Das Haus der tausend Augen von Ben Berkeley

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Droemer.

  • München: Droemer, 2015. ISBN: 978-3-426-30422-8. 448 Seiten.

'Das Haus der tausend Augen' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Alle reden vom »gläsernen Bürger« – Ben Berkeley erweckt ihn zum Leben, um ihn gnadenlos zu jagen: Denn in Crypto City steht das Hauptquartier der NSA, das Haus der tausend Augen. Als sich die tausend Augen auf den stellvertretenden Stabschef des Weißen Hauses richten, wird sein Leben zum Alptraum. Er wird verhaftet. Ausgerechnet am Tag der wichtigsten Abstimmung seiner Karriere über das neue Geheimdienstgesetz. Der Vorwurf: Spionage, Verschwörung und Mord an einer Prostituierten. Seine einzige Hoffnung: der kauzige Staranwalt Stein und dessen Assistentin.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der harte Kampf gegen «Big Brother»" 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Als stellvertretender Stabschef im Weißen Haus ist Gary Golay dafür verantwortlich, dem Präsidenten die Mehrheit für eine wichtige Abstimmung im Kongress zu organisieren. Es geht dabei um den besseren Schutz der Privatsphäre im Internet – Präsident Ward will damit einen bleibenden Eindruck für die Geschichtsbücher hinterlassen. Doch Gary wird überraschend von der Polizei verhaftet und des Mordes an einer Prostituierten verdächtigt. Aufgrund der scheinbar unwiderlegbaren Beweise bekommt auch seine Frau ernsthafte Zweifel. Hilfe in der alptraumhaften Situation sollen Anwalt Thibault Stein und seine Assistentin Pia Lindt leisten, die von Garys Ehefrau mit der Verteidigung ihres Mannes beauftragt werden. Die beiden Juristen finden mit ihren hartnäckigen Recherchemethoden seltsame Verbindungen zwischen der Bundespolizei FBI und der nationalen Sicherheitsagentur NSA. Es scheint eine Verschwörung zur Verhinderung des Gesetzes zu geben, das insbesondere die NSA drastisch in ihren Möglichkeiten beschneiden würde. Die Spuren führen in höchste Regierungskreise – und da wird die Luft auch für Stein und Lindt ziemlich dünn.

Marsch in den Überwachungsstaat

Nach zwei eher klassischen Thrillern wagt sich Ben Berkeley mit seinem neuen Roman Das Haus der tausend Augen in den Bereich der amerikanischen Innenpolitik. Idee und Plot sind ihm dabei durchaus gelungen, die Ausführung dieses Polit-Thrillers kann dann allerdings mit den Meistern des Genres nicht so ganz mithalten. Das Oberthema – der Marsch in den Überwachungsstaat und heftige politische Widerstände dagegen – ist seit einiger Zeit immer mal wieder in den Medien, und Berkeley ist nun wahrlich nicht der einzige Autor, der diese Problematik in einem Roman aufgreift. Er hat dabei eine durchaus gelungene Mischung aus klassischem Kriminalroman und Polit-Thriller zu Papier gebracht. Neben der an sich schon lesenswerten Geschichte sind Anwalt Thibault Stein und seine Assistentin Pia Lindt wie in den Vorgänger-Romanen des Autors die Stars – stehen jedoch nicht so im Vordergrund wie gewohnt.

Prozessordnung als Leckerbissen

Die Protagonisten werden hier nur knapp vorgestellt, wer sie aus den zwei anderen Büchern nicht kennt, mag manche Passagen nicht so genießen wie ich – aber Stein und Lindt kommen mit ihren Eigenheiten durchaus genügend zur Geltung. Ein Leckerbissen ist in meinen Augen die so genannte «Prozessordnung" von Thibault Stein – das sorgt bei aller Spannung für mehr als angenehme Auflockerung. Bringt zuweilen aber auch neue Wendungen im Prozess, oder leitet sie zumindest ein. Neben den beiden juristischen Profis, die wieder mit einigen überaus geschickten Winkelzügen zu überzeugen wissen, auch außerhalb des Gerichtssaals, steht Gary Golay im Mittelpunkt. Er wird als sympathischer Idealist geschildert, der sich nie im Leben vorstellen könnte, zum Opfer einer derart finsteren und hinterhältigen Verschwörung zu werden. Seine politische Karriere wird durch die Machenschaften des Geheimdienstes und der Bundespolizei förmlich pulverisiert, und auch das Vertrauen seiner Familie wird gezielt ausgehöhlt.

