Kaputt Mundi von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Kaputt Mundi,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Rom, 1930 - 1949.
Folge 3 der Martin-Bora-Serie.
- Mailand: Hobby & Work, 2003 unter dem Titel Kaputt Mundi. 485 Seiten.
-
München: Piper, 2005.
Übersetzt von Sylvia Höfer und Barbara Krohn.
ISBN:
3-492-27093-X. 485 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 2006.
Übersetzt von Sylvia Höfer und Barbara Krohn.
ISBN:
978-3-492-24670-5. 485 Seiten.
'Kaputt Mundi' ist erschienen als
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In Kürze:
Rom, 1944. Während sich die alliierten Truppen nähern, erlebt die Stadt die dramatischsten Tage der deutschen Besatzung. In dieser spannungsgeladenen Atmosphäre wird der Wehrmachtsmajor Martin Bora mit der Partisanenbekämpfung beauftragt. Loyal, gebildet und sprachbegabt, Aristokrat, Philosoph und Kriegsheld, scheint er der geeignete Mann, den mysteriösen Fenstersturz einer deutschen Botschaftssekretärin zu untersuchen. Doch es bleibt nicht bei diesem einen für die Besatzer überaus heiklen Todesfall. Nur wenige Tage später werden ein hoher deutscher Kleriker und Gegner der Nazis und eine Dame der besten römischen Gesellschaft ermordet aufgefunden.
Das meint Krimi-Couch.de: »Eine andere Szenerie, andere Zustände und ein anderes Lesegefühl«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Die Deutsche Wehrmacht und die SS durchsetzen Rom im Jahre 1944. Martha Reiner stürzt aus einem Fenster zu Tode. Die junge Frau hatte sowohl mit italienischen als auch deutschen Männern ihre Affären. Major Martin Bora von der Wehrmacht, gezeichnet vom Russlandfeldzug, wird von Seite der Deutschen mit der Klärung des tödlichen Fenstersturzes beauftragt. Bora, ein sprachgewandter und gebildeter Aristokrat und Kriegsheld, fordert zur Unterstützung den jungen italienischen Polizisten Guidi an. Beide haben ihre Zweifel an der offiziellen Tatversion. Aber der Polizeichef will auf Grund von (untergeschobenen) Beweisen bereits einen Täter dingfest gemacht sehen.
Während Bora mit sich und der Trennung von seiner Frau kämpft und Guidi Interesse an einer Frau bekundet, bei der zunehmend der Verdacht besteht, dass sie den Partisanen angehört, die von Bora bekämpft werden, geraten beide immer mehr ins Schussfeld der politischen Verhältnisse. Machtkampfspielchen zwischen Wehrmacht und SS sind im Angesicht der Bedrohung durch die vor den Toren Roms stehenden Alliierten Kräfte und den Attentaten der einheimischen Bevölkerung für die Klärung eines läppischen Mordes nicht gerade brauchbar. Bora kann Guidi unter persönlichem Einsatz gerade noch vor dem Liquidierungskommando der SS retten. Boras Mentor, ein betagter Kardinal, stirbt ebenso an einer Kugel, wie die Gräfin, die gerade auf ihm ihre Reitübungen absolviert. Bora stolpert über arrangierte Morde und Mordversuche, während rund um ihn Bomben bersten und Attentate zum kriegerischen Alltag gehören. Doch auch, wenn es für die Deutschen höchste Zeit ist, Rom zu verlassen, kennt Bora nur ein Ziel, diese Morde zu klären.
Ben Pastor, 1950 in Rom als Tochter einer Jüdin und Enkelin eines Antifaschisten geboren, wagt sich also mit »Kaputt Mundi« an die Schilderung eines Kriminalfalles, der zu einer Zeit spielt, als sie noch gar nicht geboren war. Dennoch versucht sie auf 486 Seiten nicht nur die Situation innerhalb Roms zu schildern, sondern auch innerhalb der deutschen Besatzungsstrukturen.
