Verführung von Catherine Gildiner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Seduction, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Kindler.
Ort & Zeit der Handlung: Wien / London / Ontario, 1970 - 1989.

  • Toronto: Knopf, 2005 unter dem Titel Seduction. 507 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2006. Übersetzt von Margarete Längsfeld & Sabine Maier-Längsfeld. ISBN: 978-3-463-40497-4. 507 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007. Übersetzt von Margarete Längsfeld & Sabine Maier-Längsfeld. ISBN: 978-3-499-24223-6. 507 Seiten.
  • Hamburg: Zeitverlag Bucerius, 2009. Übersetzt von Margarete Längsfeld & Sabine Maier-Längsfeld. ISBN: 978-3941378537. 382 Seiten.

'Verführung' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Kate Fitzgerald ist hochintelligent, bildschön und seit neun Jahren hinter Gittern. Dort hat sie sich zu einer international berühmten Freud-Spezialistin herangebildet. Doch ihre eigene Therapie beim Gefängnispsychologen stagniert. Da bietet dieser ihr einen Deal an: Hafturlaub mit Option auf vorzeitige Begnadigung, wenn sie für die Freud-Gesellschaft Nachforschungen in Wien tätigt. Denn dort droht der Wissenschaftler Dr. Anders Konzak mit einer Veröffentlichung, die Freud und die Psychoanalyse für immer diskreditieren könnte. Mit Bauchschmerzen willigt Kate ein – besonders suspekt ist ihr der ihr zur Seite gestellte Partner, Privatdetektiv und Exsträfling Jack Lawton. Als Kate bei ihrer Verabredung mit Konzak nur noch auf dessen Leiche stößt, wird ihr klar, dass sie über ihren Auftrag entschieden zu wenig weiß …

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf der Couch« 82°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Mit zahlreichen Publikationen feiern zahlreiche Verlage den 150. Geburtstag Freuds. So widmete unlängst »Der Spiegel« seine Titelgeschichte der Person Sigmund Freud und seiner umstrittenen Theorie der Psychoanalyse, doch die Begeisterungsfähigkeit für eine solche eher trockene Herangehensweise ist weitestgehend begrenzt. Wer sich nicht schon vorher dafür interessierte, wird wohl kaum tiefer in die komplexe Materie einsteigen. Anders ist es mit der belletristischen Aufbereitung, die neben interessanten Informationen die Unterhaltung in den Vordergrund stellt.

Die bekannte israelische Autorin Batya Gur wählte für ihren Krimi "Denn am Sabbat sollst du ruhen» z.B. das Umfeld der Psychoanalyse. Mit ihrem Mann, Psychoanalytiker von Beruf, hatte sie hier einen kompetenten Ansprechpartner. Die kanadische Autorin Catherine Gildiner ist selbst Psychologin und legt mit dem Krimi «Die Verführung» ihren ersten Roman vor. Wie sie selbst im Vorwort schreibt, wurde der Grundstein für das Buch im Grunde schon gelegt, als sie in den 60er und 70er Jahren für ihre Doktorarbeit über den Einfluss von Darwin auf Freud recherchierte.

Ihre Protagonistin Kate Fitzgerald, Tochter aus gutem Hause, ist eine zerrissene Person, die – wie im Laufe der Handlung unschwer zu erkennen ist – Probleme in der Beziehung zu ihrem Vater hat. Erschwerend kommt hinzu, dass sich ihre Familie von ihr abwandte, als sie wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt wurde. Sie sitzt seit nunmehr neun Jahren in einem kanadischen Gefängnis und vertrieb sich die Zeit mit Studien über Freud, wobei sie zu einer anerkannten Expertin avancierte. Ihr Gefängnis-Psychologie Dr. Gardonne bittet sie in seiner Funktion als Chef des Komitees für Öffentlichkeitsarbeit eines Psychoanalytikerverbandes um Unterstützung, verbunden mit der Aussicht auf Haftentlassung, falls sie ihre Aufgabe erfolgreich bewältige.