Story liegt ziemlich dicht an der Realität

Der Präsident ist zwar von Garys Unschuld überzeugt, kann in dieser Geschichte jedoch nichts für seinen stellvertretenden Stabschef unternehmen. Die Macht des angeblich mächtigsten Mannes der Welt wird hier als eng begrenzt dargestellt. Seine Berater haben enormen Einfluss, der durch geschickt geknüpfte Allianzen gepflegt und ausgeweitet wird. Diese Einblicke in das Regierungs- und Rechtssystem der USA mögen manchem Leser übertrieben vorkommen. Wer allerdings die eine oder andere politikwissenschaftliche Analyse dazu gelesen hat, oder mal einen Blick in eines der Bücher von Bob Woodward wirft, wird feststellen, dass diese Passagen nicht nur spannend, sondern auch aufschlussreich sind. Beim Thema Datenspeicherung und grenzenlose Überwachung wird von Ben Berkeley ziemlich dick aufgetragen, aber auch hier gibt es seit Edward Snowden entsprechende Veröffentlichungen, die zeigen, dass der Autor mit diesen Passagen ziemlich dicht an der Realität liegt. Die National Security Agency ist eine sammelwütige Datenkrake – und die gespeicherten Informationen geben den Geheimdiensten eine ungeheure Macht.

Ben Berkeley pflegt auch in seinem neuen Roman wieder seinen flüssigen Stil, das Buch ist angenehm zu lesen, und die relativ kurzen Kapitel belassen den Spannungsbogen auf einem permanent hohen Niveau. Hilfreich für die Orientierung bei den schnellen Wendungen sind die Zeit- und Ortsangaben am Beginn jedes neuen Abschnitts. Der Plot ist wirklich spannend, aber an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir etwas mehr Originalität gewünscht. Zu früh wird ziemlich deutlich, dass Gary Golay im Grunde keine Chance gegen den Machtapparat hat. Immerhin bleibt die Frage, wer hinter der ganzen Sache steckt, wer die Gegner des stellvertretenden Stabschefs und des Gesetzesvorhabens sind. Im Finale vermag der Autor dann doch nochmals zu überraschen, und man fühlt sich als Leser glänzend unterhalten.

Andreas Kurth, Mai 2015

Ihre Meinung zu »Ben Berkeley: Das Haus der tausend Augen«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Lesetiger zu »Ben Berkeley: Das Haus der tausend Augen« 26.02.2015
Ein spannender Thriller, der unter die Haut geht

Inhalt

Als sich die tausend Augen der National Security Agency auf Gary Golay, den Stellvertretenden Stabschef im Weißen Haus, richten, wird sein Leben zum Alptraum: Er soll eine Prostituierte ermordet haben - auf grausamste Art und Weise. Während Gary um seinen Ruf, seine Familie und seine Freiheit kämpft werden die Beweise gegen ihn immer erdrückender und selbst seine Frau kann sich dem Strudel von Verdächtigungen nicht entziehen. Einzig der kauzige Anwalt Thibault Stein und seine Assistentin Pia Lindt glauben seine Geschichte von einer Verschwörung, die bis ins Oval Office reicht. Und die uns alle betrifft, denn das Haus der tausend Augen blickt nicht nur auf Gary Golay. Sondern auch auf Dich.

Meine Meinung:

Allein schon das Format des Buchs, die angenehme Schriftgröße und das Cover sind echte Pluspunkte, die mir bereits vor dem Lesen ins Auge gesprungen sind. Auch der aufgedruckte Titel fügt sich wunderbar ein und fühlt sich wunderbar an. Soviel zum Äußeren.

