Lass mich leben, Istanbul von Celil Oker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel Ateş Etme Istanbul, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Unionsverlag.
Folge 5 der Remzi-Ünal-Serie.

  • Istanbul: Altin Kitaplar, 2013 unter dem Titel Ateş Etme Istanbul. 320 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2015. Übersetzt von Gerhard Meier. 320 Seiten.

'Lass mich leben, Istanbul' ist erschienen als

In Kürze:

Remzi Ünal, Istanbuls einsamer Privatdetektiv, nikotinsüchtig und Kaffeeliebhaber, hat schon bessere Zeiten gesehen. Da taucht im Café Kaktüs Dr. Kemal Arsan, der smarte Internist einer Privatklinik, auf. Er vermisst seit vier Tagen seine Freundin, eine Krankenschwester derselben Klinik. Remzi Ünal übernimmt und scheint in ein Wespennest zu stechen: Ein toter junger Arzt liegt in der Wohnung einer Pflegerin, ein Kleinkrimineller geht mit dem Skalpell auf Remzi los und eine ominöse Klinik behandelt mit zweifelhaften Methoden rätselhafte Fälle. Die Ermittlung läuft aus dem Ruder. Schöne, kluge Krankenschwestern, lügende Ärzte und eine verwirrte alte Frau halten Remzi Ünal im verkehrsverstopften Istanbul ganz schön auf Trab. Wer gehört hier zu wem und wer hat was zu verbergen? Remzi Ünal hat als Erster eine Ahnung.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ohne Kaffee und Zigaretten geht nichts« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Remzi Ünal wird von Doktor Arsan angesprochen, da dieser seine Freundin Begün vermisst. Ünal hört sich zunächst in der Privatklinik um, in der die Beiden arbeiten. Als er diese verlässt wird er von einem Kleinkriminellen mit einem Skalpell bedroht, kann diesen jedoch dank seiner Aikido-Kenntnisse außer Gefecht setzen. Im Krankenhaus erfährt Ünal von Firdevs, Begüns enger Freundin, doch kurz nachdem er diese in ihrer Wohnung zu einem Gespräch aufsucht, erscheinen dort drei Schlägertypen, die ebenfalls auf der Suche nach Begün sind. Erneut muss Ünal seine Kampfkünste einsetzen, eine Gelegenheit die Firdevs nutzt, die Wohnung mit einer ebenfalls anwesenden Freundin fluchtartig zu verlassen. Wenig später entdeckt Ünal in Firdevs Schlafzimmer einen toten Mann, der erschossen auf dem Bett liegt. Nachdem der Tag schon schlecht begann überschlagen sich fortan die Ereignisse und Ünal gerät in ein wahres Wespennest …

»Der Spiegel vor mir war größer als der größte LED-Bildschirm, den ich je gesehen hatte. Stellenweise begann er blind zu werden, doch wie es um einen stand, zeigte er noch zur Genüge: Augen, die viel gesehen, aber auch viel vergessen hatten; ein Mund, der nicht recht wusste, ob er zu dem, was er sagte, auch stehen sollte. Dazu ein Kinn, das nach der Bezeichnung «energisch» geradezu schrie (womit man aber völlig danebenlag), und eine Nase, die es hart ankam, dass ein paar Schläge, die man ihr versetzt hatte, noch immer ungerächt waren. In einem Wort: Remzi Ünal.«

Eine verwirrte alte und eine vermisste junge Frau, lügende Ärzte und dubiose Machenschaften in einer noch dubioseren Klinik sind einige der Schwierigkeiten, mit denen Remzi Ünal in seinem fünften Fall konfrontiert wird. Hinzu kommen private Probleme die dazu führen, dass er in einem schäbigen Hotel wohnt und der Beziehungsstatus zu seiner Freundin Yildiz ungeklärt ist. Der kauzig-schnoddrige Ich-Erzähler kommt ohne Kebab, Kaffee und Zigaretten nicht aus, wovon nicht wenige Zeilen, um nicht zu sagen Seiten, dieses Buches verkünden. Neben diesem etwas übertriebenem Platzverbrauch kommt störend hinzu, dass die Namen aller mitwirkenden Personen durchgehend mit Vor- und Nachnamen benannt werden. Insbesondere bei der Nennung von Ünals Freundin ist dies gewöhnungsbedürftig, denn wer nennt seine Partnerin schon mit dem Nachnamen?

»Und wenn ich herausfinde, wer Hilmi Akalin getötet hat, vertrauen Sie mir dann?«
»Den konnte ich nie ausstehen, was soll es mich also scheren, ob er von irgendeinem Ahmet umgebracht wurde oder von irgendeiner Ayse?«
»Jemand könnte aber annehmen, dass diese Ayse niemand anderes als Sie sin.«
»Und wer ist diese Jemand?«
»Die Polizei.«

Sieht man von dieser seitenfüllenden Schreibweise ab, ist Celil Oker durchaus ein kurzweiliger Krimi gelungen, der aus der üblichen Massenware herausragt. Ein ungewöhnlicher Plot und ein Detektiv der vor allem der Polizei aus dem Weg gehen möchte machen neugierig. Zum Finale bittet Ünal nicht wenige Personen zu einer (langen) Besprechung, die, ganz im Stile einer Agatha Christie, dazu führt, dass der Täter ermittelt wird beziehungsweise die Ereignisse aufgeklärt werden. Oder so ähnlich. Jedenfalls sollte man dem ausführlichen »Showdown« sehr aufmerksam folgen, um nicht den Überblick zu verlieren. Hier nervt erneut deutlich, dass alle Personen, wenn sie reden oder den Raum betreten oder verlassen, mit Vor- und Nachnamen genannt werden.

»Was sollen diese Fragen? Was haben Sie vor?«
»Gar nichts. Ist mir nur so eingefallen. Aber es werden natürlich noch andere Fragen zu beantworten sein.«
»Unterstelen Sie hier, dass die Polizei auf dem Holzweg ist?«
»Nie und nimmer. Mir steht es nicht zu, die Polizei zu kritisieren. Und schon gar nicht, wenn alle mit deren Fazit zufrieden sind.«

Noch eine Anmerkung zum Titel. Es gibt sicher interessantere Krimis, um Istanbul als Stadt kennen zu lernen. Zwar werden einige Straßen und Stadtviertel benannt, aber leider nicht groß vorgestellt. Hier empfiehlt sich der großartige Roman Die Istanbul Passage von Joseph Kanon. Dennoch: Wer ausgefallene Krimis und eigenwillige Ermittler mag, sollte dennoch zugreifen.

Jörg Kijanski, Februar 2016

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