Das Geheimnis der Kaschmir-Rose von Barbara Cleverly

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The last Kashmiri rose, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Indien, 1910 - 1929.

  • London: Constable, 2001 unter dem Titel The last Kashmiri rose. 287 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Marieke Heimburger. 346 Seiten.

'Das Geheimnis der Kaschmir-Rose' ist erschienen als

In Kürze:

Indien im Jahr 1922: In der Stadt Panikhat, in der Nähe von Kalkutta, herrscht das ruhige Leben unter britischer Kolonialherrschaft. Die Engländer bleiben weitgehend unter sich, pflegen ihre Lebensart in Clubs und Garnisonen und genießen ihr beschauliches Dasein inmitten der exotischen Kulisse. Trotzdem scheint ein Fluch über der Stadt zu liegen. Seit einigen Jahren kommt immer wieder im März die Frau eines britischen Offiziers unter mysteriösen Umständen zu Tode. Zwischen den einzelnen Todesfällen gibt es merkwürdige Verbindungen: Alle Frauen sterben auf die Art, die sie am meisten gefürchtet haben, und jedes Jahr liegen am Todestag rote Kaschmir-Rosen auf ihren Gräbern. Keiner weiß, wer sie dort hingelegt hat. Scotland Yard Detective Joe Sandilands, der eigentlich auf dem Weg nach England ist, soll der Sache nachgehen. Zusammen mit der indischen Polizei macht er sich auf die Suche nach dem unheimlichen Serienmörder. Doch ihm bleibt nicht viel Zeit, denn schon bald wird sich der Täter die nächste Empfängerin der Kaschmir-Rose auswählen.

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Krimi-Tina zu »Barbara Cleverly: Das Geheimnis der Kaschmir-Rose« 11.07.2009
Schöner atmosphärischer klassischer Whodunit.
1922 Kalkutta:
Der Polizist Joe Sandilands wird kurz vor seiner ersehnten Rückkehr nach London in den kleinen Ort Panikhat berufen um dort eine Mordserie an Frauen von Kolonialoffizieren zu klären, bzw. um zu festzustellen, ob eine solche überhaupt vorliegt.
Und so entwickelt sich vor der prachtvollen Kulisse des spätkolonialen Indiens ein klassisches Rätselspiel. Es gibt eine Menge verdächtiger Umstände, die in alle Richtungen zu deuten scheinen und der örtliche Polizeichef ist alles andere als eine Hilfe. Joe kann sich nur auf die Tochter des Gouverneurs und den feierlichen und intelligenten Sikh-Sergeant Naurung verlassen.
Der Aufbau des eigentlichen Falles passt in seinem anfangs recht gemächlichen Tempo absolut zur Atmosphäre. Es wird erst die Bühne bereitet, auf der sich das Drama abspielen wird. Dies geschieht aber so detailliert, so liebevoll, dass man sich mitten im Geschehen wähnt und Langeweile keineswegs aufkommt. Das Tempo zieht allmählich an und zum Schluss hin wird es recht dramatisch.
Hier stimmt einfach alles. Man fühlt sich mittendrin in Panikhat, und meint fast den Staub und die Hitze spüren zu können. Dazu die scharf und distanziert beobachtete bessere Gesellschaft des Ortes, mit ihren Kolonialistendünkel und ihren Bräuchen, die selbst damals schon einem Beobachter aus England merkwürdig und überholt scheinen. Unter diesem so sorgfältig gewahrtem Deckmantel der Achtsamkeit findet sich so mancher Abgrund von Hass und Leidenschaft.
Wer Atmosphäre in einem Krimi schätzt und auch mit einer gemächlicheren Gangart leben kann, ist mit diesem Buch hervorragend bedient.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »Barbara Cleverly: Das Geheimnis der Kaschmir-Rose« 19.05.2009
Das heutige Autoren immer noch in der Lage sind einen britischen Kriminalroman im klassischen Stil zu schreiben, ohne bereits bestehende Werke zu kopieren, beweist Barbara Cleverly mit ihrem Erstlingswerk "Das Geheimnis der Kaschmir-Rose" mehr als eindrucksvoll.