Obwohl es Autorin und Übersetzung mit den korrekten Dienstgraden der SS-Ränge nicht sonderlich genau nehmen, (dies aber in einem Beiblatt zum Buch korrigiert wird), kommen die schwellenden Differenzen zwischen Wehrmachtsangehörigen und SS-Schergen deutlich zur Geltung. Wobei es naturgemäß nicht leicht ist, die damals herrschende Situation in Rom korrekt zu beurteilen, wenn man selbst nicht dabei gewesen ist, und ähnlich wie Frau Pastor, die Gegebenheiten nur aus Erzählungen bzw. Recherchen erfahren hat. Diesbezüglich muss man sich als Leser weniger mit korrekten geschichtlichen Hintergründen auseinander setzen, sondern den beschriebenen Zeitgeist und die Atmosphäre als Handlungshintergrund akzeptieren.
Problematisch wird die Sichtweise der Autorin erst, wenn sie ihrem Protagonisten Major Martin Bora menschliche Gefühle unterjubelt. Die Probleme, die Menschen mit ihrem versehrten Körper haben, können vielleicht durch Erzählungen anderer Versehrter wiedergegeben werden. Die Probleme, die Menschen, und insbesondere Männer,
mit Krieg und Tod, Ehre und Gewissen haben, aus dem Blickwinkel einer Frau zu schildern, erachte ich schlichtweg als dichterische Freiheit. Edles Ritter- und Heldentum mag es vereinzelt auch bei Kriegshelden gegeben haben, der Normalfall sah anders aus, aber Bora wird ja auch nicht als normaler Wehrmachtsmensch beschrieben, sondern so stilisiert, als wäre er der Musterdeutsche höchst persönlich. Da bleibt dem Leser gelegentlich die Spucke weg, wie der verletzliche Superman in Uniform vor dem geistigen Auge entsteht. Aber das trifft auch auf andere Krimihelden zu und sollte nicht unbedingt vom Inhalt ablenken.
Die längste Zeit des Buches fragt man sich, warum in Zeiten, in denen auch in »Kaputt Mundi« rundum in Scharen Menschen Opfer des Krieges werden, ein hochrangiger Offizier und ein ganzer römischer Polizeiapparat sich mit einem läppischen Fenstersturz einer kleinen Übersetzerin beschäftigen, anstatt zu wesentlich wichtigeren Tagesordnungspunkten über zu gehen. Die Handlung schleppt sich mühevoll durch die römischen Gassen und kommt nicht so recht in Gang, während das Leid der Bevölkerung und die Grausamkeiten der Besatzer so beschrieben werden, dass man nicht weiß, ob man sich in einem Krimi befindet oder eher in einem Tagebuch eines Kriegsberichterstatters.
»Kaputt Mundi« ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Auch wenn es durchgehend um einen Kriminalfall geht, steht doch zu sehr der Ansatz der Autorin im Vordergrund, hier ein Buch gegen den Krieg zu schreiben, dass die böse Zeit, die sie selbst nicht kennen gelernt hat, als abschreckendes Beispiel für die Nachwelt erhält. Ob es sich dabei um ehrliche Absicht oder Referenz für spezifische Kundenkreise handelt, kann nicht beurteilt werden, fragt man sich jedoch mehrfach bei der Lektüre. Der Kriminalfall selbst ist banal und kommt eigentlich nie richtig in Schwung, wobei die Klärung im Endeffekt nur ein netter Nebeneffekt ist, denn der Leser hängt mehr am Schicksal des deutschen Ermittlers und seines italienischen Kollegen, als an der tatsächlichen Handlung.
Dieses Buch gehört mit Sicherheit nicht zur Sorte Feierabendkrimi. Dazu hat es weder den nötigen Lesefluss, noch die dazugehörige Spannung. Wer schon alles gelesen hat oder ein Mal von den ewigen Serienmördern und psychotischen Kriminalkommissaren Abwechslung sucht, findet mit »Kaputt Mundi« sicherlich eine andere Szenerie, andere Zustände und ein anderes Lesegefühl, gesamt gesehen also reine Geschmackssache.
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| Fandorin zu »Ben Pastor: Kaputt Mundi« | 25.12.2006 |
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| Stefan Schaffer zu »Ben Pastor: Kaputt Mundi« | 12.11.2006 |
| meerjungfrau zu »Ben Pastor: Kaputt Mundi« | 07.06.2005 |

