Die zweite Stimme von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1996
unter dem Titel A Test Of Wills,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / Warwickshire, 1910 - 1929.
- New York: St. Martins Press, 1996 unter dem Titel A Test Of Wills. 282 Seiten.
- München: Heyne, 2005. Übersetzt von Uschi Gnade. 382 Seiten.
'Die zweite Stimme' ist erschienen als
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In Kürze:
Inspektor Ian Rutledge hat seinen Dienst bei Scotland Yard wieder aufgenommen. Ein Kollege, eifersüchtig auf die Verdienste, die Rutledge sich vor dem Krieg erworben hatte, beauftragt ihn mit einem Fall, der von vornherein aussichtslos erscheint: In einem kleinen Dorf wurde ein alter Soldat ermordet und der Tat verdächtig ist ausgerechnet ein populärer, hochdekorierter Kriegsheld.
Das meint Krimi-Couch.de: »Vielversprechender Erstling«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss überspringen
Mit »Die zweite Stimme« liegt nun der erste Roman um den englischen Inspector Ian Rutledge in deutscher Sprache vor, nachdem schon die Bände 2 bis 6 hierzulande veröffentlicht wurden. Auch wenn jedes der folgenden Bücher gut ohne das detaillierte Hintergrundwissen aus dem ersten Band zu lesen ist, so wird einem doch hier der Einstieg erleichtert, da man von Beginn an mit dem psychisch angeschlagenen Protagonisten vertraut gemacht wird. Natürlich wird auch in den Folgebänden kurz umrissen, dass Ian Rutledge an einer Schützengrabenneurose leidet, deren Folgen für ihn nicht unerheblich sind. Der Erste Weltkrieg ist vorbei und Rutledge ist seit seiner Rückkehr ein anderer Mann. Er hört eine Stimme in seinem Kopf, die eines schottischen Soldaten namens Hamish, den er wegen Befehlsverweigerung exekutieren ließ. Ein Detail erschien mir jedoch neu: Da das Exekutionskommando nicht allzu zielsicher war, gab Rutledge den erlösenden letzten Schuss selbst ab. Mitfühlend teilt man die Erinnerung an den wohl schwierigsten Moment im Leben des Soldaten.
Die Last der Ermittlungen
Die Stimme Hamishs ist im Gegensatz zu den späteren Büchern noch eine größere Last, eine Bedrohung, auch weil der Inspector noch nicht weiß, ob er seinem früheren Beruf nach diesen einschneidenden Erfahrungen noch gewachsen ist. Er zweifelt zudem an seinen Fähigkeiten, die er vor dem Krieg so selbstverständlich eingesetzt hat. Später ist er sicherer, wenn auch psychisch nicht wirklich stabiler, aber indem er London entflieht und Fälle in der Provinz aufklärt, kann er sein Leben erträglicher gestalten. Hamish wird später auch mehr und mehr zu einer Art Assistent, wovon hier noch nichts zu spüren ist.
Obwohl diese Serie aufgrund ihrer Ausgangslage ohnehin das ruhigere Segment in der Kriminalliteratur besetzt, passiert entschieden zu wenig in der ersten Hälfte der Geschichte. Offensichtlich geben die Autoren (Mutter und Sohn schreiben gemeinsam unter dem Pseudonym Charles Todd) dem Leser sehr viel Zeit, sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Doch dann beginnt die Intensität zu wirken, mit der sie ihren Plot ausgestattet haben. Das Ende ist ergreifend und zugleich überraschend, auch wenn die Auflösung auf den letzten Seiten fast ein wenig zu schnell vonstatten geht. Wie Rutledge nach den mühevollen und ergebnislosen Ermittlungen doch noch richtig kombiniert, ist verblüffend. Eher scheint es, als offenbare sich der Mörder selbst.
Wie glaubwürdig kann ein gebrochener Mann sein?
Die Story ist schnell erzählt: Der angesehene Colonel Harris wird eines morgens mit einer Schrotflinte erschossen. Ein Motiv scheint es nicht zu geben, auch wenn sich der Verlobte seines Mündels angeblich am Vorabend mit ihm gestritten hatte und dieser dann auch kurz vor dem Mord im hitzigen Gespräch mit dem Colonel gesehen wurde. Der Zeuge ist allerdings nicht wirklich glaubhaft, ein ehemaliger Soldat und Trinker, der an Schützengrabenneurose leidet. Es ist für Rutledge fast unerträglich, sich mit diesem Mann auseinanderzusetzen. Das Pikante daran ist, dass sein Vorgesetzter in London ihm die Existenz dieses Zeugens verschwiegen hat und auch bewusst ihn , Rutledge, ausgewählt hat, weil der Fall eigentlich nicht zu lösen ist. Der verdächtige Verlobte ist ein hochdekorierter Flieger des Ersten Weltkriegs und dessen Verurteilung würde ihm Königshaus mehr als Befremden auslösen. Sollten die Ermittlungen scheitern, so könnte man so oder so Rutledge als Sündenbock darstellen.
Wie gesagt, die Intensität der Geschichte nimmt ungefähr ab der Hälfte zu und dann fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Insgesamt braucht sich »Die zweite Stimme« nicht hinter den Nachfolgebänden zu verstecken und es ist mir daher unverständlich, warum man die Veröffentlichung der Reihe nicht mit diesem Buch eröffnete.
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| AndreaO zu »Charles Todd: Die zweite Stimme« | 05.01.2009 |
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| katharina Kaspers-siebert zu »Charles Todd: Die zweite Stimme« | 23.12.2008 |
| Martin zu »Charles Todd: Die zweite Stimme« | 16.09.2007 |
| Volker zu »Charles Todd: Die zweite Stimme« | 10.09.2006 |
| kalkamat zu »Charles Todd: Die zweite Stimme« | 21.03.2006 |
