Goldrausch von Bernd Franzinger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Rheinland-Pfalz, 1990 - 2009.
Folge 2 der Wolfram-Tannenberg-Serie.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2004. ISBN: 3899776097. 376 Seiten.

'Goldrausch' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Brand in einer renommierten Softwarefirma! Bei der Brandnachschau finden Feuerwehrleute im Büro des Finanzvorstandes einen stark verkohlten Leichnam, dessen Schädel mit einem schweren Gegenstand brutal zertrümmert wurde. Hauptkommissar Tannenberg nimmt nur widerwillig die Ermittlungen auf, denn sie führen in eine Welt, in der er sich ganz und gar nicht zu Hause fühlt. Während er sich, genervt von einem cleveren Anwalt und überhäuft von privaten Problemen, mit der frustrierenden kriminalistischen Alltagsarbeit herumplagt, werden seine Kollegen vom Virus der Geldgier infiziert. Der Traum vom mühelosen Reichtum wird schließlich so dominant, dass selbst der heimtückische Mord an einem Obdachlosen von den Mitarbeitern des K1 nur als störende Randerscheinung wahrgenommen wird. Doch plötzlich überstürzen sich die Ereignisse …

Das meint Krimi-Couch.de: »Weckt Vorfreude auf vielleicht kriminalistisch anspruchsvollere Fälle« 75°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Eigentlich hatte er seinen freien Tag und zudem Besuch von einer attraktiven Frau. Doch da bekantlich Mörder auf so etwas keine Rücksicht nehmen, wird es nichts mit dem Dire Straits-Konzert, das Wolfram Tannenberg – genannt »Tanne« -, Leiter der Kaiserslauterer Mordkommission, für diesen Abend eingeplant hatte.

Im Industriepark ist ein Brand ausgebrochen. In den Räumen einer Softwarefirma findet man eine Leiche, die nicht dem Feuer zum Opfer gefallen ist, sondern der man bereits vorher brutal den Schädel eingeschlagen hat. Identifiziert wird die Tote als Susanne Niebergall, CFO und Mitgesellschafterin der Firma. CFO, das sagt Tanne natürlich gar nichts, und so wird er aufgeklärt, das es sich um den »Chief Financial Officer« oder deutscher die »Chef-Buchhalterin« gehandelt hat. Der einzige Verdächtige für Tanne ist der CEO – der Chief Executive Officer – oder ganz banal der Chef der Firma: Siegfried von Wandlitz.

Zusammen mit seinem Anwalt hat sich von Wandlitz bei Tanne nicht nur mit Sprüchen wie

»Meine Frau bringt oft Schuhe zum Roten Kreuz. Wir sogenannten Besserverdienenden haben ja schließlich eine karitative Verantwortung gegenüber Menschen, die vom Schicksal nicht so verwöhnt wurden wie wir.«

äußerst beliebt gemacht, so daß der Kommissar sich bei seinen Ermittlungen auf ihn eingeschossen hat und nur noch danach sucht, wie er ihm die Tat beweisen kann. Was Tanne an anderer Arbeit in die Quere kommt, das wälzt er auf seine Mitarbeiter ab. Doch diese haben wichtigere Dinge im Kopf als ihre Arbeit. Der Neue Markt boomt, und nicht nur Kollege Armin Geiger hat erkannt, wie er das schnelle Geld verdienen kann. Nebenberuflich ist er Anlageberater bei Midas-Power-Investments, fährt jetzt Porsche und kassiert Provisionen von dem Geld, dass seine Kollegen auf seinen Rat hin investieren.

Der Mord an einem Obdachlosen ist nur eine lästige Pflicht für Tanne, bis er plötzlich Zusammenhänge zwischen den beiden Fällen zu erkennen glaubt.

Mit dem Hauptkommissar Tannenberg hat Franzinger eine Figur geschaffen, mit der man sich identifizieren kann und in der vermutlich einiges von ihm selbst steckt. Altersmäßig ist er wohl so kurz vor den fünfzig angesiedelt. Er ist Witwer und hat den Tod seiner Frau vor sieben Jahren noch immer nicht überwunden. Er wohnt zusammen mit seinen Eltern im Haus und sonntags gibts bei Mama Mittagessen. Beruflich ist er so, wie ein Kommissar nicht sein sollte: unbedacht und übereilt in seinen Äußerungen und Handlungen. Er lässt kein Fettnäpfchen aus und so wird schon mal ein Verdächtiger zuerst verhaftet und erst danach die Fingerabdrücke verglichen statt umgekehrt. Nicht umsonst trägt er aufgrund seines aufbrausenden Wesens den weiteren Spitznamen »Wotan«. Wenn er Mordanschläge auf Hunde verübt, dann macht ihn das sicherlich nicht bei jedem Leser sympathisch. Doch es gibt auch noch Tannes andere sentimentale Seite, wenn er bei Sissi- oder Winnetou-Filmen vor dem Fernseher weint oder Ausflüge in die eigene Vergangenheit unternimmt, als kommunistische Stammtischparolen an der Tagesordnung waren und die Mao-Bibel gelesen wurde.

Den Boom am Neuen Markt zur Jahrtausendwende hat der Autor ein paar Jährchen in die Zukunft verlegt (zumindest zahlt man schon mit Euro). Das Streben nach dem großen Geld bildet die Quintessenz seines Romans. Dabei lässt er seine gut herausgearbeiteten Charaktere so manche mehr oder weniger sinnreiche Weisheiten von sich geben.

»Aktienkurse steigen immer dann, wenn mehr Idioten als Aktien auf dem Markt vorhanden sind – und sie fallen, wenn es mehr Aktien als Idioten gibt.«

Wie die Geschichte mit den Investitionen für so manchen Kleinanleger geendet hat, das wissen wir schließlich noch aus der jüngsten Historie.

Doch nicht nur die wie Sterne aufflackernden und wieder verglühenden Technologiefirmen bekommen ihr Fett weg. Auch mit der Deutschen Bahn scheint Franzinger nicht so zufrieden zu sein und das Mißmanagement beim 1. FC Kaiserslautern hat er auch erkannt. Und daß es zwischen Vorder- und Hinterpfälzern eine traditionelle Rivalität gibt, weiß man jetzt auch als Nicht-Pfälzer.

Franzingers leicht überzeichnete Charaktere sind treffend dargestellt und einprägsam. Sein humorvoller Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar. Trotz fast 400 Seiten lässt sich das Buch schnell verschlingen. Wie stilvoll der Autor zu schreiben vermag, zeigt schon die Eingangssequenz, in der er aus der Beschreibung des Trinkens einer Tasse Espresso einen wahren Genuss macht.

Soviel Lob für »Goldrausch« – warum dann keine absolute Spitzenwertung? Nun, wir sollten nicht vergessen, dass das Werk unter der Rubrik Kriminalroman und nicht nur unter Unterhaltungsroman läuft. Der Fall an sich ist nicht sehr spektakulär, die Auflösung des Ganzen doch sehr dem Zufall überlassen und eine wichtige Begebenheit bleibt sogar unaufgelöst. Die Liebe zum Detail, die Franzinger bei so vielen kleinen Begebenheiten zeigt, lässt er leider etwas vermissen, wenn es um polizeiliche Ermittlungsarbeit geht.

Trotz dieser Mißstände bietet Goldrausch angenehme und absolut kurzweilige Unterhaltung. Hauptkommissar Tannenberg und sein Freund Dr. Schönthaler dürften sich bei vielen Lesern schnell Sympathien erarbeitet und Vorfreude auf neue vielleicht kriminalistisch anspruchsvollere Fälle geweckt haben. In diesem Ermittlungsteam steckt noch jede Menge Potential für weitere Bücher. Neben Monika Geier hat die Pfälzer Krimilandschaft mit Bernd Franzinger nun ein zweites Aushängeschild.

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Anja Gansert zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 03.02.2012
Ich finde die Krimis von Bernd Franzinger sehr faszinierent...Im Dezember hat mir meine Nichte den ersten Fall ( Pilzsaison) geliehen , ich war so begeisttert das ich mir zu Weihnachten gleich Fall 2-3 und 4 gewünscht habe und auch bekommen habe , auf meinem E-Book war dann Fall 5 und 6 ...Ich bin so gierig nach den Krimis von Bernd Franzinger und ich hoffe das er noch viele schreiben wird ...Eben habe ich mir Band 7 und 8 gedownlodet ...Ich weiß bis zum Schluß nie wer wohl der Täter ist und ich hoffe das ich diese Spannung noch oft erhalten werde...


