Russisches Poker von Boris Akunin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Pikovyj valet, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Aufbau.
Ort & Zeit der Handlung: Moskau, 1870 - 1889.
Folge 5 der Erast-Fandorin-Serie.

  • -: ?, 1999 unter dem Titel Pikovyj valet. 192 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2003. Übersetzt von Renate & Thomas Reschke. ISBN: 3-7466-1764-2. 192 Seiten.
  • [Hörbuch] Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2005. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3899641272. 5 CDs.

'Russisches Poker' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Hat Fandorin, inzwischen Hofrat und Beamter für Sonderaufträge beim Generalgouverneur von Moskau, nun doch noch seinen Meister gefunden? In Moskau geht ein Betrüger um, der die gerissensten Gaunerstücke inszeniert und vor nichts zurückschreckt, wenn sich nur ordentlich Geld scheffeln läßt. Er scheint Fandorin, was Tricks, Einfälle und Verkleidungskünste angeht, durchaus ebenbürtig und entwischt dem Hofrat mehrmals. Von Fandorin und seinem Team wird höchster Einsatz verlangt bei diesem Pokerspiel.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Schelmenroman« 55°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Der Pikbube geht um. Im Moskau des ausgehenden 19. Jahrhunderts treibt ein gerissener Gauner sein Unwesen und nimmt die Reichen und Neureichen der Moskowiter Gesellschaft aus. Als das Haus des Generalgouverneurs Fürst Dolgorukoi ohne dessen Wissen mit Brief und Siegel an einen vermögenden, britischen Lord verscherbelt wird, platzt dem russischen Durchlaucht der Kragen und der mittlerweile zum Hofrat und Beamten für Sonderaufträge beim Generalgouverneur avancierte Fandorin wird auf den Ganoven angesetzt.

Dieser Pikbube, der gegenwärtig gerade auf den Namen »Momus« hört, ist ein gefinkelter Verwandlungskünstler. Äußerlich unscheinbar, gelingt es ihm immer wieder, in den diversesten Verkleidungen leichtgläubige Bürger durch sein gewinnendes Wesen zu betrügen. Sein nächstes Szenario wird eine wohltätige Lotterie sein, mit deren Erlös das Grabtuch Christi erstanden werden soll. Die Gewinne sind samt und sonders herrliche Anwesen in den schönsten Städten Europas, gestiftet von gläubigen Spendern.

So zumindest verlautet dies eine Annonce in der Zeitung »Russisches Wort«. Fandorin lässt seinen neuen Adjutanten Anissi Tulpow täglich sämtliche Tageszeitungen durchstöbern. Jede Meldung, die nur irgendwie den Anschein des Absonderlichen hat, trägt Tulpow seinem Herrn vor und diese Lotterie scheint ein lohnendes Ziel für Fandorins geschultes Detektivauge zu sein.

Tatsächlich geht durch das engagierte Eingreifen des Hofrates und seines Angestellten der Coup des erfinderischen Pikbuben kräftig in die Hose. Was diesen natürlich erheblich wurmt. Aber auch Fandorin will endlich des Trickdiebes und seiner Mithelfer habhaft werden und schmiedet Pläne, um dem Meisterdieb eine Falle zu stellen.

Er gibt sich als indischer Potentat aus, dessen Turban ein sagenhafter Smaragd schmückt. Achmed Khan, natürlich kein Geringerer als unser Sowjet-James-Bond Fandorin, zieht mit seinem Hofstaat, darunter Tulpow als Eunuch, mit Pauken und Trompeten in Moskau ein. Selbstverständlich lässt dies Momus und seine Freundin Mimi nicht kalt. Verkleidet machen sie sich an Tulpow heran und schleichen sich in die Villa ein, in der Fandorin residiert. Und dieser schlägt zu, aber leider nicht so, wie er sich das gedacht hat. Auge in Auge mit dem Pikbuben entwischt ihm dieser doch.

Ab sofort ist es ein Kampf Mann gegen Mann, Intellekt gegen Intellekt, ein Schachspiel, bei dem jeder die Züge seines Gegners zu erahnen glaubt.

Boris Akunin hat mit »Russisches Poker« seinen fünften Roman über den Moskowiter Paradedetektiv Fandorin auf den deutschen Markt gebracht. Das im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienene Bändchen mit seinen knapp 190 Seiten erinnert jedoch weniger an einen Krimi, sondern liest sich leicht und locker, wie ein Schelmenroman. Im Mittelpunkt steht das Verwirrspiel zwischen Jäger und Gejagtem, das zwar nicht groß hinter dem Ofen hervor locken kann, aber als amüsante Lektüre immer noch lesenswert ist.

