Mord auf der Leviathan von Boris Akunin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Leviafan, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Aufbau.
Folge 3 der Erast-Fandorin-Serie.

  • -: ?, 2000 unter dem Titel Leviafan. 280 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2002. Übersetzt von Renate & Thomas Reschke. ISBN: 3-7466-1762-6. 280 Seiten.
  • [Hörbuch] Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2005. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3899641078. 6 CDs.

'Mord auf der Leviathan' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als »James Bond des 19. Jahrhunderts« hat Detektiv Fandorin Kultstatus erlangt. Sein neuester Fall führt ihn auf das Luxusschiff »Leviathan«, das 1878 auf Jungfernfahrt nach Kalkutta ist. Dort begegnet er dem französischen Kommissar Coche, der ein Jahrhundertverbrechen aufklären will: In Paris wurden Lord Littleby, ein Sammler orientalischer Kostbarkeiten, sieben seiner Bediensteten und zwei Kinder ermordet. Coche hat alle Tatverdächtigen an seinen Tisch geladen – auch den geheimnisvollen Russen Fandorin. Mit ungewöhnlichen Methoden schaltet dieser sich in die Ermittlungen ein.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein nettes Buch für das Lesevergnügen vor dem Einschlafen« 50°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

1913 läuft am 14. März in der Hamburger Werft von Blohm und Voss das damals größte Schiff der Welt von Stapel, die »Vaterland«. Eigentlich hätte sie ja Europa heißen sollen, aber angesichts des bevorstehenden Ersten Weltkrieges sollte der Name doch etwas patriotischer sein. Die Jungfernfahrt begann am 14. Mai 1914 und führte von Cuxhaven nach New York. 1917 von den Amerikanern beschlagnahmt, wurde sie schließlich auf den Namen »Leviathan« umgetauft. Ihre 54.282 Bruttoregistertonnen wurden zunächst als Truppentransporter verwendet und 1923 wieder dem Passagierverkehr zugeordnet, wo die Leviathan als zweitschnellster Schiff galt, das auf der Transatlantikroute zwischen New York und Southampton verkehrte.

Aber Boris Akunin hält sich in seinem Roman »Mord auf der Leviathan« nicht an die historischen Fakten, sondern siedelt seine Jungfernfahrt des Luxusliners in das Jahr 1878 und lädt die Passagiere auf eine Reise von Paris nach Kalkutta. Eine Zweiklassengesellschaft bemächtigt sich der Decks, wobei die Unterdecks dem gemeinen Volk vorbehalten sind, während am Oberdeck in der »Ersten Klasse« nur wenige Auserwählte mitreisen dürfen. Alle Erstklassler erhielten anlässlich dieser Reise einen goldenen Wal zum Anstecken und dieser ist auch der Grund, warum sich Kommissar Coche an Bord begeben hat.

Der alte Lord Littleby, seines Zeichens Sammler fernöstlicher Kostbarkeiten, wurde in seiner Pariser Villa brutal ermordet. Und mit ihm ging auch die gesamte Dienerschaft in die ewigen Jagdgründe ein, ermordet mit einer Giftspritze. Das einzige Indiz am Tatort war einer dieser besagte goldenen Ansteckknöpfe, den der Täter, offensichtlich Erster-Klasse-Passagier, verloren hatte. Kommissar Coche braucht also nur nach dem- oder derjenigen zu suchen, die ohne das Abzeichen an Bord gegangen ist. Alle jene, darunter auch der Detektiv Fandorin, werden in einem Salon vergattert und treten die Reise unter Aufsicht des Kriminalisten an.

Jeder ist verdächtig, jeder hat Dreck am Stecken und einiges zu verbergen. Fandorin, den man als »James Bond des 19. Jahrhunderts« bezeichnet, gibt sich jedoch nicht zu erkennen und ermittelt auf eigene Faust, wobei es nicht aus bleibt, dass auch er unter dem gestrengen Auge des Kommissars als potentieller Killer da steht. Aber wie immer kommt es anders als man denkt, bis die überraschende Lösung des Falles nach 304 Seiten fest steht.

Boris Akunin, (Jahrgang 1956) der eigentlich Grigori Tschchartischwili heißt, hat diesen Kriminalroman in sehr altertümlicher Schreibweise erstellt, die in zahlreichen Sequenzen an Agatha Christie erinnert. Jedes Kapitel des Romanes wird aus der Sichtweise eines der Passagiere geschildert, wobei man unzweifelhaft erkennt, warum und wieso jeder einzelne von Ihnen diese Reise unternimmt und weshalb sich die Wege der handelnden Personen kreuzen. Im Gegensatz zum humanistisch gebildeten Fandorin wird der Kommissar als ziemlich engstirniger Patron gezeichnet und auch die anderen Reisenden haben mindestens einen gravierenden Tick, wenn nicht sogar mehrere.

Durch die etwas gezierte und verworrene Erzählart Akunins wird zwar ein konzentrierter Spannungsaufbau verhindert, dennoch wird mit Fortdauer die Neugierde gesteigert und die Entwirrung des Knotens im Handlungsfaden erfolgt reichlich überraschend. Trotzdem muss man feststellen, dass die Fabulierkunst des Russen nicht unbedingt dazu geeignet ist, ein ständiges Lesevergnügen zu sein. Der Ablauf plätschert gemütlich dahin und das Lesevergnügen hält sich in mäßigen Grenzen. Die verschrobenen Charaktere und der ständige Sprung von einem Spinner zum nächsten lassen die Story ziemlich unglaubhaft werden und der Einsatz von Fandorin erreicht nur selten die Klasse eines großen Detektivs.

