Such mich von Carol O'Connell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Find Me, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: USA; Route 66, 1990 - 2009.
Folge 9 der Mallory-Serie.

  • New York: G.P. Putnam's Sons, 2006 unter dem Titel Find Me. 352 Seiten.
  • London: Hutchinson, 2007. 478 Seiten.
  • München: btb, 2010 Such mich!. Übersetzt von Renate Orth-Guttmann. ISBN: 978-3-442-75255-3. 478 Seiten.

'Such mich' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Detective Kathleen Mallory ist anders als die anderen. Seit sie als Kind ihre Mutter verloren hat und bei Pflegeeltern aufwuchs, ist sie eine ordnungssüchtige Einzelgängerin: Ihr Schreibtisch ist stets akkurat aufgeräumt, sie fährt ein frisiertes VW-Cabrio, und an den Wänden ihrer Wohnung hat sie akribisch endlose Reihen von Telefonnummern notiert, die mit ihrer Vergangenheit in Verbindung stehen. Denn Mallory ist davon besessen, ihren leiblichen Vater zu finden. Und nur einer bringt der eigenwilligen Ermittlerin Verständnis entgegen: ihr langjähriger Kollege Riker. Als Mallory Briefe ihres Vaters in die Hände gespielt werden, die wichtige Hinweise enthalten, macht sie sich auf eigene Faust auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen. Doch dann geschieht eine Serie von Morden. Der Täter ist offensichtlich auf Mallorys Spur – ohne, dass sie es ahnt. Und ihr Kollege Riker versucht verzweifelt, sie vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Das meint Krimi-Couch.de: »Queen of the Lost Highway« 87°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Mallory ist zurück. Diesmal auf einer privaten Odyssee quer durch die Vereinigten Staaten. So scheint es jedenfalls; ist sie doch anhand eines Stapels Briefe, den ihr unbekannter Vater verschickte, auf dessen Spuren entlang der Route 66 unterwegs, Amerikas vielleicht berühmteste Straße vor dem Vergessen zu bewahren, und ihre eigene Identität und Geschichte zu finden.
Doch es dauert nicht allzu lange und die atemberaubende, blonde Soziopathin mit der Dienstmarke findet sich inmitten einer Pilgerkarawane auf den Spuren eines Serienmörders wieder.

»Get Your Kicks On The Road 66« – die wird Mallory bekommen und auch austeilen. Jene Frau, die nur in eigener Sache unterwegs ist; FBI-Agenten wie Fußabtreter behandelt und Menschen im Schlepptau hat, die mit viel Verständnis und Sorge um ihre Zuneigung buhlen. So wie ihr Partner Detective Riker oder Charles Butler, der den Fehler beging, Mallory einen Heiratsantrag zu machen.

Mehr noch als Freunde hat sie Bewunderer; seien es Hilfesuchende wie die Eltern, deren Konvoi auf den Spuren ihrer toten und vermissten Kinder die Route 66 entlang zieht, oder der Mann, der für all die versteckten Gräber am Wegesrand verantwortlich ist. Und der sich Mallory als Chronistin seiner blutigen Biographie ausgesucht hat. Doch jeder, der Kathleen Mallory kennt, weiß, dass sie sich nicht erwählen lässt – es ist immer sie, die wählt.

Obwohl sie gelegentlich etwas derangiert erscheint: der Wagen verschmutzt, Laptops und Computer nur auf Leihbasis – höchst ungewöhnlich für einen Technik- und Ordnungsfreak -, behält Mallory stets die Übersicht, weiß mit Blicken, Gesten und knappen Worten der Welt ihren Willen aufzuzwingen. Die scheinbare Liederlichkeit ist ihrer Obsession geschuldet, völlig aufzugehen in den Plänen, die sie verfolgt. Die Route 66 ist nun mal ein Synonym für Freiheit, Lust an Entdeckungen und Abenteuer. Mallory passt sich an, wird zu einem weiblichen Jack Kerouac, dessen Unterwegs für sie aber Teil einer nie gelebten Biographie bedeutet. Dass sie auf ihrer Tour aber auch dem Gegenstück dieses Traums von Freiheit, und einer Welt in Bewegung, findet, ist von Anfang an klar.

