Feuertod von Astrid Paprotta

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Piper.

  • München: Piper, 2007. ISBN: 978-3-492-27129-5. 315 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2009. ISBN: 978-3-492-25417-5. 315 Seiten.

'Feuertod' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Das Obergeschoß der Melemstraße 32 im schicken Frankfurter Nordend wirkte wie ein makabrer Trauerrand. Ein beißender Geruch legte sich über alles, als hätte sich für einen Moment die Hölle geöffnet: In dieser Brandhölle war die umstrittene Stadtverordnete Ellen Rupp umgekommen. Kompromisslos hatte sie sich für eine »sichere Stadt« stark gemacht, wenig überraschend also, dass sie eine Menge politische Feinde besaß. Wer aber würde sie bei lebendigem Leib verbrennen wollen? Hauptkommissar Niklas von der Frankfurter Kripo und sein LKA-Kollege Potofski fahnden nach Hinweisen zu dem verkohlten Unbekannten, der neben Ellen Rupp gefunden wurde: Wer war er? Und warum haben beide Opfer offensichtlich keinen Fluchtversuch unternommen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Deutsche Spitzenklasse« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Viel Ruhm und Ehr hat sie bereits erhalten, die Astrid Paprotta: Deutscher Krimipreis, Glauser. Nach vier Romanen um ihre Kommissarin Ina Henkel und die zahlreichen Abgründe in deren Seele, hat ihr fünfter Roman Feuertod zwei neue Protagonisten, die Kommissare Niklas und Potofski. Im Vergleich zu Henkel bleiben die beiden absolut blass, aber dennoch darf Feuertod getrost zu den absoluten Krimi-Highlights des Sommers 2007 gezählt werden. Seine Stärken liegen nicht in der Charakterisierung der Ermittler, sondern ganz eindeutig anderswo.

Die »ruppige« Rechtsanwältin und Stadtabgeordnete Ellen Rupp verbrennt in den Flammen eines Brandanschlags auf ihre Wohnung. Schnell wird vermutet, die Brandstiftung hänge mit ihrem politischen Engagement für einen wirtschaftsliberalen Ordnungsstaat zusammen. Doch nur wenig später stirbt bei einem nach identischem Muster ausgeführten Anschlag ein Versicherungsvertreter, der mit Ellen Rupp nichts zu tun hatte. Das politische Motiv kann also recht bald ad acta gelegt werden.

Nur ein Zufall?

Der Frisör Claude Czerny hat den ersten Brand beobachtet und wohnt im gleichen Haus wie Moritz Blume, der sich ausgerechnet als Privatdetektiv für Ellen Rupp seine Brötchen verdiente. Ein Zufall. Ellen Rupp hatte von ihren Freunden Rossmann und Michaelis den Auftrag, einen Hauskauf in der Stoltzestraße, Ecke Battonstraße abzuwickeln. In dieser Gegend kommt es in letzter Zeit verstärkt zu Ausschreitungen. Aber das kann in dieser Gegend schon mal vorkommen. Ach ja, Czerny und Blume wohnen in der Battonstraße. Und Blume ermittelt in einem Fall, den auch Ellen Rupp sehr interessant zu finden schien, für den Unternehmensberater Westheim, den Gatten von Rupps Sozia Anna Westheim. Westheim wird nämlich von einem ehemaligen Versicherungsvertreter namens Langenau verleumdet, weil er für dessen Entlassung verantwortlich ist. Ein Versicherungsvertreter? Ja, solche Verstrickungen passieren. Sie passieren jeden Tag vor unseren Augen und das alles ist ganz offenkundig zunächst ein Zufall, auch wenn man das nicht glauben will.

Paprotta hat mit Feuertod einen ganz außergewöhnlichen Kriminalroman verfasst, einen Roman, der in der Tat unter die Haut geht. Und sie schafft es, die klassischen Hauptfiguren eines Kriminalromans – nämlich die Ermittler – an den Rand des Interesses zu schreiben. Über Niklas und Potofski erfährt der Leser so gut wie nichts tiefgründiges, sie sind reduziert auf ihre Funktion, die Ermittlungsarbeit an sich. Wesentlich intensiver sind die Begegnungen mit den anderen Protagonisten des Roman: Anna Westheim, die als junge Frau von ihrem späteren Mann aus den Trümmern eines Mietshauses nach einer Gasexplosion geborgen wurde und dabei ihre ganze Familie verlor. Claude Czerny, der begabte, aber mittellose und nicht gerade als intellektueller Überflieger zu bezeichnende Frisör, der so gerne einen Laden in einer besseren Gegend hätte. Oder aber der ebenso mittellose und nach dem Tod Ellen Rupps auch arbeitslose Moritz Blume, der sich mit seinem warmherzigen Dobermann auf die Suche nach den Gründen macht, weswegen seine heimlich geliebte Auftraggeberin sterben musste.

