Fandorin von Boris Akunin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Azazel´, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Aufbau.
Ort & Zeit der Handlung: Moskau, 1870 - 1889.
Folge 1 der Erast-Fandorin-Serie.

  • Moskau: Zacharov, 1998 unter dem Titel Azazel´. 289 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2001. Übersetzt von Andreas Tretner. ISBN: 3-7466-1760-X. 289 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2005. Übersetzt von Andreas Tretner. ISBN: 3-7466-2175-5. 289 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Übersetzt von Andreas Tretner. SZ-Kriminalbibliothek; Bd. 19. ISBN: 978-3866152434. 289 Seiten.
  • [Hörbuch] Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2004. Gesprochen von Johannes Steck. Musik: Michael Ernst. ISBN: 3899640667. 6 CDs.

'Fandorin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Moskau 1876: Im Alexandergarten erschießt sich aus unerklärlichem Grund ein Student. Der 19jährige Fandorin, begabt, unwiderstehlich und als Detektiv frisch im Dienst Seiner Kaiserlichen Majestät, wird stutzig – hinterlassen doch alle Opfer ein ansehnliches Vermögen. Fandorins unerschrockene Ermittlungen führen in rasantem Tempo von Moskau über Berlin und London nach St. Petersburg, vom Selbstmord eines Studenten zur Aufdeckung einer Weltverschwörung.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine feingeistige, exotische Erzählung aus einer anderen Welt« 69°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Mitten im Alexanderpark in Moskau bringt sich ein gutgekleideter Student um. Vor den Augen zweier Damen erschießt er sich, ohne einen wirklich verzweifelten Eindruck zu machen. Eigenartig, findet der junge Schriftführer in einer Moskauer Polizeistube Erast Petrowitsch Fandorin. Noch abstruser wird die Situation, als Zeugen berichten, am gleichen Tag den Mann mehrmals dabei beobachtet zu haben, wie er sich erschießen wollte. Nein, das kann kein Selbstmörder sein, dessen Fall man am besten direkt zu den Akten legt, folgert Fandorin und beginnt zu recherchieren.

Dabei stellt sich heraus, dass bei weitem mehr dahinter steckt als ein ungewöhnlicher Suizidversuch: Es war nicht nur ein Mann, der beobachtet wurde – sondern zwei. Und beide hielten an unterschiedlichen Orten sich eine Pistole an den Kopf und drückten ab. Jedoch befand sich nur eine Patrone im Magazin. Amerikanisches Roulette oder wie es bei uns bekannter ist: russisches Roulette. Fandorin heftet sich an die Versen des Überlebenden, findet heraus, dass es sich dabei um ein diabolisches Spiel gehandelt hatte, um einer Frau die Liebe zu beweisen. Auch die macht Fandorin ausfindig, doch gerade als ihm der überlebende sehr wohlhabende Student bei einer Zechtour das Herz ausschüttet und er kurz davor steht, den Fall aufzulösen, wird sein Gesprächspartner erstochen. Fandorin, ein eitler Mensch, überlebt nur dank seines Korsetts.

Damit wird der Fall neu aufgerollt, der junge Detektiv bekommt einen neuen Vorgesetzten, der ihn in die Kunst der Kriminologie einführt und wilde Theorien werden gesponnen: eine antisemitische Organisation? Oder eine Gruppe von Nihilisten, die koste es was es wolle die Revolution herbeiführen möchte? Welche Rolle spielt dabei der gefallene Engel Asasel? Und ist es Zufall, dass das nicht unerhebliche Erbe der beiden verstorbenen Studenten zugunsten der Asterate (Internate für Waisenkinde, benannt nach der Britin Aster) geht?

Erast Fandoris Nachforschungen führen in über London, wo er nur mit Glück ein weiteres Mal dem Tod entkommt, zurück nach Russland, nach St. Petersburg. Dort erwartet ihn eine böse Überraschung, mit der der junge Detektiv nun wirklich nicht gerettet hatte – nichts ist so, wie gedacht. Und sollte sich trotz seiner Abwegigkeit mal wieder der erste Gedanke als der richtige erwiesen haben?