In ihrem neunten Auftritt wird Mallory von ihrer Schöpferin endgültig zum überirdischen Wesen erhoben. Nur zu offensichtlich benennt Carol O’Connell sie mehrfach als perfekte Synthese aus Dämon und Engel, oder besser noch, Göttin. Scheinbar unnahbar und über den Dingen schwebend, ist sie ihren Kollegen stets einen Schritt voraus. Erst am Ende des Buches gestattet O’Connell ihr menschliche Regungen und Verletzlichkeiten, lässt Mallory aber auch mit einem Bein im Wahnsinn stehen.

Das ist nur konsequent: hier ist ein Mythos (die einzigartige Miss Liberty) dem anderen auf der Spur (der endlose Highway, die Route 66). Und findet dabei vergessenes, missbrauchtes Land, verblichene Wegstrecken und eine Vielzahl von Gräbern. Sowie Verzweiflung in Gestalt des traurigen Trupps verwaister Eltern, die auf der Suche nach minimalsten Hinweisen auf den Verbleib ihrer Kinder sind. Oder deren Überresten.

Mittendrin ein weiterer Mythos; der des perfekten Serienkillers, eine Art dunkles Pendant zu Mallory, der nahezu unsichtbar durch ganze Menschenmassen schreitet, um dort seine Opfer ausfindig zu machen und bei passender Gelegenheit zu töten.
Auch hier ist O’Connell bemerkenswert konsequent, verleiht sie dem Mörder doch kein Gesicht, geschweige denn eine ausgeprägte Identität. Er bleibt rudimentär, der fleischgewordene Alptraum, der den Menschen das nimmt, was ihnen Hoffnung macht, ihren Nachwuchs.

Leider kann Carol O’Connell am Ende dem Drang nicht widerstehen, ihm einen Namen zu geben, ihn zumindest in Ansätzen fassbar zu machen. Vielleicht muss sie auch einfach den Gesetzen des Marktes folgen, die wenigstens einen Hauch von jener Sicherheit einfordern, für die der Zustand des ewig andauernden Ungefähren der Tod wäre.

 Mit Such mich! erweist sich Carol O’Connell wieder als eine der originärsten Kriminalautorinnen der Gegenwart. Mit herkömmlicher Spannungsdramaturgie und Entwicklung von Beziehungsgeflechten haben ihre Romane wenig zu tun. Die Distanz zu ihren schwachbrüstigen, aber erfolgreichen Kolleginnen ist enorm, viel näher, als Slaughter, Gerritsen und Konsorten, liegen David Lynchs verstörende Roadtrips. Ganz besonders im vorliegenden Buch. Es verwundert kaum, dass die ehemalige Kunststudentin O’Connell, bevor sie zu schreiben begann, Schöpferin surrealistischer Gemälde war. Der ganze Roman ist vollgepackt mit solchen Bildern und Momentaufnahmen. Darüber gehen zwar gelegentlich kleine dramaturgische Feinheiten verloren, und der ein oder andere Charakter gerät ein bisschen zu holzschnittartig. Aber dafür gibt es Entwicklungen, Wendungen und Aktionen, die man SO garantiert nicht erwartet hätte. Mallory ist wie ihre Autorin immer für Überraschungen gut; und auch da ergeht es ihr wie dem Mythos, den sie untersucht – er mag schwächeln, auf dem Boden liegen, dem Sterben nah sein, aber er steht immer wieder auf. Bislang und hoffentlich auch in Zukunft.

Und am Ende der Route 66 wartet vielleicht nicht nur der ein oder andere Kick, sondern auch die Heimkehr.

 Während die Übersetzung akzeptabel ist, stellt die deutsche Titelgebung das Original auf den Kopf. Es mag zwar nur eine scheinbare Kleinigkeit sein, aber zwischen dem originalen Find Me und dem deutschen Such mich! liegt eine Welt des Wollens; denn wer gesucht werden möchte, WILL eben NICHT gefunden werden. Da lobe ich mir den englischen Titel »Shark Music«, der, Bertolt Brecht und Kurt Weill sei Dank, die im Roman eloquent eingeflochtene Beziehung zwischen dem Täter und seinen Opfern auf den Punkt bringt.

Jochen König, April 2010

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Schneeglöckchen zu »Carol O'Connell: Such mich« 22.02.2014
Ich habe dieses Buch zu einem Sonderpreis erworben. Der Klappentext war vielversprechend und ich erwartete eine spannende Geschichte und interessante Beschreibungen der Route 66, so daß sie einem bildlich vor Augen erscheint.
Es begann mit dem Prolog ein wenig rätselhaft, fast schon mit einem winzigen Hauch Mystik. Die ersten Seiten von Kapitel 1 ließen sich auch gut an. Doch dann wurde es für mich ein wenig undurchschaubar. Viele Personen, viel Durcheinander und das für mich nervtötende Kompetenzgerangel zwischen FBI und Staatspolizei. Dazu sogar Gerangel um Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Staatspolizeien. Es wurde mir nicht klar, was Mallory eigentlich will, warum sie durch die Staaten jagt. Dann trifft sie zufällig? auf Mordfälle. Alles chaotisch geschildert. Manchmal wußte ich nicht, an welchem Ort die Handlung gerade spielt.
Überhaupt ist diese Mallory merkwürdig, wie viele geschilderte Handlungen und Situationen. Wie so manch andere Figur im Roman auch. Der Autorin gelingt es nicht, mir die Personen nahezubringen. Die Handlungen der Personen bleiben mir manchmal rätselhaft, fremd.
Jetzt habe ich entdeckt, daß dies kein Einzelbuch ist, sondern zu einer Reihe gehört. Ich bin also Quereinsteiger und das ist bei dieser Reihe wohl ganz schlecht, denn das meiste verstehe ich nicht.
Ich kann auch die positive Rezension von Jochen König nicht nachvollziehen.
Gut, daß ich so wenig für dieses Machwerk bezahlt habe. Landet in der Mülltonne.
kianan zu »Carol O'Connell: Such mich« 01.10.2013
Ich war dankbar, dass die Autorin in diesem Buch aus der Serie um die Protagonistin Mallory diese nicht mehr als die absolut übernatürliche, emotionslose, maschinenhafte Frau beschrieben hat, sondern das Maß wieder "lediglich" auf eine kalte, intelligente, aber mit ein paar Emotionen behaftete Frau zurückgeschraubt hat. An und für sich wäre dies aus meiner Sicht ein richtiger Schritt, um zumindestens mich als Leser dieser Serie weiterhin zu erhalten. Leider jedoch hat diese Mal dafür m. E. die Geschichte (Hundert ermorderte Kinder entlang der Route 66 und der Karawan von Eltern, die nach ihren vermisssten Kindern suchen - der Killer immer ganz in der Nähe) stark gelitten und war einfach an den Haaren herbeigezogen. Es strotzt von Ungereimtheiten, Unwahrscheinlichkeiten und einem absolut unverständlichen Verhalten des FBIs. Streckenweise auch recht unübersichtlich und anstrengend, gelang es der Autorin erst im letzten Drittel des Buches eine Spannung aufzubauen. Das lag aber weniger an der Krimigeschichte selber, sondern aufgrund der Neugierde, wie die persönliche Geschichte von Mallory und ihrem verschollenem Vater Payton Hale endet. Da frage ich mich jedoch, wie Leser dieses Buch empfinden, die die Serie nicht von Anfang an gelesen haben. Das Buch lebt hauptsächlich von den Protagonisten Riker, Charles und Mallory - nur deswegen werde ich noch dem nächsten Buch Serie eine Chance geben - ansonsten kann ich das Buch nicht empfehlen.
wendelin zu »Carol O'Connell: Such mich« 06.08.2012
Mallory, der "Dirty Harry" unter den Ermittlerinnen, diesmal auf einer Tour entlang der alten Rote 66 auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Was als soziopatischer Solo-Trip beginnt entwickelt sich zunehmend zur Jagd auf einen Mörder, der die Straße, die den amerikanischen Traum wie keine andere verkörpert, mit Kinderleichen pflastert.

