Das Geheimnis der schwarzen Dame von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1990
unter dem Titel La tabla de Flandes,
deutsche Ausgabe erstmals 1994
bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Madrid, 1990 - 2009.
- Madrid: Alfaguara, 1990 unter dem Titel La tabla de Flandes. 416 Seiten.
-
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1994.
Übersetzt von Gerhard Horstmann.
ISBN:
3-498-05283-7. 364 Seiten. -
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1996.
Übersetzt von Gerhard Horstmann.
ISBN:
3-499-13909-X. 364 Seiten. -
München: Ullstein, 2002.
Übersetzt von Gerhard Horstmann.
ISBN:
3-548-60197-9. 364 Seiten. -
Berlin: Ullstein, 2004.
Übersetzt von Gerhard Horstmann.
ISBN:
3-548-84015-9. 368 Seiten.
'Das Geheimnis der schwarzen Dame' ist erschienen als
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In Kürze:
Eine geheimnisvolle, schwarzgekleidete Dame ist auf dem Gemälde des flämischen Meisters van Huys zu sehen. Als wisse sie um etwas Furchtbares, beobachtet sie mit seltsam entrücktem Bild zwei Ritter, die in eine Schachpartie vertieft sind. Fasziniert bittet die Restauratorin Julia den Kunsthistoriker Alvaro herauszufinden, was es mit dem Bild auf sich hat. Kurze Zeit später ist Alvararo tot – ermordet. In Julias Umkreis geschieht nun ein furchtbares Verbrechen nach dem anderen …
Das meint Krimi-Couch.de: »Einblicke in die Readers-Digest-Psychologie des Schachspielers«
Krimi-Rezension von Bernd Ganter überspringen
Was läßt sich über den Autor mutmaßen? Dreierlei: Erstens spielt er Schach, zweitens raucht er und drittens hat er einen Kurs über Kreatives Schreiben besucht. Er ist im übrigen zu beglückwünschen: Trotz seines Potentials an schriftstellerischen Fähigkeiten hat er verstanden, die Kenntnisse aus seinem Kurs im Kreativen Schreiben in einen kommerziellen Erfolg umzusetzen.
Was ist der Inhalt der Schwarzen Dame? Ein Gemälde eines holländischen Malers namens Van Huys aus dem Jahre 1471, das eine Schachpartie abbildet, stellt sich für die junge spanische Restauratorin Julia als Quelle eines Geheimnisses heraus. Unter Röntgenstrahlen zeigt sich eine Inschrift: Quis necavit equitem – Wer tötete den Reiter (bzw Springer)? »Doch das war nicht alles. Da war außerdem irgendeine Furcht.« Die Heldin fürchtet sich plötzlich. Man fragt sich, was diese Angst auslöst, aber auf diese Weise geht es gleich weiter: Einer der Abgebildeten starb im Jahre 1469, das Bild ist aber aus dem Jahre 1471. Ist das ein Problem? »Durch die von Alvaro gelieferten Daten hatte die geheime Botschaft plötzlich etwas Unheilvolles.« So schnell geht das.
Dass, wie so oft in der Kunstgeschichte, die Abbildung des Porträtierten von früheren Bildern abgepinselt worden sein könnte, kommt weder dem Autor noch seiner Heldin in den Sinn. Und dann wird Kunsthistoriker Alvaro mir nix dir nix ermordet, und dann geschieht noch ein Mord, und, hol´s der Teufel, mehr noch: Diese Morde erfolgen gemäß der Schachpartie auf dem Bild.
Damit der Leser dies besser versteht, wird er endlos mit Skizzen einer Schachpartie gequält, die ihm ausführlich in schachtechnischem Jargon auseinandergesetzt werden, denn er will ja unterhalten sein. Und was passiert bis zum Ende? Die wenigen Hauptdarsteller zünden sich, wo sie gehen und stehen oder sitzen, Zigaretten an, denn wie einen wahrscheinlich die Kurse in Kreativem Schreiben lehren, müssen sich Dialog (»Irgendetwas stimmt hier nicht.«), Action, also Zigarette anzünden oder Beine übereinanderschlagen oder auch nur verwirrt gucken, und Reflexion, besser gesagt: pseudophilosophisches Gequatsche auf Journalistenniveau, etwa der Art, dass die Beweisbarkeit ein weitaus schwächeres Konzept sei als die Wahrheit an sich, in ziemlich genau festgelegtem Verhältnis ablösen.
