Du sollst nicht begehren von Batya Gur

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1991 unter dem Titel Linah meshutefet: retsaòh ba-òkibuts, deutsche Ausgabe erstmals 1997 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Israel, 1990 - 2009.
Folge 3 der Michael-Ochajon-Serie.

  • -: ?, 1991 unter dem Titel Linah meshutefet: retsaòh ba-òkibuts. 505 Seiten.
  • München: Goldmann, 1997. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-30470-9. 505 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-44278-8. 505 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-44495-0. 505 Seiten.
  • München: Goldmann, 2000. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-44806-9. 505 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-44935-9. 505 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-05384-6. 475 Seiten.

'Du sollst nicht begehren' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Als Osnat Harek in eine Krankenstation des Kibbuz eingeliefert wird, sieht alles nach einer schweren Lungenentzündung aus. Zwei Stunden später ist die schöne Sekretärin tot – Opfer eines Penicillin-Schocks, wie es scheint. Doch die Obduktion fördert Spuren eines tödlichen Pflanzenschutzmittel zutage. Das Unvorstellbare scheint Realität geworden zu sein: ein Mord im Kibbuz, jenem scheinbar so friedlichen Modell einer besseren Welt. Schritt für Schritt tastet sich Inspektor Michael Ochajon in den abgeschotteten Kosmos vor und stellt fest, dass hinter der Fassade von Harmonie und Solidarität tödliche Konflikte lauern.

Das meint Krimi-Couch.de: »Trockene Themen, meisterhaft erzählt« 82°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Im Kibbuz ist man mit den Vorbereitungen für den Feiertag beschäftigt. Zu Gast ist der Abgeordnete Aharon Meros, früher selbst Bewohner dieses Kibbuz. Während Meros von seinem früheren Freund Mojsch durch den Kibbuz geführt wird, ereignet sich ein Zwischenfall: Srulke, der Vater von Mojsch, stirbt an einem Herzanfall.

Als Meron die Kibbuz-Sekretärin Osnat Harel wiedertrifft, auf die er schon früher ein Auge geworfen hat, entwickelt sich daraus eine Beziehung. In den kommenden Wochen besucht er Osnat regelmäßig heimlich. Osnat erkrankt an einer Lungenentzündung und wird in die Krankenstation eingeliefert. Zwei Stunden später stirbt sie plötzlich, vermutlich an einer Penicillin-Allergie.

Durch die Verwicklung des Abgeordneten Meron bekommt der Fall öffentliches Interesse. Die Obduktion fördert Spuren eines Pflanzenschutzmittels im Körper der Toten zutage. Inspektor Michael Ochajon wird als Leiter einer Sonderkommission mit den Ermittlungen beauftragt. Doch in der abgeschotteten Welt eines Kibbuz zu ermitteln, stellt ihn vor eine große Herausforderung, zumal er auch Druck von seinen Vorgesetzten bekommt.

Das globale Schema der Romane von Batya Gur ist im Prinzip immer das Gleiche: Ein Mord ereignet sich in einer abgeschlossenen Gemeinschaft. In dieser Gemeinschaft existieren Neid und Hass. Michael Ochajon muß versuchen, in diese Gruppe einzudringen und die Geheimnisse zu erforschen. Dies klingt zwar nach Kritik, ist aber nicht als solche zu verstehen.

Denn daß die Autorin trotz dieses immer gleichen Schemas sehr variabel schreibt, zeigt der Beginn des Buches. Dies ist der vierte Roman von Batya Gur, den ich lese, und zum vierten Mal bekomme ich eine andere Einführung in das Geschehen. Diesmal erfolgt eine sehr lange Einleitung, die das Leben im Kibbuz anhand eines Feiertags schildert. Es dauert 113 Seiten, bis Ochajon seinen ersten Auftritt hat.

Die Autorin hat ihrem Inspektor diesmal nicht das übliche Ermittlerteam zur Seite gestellt, sondern Ochajon zu einer Spezialeinheit versetzt, in der er zur Teamarbeit verpflichtet ist und nicht so eigenmächtig wie sonst zu Werke gehen kann. Eine interessante Konstellation, bei der seine Vorgesetzten nicht immer einer Meinung mit ihm sind.

Für diejenigen, die noch kein Buch von Batya Gur und noch keine meiner Kritiken dazu gelesen haben, möchte ich wiederholen, dass sie keine Kriminalromane der üblichen Art schreibt. Es geht ihr weniger darum, eine Tätersuche anhand von Indizien aufzubauen und den Leser zum Mitraten zu animieren, sondern mehr anhand von Charakterstudien zu einer Lösung zu kommen.

Dies ist ihr in diesem Fall besonders gut gelungen. Sie versteht es, die Probleme, wie sie in einem Kibbuz bestehen, hervorragend rüberzubringen. Dabei lernt der Leser einen wichtigen Teil des heutigen Israels kennen. Die Kibbuzim stehen an der Schwelle zu einem Umbruch. Auf der einen Seite die immer weniger werdenden Alten, zum großen Teil Wiederstandskämpfer oder Shoa-Überlebende (Holocaust), die von ihren festgefahrenen Ansichten nicht abzubringen sind, auf der anderen Seite die Jüngeren, die sich immer mehr am Konsumzwang der Welt außerhalb ihrer Gemeinschaft orientieren und Neuerungen gegenüber sehr aufgeschlossen sind.

Über 500 Seiten hinweg versteht es die Autorin, mit eher trockenen Themen, aber dennoch meisterhaft erzählt, ihre Leser zu fesseln, ohne daß Langeweile aufkommt.

Ich sehe die Ochajon-Krimis von Batya Gur durchweg als eine Mischung von Kriminalroman und Sachbuch. Von vier gelesenen Büchern ist »Du sollst nicht begehren« zwar nicht der beste Krimi, aber eindeutig das beste Sachbuch. Von mir eindeutig eine Leseempfehlung.

Hintergrund:

Fast jeder bringt den Begriff Kibbuz mit Israel in Verbindung. Viele neigen sogar dazu, diese Lebensform mit dem Leben in Israel zu identifizieren. Doch kaum jemand kennt die genaue Bedeutung des Lebens im Kibbuz.

Der Kibbuz (das hebräische Wort für Sammlung) ist eine genossenschaftlich arbeitende, wirtschaftlich unabhängige Gemeinschaft gleichgestellter Mitglieder. Es gibt außer persönlichen Dingen keinen Privatbesitz, doch jeder hat Mitsprache bei wirtschaftlichen und finanziellen Entscheidungen. Es gibt etwa 250 Kibbuzim, in denen nur etwa 2% der Bevölkerung Israels leben. Deganya war der erste aller Kibuzzim, der 1909 gegründet wurde.

Im Unterschied zu den Kollektivwirtschaften der sozialistischen Länder beruht dieses Modell auf völliger Freiwilligkeit bei Ein- und Austritt sowie einer absolut demokratischen Struktur ohne Beschränkungen einer politischen Partei.

Als landwirtschaftliche Siedlungen entstanden sind die meisten Kibuzzim heute gemischte Großbetriebe aus Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen und zugleich autonome Siedlungen mit 400 bis 1500 Einwohnern.

Das meinen andere:

»Ein hervorragender Roman, packend erzählt, ans Gefühl gehend, fesselnd!« (Facts

»Ein außergewöhnliches und facettenreiches Buch. Batya Gur ist auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.« (Booklist)

Ihre Meinung zu »Batya Gur: Du sollst nicht begehren«

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Fanni zu »Batya Gur: Du sollst nicht begehren« 30.05.2007
Auch dieses Buch von Batya Gur war für mich viel mehr als ein Krimi. Die radikale Kibbuz-Bewegung hat mich lange beschäftigt, ich habe angefangen, mir auch sonst Informationen über dieses Thema zu beschaffen. Abgesehen davon fand ich die Geschichte an sich auch sehr fesselnd.
Berta zu »Batya Gur: Du sollst nicht begehren« 03.01.2006
Ich bin gerade dabei das Buch zu lesen und habe mich bis etwa zur Hälfte durchgekämpft. Mir sind die detailreichen Schilderungen des Lebens der einzelnen Protagonisten viel zu langatmig und ins Nebensächliche abgleitend, sodass es mir immer schwerer fällt, das Buch zur Hand zu nehmen, um endlich bis zur Auflösung vorzudringen.
christa zu »Batya Gur: Du sollst nicht begehren« 08.05.2005
diesem Buch wird das Leben in einem Kibbuz gut beschrieben, konnte mir vorstellen wie dort gelebt und gearbeitet wird. Fühlte vor allem mit den Kindern mit. Für mich war die Geschichte run dum den Mord fast wichtiger als die Lösung. Diese Art zu schreiben ist einzigartig
SilkeS. zu »Batya Gur: Du sollst nicht begehren« 12.12.2002
Hallo!

Das Buch liegt in meinem SUB, aber habe das Buch als Hörspiel beim Bügeln gehört und war enttäuscht.
Trotz verschiedener Sprecher blickte man bei den vielen Namen nicht mehr durch und das Ende war ein wenig plötzlich!

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