Auf Grund der Vorschußlorbeeren habe ich mir eindeutig mehr von diesem Roman erwartet. Ein nettes Buch für das Lesevergnügen vor dem Einschlafen ist daraus geworden, aber so fesselnd, dass man das Licht nicht abdrehen möchte und bis zum Morgengrauen durchliest, ist es beileibe nicht. Der Schmöker ist guter Durchschnitt, der vor allem auf Grund des originellen Schauplatzes einen etwas anderen Lesecharakter bekommt.

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Regina Karolyi zu »Boris Akunin: Mord auf der Leviathan« 19.01.2015
Dieser dritte Roman aus der "Fandorin"-Serie entspricht vom Aufbau her vielleicht am ehesten von den ersten drei einem klassischen Kriminalroman, denn hier gibt es nicht viel Historie "drumherum"; der ganze Roman dreht sich um die vom Pariser Kommissar Coche aufzuklärenden bestialischen Morde. Coche freilich ist nicht unbedingt der begnadetste Ermittler (immerhin war allerdings seine Prämisse richtig, dass der Mörder auf dem Schiff "Leviathan" zu finden ist, mit dem zufällig auch Fandorin fährt) und lässt sich gern von rassistischen, sexistischen, snobistischen und anderen Vorurteilen leiten. Kein Wunder, dass der rein an der Logik orientierte Fandorin ihm schließlich entschieden entgegentritt und den Fall zu Ende führt, auch wenn er weitere Morde und einen höchst dramatischen Showdown am Schluss nicht verhindern kann.
Sehr interessant ist die gewählte Erzählperspektive, die kapitelweise zwischen den verschiedenen Verdächtigen hin und her schwenkt. Meisterlich erscheinen hier die am Ende eines Kapitels lässig hingeworfenen ein oder zwei Sätze, die den Verdacht auf den Erzählenden hinlenken - für jeden Einzelnen gibt es schließlich Indizien, die ihn eindeutig als den Mörder erscheinen lassen, und die fast sämtlich später wieder ebenso logisch entkräftet werden. Dieser Krimi ist nach der alten Schule aufgebaut und trägt natürlich dennoch Akunins individuelle Handschrift.Fandorin wirkt hier nicht so blass und phantomhaft wie im "türkischen Gambit".
Um diesen Krimi mit Höchstgenuss zu lesen, sollte man am besten zuvor die ersten beiden, zumindest aber den ersten Band gelesen haben. Denn nur darin findet sich die Erklärung für die düstere, geheimnisumwitterte Gestalt des Erast Fandorin.
Insgesamt ist die Stimmung im "Leviathan" trotz der allgegenwärtigen Spannung heller und leichter, ein paar Mal musste ich angesichts mit trockenem Humor dargestellter drolliger Szenen sogar, ungewohnt für "Fandorin", lachen.
Fazit: Sehr lesenswert, Schwerpunkt Krimi, nicht Geschichte, meisterlich geschrieben.
silke zu »Boris Akunin: Mord auf der Leviathan« 08.04.2007
Ein wirklich spannendes buch, dass man kaum wieder weglegen möchte. Erinnert an Agatha Christie (das ist positiv gemeint!). Die wechselnde erzählperspektiven stellen einem verschiedene sichtweisen dar, was sehr interessant ist. Ich kann es nur empfehlen, vielleicht nicht das beste, aber ein wirklich gutes buch.
Andreas Theune zu »Boris Akunin: Mord auf der Leviathan« 04.11.2005
Schöner Roman dem allerdings die ganz große Klasse noch fehlt. Vorallem die wechselnden Erzählperspektiven haben mir gut gefallen, allerdings erleichtern sie doch das Vorasahnen einiger Wendungen. Das Ende hatte den kardinalsfehler vieler Kriminalromane und zog sich einfach zu lange hin. Ich werde mir trotzdem auch noch andere Romane der Reihe zu Gemüte führen, denn Athmosphäre und sprachliche Qualität war aufjedenfall da.
Veronika zu »Boris Akunin: Mord auf der Leviathan« 25.08.2004
Von der Erzählweise für mich das schönste Fandorin-Buch. Frisch erzählt und einfach zu lesen. Wie immer spannend bis zuletzt und: vorsicht mit Mutmaßungen - man kommt ja sowieso nicht auf die richtige Lösung! ;-)
Hannes zu »Boris Akunin: Mord auf der Leviathan« 14.05.2004
Mit Abstand das Beste aller Bücher von Boris Akunin! Natürlich sind alle anderen (ob Fandorin oder Palagia) für sich auch sehr gut und spannend geschrieben, aber gerade bei diesem Buch ist ihm durch die wechselnde Erzählperspektive ein rundum stimiges Buch gelungen.
Monika zu »Boris Akunin: Mord auf der Leviathan« 20.04.2004
Mir gefällt die Erzählweise, die an Karl May und ähnliche Abenteurer-Romane E 19. u. Anf 20. Jh erinnert. Aber Akunin hat das Wissen unserer Zeit und er streut immer Dinge ein, die überraschen. Die Namen der Protagonisten scheinen mir mit viel Ironie gewählt (Charles Regnier, der 1. Off.), M. Le Chien, der Briefträger, und viele andere. z.B. die Hochstaplerin Mme Sansford.
Die leichte Spannung kommt dazu und man kann auch die blutrünstigsten Taten ertragen, weil sie mit Ironie und Augenzwinkern erzählt werden.
Doktor Lind zu »Boris Akunin: Mord auf der Leviathan« 29.08.2002
Der Roman ist aus einer sehr interessanten Perspektive geschrieben worden und er ist auch verdammt spannend.
Man weiss bis zum Schluss nicht wer der Mörder war.
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