Und Action? Wird ausreichend geboten gemäß dem Lehrbuch für Kreatives Schreiben: Neben dem dauernden Anzünden von Zigaretten, müssen Leute noch ständig »verwirrt« scheinen oder stets wie in weiter Ferne gedankenschwer ins Leere starren. Daß die Protagonistin das sich aus irgendeinem Grunde ständig im Wert steigernde Bild bei sich zuhause aufbewahrt, dass die vom Tode bedrohten Akteure nichts besseres zu tun haben, als den Fall trotz angeblich dieser höchsten Gefährdung im Alleingang zu lösen, dass sich die Protagonistin auf einen anonymen Anruf hin nachts allein in ein leeres Museum wagt, und vieles mehr, will schwerlich einleuchten.
Wie auch immer: Der Täter wird schließlich gefunden, muß dann aber die letzten sage und schreibe sechzig von nur dreihundertsechzig Seiten ausführlichst erklären, warum er seine Untaten vollbracht hat. Natürlich zündet er sich dabei einige Zigaretten an, schlägt die Beine übereinander und starrt wie in weiter Ferne ins Leere. Halt, mehr noch: Gießt sich auch noch einen Wodka ein. Action pur.
In diesem Buch stimmt wenig, insbesondere überzeugt es nicht in der Psychologie der handelnden, also zigaretteanzündenden, beineübereinanderschlagenden oder nachdenklich ins Leere starrenden Personen. Schon der Grundansatz ist falsch: Wenn schon der Täter seine Morde via Schachspiel ankündigt bzw nachvollzieht, wie sollen sich dann die potentiellen Opfer via Schachspiel wehren? Oder wie kommt es, dass die gestresste Hauptdarstellerin trotz tödlicher Bedrohung völlig ohne Grund plötzlich guter Laune ist (»zum ersten Mal war da wieder dieses Gefühl von Ausgeglichenheit«), wobei die gleiche Szene (»die Musik, vom Wodka gedämpfte sanfte Jazzmelodien aus den dunkeln Winkeln der Wohnung«) in leichter Abwandlung gleich dreimal vorkommt (List-TB-Ausgabe siehe Seiten 80/81, 109/110, 210/211). Oder dass sie keine Gefühlsregung zeigt, als sie von der Ermordung ihres Ex-Geliebten, ihrer großen Liebe hört, sondern munter drauflos plappert?
Das Buch ist geschrieben von einem Journalisten, der weiß, was ein spezifisches Publikum erwartet. Der außerdem unbedingt einen Schachroman schreiben wollte, vielleicht um dem Leser Einblicke in die Readers-Digest-Psychologie des Schachspielers geben zu können, ein Vorhaben, das aber in seiner Umsetzung steril und an den Haaren herbeigezogen, ja lachhaft, wenn nicht ärgerlich wirkt. Ein eher klägliches Werk insgesamt.
Wer Joschka Fischer für einen Intellektuellen oder Gräfin Dönhoff für eine weitsichtige Frau hält, und wer öfters, wenn auch nur mit schlechtem Gewissen, Derrick sieht, der wird diesen Roman dennoch genießen können. Wer glaubt, seine Lebenszeit sei zu kurz, um sie mit schlechten, anmaßenden Büchern zu füllen, dem ist dringend abzuraten.
Das meinen andere:
»Dass die Leichen wie ungedeckte Schachfiguren fallen, ist nur ein nebensächlicher Zug des ebenso klug wie fesselnd arrangierten Schachkrimis. Pérez-Reverte ist ein begnadeter Spieler und ein fulminanter Erzähler dazu.« (Die Weltwoche)
»Arturo Pérez-Reverte hat mit dem Geheimnis der schwarzen Dame seinen ersten internationalen Erfolg gestartet. In der Nachfolge der angelsächsischen Krimitradition baut er seinen Riman auf die Intelligenzleistung der kleinen grauen Zellen auf, die das große Rätsel lösen sollen, das im europäischen Krimi früherer Zeiten so übermäßig geliebte Geheimnis. Nun taucht sie also wieder auf, die hochkomplizierte Kunst des Mordens.« (Süddeutsche Zeitung)
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| Pilgrim zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 03.11.2011 |
|---|---|
| mase zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 28.10.2008 |
| tedesca zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 12.06.2008 |
| Erika Kretzer zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 07.02.2008 |
| JaneM. zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 28.01.2008 |
| Mirko Wittig zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 04.12.2007 |
| jan falkner zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 26.02.2007 |
| Beate Daus zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 28.12.2006 |
| Frank Thalmann zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 23.01.2006 |
| Stefan Soost zu »Arturo Pérez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame« | 04.01.2006 |
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