Über Hysterie und den Ödipus-Komplex

Während eines Hafturlaubs soll sie untersuchen, was es mit den angekündigten Enthüllungen von Dr. Anders Konzak, dem Direktor der Freud-Akademie, auf sich hat. Er vertritt in einem Aufsehen erregenden Aufsatz die These, Freud sei ein Schwindler gewesen und die Psychoanalyse sei nichts anderes als Betrug. Kate und der Ex-Häftling Jack Lawton, nun als Privatdetektiv tätig, machen sich auf den Weg nach Wien, um zu erfahren, was Anders Konzak im Schilde führt. Nach einem angeregten Abend, den Kate mit Konzak beim Essen verbringt, findet sie den Direktor der Freud-Akademie in seiner Wohnung mit durchgeschnittener Kehle auf. Um nicht gleich in die Schusslinie zu geraten, nehmen Kate und Jackie den nächsten Flug nach London, um dort wie geplant mit Anna Freud, Sigmund Freuds Tochter zu sprechen. Zu den Ermittlungen um Konzaks Enthüllungen kommt nun noch die schwere Aufgabe hinzu, den wahren Mörder zu entlarven, um die Haftentlassung nicht aufs Spiel zu setzen und nicht selbst als Verdächtige zu enden – denn wer würde der Aussage einer überführten Mörderin Glauben schenken, sie hätte nichts mit dem Tod Konzaks zu tun?

Was ist Dichtung, was ist Wahrheit? Bei einigen Dingen ist es offensichtlich; als Beispiel sei hier genannt, das Anna Freud bereits 1982 verstarb, während die Handlung 1983 spielt. Bei einigen anderen Vorfällen vermag dies nur der Freud-Kenner zu unterscheiden, der unbedarfte Leser jedoch nicht. Dass Realität und Fiktion so gekonnt miteinander verwoben werden, ohne dass Schnittstellen allzu offensichtlich werden, ist ein Indiz dafür, welch weitgehende Recherche dem Buch zugrunde liegt. Auf unterhaltsame Weise vermittelt Catherine Gildiner ihren Lesern Details über die Psychoanalyse, die man sich auf andere Weise nur schwer erarbeiten könnte. Da einige geschilderte Begebenheiten jedoch zu abstrus sind, um wirklich wahr zu sein, vergisst man nie ganz, dass es sich hier um Fiktion handelt.

Anspruchsvolle Lektüre

Der Autorin gelingt es leider nicht immer, eine gewisse Leichtigkeit beim Vorantreiben der Handlung zu bewahren. Die ersten 50 Seiten sind äußerst zäh und erschweren den Einstieg ungemein. Hat man diese Hürde jedoch erst einmal überwunden, nimmt einen die Handlung gefangen, die in gewissen Bahnen fast «normal» dahinfließt, bis wieder komplexere Themengebiete eingeflochten werden. Immerhin steht der Hauptfigur Kate Fitzgerald auch noch der nicht ganz so gebildete Privatdetektiv Jack zur Seite, dem sie immer wieder Erklärungen liefert, die für den Leser sehr nützlich sind. Zentraler Punkt für die Spannung ist die Tatsache, dass Kate nicht weiß, wem sie wirklich trauen kann. Sogar bei Jack ist sie sich nicht sicher, auf wessen Seite er steht.

«Verführung" ist ganz sicher kein Buch für Jedermann. Mit dem anspruchsvollen Hintergrund ist es auch gewiss nicht einfach zum Nebenher-Lesen geeignet, aber es bietet gute Unterhaltung und einen faszinieren Einblick in die Geschichte der Psychoanalyse und das Leben von Sigmund Freud und seiner Tochter Anna, Vertraute ihres Vaters und Begründerin der Kinderanalyse.

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Carsten zu »Catherine Gildiner: Verführung« 06.12.2007
Ich halte mich für einen Krimi-Vielleser und treffe leider zu 90% auf schlechte Bücher - die alle von irgendwem wärmstens empfohlen werden.
"Schlecht" im Sinne der Darstellung von völlig unrealistischen Charakteren (häufig schwarz-weiß), niveauloser Sprache oder schundromanhaft zusammengekleisterten Handlungssträngen.
"Verführung" ist ein wirklich schön geschriebenes, sehr interessantes, intelligentes Buch; unbedingt empfehlenswert! Die oben von Sabine Reiss genannten Negativpunkte kann ich nicht nachvollziehen. Der Partner der Hauptfigur mag zwar ungehobelt erscheinen - jede seine Äußerungen belegt aber seinen exzellenten Bildungsstand.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
marie zu »Catherine Gildiner: Verführung« 24.08.2007
hallo,

also ich muss sagen, dass ich das buch wirklich bemerkenswert gut fand. die ganzen informationen die man bekommt, auch über freuds verführungstheorie, waren sehr gut geschildert und erklärt, auch für menschen die nicht unbedingt psychologie studiert haben *g* ich hoffe, dass mrs gildiner es nicht bei diesem einen roman belassen wird, da ich wirklich begeistert war.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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