Schreiberisch bewegt sich Akunin bei diesem Buch in eher seichten Gewässern. Wortwitz und Tempo kommen nicht ganz an seine Vorgänger heran. Die Szenerie wirkt gekünstelt und Fandorin weniger sympathisch als sein Jungspund Tulpow, der auch eher für leichtes Schmunzeln sorgen kann, als sein Vorgesetzter. Die Reichen des Landes werden als Bauerntölpel geschildert und die einfachen Menschen rundum sind durch die Bank armselige Kreaturen. Die Handlung wirkt reichlich konstruiert und an manchen Stellen hat der Faden deutliche Knoten. Irgendwie wirkt die Story hingeschludert und nicht ausgegoren, so als wäre das Buch ein Schnellschuss für einen Pflichtabgabetermin gewesen. Akunin hat dabei zwar nichts von seinen Fabulierkünsten verloren, aber so richtig vermag dieses Buch nicht mitzureißen.

Alles in Allem kann man »Russisches Poker« einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, mit Ruhm bekleckert hat sich Akunin allerdings dabei nicht.

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Andi zu »Boris Akunin: Russisches Poker« 03.12.2009
Kurzweilig - humorvoller Krimi, auch wenn man ohne Spannung auskommen muss, da die Geschichte aus beiden Blickwinkeln (Täter/Ermittler) erzählt wird.

Ich kenne zwar nicht sehr viele Fandorin Romane aber dieses Büchlein macht einfach Lust auf mehr. Dem Autor gelingt es eine herrliche, manchmal ein wenig surreale Geschichte zu konstruieren, die einen vom ersten Moment an fesselt.

Die 55 scheint mir etwas unterzubewerten, obwohl Preis-Leistung bei der dicke des Buches schon ein deutliches Manko ist (vor allem für Viel- und schnellleser). Alles in allem aber trotzdem sehr empfehlenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
cybermarek zu »Boris Akunin: Russisches Poker« 29.03.2005
um ihn an einem grauen ostersonntag wegzulesen, taugte dieser kurze akunin auf jeden fall - ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, und bin (als etwas verspäteter fandorin-fan) noch am folgenden ostermontag zum bahnhof gefahren, um den nächsten band zu kaufen. warum die kriminologische qualität der akunin-bücher recht wechselhaft, ihre stilistische bandbreite so gross ist, hat die neue zürcher zeitung als erste erkannt: akunin hat seine fandorin-reihe längst "zu einem projekt ausgeweitet, das die gesamte bandbreite des krimigenres enthält." angesichts dieses hoch gesteckten zieles darf es natürlich nicht ausbleiben, dass es einmal unblutig zugeht, sich der roman an seine kleine schwester "kurzgeschichte" erinnert und der held am ende eine eher unorthodoxe entscheidung trifft. ich gebe 75 punkte und lese mit sicherheit weiter...
Boernie zu »Boris Akunin: Russisches Poker« 10.08.2004
Also ich fand dieses Buch der Fandorin-Reihe sehr kurzweilig und sehr angenehm zu lesen. Aufgrund des ebenbürtigen Gegenspielers von Fandorin gewinnt dieses Buch zum Ende hin doch rasant an Fahrt.

Vielleicht nicht das prickelndste Werk der Erast Fandorin-Reihe, aber mit Sicherheit angenehm zu lesen und angenehm fiel auch auf, daß dieser Band einmal ohne Morde auskam.
pet zu »Boris Akunin: Russisches Poker« 04.04.2004
Eine nette und humorvolle Geschichte und mal ein Krimi ohne Mord. Ein Buch zur kurzweiligen Unterhaltung. Zur Rezension und den anderen Kommentaren: Müssen Bücher denn immer dick sein? Ich will dem Geschriebenen nicht widersprechen, doch ist mir Fandorin immerhin 70 Grad wert.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
christian77 zu »Boris Akunin: Russisches Poker« 30.07.2003
ja das liegt an der deutschen übersetzung. im russischen ist es ein sammelband mit noch einer anderen geschichte.
eve zu »Boris Akunin: Russisches Poker« 16.06.2003
russischer poker - der neue fandorin - endlich!

so ein dünnes heftchen,nicht mal 200 seiten in sehr großer schrift.
das äußere lässt darauf schließen, das es diesmal nur eine kleine geschichte ohne große verwicklungen und ausschweifungen ist, aber das äußere kann bekanntlich täuschen.
hat es leider nicht. die geschicht ist wie immer gut, aber ich hatte das gefühl, der autor musste schnell fertig werden. ein hübsches kleines buch ist dabei rausgekommen, aber ich denke akunin hätte daraus weitaus mehr machen können.

ich hoffe, der nächste band schliesst an die raffiniertheit der ersten vier an.
1 von 11 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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