Am Anfang war das Wort von Batya Gur

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1989 unter dem Titel Mawet ba-hûg le-sifrût, deutsche Ausgabe erstmals 1995 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Israel / Jerusalem, 1990 - 2009.
Folge 2 der Michael-Ochajon-Serie.

  • -: ?, 1989 unter dem Titel Mawet ba-hûg le-sifrût. 472 Seiten.
  • München: Goldmann, 1995. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-30468-7. 472 Seiten.
  • München: Goldmann, 1997. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-43600-1. 471 Seiten.
  • München: Goldmann, 1998. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-44299-0. 471 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. Übersetzt von Mirjam Pressler. 471 Seiten.

'Am Anfang war das Wort' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

An der Universität von Jerusalem geht die Angst um: Ein junger Literaturdozent verunglückt bei einem Tauchunfall, der sich als Mord entpuppt. Und am selben Wochenende wird Professor Scha´ul Tirosch, Israels berühmtester Dichter und Leiter des Instituts für Hebräische Literatur, in seinem Büro erschlagen aufgefunden. Auf der Suche nach den Zusammenhängen wird Inspektor Ochajon immer tiefer in die akademische Welt verstrickt – eine Welt, in der Sein und Schein die Seiten tauschen und Worte töten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Teils Kriminalroman, teils Sachbuch« 72°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Hauptschauplatz des Romans ist das Institut für Hebräische Literatur an der Universität von Jerusalem. Erschüttert von der Nachricht des Todes ihres Kollegen Ido Duda´i, der bei einem Tauchunfall ums Leben kam, stehen die Mitarbeiter der Fakultät im Sekretariat. Doch ein Professor fehlt: keiner hat die Koryphäe im Bereich der Lyrik, den berühmten Scha´ul Tirosch, in den letzten beiden Tagen gesehen. Nachdem jemand erwähnt, dass aus seinem Zimmer ein merkwürdiger Geruch dringt, findet man ihn erschlagen an seinem Schreibtisch vor.

Als sich schließlich herausstellt, dass Duda´i nicht durch einen Unfall ums Leben kam, hat es Oberinspektor Michael Ochajon mit zwei Mordfällen zu tun. Auf der Suche nach den Zusammenhängen findet Ochajon heraus, dass Tirosch eine Beziehung mit Duda´is Witwe hatte. Die Tatsache, dass Tirosch ein Frauenheld gewesen war, bietet Ochajon einige gute Anhaltspunkte, um zu ermitteln. Der Schlüssel zur Lösung scheint aber eher in der Amerikareise zu suchen, die Duda´i kurz vor seinem Tod unternahm.

Ihre Buchtitel erinnern ein wenig an die Titel von Elizabeth George, deren Romane sämtlich nach Bibelzitaten gewählt wurden. Es würde mich interessieren, ob die Titel von Batya Gur original übersetzt sind oder – wie teilweise bei Frau George – von den deutschen Verlagen aus Werbezwecken gewählt wurden. Doch leider kann ich kein hebräisch lesen.

Ebenso wie bei ihrem Erstlingswerk hat Batya Gur auch für ihren zweiten Roman ein Thema gewählt, zu dem sie einen persönlichen Bezug hat. In ihrem Debütroman wählte sie als Thema das Fachgebiet ihres Mannes: die Psychoanalyse. Diesmal beschäftigt sie sich mit einem Milieu, dass sie aus eigener Erfahrung kennt, denn sie war viele Jahre selbst Dozentin für Literatur.

Wie variabel die Autorin ihre Bücher aufbaut, lässt sich durch folgendes gut darstellen: Dies ist der dritte Roman von Batya Gur, den ich lese und zugleich die dritte Art, einen Kriminalroman zu beginnen. Das Lied der Könige beginnt mit dem Protagonisten Ochajon und seinen persönlichen Problemen. In Denn am Sabbat sollst Du ruhen wird der Leser sofort mit einem Mord frequentiert und danach in das Umfeld eingeführt. In »Am Anfang war das Wort« werden zunächst die Charaktere und ihre Beziehungen zu den späteren Mordopfern vorgestellt.

Weniger variabel ist die Ermittlungsarbeit für die Jerusalemer Polizei. Die Bücher von Batya Gur leben hauptsächlich von dem, was in anderen Kriminalromanen oft nur Beiwerk ist: den endlosen Verhören, denen sie oft viele Seiten in ihren Büchern einräumt. Immer wieder werden die Verdächtigen auf die Polizeiwache bestellt und immer wieder werden sie zu den gleichen Dingen befragt. Das hört sich langweilig an, ist aber meist so geschickt geschrieben, dass für den Leser keine Wiederholungen auftreten. Das Wichtigste an den Romanen ist die Sprache, nicht die Handlung.

Wie immer in den Ochajon-Romanen sind ein bis zwei lange Abschnitte fast ausschließlich dem Hauptthema gewidmet. Vielleicht liegt es eher an meinem mangelnden Interesse an Lyrik, dass ich dem diesmal nicht so viel abgewinnen konnte. Ich muß zugeben, dass für mich zum ersten Male Langeweile in den Romanen der israelischen Autorin aufkam in dem Kapitel, als Ochajon eine Vorlesung an der Universität besucht und diese Vorlesung über mindestens 10 Seiten hinweg geschildert wird. Ich hab kein Wort davon verstanden. Oberinspektor Ochajon hat auch kein Wort davon verstanden, aber für ihn steht nach dieser Vorlesung fest, dass der Dozent nicht der Mörder sein kann.

Ich gebe zu, von Psychoanalyse verstehe ich ebenso wenig wie von Lyrik, dennoch konnte mir Batya Gur in ihrem Erstlingswerk wesentlich mehr Aspekte verständlich machen.

Auch hier spielen die Beziehungen der Dozenten untereineinander sowie ihre Beziehungen zur Kunst die Hauptrolle. Sehr deutlich treten die Parallelen zum Erstlingswerk der Autorin zutage: Das Mordopfer ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Es ist von fast allen sehr angesehen, von vielen bewundert, von wenigen beneidet und von einzelnen gehasst. Und wieder ist weit und breit kein konkretes Motiv zu erkennen.

Gurs Werke sind teils Kriminalroman, teils Sachbuch. Sie hat einen exzellenten, sehr ausführlichen Schreibstil ohne jedoch viel zu wiederholen. Trotz dieser detaillierten Beschreibungen lesen sich ihre Werke zwar flüssig, dennoch lassen sie sich nicht so verschlingen wie ein anspruchsloser Action-Krimi. Immer wieder schweift sie von der Ermittlungsarbeit zum Hauptthema eines Romans ab, ohne jedoch die Rahmenhandlung aus dem Auge zu verlieren. Sämtliche Charaktere werden in aller Ausführlichkeit dargestellt und sind vielschichtig und oft widersprüchlich.

»Am Anfang war das Wort« ist für mich der schwächste der drei Ochajon-Romane, die ich bisher gelesen habe, hebt sich aber ebenfalls deutlich von der Krimi-Durchschnittskost ab. Wer nicht gerade auf Poesie steht, sollte vielleicht eher mit einem anderen Roman der Autorin beginnen.

Ihre Meinung zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort«

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Gabi zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 02.09.2007
"am Anfang war das Wort "
Dieses Buch kann man nicht nur lesen sondern man muss eintauchen in die Welt der Worte, Gedichte und des geschriebenen Wortes. Es ist kein Buch für nebenbei. Die Faszination ist die Gegenüberstellung der Polizeiarbeit, Michael Ochajon, seinen Bildungshintergrund und die Universität. Für jeden der einen Krimi mit Tiefe und Anspruch lesen will, nur zu.
Ingrid V. zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 11.08.2007
Das Buch gefällt mir sehr gut. Die Situationen und Zusammenhänge sind fein gezeichnet. Ich kann mit manchen der Personen mitfühlen. Oft sind Hintergründe wie mit wenigen Pinselstrichen dargestellt, wie z.B. Unkenntnis von Tschaikowskis "Schwanensee" ist gleich völlige Ignoranz der europ. Kultur.
Valerie zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 27.09.2005
Es war das erste Buch von Gur, das ich gelesen habe und ich war restlos begeistert! Ich lese viel, v.a. Krimis aber Batya Gur ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Vor allem wie sie das Campusleben beschrieben hat, war wirklich sehr interessant und realitätsnah! Kann das Buch nur jedem Literatur- und Lyrikinteressierten empfehlen!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Uli zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 21.08.2004
Ich habe das Buch nur zufällig in die Hand bekommen und muss sagen, dass ich es ausgesprochen langweilig finde. Ich habe noch nicht einmal 20 Seiten gelesen und kann jetzt schon sagen, wer es getan hat und warum. Aus Neugier habe ich das auch schon nachkontrolliert und was soll ich sagen, ich hab´s ja gewusst!
Die Handlung ist leicht zu durchschauen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Manolito zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 07.05.2004
Am Anfang war das Wort...

und ich hab nicht aufgehört zu lesen bis ich alle Wörter ausgelesen hatte...
intelligenter, spannender Krimi - endlich mal wieder....
Cornelia zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 06.03.2004
Ich lese dieses Buch gerade und bin wirklich schwer beeindruckt! Es ist irre fesselnd von der ersten Seite an! Batya Gur beschreibt Dinge auf die man im normalen Alltag garnicht achtet, was mir sehr gut gefällt. In diesem Roman taucht man in die Welt der Gedichte ein und kommt schwer wieder heraus! Es ist meiner Meinung nach wirklich ein Roman zum weiterempfehlen!!!!!!!
William zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 05.03.2004
Ich habe alle GUR Bücher gelesen, auch "so habe ich es nicht gemeint" und von allen bin ich begeistert. Die Bücher kann man aber nicht husch husch lesen, sprich jetzt mal 10 Minuten und später noch mal 15 Minuten, sondern man sollte schon etwas dran bleiben und sich Zeit nehmen sich in die Geschichte vertiefen zu können (wollen). Mein Sohn las das Jugendbuch "die schwarze Schatulle ?" und fand es echt gut.
Andrea Walter zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 05.09.2003
Hat mir sehr gut gefallen! Bei allen Ochajon-Krimis bekommt einen Einblick in das Leben in Jerusalem heute abseits der täglichen Terrormeldungen.
Anja S. zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 11.07.2003
ausgesprochen langweilig!!!
0 grad
SilkeS. zu »Batya Gur: Am Anfang war das Wort« 08.04.2003
Interessante Thematik, aber leider sehr leblos aufgebaut und null Spannung!
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