Herzlich willkommen beim Krimi-Couch-Blog

"Blog", das steht in aller Kürze für Web-Log und ist eine Art Internet-Tagebuch, in dem man kurz auflistet, über was man so alles im Web gestolpert ist oder was sonst beschäftigt.


Hier im Blog der Krimi-Couch geht es natürlich vor allem um Krimis, um News & Nonsense, Ansichten und Einsichten. Hier sind wir gnadenlos subjektiv und entsprechend meinungsfreudig. Und hoffentlich auch entsprechend unterhaltsam. Viel Spaß!

Au weia!

Lassen Sie das einfach mal auf sich wirken:

Udo Gümpel:
»Massaker im Altersheim – Ostsee-Krimi«

Der Oldenburger Schardt-Verlag verspricht »Sex und Crime im Altersheim« – das reimt sich, und was sich reimt ist ... – Stop! Sex im Altersheim? Nein, also bitte. Da bevorzuge ich doch tatsächlich eher die professionell betriebene Leichenflederrei von Patricia Cornwell, Karin Slaughter und Co. Trotz der Nähe zur Brechreizgrenze.

Weiter im (Klappen)text: »Je oller, je doller« (ähm, wäre nicht »je oller desto doller« grammatikalisch korrekt?) mag für die Klassiker der Kriminalliteratur zutreffen, kopulierende »dolle« Greise in einem Seniorenstift interessieren dann doch eher als Randgruppenphänomen. Und worum geht´s? Morde im Altersheim, ein Fall für Hauptkommissar Petry – Vorsicht, Schenkelklopfer: »genannt Petry-Heil wegen seiner Angelleidenschaft« -, der mit seinem Assistenten Carlo ein »eiskaltes, raffiniert geplantes Verbrechen« aufdecken soll – und zwar »zwischen Pekinsen, Pedanten und Prostituierten«. Mann, da grauselt´s einen doch. Gänsehaut pur.

Vorschnelle Urteile zu fällen, haben wir, die das Buch besprechen sollen, aber tunlichst zu vermeiden. Informieren wir uns also über Herrn Gümpel, von dem wir erfahren,

  • dass er im Sternzeichen des Wassermanns geboren wurde (also prädestiniert für einen Krimi-Autoren)
  • dass er sich »zeitlebens wie ein Wassermann verhalten« habe (sehr ehrbar offensichtlich)
  • dass er seine Zeit in der »anregenden Rosenstadt Eutin« verbringe (ach, daher der Sex)
  • und sich bisher als Autor von »Udo Gümpels Rentenberater« und »Ratgeber für Rentenfragen« hervorgetan hat (und daher das Altersheim).
»Skurril und irrwitzig«, gespickt mit »rabenschwarzem Humor« soll das »Massaker im Altersheim« daherkommen:

Es war ein sonniger Tag, das Thermometer zeigte 28 Grad im Schatten, Pommerbys saßen auf der Terrase, hatten zu Mittag gegessen, d.h. gespeist. Sie kochten selber. Es gab Kohlrabi mit Frühkhartoffeln, Joghurt mit Erdbeeren, die viel Vitamin C enthielten, was sie dem Gatten gegenüber besonders erwähnte. Frau Pommerby fügte hinzu: »Morgen mache ich Seelachsfilet im Tomatenbett, das wird in der Apothekerzeitschrift empfohlen. Die in den Tomaten enthaltene Folsäure verhindert gefährliche Ablagerungen in den Arterien.«
Im Hinblick auf seine Arterien meinte Herr Pommerby: »Damit hätte man früher beginnen sollen.«
Danach waren wieder die Morde an der Reihe, die sie ähnlich bewegten wie alle Bewohner und Beschäftigten im Tulpenhain.

Skurril. Durchaus. Irrwitzig. Streichen wir die letzten beiden Silben. Und ganz sicher ein Kandidat für unseren »Volltreffer« im Mai.

Udo Gümpel: »Massaker im Altersheim«
Schardt Verlag, Oldenburg, 2006
ISBN: 3-89841-236-9
174 Seiten, 12,80 Euro

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