Potsdamer Platz von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004
unter dem Titel Potsdamer Platz,
deutsche Ausgabe erstmals 2003
bei Maas.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
- Harpenden: No Exit Press, 2004 unter dem Titel Potsdamer Platz. 351 Seiten.
-
Berlin: Maas, 2003.
Übersetzt von Ango Laina & Angelika Müller.
ISBN:
392901081X. 411 Seiten. -
München: Heyne, 2005.
Übersetzt von Ango Laina & Angelika Müller.
ISBN:
3-453-43009-3. 411 Seiten.
'Potsdamer Platz' ist erschienen als
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In Kürze:
Buddy Giovinazzo hat seinen Aufenthalt in Berlin genutzt und einen Thriller geschrieben, Hollywood-Regisseur Tony Scott (True Romance) hat bereits eine Option erworben; Drehort soll Berlin sein. Buddy Giovinazzo betrachtet die Stadt mit den Augen eines amerikanischen Filmemachers und eröffnet so ungewohnte Perspektiven. Der türkische Bauunternehmer Yossario bittet seinen alten Mafiafreund Riccardo Montefiore um Hilfe: Auf der Berliner Riesenbaustelle am Potsdamer Platz tobt ein blutiger Verdrängungskrieg um Großaufträge. Die Mafiasoldaten Tony und Hardy aus New Jersey werden nach Berlin entsandt, um mit guter, alter amerikanischer Gewalt entsprechenden Druck auf die Gegenseite auszuüben. Doch die scheint alte Kontakte zur Stasi zu haben und hat ihrerseits Rückendeckung aus Rußland angefordert. Während der psychopathische Hardy sich in seinem Element befindet, erkennt Tony, dass ihre gewalttätigen Aktionen ständig getoppt werden und der ganze Einsatz auf fremden Terrain langsam, aber sicher aus dem Ruder läuft …
Das meint Krimi-Couch.de: »Sehr harte Kost unverblümt erzählt«
Krimi-Rezension von Peter Kümmel überspringen
Der Erzähler der Handlung ist Tony. Tony ist kein Romanheld im eigentlichen Sinne, mit dem man so richtig sympathisiert, mit dem man sich identifizieren kann. Denn Tony ist Profikiller. Doch natürlich auch keine dieser stupiden Killer-Maschinen, denn sonst würde er als Protagonist eines Romans nicht viel hergeben. Zumindest entwickelt er im Verlauf der Handlung auch menschliche Gefühle. Ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen Hardy, einem tumben Pädophilen, dem jegliches rationale Denken fremd zu sein scheint und der somit als ständig anwesender Kontrast die Darstellung von Tonys Entwicklung noch verstärkt.
Im Auftrag der »Firma« kommen die beiden 1995 zum ersten Mal in ihrem Leben aus ihrer gewohnten Umgebung von New Jersey raus. Und dann gleich nach Berlin. Eine Stadt, die ihnen absolut fremd ist. Dort sollen sie Kontakt aufnehmen mit dem türkischen Bauunternehmer Yossario und dessen Sohn Vita, deren Familienunternehmen Großaufträge auf der Riesenbaustelle Potsdamer Platz übernommen hat, was der Konkurrenz von der russischen Mafia mißfällt. Nachdem sich Tony und Hardy häuslich eingerichtet haben, fängt sogleich die »Arbeit« für sie an und einige Russen werden niedergemetzelt. Dabei kann natürlich auch die zufällig anwesende 14-jährige Tochter eines russischen Oberbosses nicht verschont werden. Die Leichen werden umgehend beiseite geschafft, so daß nichts an die Öffentlichkeit dringt. Die Russen revanchieren sich daraufhin mit dem Mord an zwei von Vitas Neffen und so ist schnell ein Krieg im Gange.
Als das Ganze eskaliert, schaut schließlich die amerikanische Mafia-Spitze, dabei auch der Boss von Tony und Hardy, Riccardo Montefiore, höchstpersönlich in Berlin nach dem Rechten, um die Kontrolle über die Auseinandersetzung zu behalten. Dabei kommt heraus, dass es ihm gar nicht um die Unterstützung der türkischen Freunde geht, sondern die »Firma« selber die Geschäfte übernehmen will.
Tony und Hardy tun brav ihre Arbeit und befolgen Befehle, bis – ja bis Tony eines Tages anfängt zu denken und er Skrupel bekommt, ob das alles so richtig ist, wenn Unbeteilgte umgebracht werden müssen. Doch wenn er einen Auftrag nicht ordnungsgemäß erledigt, ist das fast gleichbedeutend mit seinem eigenen Todesurteil.
Giovinazzo zeigt ein Bild von Berlin, wie man es nicht oder zumindest nur teilweise kennt und führt uns in die finstersten Ecken von Kreuzberg und auch von Marzahn oder Köpenick. Der Leser wird von Anfang an mit Brutalität und Schrecken konfrontiert und verfolgt das Geschehen quasi durch die Augen des Killers. Und nicht nur das; der Leser darf auch teilhaben an den Gedanken des Mörders. Über die gesamte Handlung hinweg hat der Autor Rückblenden eingeflochten, die Tonys Kindheit und Jugend zeigen, bis er zur Mafia kommt. Dies jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern vollkommen wahllos, so wie Tonys sprunghafte Gedanken. Diese Rückblenden sind oft recht kurz und die einzelnen Episoden scheinbar ohne große Bedeutung, als Ganzes gesehen geben sie doch eine globale Darstellung ab. Auf diese Art setzt sich recht mosaikhaft das Bild des Lebens eines Heranwachsenden zusammen, wie er zum ersten Mal mit Gewalt konfrontiert wird und wie er beginnt, seinen Vater zu hassen, der durch Krankheit der Familie zur Last fällt, so daß es Mutter und Schwester nicht mehr verkraften können und wie er schließlich Kontakt mit kriminellen Kreisen bekommt.
Genauso gut dargestellt ist der Weg zurück. Wie aus dem eiskalten Killer langsam wieder ein denkendes Wesen mit Gefühlen wird. Wie Tony zum ersten Mal daran denkt, wie die Angehörigen der Ermordeten fühlen müssen. Dies klingt natürlich alles beschönigend und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es doch ziemlich harte Kost ist, was uns Buddy Giovinazzo hier serviert, und das in unverblümter ganz direkter Schreibweise, deren Formulierungen zu Beginn etwas holprig klingen, was sich aber legt, sobald man sich eingelesen hat.
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| detno zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 11.04.2010 |
|---|---|
| Leonie Dewke zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 29.03.2010 |
| flattersatz zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 28.01.2008 |
| ramteid zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 15.11.2005 |
| Anja S. zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 13.10.2005 |
| Rideck zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 21.03.2005 |
| dido zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 27.10.2004 |
| ulli zu »Buddy Giovinazzo: Potsdamer Platz« | 13.10.2003 |