Der Prolog fängt sehr spannend an. Das Hauptthema ist die Datenspeicherung durch die NSA und deren Missbrauch, dessen Opfer Gary Golay wird. Ben Berkeleys Schreibstil ist ungewöhnlich gut und flüssig, der Thriller sehr gut zu lesen, die beteiligten Personen kommen authentisch rüber und die Spannungsbögen werden gut eingesetzt. Die zeitlichen Abfolgen sind gut nachvollziehbar. Die kurzen Kapitel, in denen die vielen Beteiligten vorgestellt werden, finde ich sehr gelungen. Sowohl Gary als auch die weiteren Charaktere sind sehr gut beschrieben und sympathisch dargestellt, ebenso wie die „Personen der Gegenseite“ sehr treffend charakterisiert sind. Gut finde ich, wie der zweite Fall des Anwalts Stein mit eingeschoben wird. Gary Golay wird übel mitgespielt und es kommt in diesem Buch zu einigen tragischen Momenten, die mich sehr berührt haben. Der Autor hat eine Begabung, diese sehr bewegenden Momente nervenaufreibend zu schildern, so dass einen die Geschichte nicht mehr loslässt. Der politische Teil des Buches ist ebenfalls gelungen, so dass er auch für mich als nicht unbedingt politisch interessierten Menschen, gut zu lesen und verstehen war. Super abgerundet wurde der Thriller durch den Abschluss des Digital-Freedom-Acts.

Fazit:

Ein rundum gelungener Thriller, der unter die Haut geht und mich bereits ab den ersten Seiten voll in seinen Bann gezogen hat. Das Haus der tausend Augen verspricht eine äußerst spannende und kurzweilige Unterhaltung. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es fast in einem Rutsch durchgelesen. Die Geschichte hat mich emotional sehr berührt und mich nachdenklich werden lassen. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir, zumal das Thema der dauerhaften Datenspeicherung ziemlich aktuell und realitätsnah ist.
Baerbel82 zu »Ben Berkeley: Das Haus der tausend Augen« 25.02.2015
Schuldlos schuldig

Mit seinem neuen Thriller „Das Haus der tausend Augen“ hat der deutsch-amerikanische Autor Ben Berkeley ein heißes Eisen angepackt: Es geht um Vorratsdatenspeicherung, totale Überwachung und die Rolle der Geheimdienste in den USA.
Die Prostituierte Carrie wurde bestialisch ermordet, um es dann Gary Golay, dem Stellvertretenden Stabschef im Weißen Haus, in die Schuhe zu schieben und so eine wichtige Abstimmung für einen Gesetzentwurf zum Schutz der Privatsphäre im Internet platzen zu lassen. Gary wird suspendiert, seine Frau verliert ihren Job, die beiden Töchter werden von ihren Freunden gemobbt und von der Presse verfolgt.
Gary kannte Carrie. Seine Telefonate und Besuche, das Herunterladen von Pornos aus dem Internet, seine Buchungen für Flüge nach Las Vegas, ein teures Messer, das er mit Kreditkarte bezahlt hat, werden ihm nun zum Verhängnis. Aber ist er tatsächlich Carries Mörder?
Anwalt Thibault Stein und seine Assistentin Pia übernehmen den Fall. Aber die Beweise sind erdrückend, Gary muss untertauchen, um seiner Verhaftung zu entgehen. Als das Leben einen erneuten Schicksalsschlag für ihn bereit hält, bekommt Pia Unterstützung ungeahnter Art…
„Das Haus der tausend Augen“ ist ein fesselnder und intelligenter Politthriller: Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die auf Fakten beruht, aber auch Verschwörungstheorien enthält. Zum besseren Verständnis ist vorne ein Stadtplan von Washington D.C. und hinten ein Organigramm des Weißen Hauses beigefügt.
Ben Berkeley verpackt aktuelle Thematik in einem rasanten Spannungsbogen, lässt uns an Widersprüchen und Emotionen seiner Figuren teilhaben. Das macht diese so lebendig und die Geschichte so beklemmend wie überzeugend bis zum versöhnlichen Ende.
Zudem sind die Hintergründe bestens recherchiert. Kurze Kapitel und zumeist auch ebensolche Sätze. Das treibt den Leser voran und verhindert im vorliegenden Fall das Aufkommen jeglicher Form von Langeweile. Insgesamt ein Buch, das den Verstand und die Seele berührt. Ein Buch mit Herzblut, das einen nicht mehr los lässt.

Fazit: Spannend, erschreckend, real. Unbedingt lesen!
Ihr Kommentar zu Das Haus der tausend Augen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: