Das Wartespiel von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1997
unter dem Titel The Waiting Game,
deutsche Ausgabe erstmals 2003
bei Pendragon.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / Kent / Dover, 1990 - 2009.
- London: Little, Brown, 1997 unter dem Titel The Waiting Game. 249 Seiten.
-
Bielefeld: Pendragon, 2003.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
392909696X. 336 Seiten.
-
[Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008.
Gesprochen von Cathrin Bürger.
ISBN:
3836801256. 8 CDs.
'Das Wartespiel' ist erschienen als
![]()
In Kürze:
Haus Hollyhocks ist ein nobles Altersheim an der Straße nach Dover, und deshalb erzählen die Bewohner stolz, sie wohnten kurz vor Paris. Die Warteliste ist lang und die Heimleiterin wählt sorgfältig aus. Auch Mrs. Feinberg hätte schlechte Karten, aber sie ist in Wien geboren, das gleicht einiges aus, und außerdem soll das Heim auch nicht als rassistisch in Verruf geraten. Das Leben in diesem exklusiven Heim entfaltet sich in vielen ineinander verschlungenen Episoden. Gleich zu Beginn stirbt eine 97-jährige Dame, auf deren Trauerfeier sich das ganze Heim sinnlos betrinkt. Der Tod der alten Dame entzückt Jeremy Cross, denn der ist wild entschlossen, alle zu überleben. In seinem Schrank hat er eine Liste aufgehängt, in die er voller Triumph jeden neuen Todesfall einträgt. Rubens hat mit viel Verve und Esprit eine großartige Geschichte geschrieben, skurril, sentimental und nie langweilig. Man möchte ewig weiterlesen.
Das meint Krimi-Couch.de: »Spannung wird aus dem erzeugt, was nicht vorhanden ist«
Krimi-Rezension von Peter Kümmel überspringen
Bernice Rubens schreibt keine Reißer, die einen vom ersten Moment an so fesseln, dass man alles rund um sich herum vergisst. Das widerspricht jedoch nicht der Tatsache, dass man auch in ihre Geschichten so richtig schön eintauchen kann, wenn man sich erst mal eingelesen hat. Sie ist eine Auorin der leisen Töne und lässt es eher gemächlich angehen, wie man es schon in »Ich, Dreyfuß« erlebt hat, vermag dann aber den Leser mit relativ einfachen Mitteln in ihren Bann zu ziehen. Dabei erzeugt sie ihre Spannung vorwiegend aus dem, was gar nicht vorhanden ist, indem sie beim Leser, der nicht weiß, was ihn überhaupt erwartet, Neugier erweckt.
Schauplatz ist ein nobles Altersheim
Der Ort der Handlung sowie die handelnden Personen sorgen bereits für die erste Überraschung, denn der Schauplatz des Wartespiels ist ein nobles Altersheim in Südengland. Und der Alltag der Protagonisten, die die achtzig meist schon überschritten haben, scheint auf den ersten Blick nicht sehr geeignet dafür zu sein, um über 300 Seiten füllen zu können.
Auch wenn es nur noch ein »Wartespiel« ist: Liebe, Freundschaft, Neid, Eifersucht und Ehrgeiz sind einige der wenigen Dinge, die den Menschen, die ihr Leben weitgehend hinter sich gebracht haben, noch gebleiben sind. Und diese Dinge sind für die Handlung von Romanen doch wie geschaffen.
Den Ehrgeiz, alle zu überleben – Freude über jeden Todesfall
Jeremy Cross hat den Ehrgeiz, alle anderen zu überleben. Und so freut er sich über jeden Todesfall. Jeder, der aus dem »Wartespiel« aussteigen musste, kommt sofort auf seine an der Innentür seines Schranks hängende akribisch geführte Liste derjenigen, die er bereits überlebt hat.
Und auch der Leiterin des Heims kommt ein Todesfall meist nicht ungelegen, erwartet sie doch auch im Testament der oft alleinstehenden älteren Herrschaften bedacht zu sein. Nur »natürlich« sollte der Tod sein, damit das angesehene Haus nicht in Verruf gerät, denn die Warteliste auf einen Platz ist lang und das soll sie auch bleiben, damit die Leiterin genügend Auswahl hat, wenn ein freier Platz besetzt werden muß, denn Gäste afrikanischer Abstammung möchte man nun wirklich nicht haben. Auch mit der Aufnahme von Mrs. Feinberg, jüdischer Abstammung, tat sie sich zunächst schwer, doch schließlich stammt sie aus Wien, und das wiegt natürlich vieles wieder auf.
Die männlichen Gäste sind bereits vergeben
Auch das Fehlen männlicher Personen auf der Warteliste ist ein Problem, denn die wenigen männlichen Gäste sind bereits vergeben – wie Mr. Thurlow an Mrs. Thackeray oder Major MacPherson an seine schottische Heimat, für deren Unabhängigkeit er kämpft – oder an einer näheren Beziehung gänzlich uninteressiert wie Mr. Cross, der – wie bereits erwähnt – nur ein einziges Ziel hat.
Das soll kein Krimi sein? Nun gut, so ganz eindeutig in ein Genre einordnen lässt sich das Buch nicht. Wenn ich jetzt hier aber erzählen würde, was denn dabei Krimi sein soll, dann wäre die ganze Neugier dahin. Fehl am Platze ist »Das Wartespiel« auf der krimi-couch auf keinen Fall. Soviel sei verraten.
Thema Antisemitismus
Die Autorin jüdischer Abstammung hat auch hier wieder den Antisemitismus zum Thema. Doch bis sie zum Thema kommt, das dauert eindeutig zu lange. Die Idee zu ihrer Geschichte ist gut, doch braucht sie für ihre Umsetzung einfach zu lange Zeit. Eindeutig besser ausgearbeitet hat sie das Thema in »Ich, Dreyfuß«:
Aber man kann sich trotzdem an den vielen kleinen Ereignissen erfreuen, die die Autorin mit viel Ironie darbietet. Gut herausgearbeitete Charaktere, die man im Verlauf der Handlung immer besser kennenlernt, lassen das Geschehen im Altersheim sehr lebendig werden. Bernice Rubens ist eine ausgesprochen gute Erzählerin und ihre Bücher in die Schublade »Frauenbuch« zu stecken kann ich absolut nicht nachvollziehen. Keine Empfehlung für den reinen Krimi-Fan, aber ein nettes Buch für Leser, die einfach gerne in Geschichten mit verschrobenen Charakteren eintauchen möchten.
Ihre Meinung zu »Bernice Rubens: Das Wartespiel«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

