Der Tod verhandelt nicht von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2006
unter dem Titel Con la morte non si tratta,
deutsche Ausgabe erstmals 2011
bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Sardinien, 1990 - 2009.
Folge 4 der Bacci-Pagano-Serie.
- Mailand: Garzanti, 2006 unter dem Titel Con la morte non si tratta. 295 Seiten.
-
München: dtv, 2011.
Übersetzt von Sophia Simon.
ISBN:
978-3423213035. 352 Seiten.
'Der Tod verhandelt nicht' ist erschienen als
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In Kürze:
Sardinien, 1994. Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter können die Räuber fliehen, nur Gabriele Sanna bleibt nach einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt zurück und bekommt 20 Jahre Haft. 12 Jahre später soll Bacci Pagano, der Genueser Privatdetektiv, Sannas verschwundenen drogensüchtigen Sohn suchen, der vermutlich den Anteil seines Vaters bei den einstigen Komplizen einfordern will. Für einen Außenstehenden ist es nicht leicht, die verschworene Gemeinschaft der Inselbewohner zu durchschauen – gewieft, wie er ist, bringt Pagano jedoch noch ganz andere kriminelle Machenschaften ans Licht.
Das meint Krimi-Couch.de: »Kennst du das Land wo die Zitronen blühen, [...] die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?«
Krimi-Rezension von Jochen König überspringen
Ein Überfall auf einen Geldtransporter, dessen Ende ein Gangster und ein Polizist nur schwerverletzt erleben. Der Verbrecher Gabriele Sanna wandert ins Gefängnis. Seine Komplizen entkommen mit der Beute. Anderthalb Jahrzehnte später verschwindet der Sohn des Inhaftierten. Sein Vater befürchtet, dass Valentino nach Sardinien aufgebrochen ist, um dort das erbeutete Geld nachträglich neu zu verteilen. Detektiv Bacci Pagano wird von der Verteidigerin Gina Aliprandi beauftragt, den Junior zu suchen und nach Genua zurück zu bringen. Bacci glaubt zwar nicht, dass sich die Memme von Sohn auf Sardinien befindet, doch er verspricht sich ein wenig Urlaub davon. Und ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Gefängnis-Aufseher und guten Freund Virgilio Loi . Seine eher pro forma betriebene Suchaktion löst allerdings eine Kettenreaktion aus, an deren Ende der Tod wartet.
Parallel bekommt Bacci, nach zehn Jahren ohne direkten Kontakt, Besuch von seiner fast erwachsenen Tochter Aglaja. Sehr zum Missfallen seiner aufbrausenden ehemaligen Gattin Carla. Denn Aglaja hält es nicht für nötig, die Schulferien für ihren kleinen Urlaub abzuwarten. So ist Pagano gleich zweifach gefordert: als Detektiv und Vater außer Übung. Beides erweist sich als tückisch.
Bruno Morchio schafft es glänzend, die vom Mistral geprägte Stimmung in Tertenia lebendig werden zu lassen. Besinnliche Abende unter Freunden, mit viel Alkohol und gutem Essen, Bacci Paganos tapsige Versuche als guter Vater, immer unter Druck gesetzt von dem Kontrollfreak Clara am Rande des Nervenzusammenbruchs. Gleichzeitig unterwegs als Katalysator, eine Geschichte zu Ende zu bringen, die 1994 ihren Ausgang nahm. Ein paar Fragen bezüglich Valentino Sannas reichen, um ein merkwürdiges Beziehungsgeflecht bis zum Zerreißen zu spannen und Pagano selbst das ein und andere Mal in Gefahr zu bringen sowie seine Tochter Aglaja zumindest verbal bedroht zu sehen. Im Mittelpunkt dieses Gespinstes stehen der todkranke Otello Ganci und seine um vieles jüngere Ehefrau Martine. Ein Gespann, dessen Vertrautheit nur von dem Hass Martines auf ihren Gatten übertroffen wird.
Während der Gesellschafts- und Familienroman ansprechend funktioniert, bleibt der Kriminalroman häufig in altbekannten Mustern stecken. Wir haben den redlichen Privatermittler mit dramatischer Vergangenheit, einen reichen, zwielichtigen und schwerkranken Patriarchen mit höchstwahrscheinlich kriminellem Hintergrund und eine Femme Fatale, die die Geschicke der Männer um sie herum lenkt, bzw. lenken möchte. Dazu gesellt sich das übliche Personal, Laufburschen und Liebhaber, Betrüger und Betrogene, Rechtschaffene und Gauner. Ziemlich eigenwillig ist, dass Morchio die Zügel schleifen lässt, die Kriminalhandlung eher im Hintergrund und im Vagen abläuft, nur manchmal ihren Tribut fordert und Pagano von seinen eigentlichen Zielen, Urlaub zu machen, Freundschaften zu pflegen und seiner verloren geglaubten Tochter näher zu kommen, abhält. Das hat durchaus seine Reize, man folgt Baccis Wegen gerne, doch zum Schluss vertändelt Morchio die Handlung ein wenig zu sehr. Vieles bleibt offen, verläuft sich im Ungefähren; und ob die Bluttat, auf die das Geschehen hinsteuert, tatsächlich – außer aus dramaturgischen Gründen – notwendig ist, darf auch bezweifelt werden. Und dann hört der Roman wie der Mistral einfach auf.
Kleiner Cliffhanger. Fortsetzung folgt. Zwar irgendwie mutig, aber auch unausgegoren, denn die atemlose Zusammenfassung zum Finale lässt sämtliche Beteiligten merkwürdig uninteressiert zurück. Inklusive der spät eintreffenden Carabinieri. Immerhin bleibt die Spannung gewahrt wie es mit Bacci Pagano, seiner Familie und seinen Freunden weitergeht. Während es auf Sardinien weiterhin nach Zistrosen und Myrte duftet.
Jochen König, Juni 2011
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