Carol O’Connells Figuren sind wie immer fast bis zur Karikatur überzeichnet und wirken wie aus einem surrealen Comic entsprungen. Trotzdem, oder vielleicht deshalb, haben ihre Krimis mehr Seele, als die üblichen Mainstreem-Thriller.

Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten!
vifu zu »Carol O'Connell: Such mich« 05.12.2010
ich hatte nun schon so lang auf eine neue Übersetzung eines neuen Romans von Carol O´Connells gewartet. Zunächst hat mich der Einstieg etwas enttäuscht da ich die Mallory-Beschreibungen und Psychologie-Skizzen doch etwas ermüdend fand. Dann aber fingen Riker und Charles mich ein und der Plot um die Gräber entlang der Route 66 wurde immer spannender. Auch wenn der Schluss mit ein wenig bemüht vorkommt (vielleicht zusammengekürzt?), ist da Buch unbedingt lesenswert!
Bio-Fan zu »Carol O'Connell: Such mich« 03.04.2010
Carol O´Connells Heldin Kathy Mallory geht hier in ihre 9. Runde und zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen. In meinen Augen sogar der beste Mallory-Roman, denn "she gets her kicks from Route 66."

Die Route 66, Amerikas wohl berühmtester Highway, war nicht nur die erste durchgehende Straßenverbindung von Ost nach West, sondern stand seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch symbolisch für die Hoffnungen und Träume vieler Suchender, die sich auf den Weg machten in der Hoffnung auf ein, wenn nicht besseres, dann doch auf ein anderes Leben. Diese Suche, die eng verbunden war mit den endlosen Highways, dem Gefühl von Freiheit und Abenteuer hat sich vielfältig in amerikanischer Lyrik, Prosa, Musik und Songtexten niedergeschlagen - besonders in den 1950er/1960er Jahren. So war auch die Route 66 für viele der Weg zum Ziel, für einige blieb der Weg das Ziel und manche haben ihr Ziel auch erreichen können.

Carol O´Connells Roman "Such mich (Find me)" ist denn auch eine Geschichte des Suchens und Findens. Die Protagonistin Kathy Mallory macht sich auf die Suche nach ihren Wurzeln. Hatte sie in "Der steinerne Engel" den gewaltsamen Tod ihrer Mutter aufklären können, so sucht sie jetzt nach dem unbekannten, verschollenen Vater. Anhand seiner Briefe, die Mallory einer Freundin ihrer Mutter abtrotzen konnte, versucht sie, seinen Spuren entlang der Route 66 von Chicago nach Los Angeles zu folgen. Unterwegs trifft sie auf eine immer größer werdende Schar von verzweifelten Eltern, die nach dem Verbleib ihrer verschwundenen Kinder suchen. Wie sich herausstellen wird, sind die Kinder vornehmlich Opfer eines sogenannten "Highway-Killers" geworden, der jahrzehntelang auf den entlegenen Abschnitten der Route 66 ein heimliches Unwesen trieb, nun aber nach Publicity giert, indem er auch die Eltern attackiert. Unter Begleitschutz der jeweilig örtlichen Polizeikräfte und ganzer Abteilungen des FBI, umgeben von einer Blase quotengeiler Medienleute wälzt sich der Tross gen Westen. Mittendrin Mallory mit ihrem Kollegen Ryker vom NYPD und dem getreuen Charles Butler. Doch auch der Killer ist ganz in der Nähe.

Ausdruckstarke Bilder links und rechts der Highways, Wagenburgen in der Nacht und eine Vielzahl ungewöhnlicher Charaktere machen staunen, regen die Fantasie an, verunsichern, halten die Spannung stets hoch - geben halt "kicks on Route 66" ;-)

90 Grad
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