Letzte Vergeltung von Barry Eisler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Requiem for an assassin, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: Bali, Paris, Saigon, Tokio, Palo Alto, Los Angeles, New York, Singapur, Rotterdam, 1990 - 2009.
Folge 6 der John-Rain-Serie.

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2007 unter dem Titel Requiem for an assassin. 356 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2010. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. ISBN: 978-3-596-17645-8. 363 Seiten.

'Letzte Vergeltung' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

John Rain, der »Tokio Killer«, will aus dem tödlichen Business aussteigen. Da wird sein bester Freund und Partner Dox entführt. Drahtzieher ist der ehemalige CIA-Agent John Hilger, sein Erzfeind aus alten Tagen. John Rain soll drei Aufträge ausführen, dann kommt Dox frei. Doch kann er Hilger trauen? Könnte nicht jeder der drei Jobs eine Falle sein? Und was ist, wenn John Rain selbst das Ziel ist?

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Killer in der Krise« 66°

Krimi-Rezension von Jochen König

Als »Requiem für einen Killler« wird Letzte Vergeltung, sich am Originaltitel orientierend, auf dem Buchrücken beworben. Sollte der sechste Roman tatsächlich das Aus für den japanisch-amerikanischen Gentleman-Killer John Rain bedeuten?

Zunächst spricht vieles dafür: Scharfschütze Dox, John Rains bester, bzw. einziger Freund wird entführt. Von niemand anderem als John Hilger, dem aus den anderen »Tokio Killler«-Romanen bekannte Erzfeind Rains. Für diesen soll Rain drei Mordaufträge ausführen. Natürlich dämmert ihm, das spätestens der dritte eine Falle ist, die ihn selbst ins Jenseits befördern soll.

Doch der Killer mit dem Spezialgebiet »Natürliche Tode« fühlt sich Dox verpflichtet und beginnt mit der Arbeit …

John Rain verändert sich. Aus dem »Eismann« wird ein zumindest in Ansätzen kommunikatives Wesen, denn er lässt es tatsächlich zu, dass ihm geholfen wird. Zu verdanken hat er dies in erster Linie einer Frau: seiner Geliebten Delilah, ihrerseits Mossad-Agentin. Ihr gelingt es sogar, John im Team arbeiten zu lassen, was in früheren Zeiten undenkbar gewesen wäre.

Doch je mehr er sich öffnet, umso offensichtlicher wird sein Dilemma, zwischen dem kalkuliert planenden und mit tödlicher Sicherheit arbeitenden »Eismann« und dem verliebten, nachdenklichen, Fehler zulassenden neuen John Rain entscheiden zu müssen. Wenn das vorliegende Buch der letzte Band der Serie sein sollte, ist relativ klar wie die Entscheidung ausfallen wird.

Leider ergibt sich daraus ein Problem: Richtig spannend und bei Laune haltend ist die Letzte Vergeltung hauptsächlich da, wo der »Eismann« das Zepter in die Hand nimmt und ebenso effektiv wie tödlich schwingt. Dass Rain gerne erst tötet und dann beginnt, Fragen zu stellen, macht seine »menschliche« Seite nicht eben glaubwürdiger.

Dem Thema des aussteigewilligen Killers und der Gewissens- und Interessenskonflikte, die diese Situation mit sich bringt, gewinnt Barry Eisler keine neuen Aspekte ab. Stattdessen wird das Standardprogramm von Reagieren und Agieren abgespult, Überraschungen bleiben Mangelware. Eisler ist natürlich immer noch solider Handwerker genug, dass man das bunte Treiben bis zum Ende ohne Langeweile verfolgt, doch einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt John Rains Ausflug ins Land des Zweifelns nicht.

Einem ungetrübten Lesevergnügen steht ebenfalls der Wechsel der Erzählperspektiven im Weg. Während Rains Ich-Erzählung den Lesefluss nur durch gelegentliches allzu heftiges Grübeln zum Stocken bringt, wirkt Dox Gebaren als Geisel und Erzähler ziemlich pubertär bis peinlich, während John Hilgers Innenansichten eines durchschnittlichen Schurken schlicht belanglos sind.

So bleibt ein Roman zum schnellen Überfliegen und die Hoffnung, dass ein würdiger Abschluss der Reihe um den »Tokio Killer« noch geschrieben wird.

