Tod im Labyrinth von Boris Meyn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Schleswig-Holstein, 1990 - 2009.
Folge 2 der Sonntag,-Herbst-und-Jensen-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007. ISBN: 978-3-499-24351-6. 251 Seiten.

'Tod im Labyrinth' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine Leiche schwimmt im Elbe-Lübeck-Kanal. Es ist die Frau von Bauer Thor Hansen, der im Dorf als Versager gilt. Kurze Zeit später findet sich ein weiterer Toter, mit Folterspuren. Kommissar Jensen entdeckt auf der Mailbox des Toten die Rufnummer seines Kollegen Herbst. Der hat die Telefonnummer von seiner minderjährigen Tochter bekommen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Gelungener Short-Cut mit sympathischen Ermittler-Trio« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Fährmann Hinrich Barth entdeckt bei seiner ersten Fahrt des Tages eine Frauenleiche, die sich in der Trosse seiner Fähre verfangen hat. Bald darauf steht fest, dass es sich bei der durch einen Schlag auf den Kopf ermordeten Frau um Carola Hansen handelt, deren Mann Thor sie zuvor als vermisst gemeldet hat. Der als Aussenseiter verschriehene Landwirt Thor bleibt bei der Übermittlung der Todesnachricht jedoch völlig unbeteiligt und gibt den ermittelnden Beamten Herbst und Sonntag von der Kripo Ratzeburg somit zunächst ein Rätsel auf. Doch für die Tatzeit hat Thor ein wasserdichtes Alibi.

Kurz darauf finden die Polizisten heraus, dass Carola Hansen offenbar ein Doppelleben geführt hat, denn in einem Fitnessstudio suchte sie gezielt Kontakte zu anderen Männern. Als eine Woche später in einem Sonnenblumenlabyrinth im nahegelegenen Fredeburg die Leiche des durch einen gezielten Kopfschuss ermordeten Timo Schlohmann gefunden wird, steigt der Chef der Lübecker Mordkommission Jensen ebenfalls in die Ermittlungen ein. Schlohmann arbeitete als Aufsicht für eine Spielhalle, die erst kürzlich überfallen wurde. Doch wieso findet sich auf Lohamnns Handy die Telefonnummer von Hauptkommissar Herbst?

Charakterzeichnungen der Ermittler überzeugen

Bedenkt man, dass Tod im Labyrinth (der zweite Roman mit dem Ermittlertrio Cornelia Sonntag, Gero Herbst und Leif Jensen) gerade einmal 250 Seiten umfasst, so ist es Autor Boris Meyn hervorragend gelungen, alle drei Protagonisten mit reichlich Leben zu füllen. Diese haben alle ihre privaten Probleme mit sich zu tragen. Sonntag, 37 Jahre alt, träumt seit längerer Zeit mal wieder von einer (festen) Beziehung, bevorzugt mit ihrem Kollegen Leif Jensen. Jensen selbst lebt nicht nur von seiner Frau und seinen Kindern getrennt, sondern muss auch noch um den Verlust eines befreundeten Kollegen fürchten, der bei einem Einsatz lebensgefährlich verletzt wurde. Zu guter Letzt weiss Herbst nicht, was er von dem seltsamen Verhalten seiner Frau Lena halten soll, die angeblich in Berlin auf einem Seminar war. Dieses hat aber nie stattgefunden.

Sex & Crime im hohen Norden

Neben der gelungenen Figurenzeichnung bleibt noch reichlich Platz, um einen spannenden Plot aufzubauen. Wie sich der Leser nur unschwer denken kann, gibt es alsbald erste Hinweise auf einer Verbindung zwischen den beiden Mordfällen. Hierbei geizt der Autor nicht an Tatverdächtigen. Carola Hansen löste sich nach dem Tod ihrer älteren Schwester recht früh von ihrem Elternhaus und führte seitdem ein sehr lockeres Sexualleben.

»Einige Frauen lassen sich operieren, andere halten eben den Arsch hin.«
»Meine Güte.«
»Ich kann dir das auch mittels medizinischer Fachbegriffe umschreiben, wenn’s dir lieber ist.«
»Es geht mir vielmehr um die Würde, wie man über eine Tote spricht.«
»Das ist mir so was von schnuppe. Ich spreche aus, was Tatsache ist. Das ist mein Job. Wie du damit umgehst, ist dein Problem.«
»Ja, ich weiß.«
»Bist du Theologe oder bei der Kripo?«

Fast alle damaligen Schulfreunde aus dem Ort hatten ein Verhältnis mit Carola Hansen. Schlohmann hingegen schien eher eine Vorliebe für jüngere Frauen, besser gesagt für minderjährige Mädchen gehabt zu haben.

Tod im Labyrinth ist ein kurzweiliges Krimivergnügen mit einer vertretbaren Mischung aus Sex & Crime. Die Charaktere erwecken die Hoffnung auf einen dritten Teil und auch die Auflösung selbst ist akzeptabel, wenngleich nicht völlig überraschend. Leif Jensen hätte allerdings eine bestimmte Spur schon etwas konsequenter verfolgen dürfen. Zudem hätte ein bißchen mehr Lokalkollorit bezüglich des Landlebens den Roman wohltuend abgerundet. Alles in allem ein netter Short-Cut!

Jörg Kijanski, August 2007

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