Settlers Creek von Carl Nixon

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Settler´s creek, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Weidle.
Ort & Zeit der Handlung: Neuseeland, 2010 - heute.

  • Auckland: Vintage, 2010 unter dem Titel Settler´s creek. 320 Seiten.
  • Bonn: Weidle, 2013. Übersetzt von Stefan Weidle. ISBN: 978-3938803608. 320 Seiten.

'Settlers Creek' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Box Saxton ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und Immobilienmakler in Christchurch, bis die Finanzkrise ihm den Boden unter den Füßen wegreißt. Er muß sein Haus mit Meerblick verlassen und sich in einer nicht gerade erstklassigen Gegend einmieten. Die teure Privatschule für seine beiden Kinder läßt sich nicht länger finanzieren. Sein 19jähriger Sohn Mark wird mit diesen Veränderungen nicht fertig und nimmt sich das Leben. Box, der nun als einfacher Bauarbeiter weit entfernt arbeitet, fliegt sofort nach Hause, um bei seiner Frau Liz und Tochter Heather zu sein und die Beisetzung im Familiengrab vorzubereiten. Doch da taucht Marks leiblicher Vater auf, Tipene, ein Maori, der die Mutter des Jungen bald nach der Geburt verlassen hat. Mark hatte nie eine Verbindung zu ihm. Nach dem Gesetz der Maori muß ein Familienmitglied in der Grabstelle der Ahnen beigesetzt werden, und dieser Tradition will Tipene folgen. Box und seine Frau weigern sich, den Leichnam des Jungen herauszugeben, deshalb stiehlt Tipene ihn, wobei er das neuseeländische Recht auf seiner Seite hat. Box verfolgt ihn in seinem alten Pickup, um die Leiche seines Sohnes zurückzubekommen.

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walli007 zu »Carl Nixon: Settlers Creek« 09.04.2016
Letzte Reise

Box Saxton war ein erfolgreicher Bauunternehmer, er hatte für seine Familie ein großes Haus gebaut, die Kinder gingen auf Privatschulen. Dann kam die Wirtschaftskrise und alles war dahin. Nur noch Arbeiten als Subunternehmer sind drin. Box muss wieder selbst Hand anlegen und kann seine Familie gerade so über Wasser halten. Die Nachricht vom Selbstmord seines 19jährigen Adoptivsohns Mark trifft ihn wie ein Schlag. Was kann den Jungen nur zu solch einer Tat bewegt haben? Auf dem schnellsten Weg reist Box nach hause zu seiner Frau und seiner leiblichen Tochter. Noch ist der Leichnam nicht freigegeben und doch müssen er und Liz beginnen, die Dinge zu regeln.

Der Familie Saxton wurde schon viel genommen, ihr gutes Leben, ihre finanzielle Sicherheit. Box ist bei seinen Großeltern aufgewachsen, seine Mutter und sein Bruder früh verstorben. Seine Ehe und auch seine gute Beziehung zu dem Sohn seiner Frau, der erst zwei Jahre alt war als sich Liz und Box kennenlernten, haben ihm Halt gegeben. Und nun scheint auch noch dieser letzte Halt verloren. Box kann nicht verstehen, was seinen Sohn dazu gebracht haben könnte, sich umzubringen. Das Einzige, was ihm bleibt, ist, den Jungen anständig unter die Erde zu bringen. Dort, wo auch Box und seine Frau eines Tages sein sollen. Mit dem Auftauchen des leiblichen Vaters von Mark, ein Maori, hat niemand gerechnet.

Welch ein Schicksalsschlag, der Tod des eigenen Kindes, selbst eines angenommenen Kindes, ist kaum zu ertragen. Die Welt scheint still zu stehen, die Zeit nimmt einen anderen Lauf. Man erinnert sich, an das eigene Leben, die eigene Kindheit und Jugend, seine Verluste, vielleicht weiß man, um die daraus resultierenden Ängste. Man fühlt Hilflosigkeit und Wut. Wut, die sich nach außen richtet, wenn man augenscheinlich völlig ungerechtfertigten Forderungen gegenübersteht. Man macht sich auf den Weg, einen letzten Weg für sein Kind.

Nach und nach erfährt man, welch schwere Zeiten Box durchlebt hat. Man empfindet Verständnis, dass er die Dinge in die eigenen Hände nimmt. Man geht mit auf diesem Weg. Doch man vermisst auch die Sicht der anderen. Es fehlen einige Sichten und Erklärungen der anderen Familienmitglieder. Die mitreißende Schilderung dieser letzten Reise, die Box für seinen Sohn unternimmt, lässt den Leser tief in Box` Welt eintauchen und Einblick nehmen in seine herzzerreißende Trauer. Dennoch kann es die fehlenden Gedanken der anderen Betroffenen nicht völlig aufwiegen.
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