Die Maya-Prophezeiung von Bo Sanders

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.

  • München; Zürich: Piper, 2012. ISBN: 978-3-492-27382-4. 384 Seiten.

'Die Maya-Prophezeiung' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Dezember 2012: In einem unterirdischen Berliner Bunker wird die Leiche einer erfolgreichen Unternehmerin entdeckt, bei der Leiche eine tödliche Prophezeiung. Kann diese mithilfe der Schriften einer grönländischen Schamanin entschlüsselt werden? Kommissar Lukas zieht eine Ethnologin hinzu, die aus der Botschaft einen Hinweis auf eine weitere Tote in London herausliest. Als sie und Lukas dort ankommen, ist es bereits zu spät: Diesmal ist die Tote eine stadtbekannte Modedesignerin. Und wieder findet sich eine Botschaft mit einer grausigen Prophezeiung …Während unter Hochdruck ermittelt wird, nähert sich der 21.12.12 – der Tag, an dem der geheimnisumwobene Maya-Kalender endet. Geht an diesem Tag die Welt unter, wie eine ominöse Gruppe von Frauen predigt? Und was hat die rätselhafte Mordserie damit zu tun?

Das meint Krimi-Couch.de: »Killer, Esoteriker und ein versoffener Kommissar« 73°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Der Berliner LKA-Ermittler Max Lukas hat ein veritables Alkohol-Problem, seit seine Frau durch eine Schussverletzung starb – denn die Kugel war für ihn bestimmt. Der Kommissar trinkt seither nicht nur, sondern wird auch immer kauziger. Allerdings funktioniert sein kriminalistischer Spürsinn nach wie vor bestens – war ihn schon ein paar Mal vor der drohenden Suspendierung bewahrt hat. Und so hat er wieder einmal den richtigen Riecher, als in einer vergessenen Bunkeranlage am Rande der Hauptstadt eine gefesselte Frauenleiche gefunden wird, die der Mörder grausam verdursten ließ. Es handelt sich um die bekannte Journalistin und Verlegerin Sara Christen. Max Lukas wendet sich an die Ethnologin Klara Kemper, den bei der Toten wurde eine von Laien kaum zu entschlüsselnde Botschaft gefunden. Die junge Wissenschaftlerin signalisiert zunächst Desinteresse, aber als sie erfährt,dass die Tote ihre Mutter war, die ihrer Familie kurz nach der Geburt der zweiten Tochter verlassen hat, schaltet sie sich in die Ermittlungen ein. Es gibt weitere Morde, und die Nachforschungen führen Lukas und Kemper über London und Island zurück nach Berlin, wo es zum dramatischen Finale kommt.

Bo Sanders ist selbst Ethnologin und Kunsthistorikerin, und so merkt man ihrem ersten Roman durchaus an, dass sie voll in der Materie drin steckt. Dennoch ist es der Autorin gelungen, keineswegs zu viel Fachwissen in das Buch hinein zu schreiben. Vielmehr hat sie einen spannenden und unterhaltsamen Thriller vorgelegt, der sich gut in die Reihe der zahlreichen Romane um die Prophezeiung der Maya zum Weltuntergang am 21. Dezember 2012 einreiht. Fernsehsendungen, Kino-Filme und etliche Bücher – Sachbücher und Romane gleichermaßen – haben sich des Themas bereits angenommen. Besonders spektakulär geriet dabei der Kino-Reißer von Roland Emmerich, in dem ausgesuchte Menschen das Ende der Welt in gigantischen Untersee-Booten überstehen wollen. Der zu erwartende Hype um das Datum in der Esoterik-Szene wird bei Bo Sanders angemessen thematisiert – und auch ein wenig karikiert. Immerhin ist ihre Geschichte so gestaltet, dass man keineswegs das Gefühl hat, hier habe eine Autorin unbedingt auf eine Welle aufspringen wollen.

Mit dem LKA-Ermittler Max Lukas hat Sanders einen Protagonisten erschaffen, der beim Leser reichlich Sympathie-Punkte sammelt. Trotz seiner Alkohol-Probleme – die dem Kommissar durchaus bewusst sind und gegen die er ankämpft – macht Lukas die gute alte Polizei-Arbeit ganz hervorragend. Und sein Aufbegehren gegen Vorgesetzte und Autoritäten dürfte ihn für viele Leser ohnehin zum guten Kumpel machen. Und der Ermittler muss sich durch ein wahres Labyrinth kämpfen. Eifersucht, gekränkte Eitelkeit, religiöser Wahn, Habgier, Machtstreben – da ist für den Kommissar und seine kluge Mitstreiterin so einiges zu bewältigen. Es gelingt Bo Sanders hervorragend, die Leser für das schrille Duo zu begeistern. Immerhin handelt es sich um einen saufenden Kommissar und eine Pillen-abhängigen Ethnologin. Aber vor allem aufgrund der persönlichen Betroffenheit der beiden Protagonisten fiebert man bei der Lektüre schließlich mit – und ist ratlos angesichts der immer neuen Wendungen und Rätsel.

Die Autorin hat etliche Spuren und mögliche Ablenkungen erdacht, zuweilen wirkt die ganze Geschichte etwas wirr, und erst im dynamischen Finale wird so einiges deutlicher für die Ermittler – und auch für den Leser. Da mag es dem einen oder anderen auch etwas zu viel werden mit den vielen Personen und wechselnden Schauplätzen, und auch der Zufall wird durchaus reichlich bemüht. Aber es geht hier um einen Roman, und nicht um ein Sachbuch. Die Hintergründe der Geschichte sind sauber recherchiert, alles andere ist schließlich schriftstellerische Freiheit. So finde ich beispielsweise die Einbindung der gesamten Familie von Klara – einschließlich der Nachbarin – in die Romanhandlung durchaus gelungen. Die Geschichte wird dadurch phasenweise regelrecht dynamisiert, der Spannung ist das enorm förderlich.

Der Plot erfordert einiges an Aufmerksamkeit vom Leser, aber die Autorin zeigt mit diesem Buch, dass sie eine gute Geschichten-Erzählerin ist. Bo Sanders hat einen flüssigen und angenehm zu lesenden Stil. Und nach der angenehmen Lektüre halte ich es auf jeden Fall für angebracht, dem sympathischen und knorrigen Polizisten vom LKA weitere spannende Fälle anzuvertrauen. Oder deutlicher gesagt: Fortsetzung erwünscht.

Andreas Kurth, Juni 2012

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