Boris Akunin ist in seiner Heimat ein Star unter den Schriftstellern. Nicht unberechtigt, das Lesen des ersten Fandorin-Romans macht durchaus Spaß. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings Akunins Sprache, die sich nahtlos dem gewählten Zeitraum anpasst. Der Russe schöpft dabei aus einem Wortschatz, den man als Leser erst reaktivieren muss, um sich im Russland des 19. Jahrhunderts zurechtzufinden. Ist dies gelungen, folgt man dem leicht tölpelhaften, dauernd errötenden, naiv wie ehrgeizigen Erast Fandorin gern auf seiner Fährte quer durch Europa.

Dabei erzählt Boris Akunin aus einer fast väterlichen, liebevollen Perspektive. Immer etwas verschmitzt, weit genug vom Geschehen, um sich als Leser ein eigenes Bild zu machen, nah genug, um den jungen Russen bei seinen Abenteuern lieb zu gewinnen. Dass Akunin seinen Protagonisten mag, schlägt sich auch in der Handlung nieder: Einer Katze mit neun Leben gleich, schafft es Fandorin immer wieder, den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes aus der Schlinge zu ziehen. Messerattacke, russisches Roulette, verschnürt in die Themse geworfen, Bombenexplosionen. Der Detektiv ist ein Steh-auf-Männchen.

Somit gibt Akunin seiner Story durchaus einen Hauch von Action. Jedoch: Akunins Erstling um Erast Fandorin ist kein Krimi, der einem die Haare zu Berge stehen lässt. Auch ein Vergleich mit dem britischen Meisterdetektiv Sherlock Holmes, wie ihn so manche Kritiker gezogen haben, hinkt. Fandorin fehlt die Genialität seines Kollegen von der Insel. Er ist sicherlich bemüht, beeindruckt jedoch nicht durch brilliante Gedankengänge. Auch sucht der Leser das Schaurige, das Mysteriöse, das Unvorhersehbare vergebens.

Dafür bekommt er allerdings eine nette, temporeiche Geschichte erzählt – das kann Boris Akunin zweifellos! – und wird behutsam ins Russland der Zarenzeit eingeführt. Eine feingeistige, exotische Erzählung aus einer anderen Welt.

Anmerkung:

Der Aufbau-Verlag sollte sich dringends Gedanken über seine Cover-Gestaltung machen. Da alle Fandorin-Romane die gleiche männliche Person auf dem Titelbild zeigen, liegt der Schluss nahe, dass es sich dabei um den Protagonisten handelt. Das Cover zeigt einen kräftigen, dunkelhaarigen- wie äugigen Mann mit Kinnbart, schätzungsweise an die 30 Jahre alt. Auf Seite 127 ist allerdings nachzulesen:

»Alter: kaum über zwanzig. Porträt in Worten: zwei Arschin, acht Werschok groß; magerer Körperbau; Haare glatt, schwarz; Bart: keiner, wohl noch vor der ersten Rasur; Augen hellblau, engstehend, zu den Winkeln hin etwas geschlitzt; Haut reinweiß«

Das meinen andere:

»Dieser historische Krimi...wurde nach Aussagen des Verfassers zu seiner eigenen Entspannung geschrieben. Das glaubt man angesichts des Tempos und Einfallsreichtums gern. Schon der Einstieg ist vorzüglich...« (Sächsische Zeitung)

»Nach gemächlichem Einstieg setzt Boris Akunin auf Tempo und feine Ironie. Empfehlenswert.« (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

»Beste Krimiunterhaltung bietet Boris Akunin mit seinem spannenden und intelligenten Thriller. Elemente des Spionageromans sowie der klassischen russischen Literatur werden souverän und originell verwoben. Mit fundiertem Wissen entführt Akunin seine Leser nach Moskau ins 19. Jahrhundert und vermittelt einen Einblick ins damalige russische Lebensgefühl.« (Stadt Dortmund Online)

»Ein unerlaubt schönes Buch!« (Thüringer Allgemeine)

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Heike zu »Boris Akunin: Fandorin« 24.05.2012
Das Hörbuch hat mein Mann aus der Bibliothek mitgebracht ... ich mag keine historischen Krimis ;) Nach anfänglichem "Einhören" fand ich es aber von Kapitel zu Kapitel spannender. Auch wenn vieles unglaubwürdig erscheint: die Story ist vielschichtig und kurios erzählt. Die nächsten Bücher werde ich mir zulegen :)
OmaInge zu »Boris Akunin: Fandorin« 02.05.2012
Im zwanglosen Gespräch mit einer deutschen Autorin , wurde mir kürzlich Boris Akunin empfohlen.Das wäre ihr neuer Stern am Krimi-Himmel, sagte sie mir.

Mein Lieblingsantiquariat "spielte" auch mit und ich entdeckte doch neulich "meinen" Fandorin.

Ein spannender Krimi aus einer ganz anderen Zeit.Kein Internet, keine PC's ja nicht mal Autos gab es zu dieser Zeit.

Und doch, so erfahren wir vom Autor, schaffte es damals die Post Londons, Briefe innerhalb der Stadt, binnen zweier Stunden zuzustellen!!

Doch nicht alles gefiel mir vorbehaltlos.
Die nächtliche Szene am Hafenbecken erscheint mir, auch nach nochmaligem Lesen ein wenig unglaubwürdig.
Zu viele Zufälle in der Story und etwas,was man mit Sicherheit in fast jedem Buch russischer Autoren lesen kann: "Revolution",
senken etwas meinen guten Eindruck.

Meine Bewertung: 82 Grad
Bakunin zu »Boris Akunin: Fandorin« 17.04.2012
Da ich den Roman sowohl auf Russisch, als auch auf Deutsch gelesen habe, wage ich zu behaupten, dass zum einen Teil die Uebersetzung Schuld ist, dass es einige hier fuer zu langweilig halten. Zweitens moechte sich Fandorin nicht wirklich als Krimi verstanden wissen. Wer die Russischen Zustaende heute kennt (und damit sind nicht die "Zustaende" aus den westlichen Medien gemeint), der versteht die feinsinnigen Seitenhiebe auf das heutige Russland sehr gut. Auch gehoert ein etwas anderes Verstaendnis ueber das Russland von damals, als es in westlichen Geschichtsbuechern steht, dazu. Ein aus russischer Perspektive durchaus lesenswertes Buch!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
NomisBlackPearl zu »Boris Akunin: Fandorin« 11.11.2009
Das war mein erster Akunin Krimi, muss aber sagen leider auch mein letzter. Dieser Krimi ist besonders am Anfang ungewöhnlich mit den doch recht ungewöhnlichen und schwer auszusprechenden Namen, jedoch vom Stil her recht amüsant und der Hauptdarsteller Fandorin hat mehr Glück als Verstand was aber sehr gut passt. Leider ist mir dieser Krimi ein bisschen zu langweilig und ohne grössere Spannungsmomente verfasst.
Meine Meinung 65 Grad
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gaspar zu »Boris Akunin: Fandorin« 05.05.2009
Eher ein lustiger Abenteuerroman als ein spannender Krimi. Der Protagonist verlässt sich auf den immer alles rettenden Zufall (deus es machina), wenn er sich ein Mal wieder unvorsichtig in Gefahr begeben hat. Der Beginn der Handlung ist originell, der Schreibstil auch. Gegen Ende wird das Ganze jedoch zunehmend klischeehaft, das alles kam mir aus anderen Verschwörungskrimis recht bekannt vor. Das Ende ist auf eine Fortsetzung ausgerichtet.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Karla zu »Boris Akunin: Fandorin« 24.09.2007
Ich bin wohl nicht die einzige, die an "Fandorin" über die SZ-Krimi-Bibliothek geraten ist. Ohne "Fandorin" bereits gelesen zu haben, hatte ich mir aufgrund des Klappentextes nach dessen Erwerb weitere Fandorin-Krimis von Akunin angeschafft - und bin erleichtert, dass ich auch nach der Lektüre von "Fandorin" Lust auf weitere Krimis mit diesem Protagonisten habe.

Da ich das Buch leider nicht mit der nötigen Ruhe und nur mit unfreiwilligen Pausen lesen konnte, musste ich mich immer wieder in die Handlung und die Personen hineinfinden. Dies war aber mein Fehler. Das Ende des Buches habe ich dann in einem Fluß lesen können und war sehr angetan von der Sprache und dem Witz, der, auch wenn er in der Originalsprache sicherlich besser zutage tritt, auch hier deutlich zu spüren war.

Das Ende, so überraschend es war, wirkte dennoch nicht aufgesetzt, sondern zeigte wie im ganzen Verlauf des Buches, dass man sich nicht auf angeblichen Tatsachen ausruhen kann, sondern dass nicht so ist, wie es scheint und nichts so bleibt, wie ist.
detno zu »Boris Akunin: Fandorin« 05.09.2007
Mein erstes Werk von Boris Akunin. So wie auch Dr. Michael Angrick (Zuschrift vom 28.10.2006) bin ich an diesen Krimi gekommen. Auch inhaltlichn teile ich seine vorstehenden Bemerkungen zu FANDORIN.
Der Stil hat mir gefallen, die Spannung zieht sich durch das ganze Buch. Eine kurzweilige Geschichte, die traurig endet.
Mir hat das Werk gefallen.
anath zu »Boris Akunin: Fandorin« 13.08.2007
Mir klingt die ganze Geschichte eher nach James Bond als nach ernst zu nehmendem Krimi.Die Geschichte ist flüssig und gut erzählt,auch wenn der Duktus etwas gewöhnungsbedürftig ist.Anfangs dachte ich auch,meine Schwierigkeiten mit dem Buch rührten daher.Aber das war es dann letztendlich nicht.Vielmehr ist es diese doch sehr phantastisch anmutende Story die ich mit meinem Wissen über das reale Rußland Ende des 19.Jh.s nicht unbedingt in Einklang bringen kann.
Ich denke,das war mein erster und letzter Fandorin-Band.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kristina zu »Boris Akunin: Fandorin« 20.02.2007
So toll ich die Geschichten über Erast finden, ist er meiner Meinung nach in den zwei ersten Büchern "Fandorin" und "Türkischer Gambit", die Figur noch etwas unreif und der eingetlich Charme kommt erst nach seiner Erziehung durch die Ninjas also ab der "Tod der Achilles" heraus
Dr. Michael Angrick zu »Boris Akunin: Fandorin« 28.10.2006
Die Süddeutsche Zeitung hat nachdem sie 50 Romane des 20. Jahrhunderts herausgegeben hat nun auch eine ebenso starke Kriminalromansammlung auf den Markt gebracht. Der Band ist für 4,90 € wohlfeil und die Sammlung der aufgelegten Autoren läßt sich wahrlich sehen. Das für mich vergnüglichste an der Angelegenheit ist die Tatsache an neue mir bis dato nicht bekannte Verfasser zu geraten und mich für deren Romane zu interessieren. So bin ich auch auf Boris Akunin gekommen, der Mann ist ein junger russischer Autor, der sich einen Serienhelden geschaffen hat und dessen erstes Abenteuer dessen Namen trägt: „Fandorin“.
Die Geschichten spielen im Zarenreich und unser Held ist ein junger ziemlich unbedarfter Jüngling, der allerdings mit viel Intuition und Talent zum Überleben ausgestattet ist. So laviert er sich durch sein Abenteuer, das schnell auch zu demjenigen des Lesers wird. Am Ende darf er heiraten, doch auch da zeigt sich die geniale Art des Autors, nicht einfach einen einfachen Schlußstrich zu ziehen. Die Lektüre dieses Romans ging ganz schnell, war einfach unterhaltend und entspannend. Die richtige Ferienlektüre mithin!

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