mfg Anja Gansert
Krimifan zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 11.11.2009
Ich kann Rosmarie K. nur zustimmen: "Schulaufsatzstil." trifft es ganz genau und "allerschrecklichster" kann ich auch nur unterstreichen. Ich Frage mich, warum der Autor immer wieder so viel Lob erntet. Es macht absolut keinen Spaß, seine Bücher zu lesen, weil sie eben wie ein Schulaufsatz klingen. Gemessen an den
Sunny203 zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 21.01.2008
Also ich sage gleich vorweg ich habe dieses Buch noch nicht gelesen aber ich möchte etwas zu der Rezension von Peter Kümmel sagen:

Ich gehe mal davon aus, dass der Autor den Fall nicht viel spektakulärer gestalten konnte, weil in einer Stadt wie Kaiserslautern keine spektakulären Dinge passieren..wenn ihr versteht was ich meine..also schätze ich mal, dass er den Kriminalroman nicht durch übertriebene Handlungen sozusagen verunstalten wollte. Aber wie gesagt, ich habe diesen Buch nicht gelesen, werde es aber bald tun. mfg
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Rosemarie K. zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 21.01.2008
Allerschrecklichster Schulaufsatzstil. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Das viele Lob, das der Autor erntet, verstehe ich persönlich nicht. Kein geübter Krimi-Leser, der literarischen Anspruch stellt, kann mit den Büchern von Franzinger zufrieden sein.
ulrich zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 23.01.2006
Leider habe ich mich durch die positiven Kritiken verführen lassen, dieses Buch zu kaufen. Auf der Rückseite des Buches steht etwas von flotter Schreibe. Doch wo ist die? Ellenlange Sätze, teilweise über mehr als 8 Zeilen lang, gleichen mehr einer Berichterstattung als guter Dichtkunst. Der Stil ist eher hölzern-steif und hat nichts, was den Protagonisten Tannenberg sympathisch machen könnte. Eben ein deutscher steifer Kriminalbeamter ohne Pep und ohne Witz. Die story läuft zweigleisig: da ist ein Mord aufzuklären und in diesem Umfeld stecken sämtliche Leute ihr Erspartes in Fonts, die schwindelerregenede Gewinne erzielen sollen. Nur: Von Anfang spürt und weiß der Leser, wie es damit enden wird. Das ist dann nur Pseudo-Spannung. Der Mörder wird zum Schluss des Buches aus dem Hut gezaubert, was mir zu billig ist. Dafür war das Buch zu teuer!
Ilse Frey zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 17.08.2004
Ja, ja, das liebe Geld! Ein altes, leidiges Thema? Natürlich, aber auch ein enorm aktuelles und amüsantes! Besonders dann, wenn es einem Autor scheinbar mühelos gelingt, diese Materie in einen überaus spannenden und humorvollen Kriminalroman zu verpacken.
Im 'Goldrausch' wird dem Leser vorgeführt, wie leicht wir uns doch alle vom süßen Traum des mühelosen Reichtum blenden lassen. Egal, ob es sich dabei Professoren, Polizisten - oder um die Familienangehörige des ermittelnden Hauptkommissars handelt.
Besonders gut hat mir an diesem sehr lesenswerten und anregenden Buch gefallen, dass der Autor eine Lanze für die 'kleinen Leute' bricht, die von windigen Anlagebetrügern gnadenlos abgezockt werden. Ein meisterhaftes Lehrstück über dubiose Machenschaften in der Wirtschafts- und Finanzwelt, dem eine breite Leserschaft zu wünschen ist!
siroj zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 11.08.2004
Die durch den ersten Band geweckte Vorfreude wurde enttäuscht. Da wird mit übelster Schwarz-Weiß Malerei versucht ein Bid der Wirtschaft zu bilden. Sehr schade, dass sich der Autor in Sozialdebatten im Bild- Nieveau verliert. Es scheint als seien alle Wohlhabenden entweder Verbrecher oder Proleten. Enttäuschend
Stefan schneider zu »Bernd Franzinger: Goldrausch« 02.07.2004
Ich war sehr gespannt auf Tannenbergs 2. Fall und bin alles andere als enttäuscht worden. Dem Autor ist es gelungen, einen ziemlich spannenden, teilweise auch recht sozialkritischen Krimi zu schreiben. Es geht um die Gier von uns Menschen nach materiellen Reichtümern, die auch vor der Kommissariatstür nicht halt macht. Franzinger schildert sehr nahvollziehbar, dass die kleinen Leute immer die Zeche zahlen, ihre Träume sich nie erfüllen. Besonders gefällt mir, wie auch schon im ersten Buch, die Zentralfigur, die mir immer sympathischer wird.
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