Allein des Covers wegen hätte ich fatalerweise wohl nie nach diesem Titel gegriffen, weshalb ich mich glücklich schätzen kann, dass es mir per Empfehlung ans Herz gelegt worden ist, denn die Lektüre hab ich in keinster Weise bereut, sondern vielmehr durchgängig genossen. Clerverly zeigt, dass der klassische Whodunit nicht unbedingt in den Schluchten einer vernebelten Großstadt oder einem Landhaus im schottischen Moor spielen muss, und nutzt einen völlig anderen, meiner Meinung nach herausragenden Rahmen für ihr Werk.

Die Geschichte spielt in der Stadt Panikhat nahe Kalkutta, im Indien des Jahres 1922. Es herrscht das ruhige Leben unter britischer Kolonialherrschaft. Engländer bleiben weitgehend unter sich, pflegen ihre Lebensart in Clubs, Casinos und beim Polo. Kurzum, sie genießen ein beschauliches, unaufgeregtes Dasein inmitten einer exotischen Kulisse, die Kipling nicht schöner hätte beschreiben können. Doch die nach außen hin so paradiesisch wirkende Idylle ist eine instabile Fassade, die zu zerfallen droht, denn es scheint ein Fluch über der Stadt zu liegen. Bereits seit dem Jahr 1910 kommt im März des Jahres stets die Frau eines britischen Offiziers unter mysteriösen Umständen zu Tode. Und zwischen den einzelnen Todesfällen scheint es eine Verbindung zu geben. Alle Frauen starben offensichtlich auf die Todesart, welche sie zu Lebzeiten am meisten fürchteten, und jedes Jahr liegen am Todestag rote Kaschmir-Rosen auf ihren Gräbern.

Joe Sandilands, Weltkriegsveteran und Detective von der Metropolitan Police in London, welcher nach Indien gereist ist, um die bengalische Polizei nach den neuesten Methoden des Scotland Yard auszubilden und sich eigentlich schon auf dem Heimweg befindet, erhält den Auftrag der Sache nachzugehen. Zusammen mit dem indischen Polizeisergeant Naurung Singh und der modernen, resoluten und äußerst unkonventionellen Ehefrau des örtlichen Commanders, Nancy Drummond, nimmt er die Ermittlungen auf. Und die Zeit drängt, denn wir haben den Monat März...

Was soll man sagen? Als Fan des klassischen britischen Kriminalromans bietet "Das Geheimnis der Kaschmir-Rose" all das, was mir an diesem Genre solche Freude bereitet: Eine Reihe sympathischer Protagonisten, ein Plot, welcher dem Leser das Miträtseln ermöglicht und trotz eigenen Verdachts Überraschungen enthält, sowie ein perfekt portionierte Prise britischen Humors. Hinzu kommt der toll gewählte historische Hintergrund der Kolonialzeit in Indien, den Cleverly geschickt nutzt, um dem Leser die politische, kulturelle und gesellschaftliche Situation des Landes zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahe zu bringen. Nicht selten findet man in den einzelnen Kapiteln Reminiszenzen an gewisse Genregrößen wieder, fühlt man sich dank der farbenprächtigen Beschreibungen an Kims "Dschungelbuch" erinnert.

Angesichts solcher Schreibkunst kann ich über die Tatsache hinwegsehen, dass Sandilands ein wenig zum Strahlemann mutiert, der ein paar gute Eigenschaften zu viel in sich verkörpert. (Jung, attraktiv, modern, einfühlsam etc.) Da aber aktuell fast alle anderen Ermittler sozial kaputt daherkommen, ist sogar dies eine erfrischende Abwechslung.

Insgesamt ist "Das Geheimnis der Kaschmir-Rose" ein kurzweiliges, gelungenes Werk vor ungewöhnlich exotischer Kulisse, das geschickt Elemente des Kriminalromans mit denen des Gesellschaftsromans vermischt, und zum Ende hin einem Thriller gleich das Tempo anzieht. Einzig und allein der besonders zu Beginn sehr träge Erzählfluss schmälert die Gesamtwertung etwas.
13 von 18 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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