Todespfad von Chris Marten

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Ehrenwirth.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1990 - 2009.
Folge 2 der Beate-Rehbein-Serie.

  • Bergisch-Gladbach: Ehrenwirth, 2011. ISBN: 978-3-431-03831-6. 600 Seiten.

'Todespfad' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Der Tod eines schwarzen Mädchens im Ruhrgebiet. Die grauenvoll inszenierte Leiche eines afrikanischen Flüchtlings auf Gran Canaria. Morde an jungen Afrikanern ziehen sich wie eine blutige Spur quer durch Europa. Auf einer Reise wird die deutsche Journalistin Beate auf die rätselhaften Todesfälle aufmerksam. Welche Bedeutung haben die Masken, die Kauri-Amulette und die arabischen Schriftzeichen, die bei den Leichen gefunden werden? Fasziniert von den geheimnisvollen Symbolen stellt Beate Nachforschungen an. Dabei kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das um jeden Preis gewahrt werden muss. Noch bevor sie ahnt, auf welch gefährliches Spiel sie sich eingelassen hat, gerät ihre eigene Familie in den Fokus des Bösen …

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info@kanzlei-wilczek.de zu »Chris Marten: Todespfad« 13.08.2011
„Todespfad“ hält, was der Vorgänger „Hydra“ verspricht. Nicht immer kann das Nachfolgewerk einem erfolgreichen Debüt das Wasser reichen. In diesem Fall hat Chris Marten es geschafft, meine hohen Erwartungen zu übertreffen. „Todespfad“ ist ein raffinierter Krimi, aber auch aktuelle europäische Sittengeschichte. Das Europa, das Aufklärung und Humanismus hervorgebracht hat, sichert seine Werte, vor allem seine materiellen Werte und Interessen. Eine von FRONTEX bewachte Trutzburg zur Abwehr von Armut und Armen. Afrika, ein Kontinent, dessen Möglichkeiten zum Vorteil anderer, selten zum Vorteil der eigenen Bevölkerung genutzt werden. Nicht wenige träumen vom Überwinden der Trutzburg und stechen in Nussschalen ins Meer, um ihr Glück zu finden. Nicht selten finden die Flüchtlinge den Tod. So auch fünf der sechs jungen Schwarzen, die im Auftrag des Dorfältesten und des Priesters ausziehen, um die Ordnung wiederherzustellen. Denn ein Unrecht ist geschehen. Die Tochter des Dorfältesten wurde entführt. Zeitgleich passiert in Essen ein Mord an einem jungen, schwarzen Mädchen nach einer versuchten Vergewaltigung. Der jugendliche Täter, so stellt sich alsbald heraus, ist aber nicht der Mörder, der bald seine blutige Spur durch halb Europa zieht. Eine rasante, spannende Story, fein gesponnene Handlungsstränge und überraschende Wendungen lassen den Leser atemlos den Protagonisten bei der Aufklärung folgen. Wie bereits im Debüt ermitteln wieder Beate Rehbein, Journalistin und Autorin, und Ludger Bethke, Kölner Kriminalkommissar, mal vereint, mal unabhängig voneinander. Erst am Ende stellen sie fest, dass ihre jeweiligen Nachforschungen ein großes Puzzle sind, das ein Bild ergibt.
Über den Globus gesponnene Netzwerke von Schleppern, Kinderhändlern, auch als Hilfswerk getarnt, werden erschreckend realitätsnah dargestellt, ebenso wie die menschenverachtende Flüchtlingspolitik der europäischen Staaten und ihren Institutionen. Das ist glänzend recherchiert und superb arrangiert. Kurzum: Unterhaltung auf höchstem Niveau. „Todespfad“ fordert aber gleichermaßen den Leser heraus. Es beschleicht einen beim Lesen rasch die Frage, wie man selbst zu dieser Welt und ihrer „Ordnung“ steht. „Todespfad“ lässt einen nachdenklich werden, ohne zu missionieren. Chris Marten notiert als Chronist das Ausleben des europäischen Turbo-Individualismus („Nichts ist unmöglich“) auf der einen Seite sowie das trotzige Bemühen, die Ordnung durch tradierte Rituale zu wahren bzw. wiederherzustellen, auf der anderen Seite. Welten prallen aufeinander, um sich wieder voneinander abzustoßen und verständnislos gegenüberzustehen. Und die, die zu vermitteln suchen, geraten selber in Gefahr. Denn wechselseitiges Verständnis kann geschäftsschädigend sein.
Unbedingt hervorzuheben ist das internationale Flair von „Todespfad“ – die Story spielt u.a. in Mali, Paris, Köln und Essen - sowie der an die jeweilige Handlung angepasste Sprachstil. Mal nüchtern bis lakonisch, dann wieder sehr lyrisch mit faszinierenden Bildern, die das Beschriebene nicht nur plastisch werden, sondern ganz großes Kopfkino entstehen lassen. Wenn Chris Marten den Leser nach Afrika entführt, dann riecht und schmeckt man die Hirse, sieht und fühlt die gelebten Riten. Wenn Chris Marten zum rasanten Schluss ansetzt und u.a. durch die Zoomwelt von Gelsenkirchen führt, dann nimmt die Sprache ein Tempo auf, dass man als Leser, der mitten im Geschehen ist, unwillkürlich den Herzschlag von Verfolgern und Verfolgten hört.
Ein wirklich beachtlicher, hervorragender Krimi mit einem Schlusssatz von großem Nachhall: "Der Himmel stürzt nicht herab wegen so einer Lappalie." Das Zitat von Joseph Conrad ist kein zynisches, sondern ein trotzig-optimistisches Resümee. Vielleicht gibt es sie doch, die höhere Gerechtigkeit…
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