Jochen König, Mai 2010

Ihre Meinung zu »Barry Eisler: Letzte Vergeltung«

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SharonBaker zu »Barry Eisler: Letzte Vergeltung« 02.10.2014
Das war jetzt der sechste Fall von John Rain und eigentlich der Letzte, aber Gott sei dank hat Barry Eisler sich entschieden den Tokio Killer noch nicht aufhören zu lassen. Somit war mein Abschiedsschmerz nicht so groß.

Wie schon im Klapptext steht, wird Dox entführt und John muss durch die ganze Welt jetten um die Aufträge zu erfüllen damit Dox frei kommt. Es ist ihm von Anfang an klar, das er selbst einer dieser Aufträge ist und somit kontaktiert er Kanezaki in Tokio um Hilfe zubekommen, was für ihn schon ziemlich schwer ist. Denn eigentlich wollte er aufhören und mit Delilah in Paris so was wie eine Beziehung führen. Eisler lässt unseren Auftragskiller ganz schöne Seelenqualen durchleben und bringt ihn dazu nicht mehr der Einzelgänger zu sein, den wir kennen. Ich habe die Befürchtung das Dox langsam auf ihn abfärbt und er zum Teamplayer mutiert.

Diesmal schreib Eisler, was neu ist, aus verschieden Sichten seine Geschichte und zwar zusätzlich auch aus Hilgers, Dox und Delilahs Sicht, was ich ziemlich gut fand da man in jeden mal rein schauen konnte und die Absichten somit besser versteht und mitleiden konnte.

Ich fand diesen Band viel besser als seinen Vorgänger. Eisler beherrscht es einfach einen mit zu reißen und die Spannung bis zum Schluss zu halten. Sein Schreibstil ist gut und schnell zu lesen und ich liebe seine Ortsbeschreibungen, man fühlt sich immer wie vor Ort. Ausserdem stellt er immer Bilder auf seiner Homepage und man ist mittendrin.

Mit der Figur John Rain hat Eisler eine für die Romanwelt ungewöhnliche Person geschaffen.Ich bin jedes mal über mich erstaunt, das ich für ihn soviel Sympathie empfinde und ihm ziemlich viel durch gehen lasse. Ich bleibe Barry Eisler auf jeden Fall treu und freue mich auf den siebten Fall.
Schrodo zu »Barry Eisler: Letzte Vergeltung« 01.05.2010
Tokio Killer John Rain turtelt mit seiner Superpuppe, Mossadagentin Delilah, in Paris. Da erreicht ihn die Nachricht, dass sein Freund Dox entführt wurde. Rain muß für den Entführer, Ex-CIA Agent Hilger, drei Morde begehen um Dox freizubekommen. Sieht alles irgendwie nach Falle aus…und ist es auch?
Von Anfang an beginnt die Jagd über die Kontinente. Gespickt mit Täuschungen und Tricks. Spannend und kurzweilig wie immer bei den Storys um Killer John. Es wird natürlich wieder kräftig gemeuchelt und gemordet.
Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet und die Story ist spannend, nachvollziehbar und überaus glaubhaft. Kein bisschen Zufall musste bei der Geschichte nachhelfen.
Interessant dargestellt ist die eigene Zerrissenheit des Killers. Einerseits seine Tätigkeit als Auftragskiller, andererseits seine eigenen moralischen Grundsätze.
Hoffentlich schickt Herr Eisler seine Killermaschine Rain noch nicht so bald in Rente, mir würde der Kerl wirklich fehlen.
mase zu »Barry Eisler: Letzte Vergeltung« 31.03.2010
Dox wird von Rains Erzfeind Hilger entführt. Um Dox lebend wieder zu sehen, muss Rain drei Aufträge erfüllen und jeder kann eine Falle sein.

Welcher grosse Junge wäre nicht gerne John Rain. Früher sind wir lautlos durch die Wälder geschlichen und gerobbt und haben uns mit einem Stock bewaffnet an die „Feinde“ gepirscht und heute liegen wir auf der Couch und lesen Eislers Tokio-Killer.