Ein gelungener Schwenk

Doch nicht nur auf dieser Schiene beweist die Autorin unkonventionelles Können. Während sich »Feuertod« nämlich über gut zwei Drittel als klassischer Whodunit entwickelt und ordentlich Spannung aufgebaut wird, sprengt sie die Fesseln des Genres, verrät dem Leser den Täter und schwenkt so ganz unerwartet über auf eine Beobachtung von Indizienauslegung, Glaubwürdigkeit und Gewissenlosigkeit. Astrid Paprotta geht in ihrer Erzählung hohes Risiko, testet Neuland aus und kann erhobenen Hauptes vor ihre Leser treten: So stark der Bruch in der Erzählung für den Moment ist, so stark ist der Konter der Autorin mit einem Finale, das für Gänsehaut sorgen kann.

Nur mit der Taufe einiger Personen hätte sich Astrid Paprotta etwas mehr Zeit nehmen können. Angefangen bei Ellen Rupp, der »ruppigen« Anwältin, über den Priester Zorn (fortan »Gottes Zorn« genannt), den Frisör Czerny (sprich: Scher-nie), einen Mann mit dem Namen des Schutzpatrons der Feuerwehrleute und eine Frau, deren Name auch ganz viel mit Feuer zu tun hat. Krönung sind dabei der Apotheker Michaelis und der Neurologe und »Drogist« Rossmann. Dem sehr guten Gesamteindruck tut dieses Manko jedoch keinen Abbruch.

Thomas Kürten, Oktober 2007

Ihre Meinung zu »Astrid Paprotta: Feuertod«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Beat zu »Astrid Paprotta: Feuertod« 29.05.2009
sprachlich hervorragend, psychologisch und vom plot her fast ebenso - viel zu gut für eine tatort-verfilmung. sehr interessant auch, wie sich die vergangenheit einiger figuren langsam entblättert - oder die zukunft (czerny)...
nach einem buch von paprotta sind praktisch alle anderen krimis nicht mehr so interessant.
Angelo zu »Astrid Paprotta: Feuertod« 10.04.2009
Hervorragend. Im wörtlichen Sinn. Dieses Buch und damit die Autorin ragen heraus aus dem Mittelmass und auch aus der Masse der vielen guten Krimis.
Es ist die Story, eigentlich eine mehrschichtige Sozialstudie und gleichzeitig ein Psychogramm einer traumatisierten Person, es sind die Personen (hier spielen tatsächlich nicht die beiden neuen Kommissare die Hauptrollen) die ganz nahe und menschlich herangezoomt werden, es ist die Sprache (wie schon in Paprottas Henkel-Romanen) die verblüffend den Rhythmus wechselt, je nachdem wer spricht, denkt oder handelt.
Ein spannendes aber auch bedrückendes Buch, unterhaltend im besten Sinne, in dichter Sprache erzählt, in 60 stimmige Szenen geschnitten. Astrid Papprotta gehört zu den aktuell besten deutschsprachigen Autoren, weit über das Krimi-Genre hinaus.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Albert E. zu »Astrid Paprotta: Feuertod« 15.02.2009
Großartig angelegte Handlung in einem intelligent geschriebenen Krimi.Gut skizzierte Charaktere, flüssiger Stil.Der beste Krimi, den ich seit langem gelesen habe und allemal besser, als die auf den amerikanischen Bestsellerlisten erscheinenden Fließband - Krimis.Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen.Albert E.
julieheist zu »Astrid Paprotta: Feuertod« 17.05.2008
was für ein spannendes Buch:
unvorhersehbare Kurven im Handlungslauf, lakonisch, präzise in der Sprache (Brecht grüßt...?), keine Psychologie mit dem Vorschlaghammer sondern haarscharf beobachtete Details, genau gehörte Dialoge mit Zwischentönen, stark aufgebaute Handlungsstränge. ein einziges Vergnügen zu lesen und die Rätsel mitzulösen...
Longman zu »Astrid Paprotta: Feuertod« 27.11.2007
Mein erstes Buch von Frau Paprotta. Ich fand es zäh und sehr mühsam zu lesen. Ich konnte mit keiner der Figuren warm werden, d.h. sowohl Täter als auch Opfer waren mir bis zum Schluß relativ egal. Die Auflösung hat mich jedoch überrascht.
kamocolo zu »Astrid Paprotta: Feuertod« 17.10.2007
Für mich das schwächste Buch von Astrid Paprotta. Habe zu lang gebraucht bis ich dann endlich durch war. Der Plot war nicht besonders die "Lösung" etwas abgedroschen.
Ihr Kommentar zu Feuertod

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: