalt sowohl beherrscht als auch bewusst anwendet. Erst als er Opfer derselben wird, begreift er, dass es Grenzen gibt, die man besser nicht überschreiten sollte.
manni zu »Chris Tvedt: Frei von Schuld« 20.06.2011
Das hat man alles schon mal gelesen und mit Sicherheit besser. Der Autor läßt seinen Hauptdarsteller schon zu Beginn in eine peinliche Sexfalle tappen, die auch noch grottenschlecht geschrieben ist. Da hatte ich aber auch schon jedes Interesse am Roman verloren und das Buch dann endgültig in die Tonne gekloppt. Ärgerlich. Mich wundert ,daß dieser Autor in den Buchhandlungen immer wieder mit "unser Tip des Monats" angepriesen wird, da sollte der Buchhandel schon kritischer sein.
Brand zu »Chris Tvedt: Frei von Schuld« 01.10.2009
Obwohl ich ein großer Fan der Ich-Form in Kriminalromanen bin, spürte ich bei diesem Buch eine hierfür ungewöhnliche Distanz zum Erzähler. Es fühlte sich fast so an, als ob ich auf der Schulter des Protagonisten sitze, aber nicht mit seinen Augen sehe. Wenn das gewollt ist, um zu betonen, dass ihm sein eigenes Handeln fremd ist, dann ziehe ich meinen Hut. Allerdings führte die von mir wahrgenommene Ferne zur Hauptfigur auch dazu, dass mich die Geschichte, in die er sich verstrickt, nicht wirklich fesseln konnte. Und dies verstärkte sich im zweiten Teil des Romans, der ein Gerichtsdrama mit relativ unspektakulären Wendungen darstellt. Für mich war der erste Roman um Mikael Brenne auch erst einmal der letzte.
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