Wer die Toten stört von Carolyn Haines

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Them Bones, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Mississippi, 1990 - 2009.

  • New York: Bantam, 1999 unter dem Titel Them Bones. 318 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2001. Übersetzt von Dietmar Schmidt. ISBN: 3-404-14462-7. 444 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2002. Übersetzt von Dietmar Schmidt. ISBN: 3-404-25824-X. 444 Seiten.

'Wer die Toten stört' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Keine Frau mit Selbstbewusstsein würde es so weit kommen lassen wie Sarah Booth Delaney: Unverheiratet, ohne Arbeit und über 20, steht sie kurz davor, Dahlia House, den alten Familiensitz, zu verlieren. Und dann schlittert sie auch noch in einen handfesten Mordfall: Nach über 20 Jahren kehrt Hamilton Garrett V. in sein Elternhaus zurück, wo er als Kind seine Mutter getötet haben soll. Hat er es tatsächlich getan? Und ist es vernünftig, dass Sarah sich den mutmaßlichen Mörder verliebt? Als sie zu viele Fragen stellt und eine weitere Leiche auftaucht, wird sie plötzlich selbst zur Verdächtigen – und muss feststellen, dass derjenige, der die Töten stört, sehr schnell mit einem Fuß im Grab steht.

Das meint Krimi-Couch.de: 65°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Sarah Booth Delaney sitzt auf ihrem heruntergekommenen Landsitz im Städtchen Zinia im Staate Mississippi. Sie ist schlichtweg pleite und zu allem Übel plagt sie auch noch der Hausgeist Jitty mit Vorwürfen, denn anders als ihre Freundinnen ist Sarah Booth noch immer nicht verehelicht, weil sie offensichtlich zu selbständig und wählerisch ist.

Geld muss her. Sarah Booth hat nichts Besseres zu tun als ihrer wohlhabenden Freundin Tinkie das Schoßhündchen zu klauen. Und gegen üppige Bezahlung beschafft sie den vermeintlich gedognappten Köter wieder, was prompt den Anstoß zu einer Karriere als Privatdetektivin führt. Denn Tinkie hat noch ein anderes Problem und dieses nennt sich Hamilton Garrett V. Vor zwanzig Jahren war Tinkie unsterblich in Hamilton verliebt und jetzt kommt der Dorfkrösus wieder zurück nach Zinnia und Tinkie muss unbedingt wissen …

Um diesen geheimnisvollen Hamilton Garrett V ranken sich einige Gerüchte. Unter Anderem soll er seine eigene Mutter gekillt haben und deswegen ins Ausland gegangen sein, während seine Schwester seit damals in einer Nervenheilanstalt dahin vegetiert. Sarah Booth sieht sich auf dem Familiensitz der Garretts um und lernt den attraktiven Hamilton von seiner schlechtesten Seite kennen. Was ihr natürlich keine Ruhe lässt und sie begibt sich auf die Spur der Geschehnisse von damals.

Carolyn Haines, Mitglied des Deep South Writers Salons, begibt sich mit »Wer die Toten stört« ins ländliche Mississippi. Ihr erster Roman um die kauzige Zufallsdetektivin Sarah Booth Delaney, die beständig mit den weiblichen Tugenden ihrer Jugendfreundinnen konkurriert, zeigt schrulliges Südstaatenambiente und skurrile Typen.

Ähnlich den Romanen von Janet Evanovich ist der Krimicharakter in diesem Buch eher zweitrangig. Sarah Booth Delaney ist eine ländliche Stephanie Plum, die slapstickartig durch die Landschaft marschiert, immer auf der fast vergeblichen Suche nach jemandem, der ihr die Unterleibsneurosen austreibt. Anders als die Kopfgeldjägerin aus Trenton, New Jersey, hat Sarah Booth allerdings keine Verwandten, sondern lediglich eine ständig meckernde Urstrumpftante, der es Spaß macht, ständig in überkandidelten Klamotten zu erscheinen und mit Verbalattacken um sich zu schmeißen. Dazu kommen noch sämtliche Damen aus dem »Höhere-Töchter-Klub«, die außer Ehemännern nichts zu bieten haben, eine wahrsagende Negerin mit einem kleinen Geheimnis und Männer, für die eine Frau nur als Besitz gilt, der möglichst schön aussehen, aber still sein soll.

Natürlich nicht so die Hauptfigur und daraus ergeben sich teilweise köstliche Dialoge, die sowohl die Spannung, als auch den gesamten Handlungsablauf nebensächlich erscheinen lassen. Carolyn Haines Schreibweise ist rundum ländlich-derb und mit einem sarkastischen Stachel gegen die Lebensweisen ausgestattet, die sich im Delta scheinbar noch bis heute gehalten haben. Selbstverständlich werden sämtliche Geheimnisse gelüftet und auch Leichen pflastern Sarah Booth Weg, doch alles läuft mit einem weiblichen Augenzwinkern ab, dass den männlichen Leser gelegentlich langweilt, vor allem wenn es um Kleiderfragen geht und die Frage, wie man die Angel nach einem Mann auswirft, der allen Vorstellungen genügt.

»Wer die Toten stört« hat über weite Strecken Unterhaltungseffekt, der anspruchslos dahin plätschert und die Gehirnwindungen nicht übermäßig strapaziert. Dafür wird man sich öfters dabei ertappen, dass man die Mundwinkel nach oben zieht und den Kopf schüttelt. Wer Lesespaß mit Krimieffekten mag, der sollte in dieses Buch hinein lesen.

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Felinette zu »Carolyn Haines: Wer die Toten stört« 16.09.2005
Ich hab's geliebt, dieses Buch. Die wunderbare Atmosphäre mit einem Hauch „Tara“, das ewige Gekabbel zwischen den VerfechterInnen des Kampfes mit „weiblichen Waffen“ und den Frauen, die längst über „Daddy's Girl“ hinausgewachsen sind, die Leichtigkeit – selbst das gelegentlich Dahinplätschern der Handlung hat mir gut gefallen. Mit ihrer Reihe um Sarah Booth Delaney kann Carolyn Haynes für sich in Anspruch nehem, den „Wellness-Krimi“ wenn schon nicht begründet so doch ein schönes Stück vorangebracht zu haben. Am besten zu gemießen mit einem(!) Southern Comfort und Cajun-Musik…
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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