Wer gerne kurzfristig in die Haut eines Auftragkillers (oder Agent – die machen ja eigentlich das gleiche) schlüpfen möchte, der kommt an Eisler nicht vorbei. Besser kann das keiner. Das ist echt, da ist beim auskundschaften, verfolgen, Spuren verwischen usw. alles logisch und nachvollziehbar. Wie aus einem Lehrbuch.

Die Schreibweise wird wohl nicht jedem gefallen. Obwohl Leichen und Morde reichlich vorhanden sind, explodiert die Story nicht wie beim Popcornkino. So humorlos und sachlich wie Rain bei einem Auftrag agiert, so schreibt Eisler. Zur Auflockerung gibt es dann Charaktere wie Dox oder den auch bereits bekannten Boaz.

Jeder Auftrag des Tokio-Killers hat seine Längen. Das lässt sich nicht vermeiden, denn wenn der Killer über sich selbst, seine Gefühle, sein Leben nachdenkt, dann geschieht das nicht im Kugelhagel.

Eisler hat auch in diesem Teil die Voraussetzung geschaffen, dass ich mich auf eine Fortsetzung freue, die hoffentlich kommen wird.

Eisler war wieder locker für 90 Grad gut.
Falcon zu »Barry Eisler: Letzte Vergeltung« 25.03.2010
Barry Eisler „Letzte Vergeltung“

Wie der Titel schon andeutet, ist 6.Band der Tokyo Killer Serie „Letzte Vergeltung“ (Requiem for an Assassin), der vorläufig letzte dieser Reihe.
John Rain will nach seinem letzten grossen Auftrag aussteigen, und lebt mit seiner Freundin Delilah in Paris. John Hilger hat jedoch noch eine Rechnung mit ihm offen. Da er nicht direkt an John rankommt, schnappt er sich dessen Freund Dox. Hilger erpresst John. Mit Dox als Pfand will er das John drei Aufträge für ihn erledigt. Dabei ist Johns Spezialität, Morde wie natürliche Tode aussehen zu lassen, zwingende Voraussetzung für einen weit perfideren Plan.
Jeder Auftrag könnte jedoch auch für John tödlich sein, denn Hilger wünscht sich nichts mehr als John aus dem Weg zu räumen. Für John Rain beginnt eine gefährliche Gratwanderung, die das Ziel hat, seinen Freund Dox zu befreien. Dabei muss er lernen auch anderen zu trauen, als nur sich selbst.

In Requiem for Assesin stösst John Rain an seine eigenen (inneren) Grenzen. Er ist gezwungen, gegen seine Grundsätze zu verstossen. Wird er es für seinen Freund Dox tun?

Das die Serie nun vorläufig zu Ende geht ist einerseits bedauerlich, denn Barry Eisler hat mit John Rain einen der speziellsten Killer der Thrillerliteratur geschaffen. Eisler versteht es zudem exotische Schauplätze wie Tokyo, Singapur, oder Makao wunderbar in seine Geschichten mit zu integrieren. Die Figuren wie die bildhübsche aber gefährliche Mossad-Agentin Delilah, oder der vorwitzige Scharfschütze Dox, sowie seine wahre Liebe Mirori sind einem ans Herz gewachsen, und man bangt um ihr Leben.
Anderseits glichen sich die Inhalte der letzten Romane sehr.Gegenaufklärungsgänge und Waffenbeschreibung hat man irgendwann genug gelesen.

Was die Romane jedoch auszeichnet, ist die vertiefte Betrachtung über das Töten. John Rain ist sozusagen ein Killer mit Moral. Keine Kinder, keine Frauen, ist sein Credo. Nicht nur das, setzt John Rain voraus, bevor er einen Auftrag annimmt. Nein, er will auch wissen, was das Opfer getan hat, weshalb es sterben soll. Er will seine Taten legitimieren. Gerade diese Frage hat in der heutigen Zeit nichts an ihrer Brisanz verloren.
So blickt man mit einem weinenden Auge zurück.

Barry Eisler selbst, macht keine Aussage darüber, ob, und wann die Serie fortsetzen will. Über ein Prequel wird gemunkelt. Vorerst ist sein erster Stand Alone Roman „Fault Line„ erschienen, demnächst dürfte der zweite Band „Inside Out“ auf Englisch erscheinen.
Wir dürfen gespannt sein, was auf John Rain folgt.
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